Die 2022 Mash Six Hundred 650cc im Test

Ein klassisches A2 Bike zum kleinen Preis

Gefällige Optik, glaubhaftes Retro-Feeling und endlich vernünftig motorisiert. Mit der Six Hundred schiebt Mash eine reizvolle A2-Maschine an den Start. Test auf Korsika!

Das Herzstück der Mash Six Hundred: Eintopf mit 40 Pferden

Der Motor der Six Hundred ist ein Einzylinder vom alten Schlag. Das ist keine Redensart, basiert der 644 Kubikzentimeter große, luft-öl gekühlte, Single doch auf dem Motor der Honda Dominator aus dem vorigen Jahrtausend. In mühsamer und konsequenter Arbeit, ist es den Entwicklern bei Mash gelungen ihn über die Euro 5 Hürde zu heben. Durch diesen Prozess sind zwar ein paar PS verloren gegangen, wir sprechen aktuell von einer maximalen Leistung von 40 PS (statt vormals 45 PS) bei 6.000 U/min und auch das Drehmoment beträgt nun maximal nur noch 50 Nm (statt vormals 53 Nm) bei 4.500 U/min, doch das Aggregat überzeugt immer noch durch die langhuber-typische lineare Leistungsentfaltung.

Dazu gesellt sich ein Sound, der perfekt mit der gebotenen Performance harmoniert. Klassisch geht es auch beim leicht schaltbaren Getriebe zu, 5 Gänge relativ eng abgestuft sorgen für entspanntes Vorankommen. Der Verbrauch hält sich dabei erfreulicher Weise in Grenzen: Rund 4 Liter auf 100 Kilometern verbraucht die größte Mash.

Mash Six Hundred: Optisch ein echter Leckerbissen

Chrom-Fans kommen bei den Six Hundred Modellen eindeutig auf ihre Kosten. Die zwei verfügbaren Farbvarianten Night Blue und British Greene passen da perfekt ins Bild. Der zwei-farbig lackierte Tank, die Faltenbälge an der Gabel und die herrlichen Speichenfelgen kündigen schon an, wohin die Reise geht, nämlich ins England der 60er Jahre Union Jack Emblem an der Seitenverkleidung inklusive. Ein klassisch designtes Cockpit mit Chromlenker, schönen Rundinstrumenten und der je nach Farbvariante cognac-braune oder schwarze (Kunst-)Ledersattel runden das Bild ab.

Alte neue Motorräder in der A2-Klasse

Durchbrochen wird die Zeitreise am Hauptscheinwerfer, hier hat sich eine moderne LED-Einheit eingeschlichen, die aber für eine ausgezeichnete Ausleuchtung der Straße sorgt und weiter nicht stört. Die Verarbeitungsqualität der Classic geht großteils in Ordnung. An den (nicht einstellbaren) Hebelein und bei den Schaltern merkt man dann aber doch, warum dieser neue Klassiker so günstig zu haben ist. Auch die Stereo-Federbeine hinten, mögen sie auch optisch glänzen, sind von eher bescheidener Qualität.

Fahrwerk der Mash Six Hundred Classic

Die eben erwähnten Federungskomponenten hinten bieten ein Dämfungserlebnis wie damals. Die herausfordernden Straßen des korsischen Hinterlands und das ambitionierte Tempo des Guides enttarnen erbarmungslos, dass hier weder hinsichtlich Komfort, noch hinsichtlich Performance Höchstleistungen erbracht werden können. Die 41 mm Teleskopgabel vorne passt sich diesen Eigenschaften stimmig an, auch wenn ihr Ansprechverhalten etwas besser ist, sind wir bei der Six Hundred von einem modernen Fahrverhalten relativ weit entfernt.

Das gesagt habend, sollte man sich allerdings vor Augen halten, für wen Mash die Classic gebaut hat. Dieses entschleunigende Motorrad, wird sehr viele Piloten, ohne allzu große dynamische Ambitionen, glücklich machen. Wer ein agiles Retrobike mit tollem Fahrwerk sucht muss derzeit am Markt gut und gerne das Doppelte bezahlen.

Fahrverhalten und Bremsen der Mash Six Hundred Classic

Nichts zu bemänglen gibt es bei den Bremsen der Six Hundred Classic. Die Einzelscheiben mit 320 mm- Durchmesser vorne und 240 mm hinten verzögern die Mash zuverlässig. Für die Kategorie und auch für die Preisklasse unüblich: Das ABS lässt sich auf Wunsch deaktivieren, man muss den Knopf am Lenker im Stand für ca. 5 Sekunden gedrückt halten und schon ist es möglich die Räder blockieren zu lassen. Ob viele von euch diese Funktion nutzen werden, sei dahingestellt, schließlich werden die wenigsten Piloten die chrombepackte Mash ins Gelände entführen, wo dieses Feature am meisten Sinn macht.

Trotz des 19 Zoll Vorderrads mit Reifen der Größe 100/90 lässt sich das A2-Retrobike willig in den Radius drücken. Das Handling ist beinahe nervös, jedenfalls spielerisch. Dafür ist auch das Gewicht von lediglich 181 Kilogramm fahrfertig mitverantwortlich. Am Hinterrad kommt ein Pneu in den Dimensionen 130/70-18 zum Einsatz.

Sitzposition und Ergonomie der Classic sind ansprechend

Die Mash Six Hundred ist ein sehr zierliches Motorrad. Die 780 mm Sitzhöhe sind auch für klein gewachsene Fahrer oder Fahrerinnen kein Problem. Ich selbst habe mit mit meinen 1,87 Metern etwas überdimensioniert für die Maschine gefühlt, was nicht bedeutet dass die Sitzposition unkomfortabel war. Im Gegenteil, ein entspannter Kniewinkel und ein gut positionierter Lenker, ermöglichen es, auch längere Etappen aufrecht und ermüdungsfrei zu absolvieren. Bei beherzter Kurvenfahrt fiel mir der Knieschluss am Tank schwer, da die Classic hier extrem schmal baut.

Die Sozia will weise gewählt sein, soll sie denn länger hinter einem Platz nehmen. Aufgrund der kurzen Sitzbank sind Ausritte zu zweit nur eher kleinen oder schwer verliebten Menschen zu empfehlen. Der Kniewinkel ist dafür relativ entspannt.

Mash Six Hundred Classic: Preis und Verfügbarkeit

Beim Preis wird es echt interessant. Der beträgt in Deutschland 5.299 Euro exklusive Lieferkosten (iHv 387€). In Österreich sprengen wir die 6.000 Euro Marke knapp (UVP 6.134 Euro). Dennoch ist die Six Hundred Classic damit ein sehr attraktiver Wettbewerber am A2-Markt. Die Konkurrenz wie z.B. die Royal Enfield Interceptor oder die Kawasaki W800 sind deutlich teurer. Die beste Nachricht gibt´s zum Schluss: Wer sich jetzt verliebt hat, muss nicht lange warten. Die ersten Modelle sollten noch im November bei den Händlern stehen!

Fazit: Mash Six Hundred Classic

Authentischer kann man derzeit auf zwei Rädern wohl nur mit einem Oldtimer unterwegs sein. Wer sich die Six Hundred Classic zulegt, kauft ein neues altes Motorrad. Ja sie hat ABS und der Motor erfüllt die Euro 5 Norm, das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Maschine von einem dynamischen Standpunkt aus gesehen alt ist. Das Fahrwerk versetzt den Piloten tatsächlich zurück in die roaring 60ies und der rustikale Einzylinder poltert passend dazu. Ein sympathisches Motorrad für kleines Geld bleibt die Mash Six Hundred Classic dennoch.


  • schicke Optik
  • viel Chrom
  • günstiger Preis
  • ABS abschaltbar
  • Ergonomie einwandfrei
  • alter Motor mit starken Vibrationen
  • Fahrwerk kommt schnell an die Grenzen
  • Sparstift teilweise sichtbar

Bericht vom 30.10.2021 | 15.900 Aufrufe

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