SW Motech PEAX Rackless und Dowatek Intensivtest
1618 Kilometer Balkan Härtetest für Gepäck und Schutzteile
1.618 Kilometer durch vier Balkanländer ohne Gepäckträger und ohne Rucksack: NastyNils testet das neue SW-Motech PEAX Rackless System sowie die extremen Dowatek-Schutzkomponenten an der GasGas EC 350F im rauen Praxiseinsatz.
Eine Woche Hard Enduro, vier Länder, 1.618 Kilometer von der Schwarzmeerküste bei Burgas bis ans Mittelmeer, am Galicica-Pass hinauf bis auf 1.994 Meter. Wer so eine Distanz im Gelände fährt, lernt sehr schnell, welches Zubehör ein Segen ist und welches nur am Stammtisch gut klingt. Ich hatte an meiner GasGas EC 350F zwei Neuheiten montiert: das Gepäcksystem PEAX Rackless von SW-Motech und Schutzteile von Dowatek. Gleich vorweg, damit keine Missverständnisse aufkommen: Das hier ist keine Heizdeckenverkaufsfahrt. Die Wahrheit: Beides hat mich überzeugt, eines davon mit einer Bastellösung, für die sich jeder Ingenieur genieren würde. Doch der Reihe nach.
Warum ich 1618 Kilometer ohne Rucksack gefahren bin
Auf einer Tour mit Etappen von 250 bis 380 Kilometern und zehn bis elf Stunden im Sattel zählt jedes Gramm, das nicht an deinen Schultern hängt. Genau deshalb wollte ich das PEAX Rackless haben. Dahinter steckt ein trägerloses Satteltaschensystem für Sportenduros, es kommt ohne starre Kofferträger aus und sitzt direkt am Heck. Bei mir wandert alles hinein, was sonst am Rücken klebt: Wasser, Kamera, Handy, das ganze Videozeug. Am Körper bleibt nichts. Der Grund: Ein freier Oberkörper arbeitet im Stehen lockerer, und lockere Arme sparen über den Tag enorm viel Kraft. Wasserdicht ist die Tasche obendrein. Befreiend!
SW Motech PEAX Rackless mit nur einer Tasche am Heck
Ich glaube, ich bin der einzige Mensch, der dieses System so montiert. Normalerweise gehört auf jede Seite eine Tasche und oben drauf kommt noch eine Hecktasche. Ich habe nur eine Seite genommen. Schaut ein bisschen eigenartig aus, passt aber exakt zu meinem Gepäck, und leere Taschen spazieren zu führen, nur damit das Heck so aussieht wie im Prospekt, ist mir zu blöd. Der Zugriff gefällt mir: ein Handgriff oben, und die Tasche ist offen. Innen ist sie rot und nicht schwarz, damit du deine Sachen auch findest, wenn es schnell gehen muss. Kleinigkeit, aber genau solche Kleinigkeiten entscheiden unterwegs über gute oder schlechte Laune. Das komplette Set mit Gegenstück und Hecktasche kommt später auf meine BMW R 12 G/S. Ich bin gespannt.
Die Grundplatte hält das Gepäck vom Hinterreifen fern
Es gibt andere Umhängesysteme, und ich kenne ihr Problem. Auf meiner letzten Tour in Colorado hatte ich Taschen ohne stabilisierende Platte montiert. Das Resultat: Das Zeug bewegt sich ständig und haut dir bei jedem Hopperl in den Hintern und in den Rücken. Das PEAX hat hinter der Tasche eine Grundplatte. Auf der einen Seite ist das ein zusätzliches, sperriges Teil. Auf der anderen Seite geht das Herausziehen und Einschieben der Innentasche damit viel leichter, und vor allem hält die Platte das Gepäck vom Reifen fern. Gerade auf einer schlanken Hard Enduro, wo am Heck nichts ist, woran sich eine Tasche anlehnen kann, baumelt sie sonst irgendwann ins Hinterrad. Für mich überwiegt der Vorteil klar. Am ersten Tag hatte ich das System allerdings falsch montiert, es störte beim Fahren im Stehen. Am zweiten Tag umgebaut, seither Ruhe.
Kabelbinder, Scheuerspuren und ein Wunsch an Version 2.0
Jetzt zur Beichte. Weil ich nur eine Tasche fahre, fehlt mir das Gegenstück, an dem sich das System normalerweise abstützt. Unten halten die zwei mitgelieferten Gurte, den Rest erledigt die Kabelbinder-Variante von Diplomingenieur NastyNils. Einmal ist mir der Kabelbinder gerissen, seither fahre ich dreifach. Hält. Das ist mein Pfusch und kein Fehler des Herstellers. Ein echter Wunsch bleibt trotzdem: Der Gurt, der die Tasche am Schluss kompakt zusammenzieht, hält sie über Spannung, also kraftschlüssig. Mir wäre lieber, er liefe von unten nach oben und würde die Tasche formschlüssig umfassen, sodass sie gar nicht herausrutschen kann. Der Vorteil der jetzigen Lösung: Es geht wirklich schnell von der Hand. Und ehrlich muss ich auch bei den Scheuerspuren sein. Ein Teil stammt vom Transport, weil ich das Motorrad falsch niedergespannt habe. Der andere Teil stammt vom System selbst. Damit kann ich leben.
Dowatek Schutzteile aus Oberbayern an der GasGas EC 350F
Die zweite Entdeckung des Jahres heißt Dowatek. Hinter dem Namen stecken Martin Dosch und Kaspar Waldherr, zwei Entwicklungstechniker aus Oberbayern, selbst Vollblut-Enduristen und Titelsponsor der DOWATEK Hard Enduro Series Germany. Ich habe die Marke heuer neu für mich entdeckt und bin von Produktqualität und Passform begeistert. Alles passgenau, alles stabil. Mein Zugang zu Schutzteilen ist übrigens kein heldenhafter. Ich montiere sie nicht, weil ich so wild fahre, sondern weil ich faul bin: ”Einfach, ich möchte die ganze Woche keinen Schraubenschlüssel angreifen.” Auf einer Tour, bei der die Karawane jeden Tag weiterzieht, kannst du keinen Tag auslassen. Wenn bei einem Umfaller eines der klassischen Teile kaputtgeht, stehst du blöd da. Die Kettenführung an meiner GasGas kommt ebenfalls von Dowatek und macht das Motorrad noch eine Spur robuster. Sorgenfrei fahren ist der eigentliche Luxus.
Motorschutz und Deckelschutz gegen brachiale Felskontakte
Obligatorisch ist der Schutz für Kupplungsdeckel und Zündungsdeckel. Die Motordeckel sind empfindlich, und ein Stein oder ein Umfaller, bei dem sich Schalthebel oder Fußbremshebel in den Deckel bohren, reicht für ein Loch. Dann rinnt das Öl und die Tour ist vorbei. Ist das übertrieben für eine geführte Reise? Nein! Wir sind über Geröllhalden hinuntergefahren, und bei Steinen gebe ich kaum Gas und rolle einfach über alles drüber. Da darf es unten ruhig einmal krachen. Genau dafür ist das Zeug da.
Bremsscheibenschutz vorne und hinten als Schrauberhilfe
Bei den Bremsscheiben fahre ich zwei unterschiedliche Konzepte. Vorne sitzt ein Schutz aus zähem Spezialkunststoff, der die Scheibe gegen Äste und seitliche Schläge abschirmt. Hinten arbeitet der Factory Bremsscheibenschutz V2.2, ein massives Frästeil aus Aluminium, das Scheibe und Bremssattel vor Steinen bewahrt. Der eigentliche Grund, warum ich ihn genommen habe, ist aber ein anderer: Er dient beim Einbau des Hinterrades als Führung. Alles bleibt in Form, das Rad flutscht hinein, statt dass du zu dritt im Dreck kniest und fluchst. Wer schon einmal im Gelände ein Hinterrad eingefädelt hat, weiß, wovon ich rede. Auf dieser Tour habe ich gesehen, wie schnell an einer Tankstelle fünf Leute im Kreis um ein Motorrad stehen und jeder es besser weiß. Am Schluss passt zwar alles. Aber jedes Teil, das so eine Runde abkürzt, ist sein Geld wert.
Mein Fazit nach vier Ländern und 1618 Kilometern Gelände
Hand aufs Herz: Beide Marken haben die Tour überstanden, und beide würde ich wieder montieren. Das PEAX Rackless hat mein Fahren verändert, weil ich die ganze Distanz ohne Rucksack unterwegs war. Die flexible Grundplatte ist der Unterschied zu baumelnden Umhängetaschen, der Gurt am Schluss verdient eine Überarbeitung, und wer nur eine Seite fährt, braucht Kabelbinder und Humor. Die Dowatek Teile sind von der unauffälligen Sorte: Du montierst sie, sie passen, und danach denkst du nicht mehr daran. Wer mit einer Sportenduro eine lange Tour fährt und abends lieber ein Bier trinkt als schraubt, der ist mit diesem Paket gut bedient. Wer nur am Wochenende zwei Stunden im Wald spielt, kommt auch mit weniger aus. Für mich bleibt beides am Motorrad. Rauf auf den Sattel!
Bericht vom 18.10.2026 | 1.827 Aufrufe