Benelli Leoncino 125 Test 2022

Der kleinste Löwe mit mächtigem Gebrüll

Angriff auf die hart umkämpfte A1-Klasse! Benelli will sowohl jung als auch alt mit der charmanten Leoncino 125 zum Händler locken. Wird es gelingen? Wir haben es beim Test herausgefunden!

Selbst nach zahlreichen Bikes mit unglaublichen Leistungsangaben, gibt es immer wieder 125 Kubik Motorräder, auf die ich mit tatsächlich freue. Sei es durch die Optik, oder dem Gesamtpaket, das der Hersteller verspricht. Ein solches Modell war die neue Benelli Leoncino 125, die im November 2021 im Zuge der EICMA präsentiert wurde. Wurde die Vorfreude erfüllt?

Optik im Stil der großen Leoncino Modelle

Designed in Italy - kein leeres Versprechen an der Seitenverkleidung der Leoncino 125. Tatsächlich hat die Traditionsmarke, die inzwischen im Besitz der chinesischen Qianjiang-Gruppe ist, seinen Sitz weiterhin in Pesaro, Italien. Optisch orientiert man sich klar an den größeren Modellschwestern Leoncino 500, beziehungsweise Leoncino 800 und bringt somit frisches italienisches Design in die A1-Klasse. Vom 12,5 Liter großen Tank zieht sich über 795 mm hohen Sitz eine klare Linie bis ins Heck der Leoncino 125, was ihr eine sportlich-elegante Form gibt. Gepaart mit der dunkelgrünen Lackierung inklusive neongelben Akzenten, hat man hier ein sehr attraktives 125er Naked Bike auf die Beine gestellt. Der kleine Löwe am Kotflügel (Leoncino) darf natürlich nicht fehlen!

Benelli Leoncino 125 Leistung und Höchstgeschwindigkeit

Doch nicht nur optisch lässt sich die Leoncino sehen. Benelli verbaut einen neuen wassergekühlten Einzylinder (erstmals nicht luftgekühlt), mit einer obenliegende Nockenwelle und 4 Ventilen. Man verspricht eine Leistung von 12,8 PS bei 9.500 Umdrehungen und ein Drehmoment von 10 Nm bei 8.500 Umdrehungen. Am Papier in erster Sekunde enttäuschend - schließlich liegt das Maximum der A1-Klasse bei 15 PS.

In der Praxis beweist sich die vermeintliche Enttäuschung aber als Trugschluss. Mit einem kernigen Ansauggeräusch beschleunigt die Leoncino 125 motiviert Richtung Horizont und lädt auf fleißiges Schalten des 6-Gang-Getriebes ein. Lebendig dreht der Einzylinder bis zum Drehzahlbegrenzer bei circa 10.000 Umdrehungen und lässt sogar eine Höchstgeschwindigkeit von rund 110 km/h zu. Hier gibt es also nichts zu kritisieren - bravo Benelli!

Kombiniertes Bremssystem - ein Kompromiss aus Kosten und Sicherheit

Gesetzlich müssen Roller und Motorräder der 125 Kubik Klasse über kein ABS-System verfügen. Ein CBS (kombiniertes Bremssystem) ist ebenso erlaubt und stellt gleichzeitig die kostengünstigere Variante dar. Bei dieser Variante wird vorne mitgebremst, wenn die Hinterradbremse aktiviert wird. Um den Preis niedrig zu halten, hat man sich für diese Option auf der Leoncino 125 entschieden, Preislich hat es sich gelohnt, schließlich kostet die neue Benelli Leoncino 125 in Deutschland nur 3.499 Euro. Hier findest du alle Angebote: Benelli Leoncino 125 Preis

Fahrdynamisch sorgt das jedoch für Abzüge und stellt den einzig großen Kritikpunkt an dem Naked Bike dar. Selbst bei leichtem Betätigen der Hinterradbremse packt der Bremssattel die vordere 280 mm Bremsscheibe und sorgt für überraschend viel Verzögerung, sowie ein Eintauchen der Gabel. Ein Mitbremsen im Kurvenverlauf, wodurch das Motorrad eigentlich stabilisiert und sozusagen "gestreckt" wird ist somit kaum möglich. Ein Nachteil der Kosteneinsparung.

Verarbeitung und Ausstattung stellen zufrieden

Eigentlich schade, denn betrachtet man die neue Leoncino 125 im Detail wird der niedrige Preis eigentlich nicht ersichtlich. Selbst bei diesem Modell setzt man vollständig auf LED-Beleuchtung, die Verarbeitung beweist sich als hochwertig und die Bedieneinheiten am Lenker punkten mit einer zufriedenstellenden Haptik. Als Kommandobrücke verbaut man ein klassisches LC-Display, das zwar nicht mit einer verspielten Darstellung oder spannenden Extras glänzt, sich dafür aber gut ablesen lässt und klar darstellt, was es darstellen muss. Sogar eine Ganganzeige ist mit an Bord!

Benelli Leoncino 125 Löwe am Kotflügel
Stolz thront der kleine Löwe am Kotflügel der Leoncino.

Benelli Leoncino 125 Erfahrungen auf der Landstraße

Angst vor Spaßmaßnahmen braucht man während der Fahrt glücklicherweise nicht zu haben. Das Chassis versprüht eine sportliche Note und die Fahrwerkskomponenten (sogar mit Upside-Down-Gabel!) geben einen guten Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort. Apropos Sport: Der Kniewinkel fällt spitzer als erwartet aus, doch selbst unsere großen Tester fühlten sich auf der kleinsten Leoncino wohl. In unseren Breiten ist die Serienbereifung von CST zwar eher unbekannt, dennoch konnte der CM-NK01 Reifen - zumindest auf trockener Fahrbahn - überzeugen. Während unserer Testphase mit der Benelli hatten wir keinen Regen und können somit kein Urteil über den Nassgrip abgeben.

Vaulis Meinung zur Benelli Leoncino 125

Die kleine Leoncino hat mich positiv überrascht - einerseits durch die Optik, andererseits durch den Motor. Denn ich habe mich schon darauf eingestellt, dass ich mit einem 125er-Einzylinder-Motörchen, das nicht einmal die erlaubten 15 PS abliefert, sondern nur 12,8 PS, nicht allzu viel Spaß haben werde. Allerdings hängt dieses quirlige Triebwerk richtig gut am Gas, zieht bereits aus dem Keller ordentlich an und wirkt bis zum Begrenzer fröhlich und agil. So soll es sein! Die CBS-Bremse ist für mich, der ein ABS oder gar keine Helferlein gewohnt ist, natürlich extrem irritierend. Durch das kombinierte Bremssystem (entweder CBS oder ABS sind bei 125ern gesetzlich vorgeschrieben) wird bei Betätigung der Hinterradbremse auch die vordere Bremse aktiviert und die Front taucht unerwartet stark ein. Ankreiden möchte ich das der Benelli Leoncino 125 freilich nicht, man gewöhnt sich flott daran und der Sicherheit eines Anfängers ist es gewiss zuträglich. Der zweite Überraschungseffekt betrifft die Optik der kleinen Leoncino. Auf den ersten Bildern, die ich sah, passte für mich Einiges nicht ganz zusammen, aber in Natura wirkt das kleine Naked Bike durchaus stimmig. Abgesehen vom herkömmlichen LCD-Cockpit, das in der heutigen Zeit schon gar nicht mehr auf ein modernes Bike zu passen scheint, kann ich ihr durchaus eine gewisse Eleganz zuschreiben. Das liegt unter anderem an diesem kräftigen Grün, das (abgesehen von allen Kawasakis) eine ziemliche Nebenrolle als Motorradfarbe fristet. Und natürlich der herzige Löwe auf dem Frontkotflügel, der für mich keineswegs peinlich wirkt, sondern eher Liebe zum Detail suggeriert.

Fazit: Benelli Leoncino 125 2022

Charmant, hübsch anzusehen und gut zu fahren - mit der Leoncino 125 hat Benelli alles richtig gemacht, um ein wettbewerbsfähiges Naked Bike auf die Beine zu stellen. Der Preis ist attraktiv, dafür muss man sich aber leider mit dem CBS-System zufriedenstellen. Ansonsten gibt es nichts auszusetzen - mit der Benelli Leoncino 125 macht man bestimmt nichts falsch!


  • überraschend kräftiger Motor
  • einfaches Handling
  • hübsche Optik
  • gute Verarbeitung
  • attraktiver Preis
  • CBS-System anstelle von ABS

Bericht vom 10.05.2022 | 3.614 Aufrufe

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