KTM 1290 Super Adventure R 2021 Test

1.500 km Erfahrungen in den Pyrenäen

Intensivtest! 1.500 km mit der KTM 1290 Super Adventure R. On- und Offroad durch die Pyrenäen.

Endlich war es soweit. Ich habe ein sinnvolles Anwendungsgebiet für die komplett überdimensionierte KTM 1290 Super Adventure R gefunden. Viele Destinationen bezwingt man besser mit der S, härtere Reviere sind oft mit leichteren Hubräumen zu bezwingen. Doch bei der 1.500 km Tour quer durch die Pyrenäen wird beides benötigt: Komfort und harte Nehmerqualitäten im Gelände. Denn die lange Tour wurde im Rahmen der großen ACT-Videoproduktion absolviert. Die Tage starteten hier noch vor Sonnenaufgang und endeten meist nach Sonnenuntergang. 12 Stunden im Sattel waren die Regel und da erfreut man sich an der Souveränität und dem Fahrkomfort der großen Maschine. Auf der anderen Seite waren mehr als 60% der Strecke im Gelände zu absolvieren. Klar kann man diese Abschnitte auch mit 19 Enduros meistern. Doch das famose Fahrwerk der gewaltigen Super Adventure R schont die Kondition und bügelt viele Herausforderungen auf der Piste einfach weg.

Erstaunlich einfach - Die Fahrt mit der dicken Reiseenduro im Gelände

Besonders erstaunlich: Der Wunsch noch weiter zu fahren und noch mehr Abenteuer zu genießen steigerte sich von Tag zu Tag. Das ist bei den langen 12 Stunden Tagen durchaus positiv zu bewerten und am Ende der Tour war für mich klar: Die KTM 1290 Super Adventure R war für dieses Vorhaben das beste Motorrad für mich. Ich hatte vor der Reise eigentlich erwartet, dass ich den dicken Brummer in einzelnen Streckenabschnitten verfluchen werde. Doch ganz ehrlich: Ich hatte keinen Sturz, kein Hoppala und keine Probleme mit der dicken Maschine. Sämtliche kniffligen Passagen wurden vom Fahrwerk geschluckt oder vom fetter Drehmoment einfach überrollt. Es war wirklich beeindruckend wie spielerisch sich die wuchtige Maschine über Schlaglöcher und Kanten bugsieren ließ. Wobei ich an dieser Stelle erwähnen muss, dass ich mit 185 cm und relativ langen Beinen immer jede Menge Reserven im Sattel genoss. Ich schätze die Mindestgröße für problemlose Fahrten auf 178 cm ein. Als kongenialer Partner für das tolle Fahrwerk präsentierte sich die richtig gute Sitzbank. Auch im direkten Vergleich mit anderen Reiseenduros bot sie einfach die richtige Kombination aus Komfort und Härte um auch längste Etappen durchstehen zu können. Hier hat KTM eine goldrichtige Wahl getroffen.

Aufpassen - Der KTM Konfigurator ist gnadenlos

Getrübt wurde der Fahrspaß im Sattel der R doch auch diesmal wieder von den fehlenden Heizgriffen. Normalen Kunden würde dieser Fehler vermutlich nie passieren. Sie wissen Bescheid, dass die eigentlich recht hochpreisige Maschine serienmäßig ohne so naheliegende Gadgets wie Heizgriffe aus dem Schauraum rollt. Wobei die Heizgriffe klarweise am Fahrzeug installiert sind jedoch durch den Einwurf von Münzen freigeschaltet werden müssen. Doch bei den von mir ausprobierten Testmotorrädern und Vorführmotorrädern finde ich immer wieder Exemplare ohne Heizgriffe. Die Kombination von 7 Uhr Morgens, 2.200 Meter und 5 Grad Temperatur mit Motocross Handschuhen darf als qualvoll bezeichnet werden. Mein Appell an alle Händler, Verleiher und Tourveranstalter: Bitte den KTM Konfigurator beim Kauf aufmerksam durcharbeiten. Eure Kunden werden es euch danken!

KTM 1290 Super Adventure R Motor

Den Motor der Super Adventure kenne ich schon von der S und das 2021er Aggregat überzeugt in der Praxis total. Bei herzhaften Asphaltpassagen bietet der Motor schier unendliche Reserven und im kniffligen Gelände lässt er sich in Kombination mit der knackig sportlichen Kupplung punktgenau dosieren. Zum finalen Ritterschlag müsste der Motor jedoch auch im Drehzahlkeller noch ruhiger laufen. Dann könnte man auch problemlos mit 90 km/h im 6. Gang durch die Landschaft rollen. So muss man in diesem Geschwindigkeitsbereich den 5er einlegen um die Drehzahl in Richtung 3.000 U/min zu kriegen.

Die Qualitäten der Maschine lassen sich schon alleine an den nackten Zahlen ablesen: 138 Nm Drehmoment, 21 Zoll Vorderrad, 220 mm Federweg vorne und 220 mm Federweg hinten sind entlang der langen Tour ein komplettes Paket.

Elektronik an der KTM 1290 Super Adventure R

Die elektronischen Fahrhilfen sind in der Praxis einerseits hilfreich auf der anderen Seite aber auch lästig. Damit die Fuhre auch auf nassem Asphalt mit lockerer Hand bewegt werden kann, sollte man das Motorrad im RAIN Mode pilotieren. Zusätzlich dazu fährt man dann beim ABS auch besser im Road Modus. Es müssen also beim Wechsel vom Gelände auf nassem Asphalt immer 2 Konfigurationsschritte am Motorrad vorgenommen werden. Diese kann man zwar blitzschnell mit dem rechten Zeigefinger durchführen, doch im Laufe von 7 langen Tagen hat man im Sattel einige Ideen wie man dies hätte noch besser lösen können.

Bei trockenen Bedingungen ist man problemlos den ganzen Tag im Rally Modus unterwegs. In der Praxis bewegte ich das Motorrad den ganzen Tag im ABS Modus Offroad durch enge Straßen, Schotterpisten und Gelände. Mit den + und - Tasten am linken Lenkerende justierte ich die Traktionskontrolle in 9 Stufen und konnte somit relativ sicher spitzbübische Drifts auf Schotter absolvieren. Das ABS war hinten deaktiviert und in engen Kehren konnte ich so ein wenig Profil vom Metzeler Karoo 3 dem Fahrspaß opfern.

Super Adventure R im Vergleich mit Africa Twin

Im direkten Vergleich mit der Africa Twin präsentierte sich die KTM sportlicher, direkter aber trotzdem komfortabel. Die Sitzbank war auf der KTM definitiv besser, während der Regenschutz auf der Africa Twin umfangreicher gestaltet war. Die Africa Twin punktete mit dem größeren Lenkeinschlag und der optisch zugänglichen Front.

Die Maschine war für den Test serienmäßig. Für die weite Reise waren jedoch die robusten Touratech Koffer sowie schier unzerstörbare Sturzbügel aus dem Schwarzwald montiert. Abgesehen von den Heizgriffen entstanden im Sattel keine weiteren Begehrlichkeiten. Am Ende der Reise war ich nach 1.500 km jedoch trotzdem ein wenig enttäuscht. Warum bloß hab ich den Rückflug ab Bilbao gebucht? Ich hätte das herrliche Motorrad doch problemlos zurück über die Pyrenäen und quer über die Alpen zu Touratech in den Schwarzwald bringen können? Doch ich konnte ja nicht ahnen, dass man nach einer harten Woche im Sattel der KTM 1290 Super Adventure R einfach nicht genug kriegen kann.

Fazit: KTM 1290 Super Adventure R

Die Super Adventure R präsentierte sich beim intensiven Test in den Pyrenäen als großartiges Abenteuer Motorrad. Sie bot eine tolle Kombination von Langstrecken-Komfort mit Offroad-Tauglichkeit. Diese Kombination findet man in dieser Konsequenz bei keinem anderen Motorrad vor. Vor allem das Fahrwerk ist hart im Nehmen und präsentierte sich bei hartem Gelände von seiner besten Seite. Klar werden in der Praxis nur sehr wenige Piloten dieses Monstrum auch artgerecht bewegen - doch im rauen Gelände war „haben“ schon immer besser als „brauchen“.


  • Robuster Gesamteindruck
  • hochwertiges und praxistaugliches Fahrwerk
  • tolle Sitzbank sorgt für viel Ausdauer im Sattel
  • sportliche und hochwertige Komponenten
  • Bärenstarker aber einfach zu dosierender Motor
  • Praxistaugliche Fahrhilfen
  • Dem hochpreisigen Motorrad fehlen in der Basisausstattung einzelne Features
  • fummelige Bedienelemente

Bericht vom 03.12.2021 | 11.113 Aufrufe

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