LiveWire S2 Del Mar im Alltagstest 2024

Geräuschlos und fix über Barcelonas Straßen - LiveWire S2 Del Mar

So mancher "alte Biker-Hase" schwört auf das Donnern der Motoren, durstige Tanks und reges Schalten. Doch auch Elektrobikes machen sich einen größer werdenden Namen und haben viel zu bieten. Für mich war dies der erste Test eines batteriebetriebenen Motorrads, aber sicherlich nicht der letzte. Geräuschlos und geschmeidig hat mich die LiveWire S2 Del Mar aus der Reserve gelockt und fünf Tage lang auf den schönen Straßen Barcelonas begleitet. Wie genau die schlanke Dame performt, erfährst du hier!

Als Newbie im Bereich Elektromotorrad ließ die erste Überraschung nicht lange auf sich warten - das schnelle und unkomplizierte Losfahren. Nach dem Aufsteigen, Startknopf drücken und auf das moderne TFT- Farbdisplay starren musste ich mich mit einem Fragezeichen zu meinem Kollegen umdrehen. "Und jetzt?" "Na jetzt fährst du einfach los!" Das tat ich, ziemlich schnell und ziemlich leise, mit einem ungläubigen Grinsen. Dass die Maschine in 3 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt, stand fix außer Frage. Ich muss gestehen, dass das Fortbewegen ohne Vibrationen eines Motors und dessen unüberhörbares Brummen zuerst befremdlich war. Mit dem Bedürfnis an diesen Test heran zu gehen, das gleiche oder ein vergleichbares Erlebnis auf der S2 Del Mar zu haben wie auf motorisierten Bikes, wäre definitiv der falsche Ansatz gewesen. Das macht das Fahren jedoch keinesfalls weniger spannend. Persönlich hat es sich fast spielerischer angefühlt - ich konnte nicht aufhören, beim Beschleunigen an den Film "Tron" und die darin vorkommenden Bikes zu denken. Das Schalten zu vermissen ist anfangs wahrscheinlich ganz natürlich und war für mich nach der ersten Tagestour mit der LiveWire kein Thema mehr. Beide Welten zu kennen, sowohl die benzinbetriebene als auch die elektrisierte, bringt viele Eindrücke und Gegensätze mit sich. Ähnlich wie bei den Autos, ist die Wahl des Antriebs reine Geschmackssache und eine Frage der Prioritäten. Ich bin schon immer gerne Schaltwagen gefahren, genieße aber genauso jede Fahrt im Automatik-Wagen. Lässt man das wichtige Thema "Umwelt" beim Motorradkauf außen vor, sind meist folgende Punkte von Bedeutung: Leistung, Fahrwerk, Bremse, Reichweite, Aufladung/Verbrauch und Ausstattung. In allen Punkten darf sich die S2 Del Mar sehen lassen - also ran an die Details!

Geräuschlos sollte man auf der LiveWire S2 del Mar stets alles Sinne beisammen haben!

18.000 Euro sind ein Wort - vor allem für jüngere Fahranfänger, die ihr gespartes Geld bedacht investieren wollen. Bietet das optisch ansprechende Del Mar-Menü also genügend Leckereien für seinen Preis? Wer schon drei Kilometer vor dem Bikerparkplatz vernommen werden möchte oder den verklemmten Nachbarn gerne lautstark um sein Mittagsschläfchen bringt, ist hier an der falschen Adresse. Es wird andererseits deutlich einfacher, konzentrierte Radfahrer oder Fußgänger beim Überholen zu erschrecken (in sicherem Abstand natürlich). Spaß beiseite, die S2 Del Mar ist wirklich angenehm leise und macht das Überhören von Umgebungsgeräuschen fast unmöglich. Damit geht natürlich einher, dass man selbst leichter übersehen bzw. überhört wird - also stets alle Sinne beisammen haben!

Die S2 del Mar zu „tanken“ macht deutlich weniger Arbeit als erwartet

Mit dem Spitzenwert von 84 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 163 km/h ist es zu keinem Zeitpunkt langweilig geworden - die Beschleunigung hat mir sogar das ein oder andere euphorische "Woohooo" entlocken können. Da macht sich das Wegfallen des Schaltens als Bedingung doch beliebter und zeigt seine Schokoladenseite, auch wenn sich das Oldschool-Bikerherz dagegen wehren mag. Mit dem inbegriffenen Ladekabel lädt die S2 Del Mar innerhalb 8,4 Stunden von 0 auf 100%. Es muss schneller gehen? Dann reichen 6 Stunden für 60% mehr Ladung. Wenn man das schnelle Tanken gewöhnt ist, wirken diese Zahlen erstmal abschreckend und umständlich. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass eigentlich fast jeder Fahrer einfachen Zugang zur hauseigenen Steckdose hat und dass es zudem immer mehr Ladestationen in nächster Umgebung gibt. Das Motorrad über Nacht, beim längeren Brunch oder während der Arbeitszeit anzuschließen, macht deutlich weniger Arbeit als erwartet. Um noch einmal das anfängliche Statement aufzugreifen - alles eine Frage des Geschmacks und der Prioritäten.

Welche Reichweite kann man der LiveWire S2 del Mar im Alltag zumuten?

Aber wie weit kommt man denn genau mit voller Ladung? Nutzt man das Bike allein im Stadtbereich, so sind 180 km als Wert angegeben. Kombiniert man Stadt - und Landfahrten, so sind es ungefähr 140 km. Nach täglichem Fahren in verschiedenen Fahrmodi kann ich sagen, dass man nicht von Säule zu Säule eilen muss und eine entspannte Tagestour ohne Bedenken ausfahren kann. Geht es jedoch an die letzten Prozente, so entlädt die Batterie in schneller werdendem Tempo - also nicht auf die letzten 5 % verlassen und währenddessen ohne Erbarmen am Gas drehen.

Ein durch und durch souverän zusammengestelltes Paket!

Das Fahrgestell wird von den Namen Brembo und Showa geschmückt und verfügt über zwei 19 Zoll Reifen. Die Cartridge-USD-Gabel und das Monoshock-Federbein sind jeweils einstellbar und meistern ihren Job mit Bravour. Zudem lässt auch die Bremsleistung keinen Raum für Meckereien und agiert zuverlässig. Was nun noch fehlt, ist die Ausstattung. LiveWire liefert hier ein 4 Zoll-TFT-Display mit Smartphone Konnektivität. Die hauseigene App LiveWire Connect ist da ein wahres Plus und mit verschiedenen Handytypen kompatibel. Mit dabei sind auch ein USB-C-Anschluss und schicke LED-Leuchten von Front bis Heck. Die Elektrodame erweist sich also als durch und durch souverän zusammengestelltes Paket!

Fazit: LiveWire S2 Del Mar 2024

Die kleinere S2 Del Mar bringt alles mit, was man sich von einem urbanen Elektromotorrad erwartet: Style, leichte Fahrbarkeit und alltagstaugliche Reichweite. Im Sport-Mode zeigt sie aber, was einen E-Antrieb ausmacht und katapultiert den Piloten regelrecht nach vorne. Die del Mar ist daher eine gute Wahl für alle, die sich für Elektromobilität interessieren, das Gefühl eines Motorrads aber nicht aufgeben wollen. Ein wirklich cooles Pendlerfahrzeug, das aber auch im Kurvengeläuf Spaß macht!


  • clevere Arrow-Plattform mit tauschbaren Komponenten
  • pendlertaugliche Reichweite
  • sanft ansprechender E-Motor
  • sinnvolle Fahrmodi
  • einfaches Handling
  • ansprechende Optik
  • die riesigen Reifendimensionen reduzieren die Handlichkeit

Bericht vom 17.04.2024 | 7.132 Aufrufe