Yamaha WR 125R: Schweizer Alltagstest Strasse und Offroad
Highway Bro, Dirtbike und alles dazwischen
Hostettler in Sursee, eine 125er Enduro und ein Testprinzip, das man aus der Schulstunde kennt: Stadt, Land, Fluss. Oder in unserem Fall: Autobahn, Stadt, Landstrasse und Offroad. Yamaha hat die WR 125R nach zehn Jahren Pause zurückgebracht – und gleich mit Vollausstattung: VVA-Motor, KYB-Fahrwerk, 21-Zoll-Vorderrad und einem Preis von 4.990 Franken, der für ein japanisches Motorrad wirklich eine Ansage ist. Klingt gut auf dem Papier. Aber wie schlägt sich ein Enduro-fokussiertes 125er im echten Schweizer Alltag?
Kennt ihr noch das Spiel aus der Schulstunde? Stadt, Land, Fluss. Genau nach diesem Prinzip haben wir den Testtag mit der Yamaha WR 125R aufgegleist – und noch die Autobahn obendrauf gepackt, weil eine 125er Enduro auf der Überholspur einfach zu verlockend war. Startpunkt war Hostettler in Sursee, der Schweizer Yamaha Importeur, der uns zwei frische WR 125R hingestellt hat – bereit für alles, was der Tag noch bringen sollte.
Das Programm war ambitioniert: Autobahn, Stadt, Landstrasse und zum Abschluss das TCS Gelände in Betzholz. Vier komplett unterschiedliche Welten für ein Motorrad, das eigentlich für 16-Jährige mit frischem A1-Ausweis gebaut wurde. Oder für alle, die einfach mal wieder entschleunigen wollen. Oder für die, die schon immer wussten, dass 125er mehr können als nur Schule und Velowegrennen.
Yamaha hat die WR 125R nach über zehn Jahren Pause zurückgebracht – und das nicht halbherzig. Wassergekühlter 125ccm Einzylinder mit variabler Ventilsteuerung VVA, KYB-Fahrwerk vorne und hinten, 21-Zoll-Vorderrad, Dunlop D605 Dual-Sport-Reifen und ein Preis von 4.990 Franken, der für ein japanisches Motorrad wirklich eine Ansage ist. Klingt gut auf dem Papier. Aber wie schlägt sich das in der Realität? Wir haben es rausgefunden – ohne Schongang. Also: rauf, und los.
"Highway Bro" - 50 Minuten Vollgas mit der Yamaha WR125R von Sursee nach Hinwil
Wer die WR 125R zum ersten Mal startet, wird gleich begrüsst: "Hi-Bro" leuchtet im Display auf. Yamaha weiss genau, wer hier draufsitzt. Und wir haben kurz darauf festgestellt, dass "Highway Bro" mindestens genauso gut passt – denn der erste Block des Testtages war eine gute Stunde Autobahn. Vollgas. Gashahn auf, Motor auf 13.000 Touren, und einfach mal schauen was geht.
Was geht? Mehr als man denkt. Bis 100 km/h kommt die WR 125R problemlos und hält diese Geschwindigkeit konstant. Wer es etwas gemütlicher mag, fährt 90 – auch das geht entspannt. Der absolute Topspeed hängt allerdings stark vom Fahrergewicht ab, das haben wir am eigenen Leib erfahren. Alessio mit seinen 1,70m kam auf 120 km/h, ich mit etwas mehr Masse auf dem Buckel auf 111 km/h. Der Motor macht dabei keinen Unterschied – die Gene schon.
Was die Ergonomie angeht, haben wir beide gestaunt. Kein Windschild, das pfeift ordentlich durch die Ohren – aber die Sitzposition selbst ist für eine Enduro überraschend angenehm. Der Knieschluss ist schmal, die Sitzhöhe von 875mm wirkt auf den ersten Blick hoch, gibt aber im Fahrbetrieb ein sicheres Gefühl. Auch für grössere Fahrer absolut machbar – kein Bowser-auf-seinem-Mini-Kart-Moment, wie man es von manchen 125ern kennt.
Einen Punkt muss man ehrlich ansprechen: Die Stabilität auf der Autobahn ist nicht die eines grossen Adventure-Bikes. Die Dunlop D605 Dual-Sport-Reifen auf 21 und 18 Zoll – offroad eine Stärke – verlangen auf der Autobahn etwas mehr Aufmerksamkeit am Lenker. Windstösse brauchen Input, man korrigiert öfter als auf einem Strassenreifen. Dramatisch ist das nicht, aber spürbar. Wer damit umzugehen weiss, findet schnell seinen Rhythmus.
Und dann ist da noch dieses Gefühl. 50 Minuten Vollgas, Motor dreht konstant am Limit, die Leute auf der Autobahn schauen, winken, grinsen. Ich habe mich gefühlt wie mit 16 auf meiner ersten 50er Supermoto. Einfach geil.
Stadttest Yamaha WR 125R: Wie schlägt sich die Enduro im Verkehr?
Im Stadtverkehr dreht die WR 125R auf. Das zappelige Gefühl von der Autobahn? Vergessen. 138 Kilogramm, grosszügiger Lenkeinschlag und genug Agilität, um sich in jede Lücke zu zirkeln. Parklücke zu eng? Bike zur Seite stossen und reinrollen. Der Lenkeinschlag der Enduro macht enge Kehren auf dem Parkplatz zum Kinderspiel. Da haben Enduros und Supermotos den Sportlern einfach etwas voraus.
An der Ampel wird es unterhaltsam. Das VVA System drückt von unten raus überraschend kräftig, und wenn bei rund 7.400 Touren das zweite Nockenprofil einrastet, geht nochmal ein Schub durch die Leistung. Ein bisschen wie VTEC bei Honda, nur auf zwei Rädern. Akustisch macht das richtig Spass. Im Stadtverkehr gab es mehrere Situationen, in denen wir kurz ausschwenken und überholen mussten. Das ging immer flott und unkompliziert. 15 PS klingen nach wenig, aber urban reicht das völlig. Wer vom Moped kommt, wird sich fühlen wie der King on the Street.
Die Sitzhöhe von 875mm relativiert sich in der Praxis. Die Sitzbank ist so geformt, dass man in das Motorrad hinein sitzt, nicht oben drauf. Alessio mit seinen 1,70m kam problemlos mit beiden Füssen runter. Ampelstopp, Fuss rauf, Fuss runter, kein Drama.
Yamaha WR 125R auf der Landstrasse: Wo die Grenzen liegen
Wer die WR 125R auf der Landstrasse sportlich bewegen will, stösst an Grenzen. Die 21 Zoll Felge mit den Dunlop D605 Stollen macht das Motorrad bei zügigem Tempo spürbar zappelig. Flüssig durch Kurven ziehen funktioniert, aber man muss sich bewusst sein, dass hier kein Strassenmotorrad unterm Hintern sitzt.
Das grössere Thema ist die Bremse. Klar auf Enduro getrimmt, harter Druckpunkt, wenig Transparenz und bei höheren Geschwindigkeiten fehlender Biss. Es gab eine Situation auf einer unbekannten Schweizer Landstrasse, wo ich abrupt abbremsen musste. Bei Tempo 70 oder 80 mit diesen Reifen und diesem Bremsgefühl wird einem bewusst, dass die Sicherheitsreserven begrenzt sind. Hinten fehlt ABS komplett, dazu keine Traktionskontrolle.
Da waren Alessio und ich uns nicht einig. Ich finde, bei einem Motorrad, das 2026 auf den Markt kommt, sollte eine abschaltbare Traktionskontrolle drin sein, auch bei 125ern. Ein Verschalter kann schnell dazu führen, dass das Hinterrad blockiert. Alessio sieht das relaxter: Bei 15 PS und einem Offroad Motorrad kann man das Hinterrad auch mal bewusst schleifen lassen und ein Gefühl für die Grenzen entwickeln. Beide Standpunkte haben ihre Berechtigung.
Was positiv auffällt: der Verbrauch. Den ganzen Tag Vollgas, trotzdem rund 2,3 bis 2,5 Liter auf 100 Kilometer. Bei einem 8 Liter Tank bedeutet das solide Reichweite. Nach 150 Kilometern war der Tank noch halb voll.
Yamaha WR 125R Offroad im TCS Gelände Betzholz: Endlich Dreck
Das TCS Fahrzentrum Betzholz in Hinwil bietet auf 7.000 Quadratmetern ein Offroad Gelände mit steilen Hängen, Stufen und Matsch. Genau der richtige Ort, um die WR 125R dort abzuholen, wo sie hingehört.
Das Fahrwerk überrascht. 41mm KYB Telegabel vorne mit 215mm Federweg, KYB Monocross hinten mit 187mm, nicht einstellbar ausser Federvorspannung. Klingt nach Kompromiss, fährt sich aber besser als erwartet. Wir haben Stufen genommen, steile Passagen runtergebremst und das Fahrwerk bewusst ans Limit gebracht. Einmal hat die Gabel vorne durchgeschlagen, da merkt man die Grenze. Aber für die Zielgruppe passt das. Trotz fast 40 Kilogramm Gewichtsunterschied zwischen Alessio und mir hat das Setup für uns beide funktioniert.
Die Sitzbank zeigt hier ihren wahren Zweck. Grip im Gelände, kein ungewolltes Rutschen. Die tiefere Sitzhöhe im Vergleich zur Vorgängerversion macht sich bemerkbar, Schräglagen und technische Passagen waren jederzeit kontrollierbar.
Die Bremse, auf der Landstrasse noch Kritikpunkt, spielt hier ihre Stärke aus. Allerdings regelt das ABS im Matsch sehr schnell und reduziert die Bremsleistung spürbar. Ein abschaltbares ABS wäre wünschenswert. Dafür funktioniert die Motorbremse hervorragend, runterschalten, Gänge nutzen, aktiv verzögern. Das ist involvierend und macht Spass.
125 Kubik im Gelände, reicht das? Ja. Steile Anstiege, technische Passagen, alles kein Problem. Die WR 125R hat uns im TCS Gelände Betzholz am meisten überzeugt. Hier fühlt sie sich zu Hause.
Yamaha WR 125R 2026 Fazit: Für wen ist dieses Motorrad gemacht?
Vier Welten an einem Tag. Autobahn, Stadt, Landstrasse, Offroad. Die WR 125R hat in jeder davon eine andere Geschichte erzählt. Auf der Autobahn ein grinsender Highway Bro, in der Stadt agil und frech, auf der Landstrasse ehrlich an ihren Grenzen und im Gelände völlig in ihrem Element.
Ist sie perfekt? Nein. Die Bremse polarisiert, auf der Landstrasse fehlt es an Biss und Transparenz. Eine abschaltbare Traktionskontrolle hätte 2026 drin sein dürfen. Der Lenker könnte breiter sein, die Hebel verstellbar. Aber man muss das im Kontext sehen: 4.990 Franken für ein japanisches Motorrad mit VVA Motor, KYB Fahrwerk und Vollausstattung. Das ist eine Ansage.
Alessios drei Highlights: Offroad Performance, die überraschend gute 125er Viertaktklasse und die Zugänglichkeit. Preis, Gewicht, Sitzhöhe, alles passt für fast jeden. Meine drei: Das VVA Erlebnis im Stadtverkehr, das Gefühl im Gelände und ehrlich gesagt dieses dämliche Grinsen, das nicht mehr wegging. Ich habe mich gefühlt wie damals mit 16 auf meiner ersten 50er Supermoto.
Die WR 125R ist kein Kompromiss, der nichts richtig kann. Sie ist ein Kompromiss, der weiss, wo er zu Hause ist. Und wer das auch weiss, wird mit diesem Motorrad sehr viel Spass haben.
Fazit: Yamaha WR125R 2026
Die Yamaha WR 125R ist die vielseitigste 125er, die wir in letzter Zeit gefahren sind. Stadt und Offroad meistert sie mit Bravour, auf der Landstrasse muss man ihre Grenzen kennen. Der VVA Motor überrascht mit Druck von unten und Drehfreude oben. Für 4.990 Franken bekommt man ein japanisches Motorrad mit echter Substanz. Wer eine A1 Enduro sucht, die mehr kann als nur von A nach B, ist hier richtig.- VVA Motor mit starkem Antritt
- Offroad Performance herausragend
- Attraktiver Preist
- Agiles Handling
- Verbrauch von nur 2,3 bis 2,5 Litern auf 100 km
- Bremse auf der Strasse wenig transparent
- Kein ABS hinten
- Keine Traktionskontrolle
- Lenker zu schmal für ambitioniertes Offroad Fahren
- Stabilität auf der Landstrasse bei zügigem Tempo begrenzt
Bericht vom 23.04.2026 | 10.867 Aufrufe