ZX Moto 820RR im Test bei Makzary in Gränichen

Wie sich der China-Dreizylinder auf Schweizer Strassen anfühlt

Ein Supersportler aus China, der auf der Rennstrecke plötzlich Ducati und Yamaha ärgert, und das zu einem Bruchteil des Preises. So eine Ansage hört man in dieser Klasse selten. Die ZX Moto 820RR steht seit Kurzem bei Makzary in Gränichen, einem der ersten offiziellen Schweizer Händler der Marke

Bevor das Motorrad überhaupt einen Meter gerollt ist, beginnt diese Geschichte in Gränichen. Dort sitzt Makzary, geführt von zwei jungen, dynamischen Köpfen, die viel vorhaben und sich Schritt für Schritt vorarbeiten. Wer den Showroom betritt, merkt sofort, dass hier nicht alles und nichts verkauft wird, sondern eine klare Linie gefahren wird. Makzary setzt voll auf chinesische Marken und führt Zontes, Voge, Benda und neu auch ZX Moto.


Für mich ist das kein Zufall, sondern ein bewusster Weg. Vor rund zwei Jahren war ich schon einmal bei Makzary und habe damals die Voge DS900X getestet. Seither hat sich einiges getan, der Betrieb ist gewachsen und die Ausrichtung auf die China-Marken ist heute noch konsequenter. Bei ZX Moto gehört Makzary zu den ersten offiziellen Händlern der Schweiz, die die Motorräder tatsächlich erhalten haben. Wie gross das Interesse ist, zeigt eine einzige Zahl: Allein am letzten Wochenende sind 20 Vorbestellungen von Kunden zusammengekommen.


Der Moment, in dem klar wird, dass hier keine Zufallsauswahl steht. Der Showroom bei Makzary zeigt eine klare Linie mit Zontes, Voge, Benda und neu ZX Moto
Der Moment, in dem klar wird, dass hier keine Zufallsauswahl steht. Der Showroom bei Makzary zeigt eine klare Linie mit Zontes, Voge, Benda und neu ZX Moto

Wer steckt hinter ZX Moto? Die Geschichte von Zhang Xue

Man hat bei chinesischen Marken oft noch dieses Vorurteil im Kopf: schnell einen Trend abgeschaut, möglichst günstig produziert, ab auf den Markt. Bei ZX Moto ist die Geschichte eine andere, und sie fängt beim Mann dahinter an. Zhang Xue ist in einfachen Verhältnissen im ländlichen Hunan aufgewachsen, hat mit 14 die Schule abgebrochen, um in einer Motorradwerkstatt zu arbeiten. Es gibt diese Geschichte, dass er als Jugendlicher im kalten Regen über hundert Kilometer einem Fernsehteam nachgefahren ist, um sich eine Chance im Rennsport zu erbetteln. Ausgelacht haben sie ihn damals.


2017 gründete er mit Partnern die Marke Kove, die heute viele aus dem Adventure- und Racing-Bereich kennen. 2024 löste er sich von Kove und ging seinen eigenen Weg. So entstand ZX Moto, und der Name ist kein Zufall, denn ZX steht für seine Initialen. Damit verbindet er die Marke ganz bewusst mit seiner eigenen Person, was ihr eine emotionale Ladung gibt, die man bei einem Neustart selten spürt.


Dass daraus mehr als eine schöne Erzählung geworden ist, zeigte der März 2026. In Portimão holte ZX Moto einen Doppelsieg, den ersten Sieg einer chinesischen Marke in der Supersport-WM (WorldSSP) überhaupt, jener Klasse, die an den Superbike-Wochenenden mitfährt. Gefahren wurde der Erfolg vom Franzosen Valentin Debise im Team ZXMOTO Factory Evan Bros Racing, und das am erst zweiten Rennwochenende der Marke. In einer Klasse, in der jahrzehntelang nur europäische und japanische Hersteller ganz oben standen, ist das ein historischer Schritt. Die Marke gibt es erst seit 2024, hat im ersten vollen Jahr über 25'000 Motorräder in China verkauft, und jetzt kommen die Bikes in die Schweiz und nach Europa.


Die ZX Moto 820RR in Zahlen

Kurz zu den Fakten, denn die ordnen das Motorrad gut ein. Die 820RR ist die Standardversion und leistet 135 PS bei 12'000 Umdrehungen, dort, wo der Begrenzer einsetzt. Das maximale Drehmoment von 80 Newtonmetern liegt bei 9'500 Umdrehungen an. Fahrfertig bringt sie rund 193 Kilogramm auf die Waage, die Sitzhöhe beträgt 825 Millimeter, und dabei sitzt sie angenehm schmal. Im Herzen arbeitet ein selbst entwickelter Dreizylinder mit 819 Kubik, doppelt gekühlt mit Öl und Flüssigkeit, weil das Ganze klar auf Performance ausgelegt ist.


Stellt man die 820RR neben die Konkurrenz, wird das Angebot auf dem Datenblatt attraktiv. Mit einer Yamaha R9 kann sie ohne Probleme mithalten, hat sogar etwas mehr Leistung und wiegt einen Tick weniger. Vom Konzept her bewegt sie sich im Bereich einer MV Agusta F3 800, also im exotischen Dreizylinder-Segment. Nur beim Preis trennen sich die Welten, denn bei Makzary in Gränichen bekommt man die 820RR für unter CHF 9'000, also für einen Bruchteil einer MV Agusta.


Dass hier auch kleinere Fahrer nicht aussen vor sind, hat sich schon im Showroom gezeigt. Ein Kunde von rund 166 Zentimetern, der seine 820RR bereits vorbestellt hatte, stand solide mit beiden Füssen am Boden.


Datenblatt mit Ansage. 135 PS, ein selbst entwickelter Dreizylinder und ein Preis, der in dieser Klasse für Diskussionen sorgt
Datenblatt mit Ansage. 135 PS, ein selbst entwickelter Dreizylinder und ein Preis, der in dieser Klasse für Diskussionen sorgt

Ausstattung: Was du bei der ZX Moto 820RR fürs Geld bekommst

Für unter CHF 9'000 ist die Liste erstaunlich lang. Serienmässig ist ein Quickshifter mit auf, der unter Last wie auch ohne Last sauber funktioniert. Das Fahrwerk ist voll einstellbar, vorne an der Gabel wie hinten am Heck, dazu gibt es Reifendrucksensoren und einen Tempomaten. Kurz gesagt bekommt man vieles, was man sonst erst im Premiumsegment der Supersportler findet. Wer noch mehr will, greift zur höher positionierten Variante mit Kayaba-Fahrwerk und Brembo-Bremssätteln. Für alle, die keine Rundenrekorde jagen, ist man aber schon mit der Basisversion sehr gut bedient.


Spannender sind die Details, die man bei einem Serienmotorrad in dieser Preisklasse eher nicht erwartet. Der Luftfilter lässt sich über nur zwei Schrauben an der Seite entnehmen, worauf der Gründer stolz verweist, weil die Wartung dadurch einfach bleibt. Beim Fahrwerk kann man den Lenkkopfwinkel verstellen, was das Motorrad in engen Kurven agiler macht, und zusätzlich lässt sich der Anti-Squat-Winkel ab Werk anpassen, also der Kompromiss zwischen Traktion und Stabilität am Heck. Das sind Einstellmöglichkeiten aus der Rennstreckenwelt.


Dazu kommt der Rest der Racing-DNA. Vorne bei den Scheinwerfern sitzt ein Ram-Air-Intake für die Kühlung, verbaut ist serienmässig ein Lenkungsdämpfer, und für die Elektronik zeichnet komplett Bosch verantwortlich. Das TFT-Display läuft auf Android-Basis und wirkt fast wie ein echtes Smartphone, clean und aufgeräumt. Nur die Auswahl der Fahrmodi über Tasten und Enter ist etwas umständlich gelöst, der Rest überzeugt. Man kann eigene Custom Modes anlegen, Musik über das Headset steuern, das Handy verbinden und auf dem Sportler sogar navigieren, was auf Schweizer Pässen mehr Sinn ergibt, als es bei einem Supersportler zunächst klingt. Ein kleines Highlight ist der NFC-Schalter: Man legt die kleine NFC-Karte auf, und die Zündung geht an, alternativ startet man wie bei Keyless gewohnt per Knopfdruck. So etwas habe ich vorher noch nicht gesehen. Und ja, es gibt einen USB-A- und einen USB-C-Anschluss, so wie es sich im Jahr 2026 gehört.


Racing-Gimmicks zum Anfassen. Vom NFC-Kärtchen bis zum verstellbaren Lenkkopfwinkel steckt in der 820RR viel, was man sonst nur von teureren Maschinen kennt
Racing-Gimmicks zum Anfassen. Vom NFC-Kärtchen bis zum verstellbaren Lenkkopfwinkel steckt in der 820RR viel, was man sonst nur von teureren Maschinen kennt

Test auf der Strasse: Fahreindruck der ZX Moto 820RR

Jetzt zum eigentlichen Kern, dem Fahren. Ich war ganz normal auf der Strasse unterwegs, und mein erster Eindruck ist, dass hier untenraus enorm viel Kraft anliegt. Man wird so schnell so zügig, dass es schwerfällt, den Motor überhaupt auf die 9'500 Umdrehungen zu bringen. Bis in den Begrenzer bei 12'000 habe ich ihn im Alltag gar nicht erst gedreht, das braucht es schlicht nicht. Umgekehrt lässt sie sich im fünften Gang mit wenig Gas gemütlich mit 50 dahinrollen, was überraschend souverän funktioniert.


Wenn man dann doch schalten will, überzeugt der Quickshifter. Er arbeitet unter Last wie auch ohne Last sauber, und im Fahren macht das richtig Spass, weil die Gänge ohne Unterbruch durchgehen. Auch die Sitzposition trägt zum guten Eindruck bei, denn die 820RR baut schön schmal und fühlt sich dadurch im Sattel zugänglich und kompakt an, statt sperrig.


Ganz ohne Kritik geht es aber nicht. Zwischen gar keinem Gas und ein wenig Gas gibt es im zweiten und dritten Gang eine spürbare Lücke, dieses leichte An-Aus-Verhalten. Für einen Dreizylinder hatte ich mir den Übergang etwas sanfter abgestuft vorgestellt. Am Ende ist es aber ein Supersportler, und ein gewisser Biss darf da durchaus dabei sein, damit fällt sie in diesem Punkt in die normale Kategorie ihrer Klasse.


Das Fahrwerk arbeitet dynamisch und gibt ein sehr gutes Feedback. Die Bremsen verzögern absolut in Ordnung, nichts Weltbewegendes, aber sie funktionieren zuverlässig. Insgesamt bin ich überrascht, denn es gibt wenig, was ich an diesem Motorrad bemängeln möchte. Was mich dabei am meisten packt, ist die Emotion, die es transportiert, und zwar spürbar für ein chinesisches Bike. Dazu passen die kleinen Rennstrecken-Details wie der Quick Release am Hinterrad, über den sich das Rad in wenigen Handgriffen ausbauen lässt. Das Racing-Modell ist abgespeckt, aber die DNA daraus steckt im Serienbike, und die kann man auf der Strasse tatsächlich erleben.


Für die kurvige Landstrasse gemacht. Untenraus schiebt die 820RR so kräftig an, dass die hohen Drehzahlen fast zur Nebensache werden
Für die kurvige Landstrasse gemacht. Untenraus schiebt die 820RR so kräftig an, dass die hohen Drehzahlen fast zur Nebensache werden

Zweifel bleiben, was die Zeit erst zeigen muss

So gut der erste Eindruck ausfällt, ein paar ehrliche Fragezeichen gehören dazu. Die Marke ist erst seit 2024 am Markt und steckt noch in den Kinderschuhen. Die Expertise ist über Zhang Xue und seine Kove-Vergangenheit da, aber wohin die Qualität über die Jahre geht, kann heute niemand mit Sicherheit sagen. Ähnlich sieht es beim Wiederverkaufswert aus. Anders als bei der etablierten Konkurrenz mit ihrem stabilen Occasionsmarkt fehlen hier die Erfahrungswerte, man fischt beim Restwert noch ein wenig im Trüben. Diese Antwort kann nur die Zeit geben.


Ein Teil dieser Sorgen lässt sich aber schon heute abfedern, und zwar über den richtigen Händler. Vertrieb, Ersatzteile und Service sind bei einer jungen Marke im Aufbau, und wer die Bikes früh und mit dem passenden Know-how betreut, nimmt dem Kunden viel Unsicherheit ab.


Zurück bei Makzary, dem Ansprechpartner für die China-Marken in der Schweiz

Nach der Ausfahrt sind wir zurück in Gränichen, und hier schliesst sich der Kreis. Dass Makzary sich vergrössert hat und die Ausrichtung auf die chinesischen Marken konsequent durchzieht, ist kein Zufall, sondern eine Wette auf die Zukunft. Wer in der Schweiz eine ZX Moto will, kommt an Makzary aktuell kaum vorbei, denn sie gehören zu den Ersten, die die Modelle überhaupt erhalten haben. Aus dieser Ausgangslage leitet der Betrieb seinen Anspruch ab, die erste Adresse und der Ansprechpartner Nummer 1 für diese China-Marken zu sein, gestützt auf einen klaren Fokus, früh verfügbare Ware und das nötige Fachwissen. Die 20 Vorbestellungen vom letzten Wochenende zeigen, dass dieser Anspruch beim Publikum ankommt.


Der Kreis schliesst sich. Zurück im Showroom, wo die 820RR nicht nur steht, sondern auch die kleinere Schwester die 500RR
Der Kreis schliesst sich. Zurück im Showroom, wo die 820RR nicht nur steht, sondern auch die kleinere Schwester die 500RR

Ein persönlicher Ausblick

Für mich ist es keine Diskussion mehr, ob die chinesischen Marken ganz vorne mitmischen. Die eigentliche Frage ist, ob wir das als Fahrer und Konsumenten annehmen. Die 820RR macht diese Entscheidung leicht, denn sie liefert Emotion, Technik und ein Preisschild, das man zweimal liest.


Und die Geschichte endet nicht mit diesem Modell, es ist eher die Speerspitze. Bis Ende Jahr sollen bis zu acht oder neun Modelle in Europa vertrieben werden, darunter ein Naked Bike und ein Adventure mit dem 800er Dreizylinder, dazu die kleinere 500 RR samt Naked-Version. Auch eine 450er Rallye ist geplant, denn Zhang Xue will an der Dakar starten und dort gewinnen. Das zeigt, wie viel Ambition in dieser Marke steckt. Ich bin gespannt, was die Zukunft für ZX Moto bereithält, und froh, dass man dieses Kapitel in der Schweiz bei einem Händler wie Makzary aus nächster Nähe verfolgen kann.


Fazit: ZXMOTO 820RR 2026

Die ZX Moto 820RR ist kein vernünftiger Sportler, sondern ein emotionaler. Sie liefert 135 PS aus dem Dreizylinder, viel Druck von unten und eine Ausstattung, die man in dieser Preisklasse sonst kaum findet. Für unter CHF 9'000 bekommt man damit erstaunlich viel Motorrad, das Fahrspass und Charakter über nackte Vernunft stellt. Wer über die leicht unrunde Kraftentfaltung im Langsamfahren und die offene Restwertfrage einer jungen Marke hinwegsieht, bekommt einen ehrlichen Sportler mit viel Emotion.


  • kräftiger Dreizylinder mit 135 PS und viel Druck von unten
  • umfangreiche Serienausstattung für unter CHF 9'000
  • voll einstellbares Fahrwerk mit gutem Feedback
  • spürbar viel Fahremotion
  • leicht unrund, fast oval wirkende Kraftentfaltung beim Langsamfahren
  • unklarer Restwert der noch jungen Marke

Bericht vom 14.07.2026 | 23.863 Aufrufe