CFMoto 450CL-C im Test: A2 Bobber mit V2 Sound

Wie viel Cruiser 5'790 Franken wirklich bieten

Ein Bobber für 5'790 Franken, fahrbar mit dem A2 Schein und mit einem Motor, der fast nach V2 klingt. Auf dem Albispass hoch über dem Zürichsee zeigt die CFMoto 450CL-C, was in ihr steckt, und überrascht in fast jeder Disziplin. Ein ehrlicher Blick auf Sitzhöhe, Sound, Kurvenlust und die Rechnung am Schluss.

Cruiser und Bobber führen in der Motorradbranche oft ein Schattendasein, dabei haben sie eine ganz eigene Faszination. Die CFMoto 450CL-C tritt an, um in diese Nische frischen Wind zu bringen, und das zu einem Preis, der aufhorchen lässt. 5'790 Franken für einen Bobber, der sich mit dem A2 Schein fahren lässt, das ist eine Ansage. Getestet wurde sie dort, wo die Schweiz am schönsten ist, auf dem Albispass hoch über dem Zürichsee.


Unter dem klassischen Blech arbeitet ein bekannter Antrieb. Der 449 Kubik grosse Reihenzweizylinder stammt aus der 450 MT und der 450 NK, wurde für den Cruiser aber neu abgestimmt. Mit 44 PS bei 9'000 Umdrehungen und 42 Nm bei 6'250 Umdrehungen liegt er nah an dem, was der A2 Schein überhaupt zulässt. Bewertet wird die 450CL-C in vier Disziplinen, von den ersten Metern über Motor und Sound bis zur Kurve und schliesslich zur Rechnung.


Cruiser mit Understatement: Vor der Kulisse des Zürichsees zeigt die CFMoto 450CL-C, dass klassischer Bobber Look und ein A2 tauglicher Preis zusammengehören
Cruiser mit Understatement: Vor der Kulisse des Zürichsees zeigt die CFMoto 450CL-C, dass klassischer Bobber Look und ein A2 tauglicher Preis zusammengehören

Sitzhöhe und Handling der CFMoto 450CL-C - tiefer Einstieg für Einsteiger

Was zuerst ins Auge fällt, ist die sehr niedrige Sitzhöhe von 690 Millimetern. Damit liegt die 450CL-C im unteren Bereich ihrer direkten Konkurrenz und ist auf Augenhöhe mit der Honda CMX 500 Rebel, während die Kawasaki Eliminator 500 in einer ähnlichen Region spielt. Auf dem schmalen Sitz, einer kleinen Hommage an die alten Postsessel klassischer Bobber, kommt ein 1,80 Meter grosser Fahrer bequem und mit sicherem Stand an den Boden.


Mit gut 180 Kilogramm fahrfertig ist die 450CL-C nicht das leichteste Motorrad, doch der Schwerpunkt liegt tief. Das macht sich beim Rangieren sofort bemerkbar, denn die Maschine lässt sich mühelos bewegen. Überraschend ist der satte Lenkeinschlag, den man von einem Cruiser so nicht erwartet. Im Test liess sich eine enge Kurve mehrfach wenden, ohne die Maschine zu schieben, was im Alltag und für Einsteiger Gold wert ist.


Ein kleines Glück im Unglück lieferte eine vorherige Testfahrerin, die mit der Maschine umgekippt war. Das Schadensbild fiel minim aus, ein Schutzblech am Auspuff, ein leicht verbogener Bremshebel, der Spiegel und die Schaltwippe. Für Einsteiger ist das ein beruhigendes Signal, denn ein Sturz aus dem Stand ruiniert hier nicht gleich das ganze Motorrad.


Motor und Sound der 450CL-C - fast wie ein grosser V2

Beim Cruiser zählt der Sound, und hier sorgt der 449 Kubik Zweizylinder für die erste grosse Überraschung. Dank des 270 Grad Hubzapfenversatzes klingt der Motor auffallend körnig und erinnert stark an einen V2, obwohl es sich um eine 450er handelt. Schon der Serienauspuff liefert einen Klang, der eine Klasse grösser wirkt.


Für den Cruiser wurde der Antrieb neu abgestimmt und schiebt unten herum kräftiger an. Zwischen 3'000 und 6'000 Umdrehungen liegt der Sweetspot, doch ein ausgeprägtes Drehzahlloch sucht man vergebens, die Maschine zieht über den ganzen Bereich sauber durch. Bei einem Bobber geht es ohnehin weniger darum, wie schnell die 100 erreicht sind, sondern mit welchem Grinsen man im 80er unterwegs ist.


Für die Autobahn reicht die Leistung problemlos, 120 km/h sind kein Thema, und CFMoto nennt einen Topspeed von 152 km/h. Im 80er greift bereits der sechste Gang fast zu niedertourig, was gut zur entspannten Auslegung der Maschine passt.


Der Klang macht den Unterschied: Der 270 Grad Zweizylinder bollert körnig wie ein grosser V2, und das ist bei der 450CL-C kein Zufall
Der Klang macht den Unterschied: Der 270 Grad Zweizylinder bollert körnig wie ein grosser V2, und das ist bei der 450CL-C kein Zufall

CFMoto 450CL-C in der Kurve - agiler als der Look verspricht

Auf dem kurvenreichen Albispass zeigt die 450CL-C ihre zweite Überraschung. Trotz der ballonartigen 16 Zoll Räder geht sie erstaunlich agil ans Werk und wirkt in Schräglage fast wie ein Naked Bike. Der Lastwechsel gelingt leicht, der tiefe Schwerpunkt und der kompakte Radstand sorgen für eine Mischung aus Stabilität und Wendigkeit, die schnell Vertrauen weckt.


Konstruktionsbedingt ist das Fahrwerk knapp bemessen. Hinten stehen 96 Millimeter Federweg zur Verfügung, die Bodenfreiheit liegt bei 153 Millimetern. Im Stadtverkehr meldet das Heck kurze Stösse etwas deutlicher zurück, dafür liegt die Maschine in Schräglage satt. Der eingeschränkte Schräglagenwinkel wird dabei zum Vorteil, denn die Fussrasten kratzen früh und geben ein klares, gut dosierbares Signal, lange bevor es kritisch wird. So lässt sich die Grenze sehr sicher ertasten, was gerade Einsteigern zugutekommt.


Wolf im Schafspelz: In Schräglage fährt sich die 450CL-C fast wie ein Naked Bike und lenkt überraschend leicht ein
Wolf im Schafspelz: In Schräglage fährt sich die 450CL-C fast wie ein Naked Bike und lenkt überraschend leicht ein

Laufruhe und Ausstattung - leiser Riemen statt Kette bei der CFMoto 450CL-C

Für Laufruhe sorgt ein Detail, das die Konkurrenz in dieser Klasse nicht bietet, nämlich der Riemenantrieb. Er läuft leise und wartungsarm, sodass neben dem bollernden Auspuff kaum Nebengeräusche zu hören sind. Weder bei der Honda noch bei der Kawasaki gibt es diesen Riemen serienmässig. Unter 60 km/h fällt die Gasannahme im Stadttempo etwas ruppig aus, darüber läuft die 450CL-C angenehm ruhig und wirkt spürbar erwachsen.


Die Bremsen erledigen ihren Job unaufgeregt und verzögern sicher, ohne besonders zu glänzen. ABS und Traktionskontrolle sind an Bord, ein Quickshifter fehlt, dafür lässt sich das gut abgestimmte Getriebe sauber schalten. Kupplung und Schaltung vermitteln durchweg das Gefühl, dass hier jede Schraube sauber sitzt.


Leise unterwegs: Der Riemenantrieb hält die 450CL-C flüsterleise und lässt dem bollernden Auspuff die Bühne
Leise unterwegs: Der Riemenantrieb hält die 450CL-C flüsterleise und lässt dem bollernden Auspuff die Bühne

Verarbeitung und Preis - was 5'790 Franken bei der CFMoto 450CL-C bieten

Beim Rundgang um die Maschine zeigt sich, wofür das Geld reicht. An der Seite sitzen ein USB-A und ein USB-C Anschluss, ein durchdachtes Detail, das jüngere Fahrer beim Laden von Handy oder Headset zu schätzen wissen. Die Verarbeitung wirkt wertiger als der Preis vermuten lässt, mit einem sauber gefrästen Bauteil an der Seite, einem Schutzblech aus echtem Blech und einem klassischen Tankdeckel aus Metall. So kommt trotz der jungen Marke ein Hauch Heritage Feeling auf.


Das runde 3,6 Zoll TFT Display koppelt sich schnell mit dem Handy und spiegelt Google Maps sauber auf den Bildschirm. Zwei Punkte trüben den Eindruck. In der aktuellen Softwareversion lassen sich Werte nur in Meilen anzeigen, und ein zweites Display Layout steht nicht zur Wahl. Wer die Geschwindigkeit lieber digital ablesen möchte, muss den Umweg über die gespiegelte Karte nehmen. Ein Software Thema, das sich lösen liesse und die Maschine ein Stück runder machen würde.


Beim Preis wird die 450CL-C zur Ansage. In der Schweiz steht sie mit 5'790 Franken in der Liste, in Deutschland und Österreich bleibt sie mit ebenfalls 5'790 Euro unter der 6'000er Marke. Dazu kommt der wartungsarme Riemenantrieb, der weder nachgespannt noch geölt werden will. Den grössten Eindruck hinterlässt die Garantie. In der Schweiz gewährt CFMoto vier Jahre oder 30'000 Kilometer, in Deutschland und Österreich sind für ab April 2026 gekaufte Neufahrzeuge bis zu fünf Jahre oder 40'000 Kilometer möglich. So oder so liegt der Wert klar über der üblichen Zweijahresgarantie, was sich auch positiv auf den Wiederverkauf auswirkt.


Wertig für wenig Geld: Metall Tankdeckel, gefräste Details und ein Preis von 5'790 Franken ergeben ein stimmiges Bild
Wertig für wenig Geld: Metall Tankdeckel, gefräste Details und ein Preis von 5'790 Franken ergeben ein stimmiges Bild

Fazit Test CFMoto 450CL-C - eigenständig und überraschend stimmig

Nicht jedes Detail an der 450CL-C ist perfekt, und das muss es auch nicht sein. Das Display darf noch reifen, die Gasannahme im Schritttempo bleibt etwas ruppig. Unter dem Strich ergibt sich aber ein stimmiges Bild aus tiefem Einstieg, bollerndem Motor, überraschender Kurvenlust und einem Preis, der lange nachhallt. Selbst wer die 450 MT oder NK kennt, findet hier einen Motor, der anders klingt und sich anders anfühlt.


Am Ende ist ein Bobber ohnehin kein Datenblatt zum Abhaken, sondern ein Versprechen auf Gelassenheit. Die CFMoto 450CL-C löst dieses Versprechen auf ehrliche Weise ein und beweist, dass Einstiegsklasse und Charakter gut zusammenpassen können.


Ein Versprechen auf Gelassenheit: Am Ende zählt bei der 450CL-C das Grinsen im 80er mehr als jede Zahl auf dem Datenblatt
Ein Versprechen auf Gelassenheit: Am Ende zählt bei der 450CL-C das Grinsen im 80er mehr als jede Zahl auf dem Datenblatt

Fazit: CFMOTO 450CL-C 2026

Die CFMoto 450CL-C überrascht in fast jeder Disziplin und beweist, dass ein A2 Bobber weder teuer noch charakterlos sein muss. Der 270 Grad Zweizylinder bollert wie ein grosser V2, das tiefe Chassis nimmt Einsteigern die Nervosität, und in den Kurven fährt sich die Maschine agiler als ihr Look verspricht. Ein paar Ecken bleiben, vom Display bis zur ruppigen Gasannahme im Schritttempo, doch keine davon trübt das stimmige Gesamtbild ernsthaft. Am Ende zählt bei diesem Cruiser ohnehin das Grinsen im 80er mehr als jede Bestmarke, und dieses liefert die 450CL-C zuverlässig.


  • Körniger Sound mit V2 Charakter
  • Niedrige Sitzhöhe, einsteigerfreundlich
  • Wartungsarmer, leiser Riemenantrieb
  • Agiles Handling in Kurven
  • Starke Garantie, fairer Preis
  • Display nur in Meilen
  • Ruppige Gasannahme im Stadttempo
  • Knapper Federweg am Heck

Bericht vom 22.08.2026 | 21.505 Aufrufe