Triumph Speed Triple 1200 RS alt vs. neu im Test!

Die beiden Power-Britinnen im direkten Fahrvergleich

Gegen die restliche Hyper-Naked Bike-Armada haben wir die brandneue Triumph Speed Triple 1200 RS bereits antreten lassen, nun wird sie auch von ihrer direkten Vorgängerin, der Speed Triple RS mit dem mittlerweile ehrwürdigen 1050er-Motor herausgefordert. Ist viel stärker auch wirklich viel besser?!

Wir bei 1000PS haben ein kleines Luxus-Problem: Da die Hersteller verständlicherweise in der Regel nur die aktuellsten Modelle im Fuhrpark haben, fällt es uns schwer, neue mit alten Modellen zu vergleichen. Als Meister der Improvisation haben wir es aber geschafft, einen besonders wichtigen Vergleich in die Wege zu leiten: Die brandneue Triumph Speed Triple 1200 RS gegen ihre Vorgängerin Speed Triple RS! Dank Triumph-Händler Scheibner & Olk im deutschen Braunschweig bekamen wir eine, mit knapp 2000 Kilometern gerade mal eingefahrene gebrauchte Speedy RS von 2020 - und gleich die aktuelle Speedy 1200 RS daneben hingestellt.

Die 1050er-Triumph Speed Triple RS wird von den Fans gefeiert

Und da erkennt man schon rein optisch die gewaltige Weiterentwicklung der Speedy, die als 1050er-Version bereits seit rund einem Jahrzehnt (abgesehen von Farbänderungen) nahezu unverändert aussieht. Vor allem an den Scheinwerfern und dem Heck mit den hoch verlegten Doppel-Endrohren wurde nie etwas modernisiert. Doch gerade diese Tatsache wird von den eingeschworenen Speedy-Fans dieser Baureihe gefeiert, denn im Inneren und vor allem in Sachen Elektronik wurde sehr wohl immer wieder auf den neuesten Technologie-Stand aufgerüstet, lediglich die Optik blieb sich treu. Da darf man bei der ganz neuen Speed Triple 1200 RS durchaus von Stilbruch sprechen - alles ist kompakter, der Auspuff nun einzeln seitlich und die Front minimalistischer.

Ob der Motor der neuen Speed Triple 1200 RS besser ist, wird schnell geklärt

Aber diese völlig neue Design-Interpretation ist wie immer Geschmacksfrage, mit der ich mich bei diesem direkten Aufeinandertreffen der beiden unterschiedlichen Generationen nicht aufhalten möchte - es gibt neben meinem rein statischen Vergleich zwischen den beiden Speedy RS-Generationen nämlich genug Stoff für einen aufregenden Fahrvergleich! Und da gilt es sogleich auszuloten, ob der um 110 Kubik größere und mit 180 PS stolze 30 Pferde stärkere Reihen-Dreizylinder der neuen Speed Triple 1200 RS tatsächlich alles besser kann. Zumindest dieses Kapitel kann ich mit einem deutlichen Ja beantworten. Denn auch die Tatsache, dass die alte RS im unteren und mittleren Drehzahlbereich mithalten kann, ist spätestens beim beherzten Ausdrehen obsolet - die neue 1200 RS marschiert in allen Lebenslagen deutlich besser. Da wirkt natürlich auch das um 10 Kilo niedrigere Gewicht der Neuen vorteilhaft mit, für diesen betont leichtfüßigen Antritt und das an der Front fast schon zu schnelle Abheben des Vorderrades ist aber eher die neue, moderne Geometrie verantwortlich, die ganz offensichtlich die aktuelle Mode der Hyper-Naked Bikes verfolgt.

Nicht jeder steht auf die leichte Front der neuen Triumph Speed Triple 1200 RS

Denn heutzutage geht es bei diesen Hyper-Power-Raketen eher um ein extrem agiles Handling und weniger um eine gestreckte, vorderradorientierte Sitzposition, wie sie die alte Speed Triple RS noch zelebriert. Und genau da scheiden sich die Geister, denn der eine mag diese aufrechtere Position vor dem breiten Lenker lieber, der andere steht mehr auf den klassischen Stil der Speed Triple RS. Und nicht jeder ist ein Fan davon, dass die Front bei jedem Gasstoß leicht wird und das Vorderrad zum Aufsteigen neigt. Eine kleine Evolution ist die Neuinterpretation jedenfalls nicht, da hat Triumph tatsächlich alles radikal ändern wollen.

Mächtiges Fahrwerk, brachiale Bremsen auf beiden Speedys

Vielleicht sogar etwas zu radikal wollten die Techniker auch beim Fahrwerk klar machen, dass es sich vorne und hinten um hochwertigste Federelemente von Öhlins handelt. Denn dieses klarerweise hervorragende Ansprechverhalten und die Transparenz sind auf guten Straßen einfach herrlich, auf Rüttelpisten dafür umso unbarmherziger. Da knallen die Schlaglöcher ungefiltert in den Rücken und man merkt beim direkten Umstieg auf die alte Speed Triple RS, dass bei ihr wenigstens noch ein ganz kleiner Funken Komfort angedacht ist. Auch bei den Bremsen kann man der alten Speedy keine großen Vorwürfe machen, für die Landstraße ist die Brembo M4.34 4-Kolben-Monoblock-Anlage mehr als stabil und verzögert unfassbar gut. Da kann es die neue 1200er-Speedy vielleicht auf der Rennstrecke besser, auf der öffentlichen Straße merkt man aber keine frappanten Vorteile der neuen Brembo Stylema 4-Kolben-Monoblock-Bremssättel.

In Sachen Elektronik war schon die Triumph Speed Triple RS voll ausgestattet

So wie man bei den Bremsen das weiter gesteigerte Niveau erst bei richtig argem Andrücken, oder besser gesagt Anbremsen ausloten kann, so ist auch die Elektronik der neuen Speedy zwar besser, man merkt es aber nicht sofort. Denn der Umfang war auch schon bei der Vorgängerin enorm: Einstellbare Fahrmodi, serienmäßiger Tempomat, Kurven-ABS, verstellbare Traktionskontrolle - und die beiden letzten Posten dank IMU natürlich schräglagenabhängig. Allerdings wurden alle Bauteile bei der 1200er auf den allerletzten Stand gebracht und wir wissen ja, wie sich solche Evolutionen der Elektronik heutzutage auswirken: Noch sensibleres Ansprechen, daher noch unauffälligere Funktion. Optisch sieht man den Fortschritt sogar am TFT-Farbdisplay, das mit 5 Zoll zwar nicht größer wurde, aber eine modernere und übersichtlichere Grafik besitzt. Einen spürbaren Fortschritt markiert allerdings der serienmäßige Quickshifter namens Triumph Shift Assist up-and-down, denn das von uns getestete 2020er-Modell hatte nicht einmal einen Quickie ohne Blipper - und das fällt beim direkten Umstieg von der 1200er tatsächlich negativ auf.

Was macht die neue Speedy trotzdem besser als die alte?

Insgesamt kann man also sagen, dass die alte Triumph Speed Triple RS keineswegs veraltet ist - was bei einem Vorjahresmodell auch richtig traurig wäre. Elektronik, Bremsen und die Öhlins-Federelemente spielen nach wie vor auf einem richtig hohen Level mit. Alleine der fehlende Quickshifter ist es allerdings nicht, der die neue Speedy trotzdem viel erstrebenswerter macht. Eher das Zusammenspiel des wirklich viel stärkeren Triebwerks mit der neuen, viel agileren Geometrie, wie sie gerade bei all den anderen Hyper-Nakeds in dieser Klasse so in Mode ist. Wer die alte Speedy aber gerade wegen ihrer klassischen Naked Bike-Sitzposition und dieser eigenständigen Optik schätzt, kann sich glücklich schätzen - immerhin spart man mit einem 2020er-Modell oder einer gebrauchten Speed Triple RS eine Menge Geld. Interessenten sollten aber schnell sein, denn weder die, von uns getestete Gebrauchte, noch neue 2020er-Modelle werden noch lange zu haben sein!

Alle Daten auf einen Blick bekommst Du in unserem Motorrad-Vergleich Triumph Speed Triple 1200 RS vs. Speed Triple RS!

Fazit: Triumph Speed Triple RS

Dass die Speed Triple RS vom Grundgerüst her schon rund ein Jahrzehnt unverändert ist, hat nicht nur Nachteile. Denn wer auf diese typische, etwas gestrecktere Naked Bike-Geometrie steht, findet kaum noch etwas vergleichbares in der Riege der Power-Nakeds. Wer nicht unbedingt mehr als 150 PS braucht, bekommt ein richtig gutes Motorrad mit Öhlins-Fahrwerk, Brembo-Bremsanlage und einem erstaunlich umfangreichen Elektronik-Paket. Und die typische Speedy-Optik der Britin kann nach wie vor Köpfe verdrehen!


  • Kräftiges, durchzugsstarkes Triebwerk
  • herrlicher Sound
  • klassische Naked Bike-Sitzposition
  • super Bremsen
  • umfangreiche Elektronik
  • eigenständige, unverwechselbare Optik
  • Quickshifter nicht Serie

Fazit: Triumph Speed Triple 1200 RS

Es war eigentlich vorprogrammiert, dass die neue Triumph Speed Triple 1200 RS ihre Fans finden wird. Vor allem weil sie schon am Datenblatt ein absolut komplettes Paket zu sein scheint. Es war auch absehbar, dass diese Höllen-Speedy um Welten besser marschieren wird, als es die alte Speed Triple RS getan hat. Fahrer der Alten, die mehr Power und Handling wollen, werden sich außerdem mit der umfangreichen Elektronik sofort gut zurecht finden. Lediglich all jene, die das bisherige Design partout nicht missen wollen oder können, sollten bei der alten Speed Triple RS bleiben. Für die wird es wohl auch passen, dass die Alte noch eher ein typisches Triumph-Naked Bike ist, während die neue Speedy 1200 RS eine aufrechtere Sitzposition zu bieten hat.


  • sehr universell - brav, bei Bedarf aber auch sauschnell
  • drehfreudiger und leistungsstarker Motor
  • angenehme Ergonomie
  • Top Quickshifter
  • kann leise gefahren werden
  • leichtes und kompaktes Fahrgefühl
  • auch in schnellen Kurven stabiles Fahrverhalten
  • kräftige Bremsen
  • präzises Fahrverhalten
  • Lastwechselreaktionen bei niedrigen Drehzahlen spürbar
  • etwas zu geringer Lenkeinschlag
  • auch im Track-Modus sehr defensive Traktionskontrolle
  • Vibrationen am Lenker

Bericht vom 26.06.2021 | 13.933 Aufrufe

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