Schuberth C5 ANC Test: Ist Ruhe der neue Luxus auf dem Motorrad?

Das Active Noise Cancelling im Tourenalltag getestet.

Mit dem C5 ANC bringt Schuberth gemeinsam mit Cardo aktive Geräuschunterdrückung in den Premium-Klapphelm. Die Technik soll Windlärm reduzieren, das Gehör entlasten und lange Etappen angenehmer machen. Doch wie groß ist der Unterschied zum normalen C5 – und rechtfertigt ANC den Aufpreis?

Schuberth C5 und C5 ANC: Brüder, aber keine Zwillinge

Wer den Schuberth C5 kennt, wird sich auch im neuen C5 ANC sofort heimisch fühlen. Das ist kein Zufall, denn konstruktiv basiert die ANC-Version sehr stark auf dem bekannten Premium-Klapphelm. Grundkonzept, Bedienung und touristische Ausrichtung bleiben weitgehend erhalten.


Beide Helme erfüllen die aktuelle ECE-R 22.06 und verfügen über eine P/J-Doppelhomologation. Das bedeutet, dass sie sowohl geschlossen als Integralhelm als auch mit hochgeklapptem Kinnteil legal gefahren werden dürfen. Dazu kommen das integrierte Sonnenvisier, die auf Langstrecken ausgelegte Belüftung, die aerodynamisch optimierte Helmschale und das Schuberth Individual Program, mit dem sich die Innenausstattung in mehreren Größen an unterschiedliche Kopfformen anpassen lässt.


Der normale C5 ist bereits für integrierte Kommunikationssysteme vorbereitet. Antennen, Einbauplätze und Verkabelung sind so angelegt, dass sich Systeme wie das SC Edge ohne außenliegendes Kabelgewirr montieren lassen. Das Kommunikationsmodul sitzt seitlich, der Akku verschwindet im hinteren Bereich des Helms.
Der wesentliche Unterschied des C5 ANC steckt tiefer im Helm. Die ANC-Version besitzt speziell platzierte Mikrofone, eine angepasste Innenkonstruktion und vorinstallierte 53-Millimeter-Lautsprecher, die gemeinsam mit Cardo entwickelt wurden. Sie sind nicht nur für Musik, Navigation und Sprache zuständig, sondern erzeugen auch den Gegenschall für die aktive Geräuschunterdrückung. Ohne das zusätzliche SC Edge ANC ist der C5 ANC allerdings zunächst nur ein entsprechend vorbereiteter Helm – aktiv wird das System erst mit dem passenden Kommunikationsmodul.


Genau darin liegt eine wichtige Unterscheidung: Der C5 ANC ist nicht einfach ein gewöhnlicher C5 mit stärkeren Lautsprechern. Helm, Mikrofone, Lautsprecher, Signalverarbeitung und Kommunikationssystem wurden als akustisches Gesamtsystem entwickelt. Die zugrunde liegende Recherche nennt zudem mehr als 200 Stunden Abstimmungsarbeit im Schuberth-Windkanal.


Schuberth C5 ANC
Bei der Testfahrt auf der BMW R 1300 RT war der ANC-Effekt schnell bemerkbar.

Was macht Active Noise Cancelling im Motorradhelm?

ANC steht für Active Noise Cancellation, also aktive Geräuschunterdrückung. Mikrofone erfassen die Geräusche innerhalb und außerhalb des Helms. Die Elektronik analysiert diese Schallwellen und erzeugt über die Lautsprecher ein phasenverschobenes Signal. Treffen Störschall und Gegenschall aufeinander, schwächen sie sich gegenseitig ab.


Die Technologie ist von hochwertigen Kopfhörern bekannt. Im Motorradhelm ist die Aufgabe allerdings wesentlich schwieriger. Der Fahrtwind verändert sich ständig, Turbulenzen treffen aus unterschiedlichen Richtungen auf den Helm, der Fahrer bewegt den Kopf und auch Windschild, Sitzposition und Bekleidung beeinflussen die Geräuschkulisse.


Schuberth und Cardo versuchen daher nicht, sämtliche Geräusche verschwinden zu lassen. Ziel ist keine sterile Stille, sondern eine gezielte Reduktion bestimmter, besonders belastender Frequenzen. Vor allem das tieffrequente Dröhnen und Rauschen von Wind und Turbulenzen soll reduziert werden. Verkehrsgeräusche, das eigene Motorrad und hochfrequente Warnsignale sollen weiterhin wahrnehmbar bleiben.


Das ist entscheidend, denn ein Motorradhelm darf den Fahrer nicht vollständig von seiner Umgebung abschotten. Eine Hupe, ein Martinshorn oder ein herannahendes Fahrzeug müssen weiterhin hörbar bleiben. ANC im C5 ist deshalb weniger mit einem akustischen Lichtschalter als mit einem intelligenten Filter vergleichbar: Das störende Dauerdröhnen wird zurückgenommen, relevante Informationen bleiben erhalten.


Schuberth und Cardo: Aus Kooperation wird Integration

Der C5 ANC zeigt, wie eng die Zusammenarbeit zwischen Schuberth und Cardo mittlerweile geworden ist. Schuberth bringt jahrzehntelange Erfahrung bei Helmschalen, Aerodynamik, Windkanalentwicklung und Aeroakustik ein. Cardo liefert Kommunikations-, Mesh-, Mikrofon- und Audiotechnik sowie das Know-how für die aktive Geräuschunterdrückung.


Das SC Edge ANC basiert auf der Technik des Cardo Packtalk Edge beziehungsweise des regulären Schuberth SC Edge. Es bietet Dynamic Mesh Communication der zweiten Generation, Bluetooth 5.2, Sprachsteuerung, Over-the-Air-Updates und laut Hersteller eine Reichweite von bis zu 1,6 Kilometern unter idealen Bedingungen. Das System ist ausschließlich für den C5 ANC vorgesehen.


Diese Kooperation geht wesentlich weiter als das übliche Prinzip ”Helmhersteller schafft Einbauplatz für fremdes Kommunikationssystem”. Beim C5 ANC wurden die beteiligten Komponenten gemeinsam aufeinander abgestimmt. Lautsprecherposition, Mikrofone, Dämmung, Innenpolster, Software und Aerodynamik müssen zusammenpassen, damit die Geräuschunterdrückung funktioniert.


Das beginnt bereits bei der Passform. Sitzt ein Helm zu locker oder gelangt unkontrolliert Luft durch den Nackenbereich, entstehen Turbulenzen, die selbst ein gutes ANC-System an seine Grenzen bringen können. Eine saubere passive Abdichtung bleibt deshalb das Fundament. Erst darauf setzt die Elektronik auf.


Schuberth C5 ANC
Erst durch das Kommunikationssystem SC Edge ANC (optional) kommt ANC in den C5 ANC.

Ein Besuch bei den Cardo Sound Labs erklärt vieles

Wie ernst Cardo das Thema Akustik nimmt, konnte ich bereits bei meinem Besuch in den Cardo Sound Labs im bayerischen Straubing erleben. Dort wird nicht einfach irgendein Lautsprecher in eine Helmschale gesteckt und anschließend über einen Equalizer so lange am Bassregler gedreht, bis es halbwegs beeindruckend klingt.


Die Entwickler arbeiten mit eigens angefertigten Messköpfen, speziell positionierten Mikrofonen, individuellen Prüfaufbauten und simuliertem Fahrtwind. Teilweise entstehen Werkzeuge und Versuchsanordnungen erst während der Entwicklung, weil vorhandene Messtechnik die speziellen Bedingungen in einem Motorradhelm nicht ausreichend abbildet.


Was dort besonders auffiel, war die Hands-on-Mentalität. Das Team besteht aus echten Sound-Tüftlern, die auch kleinste Details untersuchen. Position, Abstand und Winkel eines Lautsprechers können im Helm einen deutlich größeren Unterschied verursachen, als man zunächst vermuten würde. Schließlich ist jeder Kopf anders, jeder Gehörgang sitzt etwas anders und bereits wenige Millimeter verändern den wahrgenommenen Klang.


Die 53-Millimeter-Lautsprecher des C5 ANC sind das sichtbarste Ergebnis dieser Arbeit. Sie sind deutlich größer als viele klassische Helmlautsprecher und müssen genügend Schalldruck erzeugen, um sowohl Musik und Sprache sauber wiederzugeben als auch den für ANC notwendigen Gegenschall zu produzieren.


Dadurch entsteht ein angenehmer Nebeneffekt: Der C5 ANC reduziert nicht nur den störenden Windlärm, sondern schafft gleichzeitig bessere Voraussetzungen für guten Klang. Musik muss nicht mehr mit maximaler Lautstärke gegen das tieffrequente Dröhnen ankämpfen. Navigation und Intercom-Gespräche bleiben verständlicher, ohne dass man die Lautsprecher permanent bis zum Anschlag aufdrehen muss.


Schuberth C5 ANC
Das EPS im Inneren des C5 ANC unterscheidet sich deutlich vom EPS des normalen C5, de nur 40-mm-Lautsprecher verwendet.

Weniger Lärm bedeutet nicht nur mehr Komfort

Beim Thema Helmlärm wird gerne von Komfort gesprochen. Das greift allerdings zu kurz. Eine niedrigere Geräuschbelastung ist auch eine Frage der Gesundheit.


Die University of Southampton beschäftigt sich seit Jahren mit der Akustik von Motorradhelmen und den Auswirkungen von Windgeräuschen auf Gehör, Wahrnehmung und kognitive Leistungsfähigkeit. Untersuchungen zeigen, dass Motorradhelme hohe Frequenzen teilweise abschwächen, bestimmte Frequenzen unterhalb von 500 Hertz jedoch sogar verstärken können. Genau in diesem tiefen Bereich entsteht jenes Dröhnen, das viele Fahrer nach langen Autobahnetappen als besonders ermüdend empfinden.


Eine veröffentlichte Untersuchung kam zum Ergebnis, dass bereits eine 30-minütige Motorradfahrt eine vorübergehende Verschiebung der Hörschwelle von mehr als 15 Dezibel verursachen kann. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass das Gehör nach der Fahrt vorübergehend weniger empfindlich reagiert – ein Warnsignal für eine relevante akustische Belastung.


Auch internationale Gesundheits- und Arbeitsschutzorganisationen setzen die Schwelle für potenziell schädliche Dauerbelastung niedrig an. Das amerikanische National Institute for Occupational Safety and Health empfiehlt bei einer durchschnittlichen Belastung von 85 dB bereits eine Begrenzung auf acht Stunden. Mit jedem Anstieg um 3 dB halbiert sich die empfohlene Expositionsdauer. Bei 88 dB wären es demnach vier Stunden, bei 91 dB nur noch zwei Stunden und bei 100 dB weniger als 15 Minuten.


Die Weltgesundheitsorganisation betont ebenfalls, dass nicht nur die Lautstärke entscheidend ist, sondern die Kombination aus Pegel, Dauer und Häufigkeit. Wiederholte oder lang anhaltende Belastung kann zu dauerhaftem Hörverlust führen. Einmal geschädigte Strukturen des Innenohrs lassen sich nicht einfach regenerieren.


Weniger akustischer Stress, mehr Konzentration

Der gesundheitliche Vorteil beschränkt sich nicht auf das Gehör. Ein permanentes, breitbandiges Rauschen beansprucht das Gehirn. Selbst wenn wir das Geräusch nach einiger Zeit scheinbar nicht mehr bewusst wahrnehmen, muss unser Nervensystem es weiterhin verarbeiten.


Das erklärt, warum Fahrer nach langen, schnellen Etappen häufig stärker erschöpft sind, als es die körperliche Belastung allein vermuten ließe. Das ständige Dröhnen erhöht den Stress, erschwert Kommunikation und Navigation und kann dazu führen, dass man Musik oder Ansagen noch lauter einstellt. So entsteht eine ungünstige Spirale: Mehr Außenlärm führt zu höherer Wiedergabelautstärke und damit zu noch mehr Belastung.


Hier liegt vermutlich der größte Praxisvorteil des C5 ANC. Es geht nicht darum, im Helm eine Bibliothek zu eröffnen. Es geht darum, die besonders ermüdenden Geräuschanteile zu reduzieren. Der Fahrer muss akustisch weniger ”dagegenarbeiten”, kann Hinweise leichter verstehen und steigt nach mehreren Stunden möglicherweise entspannter vom Motorrad.


Weniger Ermüdung kann indirekt auch die Fahrsicherheit verbessern. Wer körperlich und mental ausgeruhter ist, kann sich länger konzentrieren und reagiert tendenziell aufmerksamer. Allerdings sollte man diesen Zusammenhang nicht mit einem garantierten Sicherheitsgewinn verwechseln. ANC ersetzt weder Pausen noch Gehörschutz, eine passende Helmgröße oder eine vernünftige Reiseplanung.


Schuberth C5 ANC
Gerade bei Gruppenfahrten versteht man sich dank ANC über das Com-System spürbar besser.

Wie stark ist der ANC-Effekt wirklich?

Wer erwartet, dass sich der Fahrtwind wie bei modernen In-Ear-Kopfhörern im Flugzeug praktisch vollständig abschalten lässt, dürfte enttäuscht werden. Die Bedingungen im Helm sind wesentlich schwieriger. Das System soll den Lärm nicht eliminieren, sondern kontrollieren.


Schuberth spricht von einer Reduktion der störenden Geräusche um bis zu rund 10 bis 12 dB, wobei der Effekt von Geschwindigkeit, Motorrad, Windschild, Sitzposition, Passform und Frequenz abhängt. Besonders wirksam soll das System im tiefen und mittleren Frequenzbereich sein.


Dabei muss man mit Dezibelangaben vorsichtig umgehen. Die Skala ist logarithmisch. Eine Reduktion um 10 dB wird subjektiv häufig ungefähr als Halbierung der Lautheit wahrgenommen, ist aber keine universell identische Erfahrung. Zudem handelt es sich bei der Herstellerangabe um einen Maximalwert unter bestimmten Bedingungen, nicht um eine garantierte Reduktion in jeder Fahrsituation.


Der größere Unterschied könnte sich deshalb weniger in einem spektakulären Vorher-nachher-Moment zeigen als nach drei oder vier Stunden Fahrzeit. Genau dann, wenn man merkt, dass der Kopf weniger brummt, die Musik leiser laufen konnte und man beim Tankstopp nicht das Gefühl hat, gerade aus einer Maschinenhalle zu kommen.


53-Millimeter-Sound: Der heimliche Star des Systems?

Das Active Noise Cancelling zieht naturgemäß die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Die 53-Millimeter-Lautsprecher könnten im Alltag aber fast ebenso relevant sein.


Große Treiber garantieren nicht automatisch guten Klang. Sie können jedoch mehr Luft bewegen und bei entsprechender Abstimmung einen kräftigeren Tieftonbereich sowie eine bessere Dynamik ermöglichen. Gerade im Motorradhelm, wo der verfügbare Raum begrenzt ist und Außengeräusche große Teile des Frequenzspektrums überlagern, bringt das Vorteile.


Hinzu kommt die Kombination mit ANC. Wird das tiefe Winddröhnen reduziert, muss der Lautsprecher diesen Frequenzbereich nicht mehr mit übertriebener Lautstärke überdecken. Sprache kann klarer wirken, Musik gewinnt an Struktur und selbst der Bass hat eine Chance, als Bass wahrgenommen zu werden – nicht bloß als zusätzliches Brummen zwischen Motor, Reifen und Fahrtwind.


Dieser Punkt passt exakt zu meinen Eindrücken aus den Cardo Sound Labs. Dort wurde sehr deutlich, dass guter Helmsound nicht durch ein bekanntes Logo auf dem Lautsprecher entsteht. Entscheidend ist die Abstimmung des gesamten Systems auf die reale Position im Helm und auf die akustischen Bedingungen beim Motorradfahren.


Schuberth C5 ANC
Links die 40-mm-Lautsprecher vom C5, rechts die 53-mm-Lautsprecher im C5 ANC.

Bedienung und Alltag: Hightech mit kleinen Stolpersteinen

So beeindruckend die Technik ist, ganz frei von Kritik bleibt das System nicht. Laut den ausgewerteten Nutzerberichten merkt sich das SC Edge ANC den aktivierten ANC-Modus nach dem Ausschalten nicht zuverlässig beziehungsweise startet nach jedem Einschalten mit deaktivierter Geräuschunterdrückung. Der Fahrer muss ANC somit erneut per Taste, App oder Sprachbefehl aktivieren.


Bei einem Produkt dieser Preisklasse wirkt das unnötig umständlich. Gerade auf einer Reise mit mehreren Tank-, Foto- und Kaffeestopps möchte man nicht jedes Mal daran denken, eine zentrale Funktion neu einzuschalten. Eine speicherbare Grundeinstellung oder ein entsprechendes Softwareupdate wäre wünschenswert.


Auch die Installation des Akkumoduls verlangt Aufmerksamkeit. Zwar ist das System grundsätzlich sauber in den Helm integriert, doch die Unterbringung der Komponenten und Kabel ist komplexer als bei einem einfachen außen montierten Universal-Intercom. Wer nicht gerne an Innenpolstern, Steckern und kleinen Kabeln hantiert, sollte die Erstmontage beim Händler durchführen lassen.


Ein weiterer Punkt ist das mögliche Druckgefühl direkt nach der Aktivierung. Manche Nutzer von ANC-Kopfhörern kennen dieses Phänomen: Obwohl sich der Luftdruck physikalisch nicht verändert, kann die Reduktion tiefer Frequenzen zunächst wie ein leichter Druck auf den Ohren wirken. Das Gehirn erwartet bei hohem Tempo eine bestimmte akustische Rückmeldung und muss sich erst an die ruhigere Geräuschkulisse gewöhnen. Bei vielen verschwindet dieses Gefühl nach kurzer Eingewöhnung.


Schuberth C5 ANC
Bedient wird das Com-System primär über die Steuereinheit links am Helm oder via Sprachsteuerung.

Der Preis: 1.328 Euro klingen brutaler, als der ANC-Aufpreis tatsächlich ist

Kommen wir zum Elefanten in der Garage. Der Schuberth C5 ANC kostet laut Hersteller-Shop 799 Euro. Für das zwingend notwendige SC Edge ANC werden weitere 529 Euro fällig. Das Komplettpaket liegt somit bei 1.328 Euro.


Das ist ohne Diskussion sehr viel Geld für einen Helm samt Kommunikationssystem. Die faire Vergleichsbasis ist jedoch nicht ein nackter Mittelklassehelm, sondern ein normaler Schuberth C5 mit technisch vergleichbarem Kommunikationssystem.


Der reguläre C5 wird je nach Farbe und Ausführung ab rund 699 Euro angeboten. Das normale SC Edge kostet 369 Euro. Damit landet eine vergleichbare C5-SC-Edge-Kombination bei mindestens 1.068 Euro.
Der effektive Mehrpreis für die ANC-Lösung beträgt damit rund 260 Euro:
- C5 ab 699 Euro plus SC Edge um 369 Euro: ab 1.068 Euro
- C5 ANC um 799 Euro plus SC Edge ANC um 529 Euro: 1.328 Euro
- effektiver ANC-Mehrpreis: rund 260 Euro


Vergleicht man jeweils konkret gleichpreisige C5-Dekore oder rechnet mit der aktuell im Schuberth-Shop angezeigten 799-Euro-Ausführung des normalen C5, kann der Abstand sogar geringer ausfallen. Deshalb sollte man nicht pauschal behaupten, ANC koste mehr als 1.300 Euro Aufpreis. Mehr als 1.300 Euro kostet das komplette Premiumsystem. Der tatsächliche Aufpreis gegenüber einem normalen, vollständig ausgestatteten C5 liegt eher im Bereich einiger hundert Euro.


Damit wird die Diskussion interessanter. 260 Euro sind noch immer kein Kleingeld. Für Vielfahrer, Tourenfahrer und Pendler, die bereits einen C5 mit hochwertigem Mesh-System kaufen würden, wirkt der ANC-Aufpreis allerdings wesentlich nachvollziehbarer als die abschreckende Gesamtsumme zunächst vermuten lässt.
Wer nur gelegentlich sonntags zur Eisdiele fährt und kein Kommunikationssystem benötigt, wird den Nutzen schwer rechtfertigen können. Wer mehrere zehntausend Kilometer pro Jahr fährt, lange Autobahnetappen absolviert und großen Wert auf Kommunikation und Musik legt, investiert den Mehrpreis dagegen in eine Funktion, die bei jeder längeren Fahrt wirkt.


Ersetzt der C5 ANC Ohrstöpsel?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal mit Ja beantworten. ANC und Gehörschutz arbeiten nach unterschiedlichen Prinzipien.


Ohrstöpsel senken den Schallpegel passiv über einen breiten Frequenzbereich und funktionieren unabhängig von Akku, Software oder Elektronik. Hochwertige, individuell angepasste Otoplastiken bleiben deshalb eine hervorragende Lösung für Vielfahrer.


ANC greift dagegen gezielt bestimmte Frequenzen an und kann den subjektiv besonders belastenden Tieftonanteil reduzieren. Es bietet gleichzeitig Vorteile bei Musik, Kommunikation und Navigation. Dafür ist es auf Stromversorgung, korrekte Passform und funktionierende Elektronik angewiesen.


Theoretisch lassen sich ANC und Ohrstöpsel auch kombinieren. Wichtig ist allerdings, dass Musik und Intercom dann nicht wieder unnötig laut eingestellt werden. Der größte Nutzen entsteht nicht dadurch, dass man die gewonnene Ruhe sofort mit mehr Lautstärke auffüllt.


Fazit: Der C5 ANC ist kein Schnäppchen – aber technisch konsequent

Der Schuberth C5 ANC ist kein Helm für Schnäppchenjäger und auch keine Revolution, nach der bei 160 km/h plötzlich absolute Stille herrscht unterm Helm. Er ist vielmehr eine technisch konsequente Weiterentwicklung eines etablierten Premium-Klapphelms.


Die Basis bleibt der C5 mit seiner touristischen Ausrichtung, der P/J-Homologation, der integrierten Sonnenblende und dem anpassbaren Innenleben. Den entscheidenden Unterschied machen die gemeinsam mit Cardo entwickelten Mikrofone, die 53-Millimeter-Lautsprecher und das SC Edge ANC.


Besonders überzeugend ist der Ansatz, nicht wahllos alle Geräusche auszublenden, sondern primär das tiefe, ermüdende Winddröhnen zu reduzieren. Das erhält die Wahrnehmung relevanter Verkehrssignale und verbessert gleichzeitig die Voraussetzungen für Musik, Navigation und Kommunikation.


Der gesundheitliche Aspekt sollte dabei nicht als Marketingbeilage betrachtet werden. Hohe Schallpegel können das Gehör dauerhaft schädigen, und bereits kurze Motorradfahrten können messbare vorübergehende Veränderungen der Hörschwelle verursachen. Jede wirksame Reduktion der Belastung ist deshalb grundsätzlich begrüßenswert.


Der Gesamtpreis von 1.328 Euro bleibt erstmal hoch. Im Vergleich zu einem normalen C5 mit SC Edge relativiert sich die Sache jedoch: Der eigentliche Mehrpreis für die ANC-Technik liegt bei ungefähr 260 Euro, abhängig von Farbe, Dekor und aktuellem C5-Preis.


Für den klassischen Sonntagsfahrer bleibt das Luxus - den man sicher aber trotzdem gönnen kann. Für Kilometerfresser, Tourenfahrer, Pendler und all jene, die bereits in einen Premium-Klapphelm samt Mesh-Kommunikation investieren möchten, könnte dieser Luxus allerdings einen echten Mehrwert bieten – nicht nur für den Komfort, sondern möglicherweise auch für die langfristige Gesundheit.


Für wen lohnt sich der Schuberth C5 ANC?
Für Tourenfahrer, Pendler und Vielfahrer, die regelmäßig lange Etappen zurücklegen, bereits ein hochwertiges Kommunikationssystem nutzen und Windlärm als deutliche Belastung empfinden.


Für wen lohnt er sich eher nicht?
Für Gelegenheitsfahrer, Kurzstreckenpiloten und Motorradfahrer, die weder Musik noch Intercom benötigen und mit einem gut passenden Helm samt Ohrstöpseln zufrieden sind.


Schuberth C5 ANC
Fazit: Der C5 ANC funktioniert und blendet vor allem Windgeräusche tatsächlich spürbar aus.

Bericht vom 31.07.2026 | 11.206 Aufrufe