Brabus 1300 R Test

Edel, stark und schnell

Der Edeltuner Brabus baut nun auch ein Motorrad. Wir fuhren die Brabus 1300 R auf Mallorca. Dabei konnten wir das elektronische Fahrwerk testen sowie die Praxistauglichkeit der feinen Tuningteile überprüfen. Und natürlich die edle Optik in voller Pracht inhalieren.

Was für ein Erstlingswerk. Wie möchten sie das zukünftig überbieten? Der Auto Edeltuner Brabus schiebt die 1300 R an den Start. 180PS aus einem 1300 ccm V2 in einem wunderbar gelungenen Kleid überzeugen. Als Basis dient die KTM 1290 Super Duke R in der "EVO" Variante. Also inklusive dem neuen elektronischen Fahrwerk. Ins Auge sticht aber noch viel mehr die edle und stimmige Lackierung welche punktgenau zum voluminösen Kraftwerk passt. Das edle Erscheinungsbild wird aber auch von den hochwertigen 9-Speichen Schmiederädern definiert. Freunde von Carbon kommen ebenso auf ihre Kosten wie Freunde von geschmeidigen Fahrkomfort. Die brutale 1300 R wird von Brabus auch mit gemütlicher Sitzheizung ausgeliefert. Brabus ist es gelungen aus einem brutal und martialisch wirkenden Motorrad ein wirklich schönes und edles Stück zu machen. Angeboten wird das Teil in 2 Farbversionen. Magma Red und Signature Black stehen zur Auswahl. Wobei "Auswahl" die Sache nicht ganz richtig trifft. Die jeweils 77 Stück waren innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft. Wir von 1000PS bekamen eines der extrem raren Teile für eine intensive Probefahrt zur Verfügung gestellt. Wir durften die edle Fuhre auf Mallorca auf Herz und Nieren testen.

Brabus 900 Rocket Edition
Was für ein würdiges Fahrzeug für eine 1000PS Location Scout Ausfahrt. 900PS standen zur Verfügung! Brabus 900 Rocket auf G Klasse Basis.

Wir nutzten diese Gelegenheit gerne. Einerseits wollten wir Brabus als Marke ein wenig genauer kennenlernen. Auf Mallorca präsentierten sie Autos, Boote und eben auch ihr Motorrad. Auf der anderen Seite war es eine gute Gelegenheit das semiaktive Fahrwerk der KTM 1290 SuperDuke Evo zu testen. Denn auch wenn das Motorrad optisch total eigenständig rüber kommt, sind die Unterschiede beim Chassis überschaubar. Auch die Motorleistung wird vergleichbar sein. Bei Brabus bollert der V2 aus einer speziell entwickelten Doppelrohranlage. Also wird der Test auch für Fans der SuperDuke durchaus interessant sein.

Brabus 1300 R - Die speziellen Teile bei Design und Verkleidung

  • Aerodynamik
  • BRABUS Scheinwerfermaske
  • BRABUS Seitenverkleidungen mit Carbon Lufteinlässen
  • Carbon Frontkotflügel
  • Carbon Bremsenbelüftung
  • BRABUS Bugspoiler in Carbon
  • Carbon Heckverkleidung mit BRABUS Signature Stripes
  • Maßgeschneiderter, beheizter BRABUS Fahrersitz
  • BRABUS CNC-Gabelbrücke
  • Einstellbare BRABUS CNC-Hebel für Vorderradbremse und Kupplung
  • BRABUS CNC-Behälter für Bremsflüssigkeit, Kupplung und CNC-Deckel für Öltank
  • Einstellbare BRABUS CNC-Fußrasten
  • Kurzhubgasgriff
  • Carbon Kettenschutz
  • Carbon Fersenschutz
  • Carbon Generatordeckelschutz und Kupplungsdeckelschutz
  • Carbon Zündschlossabdeckung
  • Carbon Tankabdeckung
  • Details und Embleme
  • Tankdeckel schlüssellos
  • Speziell schwarz lackierter Rahmen
  • BRABUS HMI Startanimation für das Display mit roter Farbgebung
  • Sign of Excellence mit Limited Edition Nummer

Videoproduktion auf Mallorca

Für die Videoproduktion auf Mallorca befuhren wir natürlich einige der schönsten Strecken auf der Insel. Hier die von Calimoto gewählte Route für den Videodreh.

Brachialer Motor präsentiert sich mit tollen Manieren

Nach den ersten sonnigen Metern auf Mallorca war es zuerst der Motor der wieder einmal begeisterte. Das brachial wirkende 1300 V2 Aggregat lässt sich im hektischen Stadtverkehr einfach und harmonisch dirigieren. Auch im Stop-and-Go Verkehr liegt der Motor gut in der Hand. Der Übergang vom Schiebebetrieb in den Lastbetrieb klappt ebenfalls toll. Das ist bei einem solch voluminösen V2 Motor durchaus erwähnenswert und diese tollen Manieren liegen bestimmt am Fortschritt den die Elektronik gemacht hat. Das Elektronikpaket macht insgesamt einen guten Job. Sowohl das ABS als auch die Traktionskontrolle und auch die Wheelykontrolle sind sehr praxistauglich abgestimmt. Die Helfer gehen dir zu Hand ohne zu Nerven und lassen viel Spielraum zu. Trotzdem sprechen sie aber sehr schnell und punktgenau an.

Freudenspender Brabus 1300 R

Beim ersten Cafestopp nahm ich mir das Motorrad genauer unter die Lupe. Ich war sehr positiv überrascht, dass das Bike aus dem Hause Brabus so praxistauglich fährt. Das Motorrad wirkt insgesamt ja sehr exklusiv und extrovertiert. Aber im Sattel fühlt es sich wie ein richtig gutes Power Nakedbike für echte Motorradkenner an. Die Hebeln liegen gut in der Hand, die Sitzbank bietet tollen Grip und die Fußrasten krallen sich förmlich in die Stiefel. Die etwas leichteren Felgen lassen das Motorrad auch nicht kippelig werden. Die Maschine fährt präzise und harmonisch. Das Motorrad ist also keinesfalls dafür gebaut in irgendwelchen schicken Sammlungen ein schickes Dasein zu fristen. Es ist eine agile Fahrmaschine welche Adrenalin und Freude spendet.

Das elektronische Fahrwerk - Neu auch in der KTM 1290 Super Duke R EVO

Das elektronische Fahrwerk an der Brabus 1300 R kannte ich so nicht. Es kommt auch in der neuen KTM Super Duke R Evo zum Einsatz. Dort allerdings in Kombination mit etwas schwereren Felgen. Doch die grundsätzliche Performance wird bestimmt vergleichbar sein. Elektronische Fahrwerke machen besonders bei Powernakedbikes sehr viel Sinn. Denn der kräftige Motor mit 180 PS erfordert grundsätzlich eine straffe Abstimmung vom Fahrwerk. Am Kurvenausgang zum Beispiel benötigt man eine straffe Dämpfung am Federbein. Eine zu weiche Abstimmung würde das Heck einsinken lassen. Was auf der anderen Seite dazu führt, dass man vorne die Linie nicht mehr halten kann und das Motorrad weit geht. Baut man jedoch ein bretthartes Fahrwerk ein, fährt das Bike im Alltag hölzern und ist nicht komfortabel. Das elektronische Fahrwerk kann diesen Kompromiss entschärfen. Kleine Motoren passen die Einstellungen an der Gabel und am Federbein während der Fahrt an. Das ist bei einem Motorrad wie der Brabus 1300 R auch deshalb in hoher Qualität möglich, weil durch die hochwertige Bordelektronik auch jede Menge hochwertiger Daten zur Verfügung stehen. Die 6-Achsen IMU weiß genau in welcher Lage sich das Fahrzeug befindet und auch sämtliche weiteren Daten zum aktuellen Fahrzustand werden geliefert.

Im Sattel kriegt man von diesem Hexenzauber nichts mit. Als Anwender wählt man im Fahrzeugmenü sein gewünschtes Setup aus. Für alltägliche Strecken bietet sich zum Beispiel das "Comfort" Setting an. Dieses lässt sich wunderbar mit der "Anti-Dive" Funktion kombinieren. Dann ist das Fahrzeug im Alltag relativ komfortabel, die Front taucht bei harten Bremsmanövern aber trotzdem nicht ein.

Mallorca Motorradstrecke
Auf Mallorca fuhren wir eine richtig ausgedehnte Tour. Da durfte natürlich die Fahrt über die legendäre MA-2141 nicht fehlen.

Für sportliche Sektionen wählt man die Einstellung "Sport" aus und erfreut sich an einem straffen Fahrwerk welches trotzdem aber ein gutes Gefühl für den aktuellen Fahrzustand vermittelt. Das elektronische Fahrwerk ist also keinesfalls eine Firewall für Feedback und Gefühl sondern ein wirklich praxistaugliches Feature welches man gerne nutzt. Wer dem Teil vertraut kann es auch im Modus "Automatic" verwenden. Dann ist es so, dass der Einstellbereich sehr breit wird und das Fahrzeug das Setup innerhalb von wenigen Augenblicken deutlich verändert wird. Das fühlt sich für Motorradkenner erstmal etwas gespenstisch an, die Funktion in der Praxis ist aber tadellos. Beim Bummeln durch das Ortsgebiet wird das Fahrzeug soft und etwas weniger direkt. Sobald der Gasgriff wieder anständig gemolken wird verschiebt sich das gesamte Setup und das Motorrad wird wieder straffer. In der Praxis beließ ich das Fahrzeug am Ende des Tages einfach im Automatic Modus.

Die Einstellungen am Fahrwerk dürfen übrigens nicht mit den Einstellungen der Motorelektronik und sonstigen Fahrhilfen verwechselt werden. Hier bin ich sehr gerne im defensiven "Street" Modus unterwegs. Da spricht der Kurzhub-Gasgriff sanft an und die Fahrhilfen sind auf der sicheren Seite. Insgesamt passte das bei den wechselhaften Bedingungen auf Mallorca wunderbar.

Brabus 1300 R - 180PS werden treffsicher dirigiert

Wir fuhren das Motorrad auf sehr engen Kehren aber auch auf schnellen und und weiten Passagen. Dabei genossen wir die Maschine als fahraktives und praxistaugliches Sportmotorrad. In den weiteren Kehren fährt man das Motorrad gerne im Hangoff ansonsten sitzt man locker und entspannt im Sattel der Maschine. Die Sitzposition ist insgesamt sehr komfortabel ohne dabei aber zu leger zu werden. Eine ausgedehnte Tagestour fühlt sich gut und richtig an - trotzdem ist man bei Bedarf dynamisch genug um die 180PS auch treffsicher zu dirigieren.

Brabus 1300 R - Kooperation von KTM und Brabus

Klarerweise achtete ich beim Test auch auf die Qualität und Praxistauglichkeit der verwendeten Komponenten. Diese sind zum Teil eine Kleinserienproduktion. Freunde von exklusiven Teilen sehen das grundsätzlich positiv. Ich selbst bin ja Technokrat und bin eher ein Fan von Großserienprodukten. Doch man darf Brabus hier keinesfalls als kleine Tuningfirma abstempeln. Brabus ist DIE Tuningfirma mit richtig viel Erfahrung und knapp 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Deutschland. Diese Strukturen werden geschickt mit den Möglichkeiten von KTM in Mattighofen kombiniert. So hat man einerseits ein edles und exklusives Stück an der Hand auf der anderen Seite aber Service und Support von einem breiten Händlernetz samt verlässlicher globaler Ersatzteilversorgung.

In der Praxis stellt sich rasch ein vertrautes Gefühl ein und auch die edlen Carbon- sowie Frästeile sind handwerklich richtig gut gemacht und erfreuen den Motorradgenießer. Kritische Piloten werden vermutlich an zwei Themen ein Haar in der Suppe finden. Eine Schwäche bringt das Basismodell mit sich. Die verwendeten Schalter und Knöpfe am linken Lenker wirken schon an der KTM eher fummelig und versprühen keinen exklusiven Touch. Hier war die Stückzahl von knapp 150 Stück vermutlich zu klein um für das edle Teil von Brabus auch edlere Knöpfe montieren zu können. Bei den edlen Anbauteilen war es dann der Spiegel der allzu sexy aber nicht 100% praxistauglich ist. Das Sichtfeld ist zu klein und bei engen Kehren stoßen die Spiegel an den Knien. Doch mir ist bewusst, dass viele Fans von exklusiven Nakedbikes diese Art von Spiegel bevorzugt. Ich selbst stehe mehr auf gut gemacht Spiegel in der klassischen Konfiguration. Wobei man sagen muss, dass die Spiegel bombenfest sitzen und keinerlei Probleme mit Vibrationen haben. Es ist einfach die Position der Spiegel welche nicht jeden Piloten glücklich machen wird.

Brabus 1300 R
Die 2 Farbvarianten der 1300 R von Brabus: Magma Red und Signature Black stehen zur Auswahl!

Brabus 1300 R als Wertanlage und Spekulationsobjekt?

Das bisherige Feedback aus der 1000PS Community würde ich durchwegs positiv beurteilen. Klarerweise gibt es Stimmen welche das Motorrad als "zu teuer" empfinden. Doch als Pragmatiker muss ich sagen: Offenbar war der Preis zu tief angesetzt. Denn das Motorrad war in wenigen Minuten ausverkauft und Brabus hätte vermutlich einen höheren Preis oder eben eine größere Stückzahl erzielen können. Insofern waren die knapp 40.000 Euro in Deutschland zwar eine hübsche Summe welche man überweisen musste. Doch vermutlich werden die 40.000 Euro in der privaten Buchhaltung eher nicht als "Kosten" abgeschrieben sondern dürfen als "Anlage" in den Büchern geführt werden. Die Begehrlichkeit der Marke Brabus ist hoch - ein guter Indikator ist da der Instagram Kanal welcher im April 2022 über 1 Million Fans stark war. So war es auch klar dass einige Käufer das Motorrad als Spekulationsobjekt gekauft haben und erste Bikes wurden bereits für über 70.000 Euro auf 1000PS zum Kauf angeboten.

Ich selbst hoffe natürlich dass die Käufer das Motorrad auch gerne und oft ausführen. Das gute Stück hätte es sich verdient. Das Motorrad fährt gut und macht wirklich viel Spaß. Die 1300 R ist ein aufregendes Statussymbol welches man nicht nur gerne ansieht sonder auch gerne ausführt. Und es macht uns natürlich auch neugierig - Welche Modelle wird Brabus zukünftig an den Start schieben? Die Marke möchte sich langfristig im Bereich Motorrad engagieren und hat viel vor. Wir bleiben dran!

Fazit: BRABUS 1300 R

Brabus hat mir dem ersten Motorrad die Latte für zukünftige Entwicklungen hoch gelegt. Die 1300 R wirkt einerseits sehr ausgereift, hochwertig und performant. Auf der anderen Seite aber auch edel und exklusiv. Die verwendeten Teile und Komponenten sind praxistauglich und sehen nicht nur sexy aus sondern machen im Alltag auch viel Freude. Ein gutes Motorrad.


  • Angenehm zu dosierender aber bei Bedarf brutal antretender Motor
  • hochwertige Fahrerassistenzsysteme
  • sehr hochwertige Carbonteile
  • angenehme Sitzbank
  • komfortable Sitzposition auch für große Piloten
  • elektronisches Fahrwerk lässt einen breiten Einsatzbereich zu
  • hochwertige Bremsanlage
  • Agiles aber auch präzises Fahrverhalten
  • Gute Stabilität auch in schnellen Kehren
  • Sicht in Rückspiegeln etwas eingeschränkt
  • Bei engen Kehren können Rückspiegel auf die Knie drücken
  • Knöpfe und Schalter am linken Lenkerende etwas fummelig und mit Handschuhen etwas mühsam zu bedienen

Bericht vom 27.04.2022 | 5.255 Aufrufe

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