Husqvarna 801 Svartpilen Test 2024

Nicht "nur" eine schönere 790 Duke!

Das erste zweizylindrige Husqvarna Naked Bike tritt an, um finstere Straßen zu erkunden. Wir bringen Licht ins Dunkle - erster Test!

Test der Svartpilen auf den Traumstraßen Südfrankreichs statt den “dark streets”

Die neueste Ergänzung der Husqvarna-Familie, die Svartpilen 801, soll, zumindest wenn man den Werbeslogans Glauben schenken darf, besonders dazu geeignet zu sein, dunkle Straßen zu erkunden. Es stimmt mich dennoch glücklich, dass man sich für die Präsentation dann doch für die malerischen Kurven und atemberaubenden Landschaften des Sainte-Baume Natural Regional Park in Südfrankreich entschieden hat.. Dieses Naturparadieses, bekannt für seine dichten Wälder und heiligen Grotten, bietet eine perfekte Kulisse für die raue Optik der Svartpilen 801. Mit kurvenreichen Bergstraßen, die sich durch die üppige Landschaft schlängeln, und Panoramaaussichten, die zum Innehalten und Genießen einladen, ist jeder Meter auf dieser Route ein Fest für die Sinne. Die hohen Buchen- und Eichenwälder, gepaart mit dem Duft der mediterranen Flora, schaffen eine Atmosphäre, die man fast als mystisch beschreiben könnte. Das absolute Highlight der gefahrenen Route habe ich euch auf Calimoto mitgetrackt.

So ähnlich ist die Svartpilen 801 der 790 Duke wirklich

Die Gemeinsamkeiten dieser beiden Motorräder standen im Zentrum der Anfragen, die uns über unseren Instagram-Kanal zu diesem ersten Test erreichten. Und tatsächlich, öffnet man unseren Motorradvergleich zwischen Husqvarna Svartpilen 801 und KTM 790 Duke zeigt sich am Papier ein sehr ähnliches Bild. Doch, wie so oft im Leben, lohnt es sich auch hier zwei Mal hinzusehen.

Die KTM 790 Duke und die Husqvarna Svartpilen 801 teilen sich den Paralleltwin-Motor mit Hubzapfenversatz und einem Hubraum von 799 Kubikzentimetern. Die Abstimmung ist allerdings unterschiedlich. Als weitere Gemeinsamkeit darf die Schwinge gelten, die 1:1 aus der 790er übernommen ist. Bei der Bremsanlage sind große Teile der Hardware gleich, mittels Feintuning wurden aber die Unterschiede zwischen KTM und Huski berücksichtigt. Das wars dann auch schon mit Überschneidungen zwischen Husqvarna Svartpilen 801 und KTM 790 Duke.

Fahrendes Motorrad

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Elektronikpaket und Features Husqvarna Svartpilen 801 - Die 990 Duke ist auch nicht weit!

Aber auch aus einer Duke-Klasse weiter oben hat man sich bedient. Die Federungskomponenten basieren auf der gleichen Hardware wie die der 990 Duke. Andere Federn in der Gabel (mit geänderter Federrate) und Anpassungen sind natürlich nicht ausgeblieben. Der wahre Schatz, den Husqvarna von der 990 Duke abbekommen hat, ist jedoch das formidable Elektronikpaket. Schon in der Basisvariante profitiert die 801er von Kurven-ABS, schräglagenabhängiger Traktionskontrolle, dem serienmäßigen Quickshifter und drei Fahrmodi. Den Vogel schießt ab, wer gegen 389 Euro Aufpreis das Häkchen beim Dynamic Paket setzt. Hier können die 5-stufige Anti-Wheelie Kontrolle, die Gasannahme in drei Stufen und die 9(!)-stufige Slip Control komplett frei kombiniert und konfiguriert werden. Es gibt aktuell kein Motorrad Inner- und auch außerhalb des Pierer-Konzerns, das um diesen Preis derartige Möglichkeiten bietet - bravo Huski!

Praxistauglich und durchdacht präsentiert sich auch das Bedienkonzept der Svartpilen. Der hinterleuchtete 4-Wege-Schalter am linken Lenkerende ist ebenfalls aus anderen Konzern-Modellen bekannt, aber auch Personen ohne Erfahrungswerte werden sich hier schnell zurechtfinden. Die anschaulichen Darstellungen im gut ablesbaren, scharf darstellenden 5 Zoll Farb-TFT Display tragen das Ihrige dazu bei. Während der Fahrt lassen sich beinahe alle Settings anwählen und verstellen, der Fahrer kann aus 3 verschiedenen Cockpit-Darstellungsvarianten wählen (Standard, ohne Favoriten, wie Trip, Durchschnittsverbrauch etc. und minimalistisch). Einen besonderen Mehrwert bieten die neuen Shortcuts hinter den Pfeiltasten (hoch und runter), standardmäßig sind hier Fahrmodus und ABS-Modus hinterlegt, was den meisten Anwendern passen sollte, man kann sich aber auch andere Einstellungen auf die Pfeiltasten setzen.

Wie schon bei den kleinen 401er-Schwestermodellen setzt Husqvarna auch bei der 801 auf den markentypischen LED-Ring rund um den Frontscheinwerfer, der genauso wie Heckleuchte und Blinker ebenfalls in LED-Technik ausgeführt ist. Als state-of the art darf auch die Connectivity-Lösung an der 801 bezeichnet werden. Mittels zugehöriger App am Smartphone lässt sich eine Pfeilnavigation oder der Musikplayer ins Display spiegeln. Neu ist die Möglichkeit, die App über den 4-Wege-Schalter fernsteuern. Die Connectivity-Features konnten wir auf unserer Testrunde aus Zeitgründen nicht testen. Als weitere sinnvolle Elektronik-Extras bietet Husqvarna für die Svartpilen 801 unter anderem noch einen Tempomaten und Heizgriffe an.

Fahreindrücke Husqvarna 801 Svartpilen - Motor

Die LC8c Plattform ist zurecht eine viel besungene Erfolgsgeschichte im Universum von KTM und Husqvarna und stammt in der 801 Svartpilen, genau wie in der 790 Duke aus dem Werk bei CFMOTO in China. Der Zweizylinder liefert immer genug Kraft und glänzt durch eine lineare Leistungsentfaltung. Unter 2500 U/Min geht das Triebwerk für einen modernen Motor eher ruppig zu Werke, hier vibriert das Bild in den ansonsten gut dimensionierten Rückspiegeln ordentlich. Oben raus, ab ca. 6500 U/Min spürt man Vibrationen am Tank und an den Fußrasten.

Soundseitig ist geiles Sprotzeln im Schubbetrieb bei niedriger Drehzahl inklusive. Die Endtöpfe von Akrapovic und Remus sollen hier noch etwas mehr akustisches Erlebnis bieten. Insgesamt ist der Klang der Husqvarna 801 Svartpilen aber als verhalten zu bezeichnen. Zu eng liegen die Ketten der Euro 5 plus Norm. Dafür kann sich der künftige Besitzer bereits im Serienzustand an einem der schönsten Auspuffrohre ergötzen, die der Motorradmarkt aktuell zu bieten hat.

Kommen wir zu den verschiedenen Fahrmodi: Neben Rain, Street und Sport steht optional auch noch Dynamic zur Wahl. Der Modus Street überzeugt durch angenehmes Ansprechverhalten, wird aber durch den frühen Eingriff der Traktionskontrolle in seiner Nutzbarkeit bei flotterer Gangart beschnitten. Die Modi Sport und Dynamic weisen ein etwas ruppiges, beinahe digitales Ansprechverhalten auf. Als tauglicher Landstraßenkompromiss mit sportlicher Note hat sich folgendes Setting herauskristallisiert: Modus Dynamic, Gasannahme Street, Slide Control auf Stufe 3.

Die Wheelie-Willigkeit der Svartpilen 801 ist trotz gewachsenen Radstands im Vergleich zur 701 immer noch deutlich ausgeprägt. Die fein dosierende Wheeliekontrolle ermöglicht es auch Schissern das Vorderrad in die Galerie steigen zu lassen, ohne einen Überschlag zu riskieren. Mutige können die Wheeliekontrolle im Dynamikmodus auch gänzlich deaktivieren. Anerkennende Worte finde ich auch für die präzise Schaltung der Svartpilen. Die sechs passend abgestuften Gänge flutschen mit, oder auch ohne Nutzung des Easy Shift genannten Schaltautomaten präzise hinein. Der Schalthebel vermittelt ein gutes Gefühl und gibt genug Rückmeldung ohne schwergängig zu sein.

Husqvarna Svartpilen 801 Fahreindrücke Landstraße: Fahrwerk, Reifen, Bremsen

Das Fahrwerks-Setup der Svartpilen ist grundsätzlich wirklich gut gelungen. Auf den welligen Pisten im Hinterland von Marseille konnten wir die Dämpfung ausgiebig testen. Kleine Schlaglöcher und Querrillen quittiert die Gabel mit etwas unwilligem Ansprechverhalten, Stöße werden nur schwach gefiltert an den Piloten durchgegeben. Das Federbein gibt sich bei denselben Anforderungen hingegen kaum Blöße. Lange Wellen schlucken beide Federelemente problemlos. Die Transparenz für das Vorderrad ist aufgrund des hoch aufragenden Lenkers nicht 100% gegeben, dafür sitzt man entspannt und komfortabel, dazu aber später mehr.

Für einen alten Bekannten hat sich Husqvarna bei der Reifen-Erstausrüstung entschieden: Der Pirelli MT60 RS überzeugt auch nach über einem Jahrzehnt am Markt mit solider Performance und einem breiten Grenzbereich. Seine stollige Optik macht ihn zu einer passenden Wahl für die Svartpilen 801, die mehr denn je nach Scrambler-Attributen suchen muss, um nicht sofort als das Naked Bike, das sie im Grunde ist, identifiziert zu werden. Im Bereich Reifen liegt vermutlich das günstigste Tuningpotenzial für die Svartpilen 801. Zieht man hier einen modernen Sportreifen auf, sind dem Kurvenräubern im Sattel der Huski kaum noch Grenzen gesetzt.

Goldrichtig auf Fahrwerk und Pneus abgestimmt präsentiert sich die Bremsanlage an der großen Huski. Bitte nicht falsch zu verstehen: Wir sprechen hier nicht von einem 1-Finger Sportanker, aber mit zwei Fingern am (verstellbaren) Bremshebel bringt man die Fuhre jederzeit verlässlich zum Verzögern. Der serienmäßige Supermoto-ABS-Modus ist in allen Modellen der Pierer Mobility ein wahrer Freudenspender, hier bildet auch die Svartpilen 801 keine Ausnahme. Freunde von Stoppies werden diesen Modus oft aktivieren, da das ABS das Abheben des Hinterrads ansonsten, unabhängig vom gewählten Fahrmodus, ausnahmslos verhindert. Umgekehrt lässt sich der Supermoto-ABS-Modus mit jedem Fahrmodus kombinieren.

Passt mir die Husqvarna 801 Svartpilen? Ergonomie

Auf lediglich 820mm ist die Sitzhöhe der großen Huski geschrumpft. Das Bike passt damit auch kleineren Piloten problemlos. Durch den hohen Lenker und nach unten versetzte Fußrasten halten es aber auch groß Gewachsene komfortabel im, trotz minimalistischer Optik überraschend bequemen Sattel aus. Der Kniewinkel ist nicht sonderlich spitz und die Sitzposition aufrecht. Durch einige Kniffe ist es den Ingenieuren bei Husqvarna gelungen, dass die Schräglagenfreiheit der 801 Svartpilen dennoch auf dem (hohen) Niveau der 701 gehalten werden konnte.

Zu zweit auf der Svartpilen 801: Soziustauglichkeit, höchstzulässiges Gesamtgewicht

Der eleganten Optik geschuldet ist der Platz für einen etwaigen Sozius am Heck der Svartpilen 801 nicht ausladend. Auch die gesetzlich vorgeschriebene Anhaltemöglichkeit wurde von den Gestalten der Svartpilen minimalistisch gedacht: ein ummanteltes metallenes Halteband, das erst nach dem Entfernen des Soziussitzes (hierfür sind zwei Schrauben zu lösen) zu Tage tritt, zeugt eher von der Umsetzung einer Notlösung, als von Hingabe für Passagiere in Reihe zwei. Insofern noch überraschender: Die Zuladung der Husqvarna Svartpilen 801 beträgt gigantische 244 kg. Bei einem im Zulassungsschein angegebenen fahrfertigen Gewicht von 191 kg ergibt sich ein höchstzulässiges Gesamtgewicht von 435 kg.

Husqvarna 801 Svartpilen: Verbrauch, Reichweite; Standgeräusch

Offiziell gibt Husqvarna einen Verbrauch für die Svartpilen 801 von 4,5 Liter auf 100 km an, was einem CO2-Ausstoß von 106 g/km entspricht. Auf unseren flott gefahrenen 240 Testkilometern wurde im Display ein Durchschnittsverbrauch von 5,1 Litern angezeigt. Mit vollem Tank kommt man mit der Svartpilen also zumindest 250, bei sparsamer Fahrweise eher 300 Kilometer weit. Das Standgeräusch der Husqvarna beträgt tirol-freundliche 91 dBA.

Husqvarna 801 Svartpilen: Haptik, Verarbeitung

Viel Licht und etwas Schatten, so könnte man dieses Kapitel bei der Huski umschreiben. Optische und haptische Leckerbissen zeigen sich von vorne bis hinten am Fahrzeug. Ein aus einem Guss gefertigter Hilfsrahmen im Heck, der die Ansaugung für die Airbox elegant integriert und sich als optische Trennung zwischen Fahrer und Sozius über das Fahrzeug erstreckt, oder die zahlreichen Schriftzüge und Logos verleihen der Svartpilen einen astreinen Auftritt. Vor dem Eiscafe wird das Fahrzeug leicht eine halbe Klasse höher eingeschätzt und muss sich auch vor deutlich teureren Bikes keineswegs verstecken.

Umso mehr schmerzt es, dass bei genauerem Hinsehen und - greifen die Hartplasitkverkleidung des 14-Liter Tank billig anfühlt. Der Spalt zwischen Tank und Verkleidung ist zudem genau so breit, dass sich hier herabfallende Blätter oder andere Unliebsamkeiten sammeln. Eine Reinigung ohne Abbau der Verkleidung scheint nicht möglich. Ansonsten ist die Verarbeitungsqualität der Husqvarna 801 Svartpilen rundum als absolut wertig zu beschreiben.

Husqvarna 801 Svartpilen: Preis und Verfügbarkeit, Serviceintervalle

Das Beste kommt zum Schluss lautet eine beliebte Redewendung und bei der 801 ist sie wirklich zutreffend. In Anbetracht der Performance, die dieses Fahrzeug bietet, ist der aufgerufene Preis als absolut fair zu bezeichnen. Konkret sprechen wir von 10.890 Euro zzgl. Nebenkosten in Deutschland, 12.299 Euro in Österreich und der Hammer: lediglich 9.990 CHF in der Schweiz. Wer lieber finanziert, dem stellt Husqvarna demnächst eine 0% (0,99% in der Schweiz) Finanzierungsaktion zur Verfügung. Nähere Infos hat der Husqvarna Motorcycles Händler in deiner Nähe.

Beim Händler verfügbar wird die Svartpilen ab Mitte Mai 2024 sein. Als vertrauensfördernde Maßnahme können alle Kunden die ausgedehnten Serviceintervalle (nach dem 1.000km Service) von 15.000 Kilometer betrachten. Man scheint bei Husqvarna jedenfalls von der Langlebigkeit der 801 überzeugt zu sein.

Fazit: Husqvarna Svartpilen 801 2024

Die Husqvarna Svartpilen 801 ist das Modell mit dem aktuell besten Preis-Leistungsverhältnis aus dem Hause Pierer. Souveräne Optik trifft auf tolle Technik und großartige Elektronik. Der Fahrspaß im Sattel kommt definitiv nicht zu kurz und die - schwierig zu definierende - Konkurrenz muss sich künftig warm anziehen, denn der schwarze Pfeil ist so scharf und präzise auf Kundenbedürfnisse getrimmt, wie noch nie.


  • toller Zweizylindermotor mit Kraft in allen Lebenslagen
  • für die Klasse überragende Elektronik (teilweise gegen Aufpreis)
  • Quickshifter Serie
  • wertige Verarbeitung
  • stimmiges Gesamtpaket
  • niedriger Verbrauch
  • optische Highlights (Heckrahmen, Auspuff)
  • gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • Gabel zeigt phasenweise Schwächen
  • Sound verhalten
  • nur eine Farbvariante

Bericht vom 26.04.2024 | 13.649 Aufrufe

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