Endurowandern 3

Eckl Enduro Perfection 3 mit Stargast. Der Abgelederte macht psychische 180° Wendung.

Eckl Enduro Perfection 3

 
Das dritte Eckl Enduro Perfection Training hatte einen Stargast. Der Abgelederte wurde von Yamaha in den pannonischen Wald beordert. Für Unterhaltung war gesorgt.

Er ist nämlich bekannt dafür, auch unter schwerem Streß lange die Nerven und vor allem die Haltung zu bewahren. Und auch wenn er sich mal ärgern sollte, was selten vorkommt, wird er nie ausfällig. Deshalb konnte ich mir irgendwie schon ausmalen, wie dieser Tag ablaufen würde.

Die extremen Gefühlsschwankungen (und ich meine extrem) des Abgelederten zeigten in eindrucksvoller, wenn auch überzogener Weise, was für Zustände beim Endurofahren durchlebt und gemeistert werden müssen. Leider stieg der Abgelederte gleich bei der ersten Abfahrt in die verkehrte, abschüssige Seite vom Bock ab und tauchte tief mit dem Kopf voran in die Botanik ab. Die Motivation war hinüber. Die nächsten zwei Stürze folgten auf den nächsten zwei Auffahrten. Nicht nur Motivation hinüber, auch das Nervenkostüm. "Endurofahren ist Dreck!" Stürzen und Scheitern ist aber nur dann ein Problem, wenn man es als absolut ansieht und zur logischen Konsequenz macht: Wenn ich es versuche, stürze ich oder werde scheitern. Ganz im Gegenteil muß man aber das Versagen als erneute Herausforderung sehen. Ich lasse mich von einem Hang, der mich einmal abgeworfen hat, nicht noch einmal abwerfen. Ich hätte das anfangs auch nicht geglaubt, aber es sind gerade die schwierigsten Passagen, die dich später am meisten interessieren, weil sie die größte Herausforderung darstellen.

 

I get knocked out, but I get up again...

 

Mir wurde auf der ersten Auffahrt wieder bewußt, wie man das Scheitern ins Positive kehren kann und Kraft daraus schöpft. Diesen Hang hatte ich nämlich bei den ersten beiden Kursen bezwungen, allerdings immer mit enormem Aufwand und gerade noch, weshalb ich den Hang maximal zweimal hinauffuhr und ihn dann mied, um nicht doch noch zu versagen. So baute ich eine richtige Scheu vor dem Hang auf. Aber im dritten Training wollte ich es wissen. Als die anderen gerade eine Sektion absolvierten, hatte ich etwas Zeit und machte mich auf den Weg, mir selbst endlich die Angst vor dieser Auffahrt zu nehmen. Ich versuchte es und hatte Erfolg, dann versuchte ich es erneut, und wieder kam ich oben an. Mit jedem Versuch wurde es einfacher, klarer und lockerer. Ich brauchte immer weniger Kraft - das offene Geheimnis beim Endurofahren. Als der Hang schliesslich keine Herausforderung mehr darstellte, ließ ich ab und suchte mir eine neue Aufgabe.

 

Links der Abgelederte NOCH gut gelaunt, rechts der Abgelederte WIEDER gut gelaunt. Dazwischen lag die Hölle.

Während meine Aktivität weiter stieg und mir das Endurofahren immer mehr Spaß machte, ging es dem Tower of Power nicht so gut, der absolute Tiefpunkt war erreicht und er war bereit, das Handtuch zu werfen. Nun gibt es ein ungeschriebenes Gesetz unter Enduristen und das heißt gegenseitige Hilfestellung und Motivation.
Die große Chance das Blatt um 180° zu wenden sah ich in der Auffahrt zum Plateau. Ein steiler, sandiger Hang, bei dem ich bisher immer zwei Anläufe gebraucht hatte, so auch diesmal. Endlich oben angekommen sah ich unten den Abgelederten, dem ich zuvor eine Motivationsansprache hielt wie einem Boxer. Er zuckte leicht, er grübelte, er wurde unruhig...

Und dann geschah das Unfassbare. Der Abgelederte wagte das Unmögliche, kuppelte ein und stürmte den Hang. Nicht panisch, nicht aggressiv, nicht ängstlich. Ganz geschmeidig, ganz locker. Den Hang, auf dem ich beim ersten Mal noch hängengeblieben war, schaffte er "first try". Ich traute meinen Augen nicht. Oben angekommen veränderte sich sein Gemütszustand wenig schnell.

"Bist deppat das is so leiwand!!! Endurofahren ist das Beste!!" hieß es ab diesem Zeitpunkt nur mehr. Der Bann war gebrochen, die Sperre im Hirn aufgehoben, die Hemmung beseitigt. Und plötzlich ging so viel mehr. Auch die Abfahrt, die wesentlich mehr Mut erfordert, war kein Problem mehr. Der Abgelederte hatte die verloren geglaubte Schlacht doch noch gewonnen. Die Schlacht gegen sich selbst.

 

..schaut owe, auf den ormen Steirer Buam.

Vetiska erklärt die richtige Haltung. Hat's der Abgelederte kapiert? Sieht nicht so aus.

Am Boden.  Solange es freiwillig geschieht willkommene Gelegenheit zum Kräftesammeln.

Ich putze nie ein Motorrad, aber zu Fotozwecken hab ich mal die Hochdruckreinigungspistole in die Hand genommen, damit meine Freundin fotografieren konnte.

Und eigentlich war ich es der KTM EXC-F 250 schuldig, so treu wie sie mir war. Sie zog mich jeden Berg rauf und ist immer angesprungen, obwohl ich den Startknopf wahrscheinlich 100 Mal am Tag gedrückt habe. Sie schonte meine Kraftreserven, weil sie die Kraft nur dann abgab, wenn ich das explizit forderte und gab mir so die Möglichkeit, mich maximal auf Strecke, Situation und Bewegungsabläufe zu konzentrieren. Und sie ist mir ans Herz gewachsen, weil sie mir die unendlichen Möglichkeiten in der wirklich freien Motorradwelt zeigte. Ich habe erkannt: Eine Enduro gehört in die Garage jedes ganzheitlichen Motorradfahrers.

 
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Text: kot
Fotos: kot

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Bericht vom 04.06.2007 | 9.584 Aufrufe

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