Der 1000PS Supersport-Touren-Test

Samstag Morgen - Wiener Neudorf. Endlich ist es soweit. Die neue Honda CBR 600RR steht vor mir. Ein herrlicher Anblick. Nichteinmal ein Jahr ist es her, als ich das Vorgängermodell unterm Hintern hatte, und es war damals schon ein sauscharfes Gerät.

 

Der 1000PS Supersport-Touren-Test

Das damals so unpassende Heck zerstörte ein wenig die raketenmäßige Optik. Doch was die Honda-Designer da dem 2003er Modell verpasst haben, macht mächtig Eindruck vor der Eisdiele und auf der Rennstrecke.

Neuerungen

Datenblätter findet ihr auf anderen Seiten, hier trotzdem die auffälligsten Änderungen im Vergleich zur alten CBR 600F. Wichtigster Punkt sind die 7 PS Mehrleistung. 117 PS bei 169 kg Trockengewicht lassen jede Menge Spaß erwarten.

Dazu kommen die neuen 310 mm Doppelscheiben-bremsen, die die Fuhre wie eine F16 in den Fangseilen eines Flugzeugträgers verzögern.

Zuletzt natürlich der Sound. Subjektiv beurteilt klingt das neue Aggregat kerniger und kräftiger in niedrigen Drehzahlen als das der alten CBR 600. Bis 6000 Touren so ganz und gar nicht wie ein 600er Motor. Man würde vermutlich eher an die große Schwester Fireblade denken.
Bei Drehzahlen jenseits der 10.000 Marke, kurz nachdem andere Motoren bereits explodiert sind, klingt der Honda-Motor wie ein 700 PS Formel 1 Aggregat.

 
Foto: nyx.at powered by session7.com
       
 
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3-2-1- Zündung

Nach der kurzen Theoriestunde und dem Standgas-Grollen im Hintergrund war ich schon ganz scharf zu erfahren, ob dieser Klang hält was er verspricht.
Honda-like findet man alles genau am richtigen Platz. Schalter und Instrumente sind gut zu bedienen und sehr übersichtlich.
Einzig die Anzeige der Tankuhr verhält sich exponentiell zum Tankinhalt. Nach hundert Kilomentern ist der Tank fast leer, für den restlichen Strich auf der Anzeige muss man weitere 150km Gas geben. Aber die Anzeige der Tankreserve stimmt dann wieder, damit dem Einspritzer nicht der Saft ausgeht.

Die Tour

Nächtelang haben wir im Team nach der geeigneten Teststrecke für das Fliegengewicht gesucht - nach der Strecke mit Alltags- und Kurvenlagentesttauglichkeit. Unsere Recherchen haben uns zum geheimsten Geheimtip zwischen Andau und Lustenau geführt: der Glockner-Hochalpenstraße. Eine lässige Runde, aber das nur zwischen 8 und 10 Uhr morgens, bevor Tausende Touristen mit Hut, Hund und Campingmobil die Straße stürmen.

Die CBR zu fahren macht dabei vom ersten Kilometer an riesen Spaß. Der Motor fühlt sich auch in niedrigen Drehzahlen wohl, auch wenn der Nachbrenner erst bei10.000 U/min einsetzt. Wir haben das natürlich wissenschaftlich aufgearbeitet und richterskala-mäßig folgende Tabelle erstellt:

Umdrehungen / Minute Status
bis 4.000 Oma am Zebrastreifen
bis 7.000 Zonko in Badeschlöpfs
auf ana 125er
bis 10.000 Genug für jeden GTI
bis zum Begrenzer (ca. 15.000) Das Inferno

Die Sekundenbruchteile, die man beim Fahren der CBR im extrem hohen Tourenbereich erlebt, vergehen ungefähr so: Nach der 8000er Marke freut man sich über Leistung, mehr Leistung und dann noch mehr Leistung. Bei 10k beschleunigt das Gerät dann wie ein Sumoringer im freien Fall, es wird schwarz, seltsame Geräusche, Streifen am Rand, die Hände umschweissen den Lenker, Euphorie über noch mehr Leistung, Glückshormone, Grinsen, Lachen, Schweiß, Angst vor noch mehr Leistung, ...

Bei 15.000 U/min beginnt das Gehirn dann wieder normal zu arbeiten, um sich auf den nächsten Gangwechsel vorzubereiten.

Herrlich: Die CBR ist extrem wendig und leicht, die kontrollierte Leistungsentfaltung treibt einem Tourenfahrer wie mir nicht gleich den Angstschweiß auf die Stirn, wenn man den Gasgriff am Kurvenausgang auf Harakiri-Mode stellt. Das Fahrwerk schafft Vertrauen, sogar von Schräglagen auf dem spurgerillten Südautobahn-Wechselabschnitt bleibt die Fuhre unbeeindruckt.

Wunschprogramm: Für all jene, die mit der Honda CBR 600RR nicht nur am Ring anrauchen, ist eine andere Übersetzung fast Pflicht. Mit dem zweiten Gang 170 auf der Nadel ist die Original-Übersetzung für meinen Geschmack einfach zu lang, vor allem wenn man gerne im Drehzahl-Inferno-Bereich beschleunigt, ohne die Schallmauer durchbrechen zu wollen.

       
 
Foto: nyx.at powered by session7.com
 
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Risiken und Nebenwirkungen

Nach drei Tagen und zahlreichen Kilometern auf der Honda bin ich froh, sie wieder loszusein - bevor mich die Sucht packt, das Konto geplündert und mein Fuhrpark größer wird.

Die "kleine" CBR ist das Motorrad, mit dem ich mit meiner Prinzessin Eis kaufen fahre, bevor ich über die Côte d'Azur nach Jerez auf die Rennstrecke toure. Ein perfektes Allround-Sportmotorrad mit ferrari-würdiger Akkustik.

Technische Details und noch mehr Infos findet ihr unter: www.honda.at

       
 
 

Bericht vom 26.06.2003 | 20.738 Aufrufe

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