BMW R 1250 RT Test 2021

Der schönere Reisedampfer, der fast alles kann!

Ehrlichkeit währt am längsten, BMW krempelt die R 1250 RT nicht völlig um, sondern möbelt sie an den richtigen Stellen ordentlich auf: Mehr Fahrmodi, DTC (dynamische Traktionskontrolle) serienmäßig, LED-Beleuchtung rundum und ein riiiiiesiges Farb-TFT-Display mit 10,25(!) Zoll Diagonale. Dazu eine dynamischere Front mit LED-Licht und ein Tempomat mit Abstandsradar (der allen Unkenrufen zum Trotz auf einem Reise-Motorrad tatsächlich Sinn macht). Vauli klärt, wie sich der neue Boxer-Reisedampfer fährt!

Was ein sogenanntes Facelift eines Modells umfasst, ist nicht klar geregelt, jeder Hersteller versteht etwas anderes darunter. Auch der Umfang ist höchst unterschiedlich, sogar innerhalb einer Marke wird mal mehr und mal weniger geändert. Wenn es aber ein Motorrad gibt, bei dem der Begriff voll ins Schwarze trifft, dann ist es wohl die BMW R 1250 RT. Denn das Face wurde mit der neuen Front tatsächlich ordentlich geliftet, die schmalen LED-Leuchteinheiten stehen eben auch einem dicken Tourer ausgezeichnet und lassen ihn sogar richtig sportlich wirken.

Der ShiftCam-Boxermotor macht auf der BMW R 1250 RT besonders viel Sinn

Sportlich wirken ist eine Sache, sportlich fahren ist auf der R 1250 RT allerdings ein zweischneidiges Schwert. Die Vorgängerin bekam bereits höchst unauffällig (weil optisch kaum geändert) den neuen Boxer-Motor mit 1254 Kubik Hubraum und moderner ShiftCam-Technologie, also variabler Ventilsteuerung. Das macht natürlich bei einem vergleichsweise schweren Tourer besonders viel Sinn, denn mehr Schmalz und Power von unten und im mittleren Drehzahlbereich können den Luxus-Speckgürtel ausgezeichnet kaschieren. 136 PS bei 7750 Umdrehungen sind zwar in der heutigen Zeit keine abartig hohen Leistungsdaten, das Drehmoment von 143 Newtonmeter bei 6250 Touren kann dafür voll punkten, denn abgesehen vom Maximalwert stehen zwischen 2000 und 8250 Touren - also grob gesagt über den gesamten Drehzahlbereich hinweg - stets mindestens 110 Newtonmeter zur Verfügung. Und das sorgt tatsächlich für souveränen Antritt in allen Lagen und Gängen und lässt stets genügend Kraft an die Kardanwelle.

Das hohe Gewicht sagt alles: Luxus statt Sport

Demgegenüber stehen allerdings 279 Kilo fahrbereit, die sich zwar recht behände vorwärts treiben lassen, sich in Kurven jedoch zieren, handlich und agil um die Ecke zu flitzen. Stattdessen merkt man einfach das höhere Gewicht vor allem dann, wenn sich der Radius der Kurve ändert und man die Linie korrigieren muss. Denn dann hängen sich die 30 bis 40 Kilo Unterschied zu den R 1250-Schwestermodellen mit dem potenten Boxermotor doch ziemlich an. Immerhin sind bei der RT aber auch fast 25 Liter Sprit dabei, die wiederum dank erstaunlich sparsamem Triebwerk für eine ordentliche Reichweite sorgen.

Auf einer R 1250 RT fährt man hunderte Kilometer schmerzfrei

Über die Ergonomie muss ich nicht viele Worte verlieren, die wurde erstens gegenüber der Vorgängerin nicht drastisch verändert und zweitens ist eine RT nach wie vor dermaßen gemütlich und bequem, dass man definitiv auch nach vielen hundert Kilometern völlig schmerzfrei absteigen kann. Gut ist, dass der Sattel zwar richtig Popo-freundlich gepolstert ist, im vorderen Bereich aber so schmal geformt wurde, dass auch kleinere Piloten mit beiden Füßen fest am Boden stehen können. Wenn dann auch das höhere Gewicht der Maschine kein Problem darstellt, kann die Reise schon losgehen. Für alle, die vielleicht voll bepackt mit Sozia/Sozius und vollen Koffern auf Tour gehen, ist im Übrigen serienmäßig die Berganfahrhilfe HSC (Hill Start Control) mit an Bord, per Aufpreis HSC Pro mit erweitertem Funktionsumfang. In Fahrt wird man dann selbst bei Autobahntempo bei (elektrisch) hochgestellter Scheibe nur vom Wind umsäuselt und genießt einfach nur den Luxus.

Das Fahrwerk der neuen RT schluckt alle Unebenheiten

Diesen Luxus zelebriert auch das Fahrwerk der BMW R 1250 RT. Die von mir getestete Maschine war, wie bei BMW üblich, ziemlich voll ausgestattet und hatte auch das optionale ESA Next Generation-Fahrwerk mit an Bord, also das elektronisch verstellbare Fahrwerk mit automatischem Fahrlagenausgleich, das in zwei Stufen Road und Dynamic eingestellt werden kann. Aber wie bereits erwähnt, steht auch dabei der Komfort im Vordergrund, selbst in der Dynamic-Einstellung wird die RT nur etwas straffer und bleibt trotzdem richtig komfortabel. Somit schluckt das Fahrwerk wirklich alle Unebenheiten im Asphalt, schwingt aber auch bei allzu sportlicher Fahrweise nach.

Neu an der BMW R 1250 RT 2021: Vollintegral-ABS Pro

Schließlich haben die Ingenieure auch die Bremsen auf diese Vorgaben ausgelegt - die 320er-Doppelscheibenanlage mit radialen Vierkolbensätteln packt schon ordentlich zu, benimmt sich dabei aber nicht zu rabiat sondern gut dosierbar. Beim Hineinbremsen in Kurven ist daher das höhere Gewicht, das nicht so handlich einlenken will, das größere Problem als die Bremse selbst, die mit den zusätzlichen Kilos durchaus fertig wird. Ein großer Pluspunkt an der nagelneuen R 1250 RT für 2021 ist das Kurven-ABS, bei BMW ABS Pro genannt, das als Vollintegral-ABS die Bremskraft optimal zwischen Vorder- und Hinterrad verteilt.

Die sportlichen Sonderausstattungen sind auf der RT verzichtbar

Und damit wären wir auch schon bei den großen Vorteilen der neuen RT gegenüber der Vorgängerin angekommen. Denn die hübschere Front ist zwar ein gutes Verkaufsargument, aber keineswegs ein Killerargument, wie eben das Vollintegral-ABS Pro oder DTC in Serie. Dass die neue RT nun auch einen dritten serienmäßigen Eco-Modus für noch mehr Effizienz bekommen hat, ist fein, aber nicht weltbewegend und aufgrund der wahren Talente der RT in Sachen Luxus würde ich persönlich sogar auf die Option Fahrmodi Pro verzichten, die einen schärferen vierten Dynamic-Mode ins Spiel bringt - der wiederum auf einem solchen Reisedampfer nicht unbedingt notwendig ist.

Gebrauchte und neue BMW R 1250 RT Motorräder

Die umfangreiche Elektronik ist absolut am Puls der Zeit

Richtig gut und absolut am Puls der Zeit ist hingegen das riesige 10,25 Zoll große Farb-TFT-Display, das entweder als Riesenbildschirm mit den wichtigsten Daten genutzt werden kann, oder schlauer als Split-Screen, um sich auf der rechten Seite der Kinoleinwand die Radiofunktionen des neuen Audiosystems 2.0, das Navi oder eingehende Anrufe anzeigen zu lassen. Das geht nämlich alles mit der serienmäßigen Connectivity der neuen BMW R 1250 RT. Die Wahl lässt BMW hingegen dem Kunden in Sachen Tempomat, serienmäßig ist DCC (Dynamic Cruise Control) mit dabei, also ein Tempomat, der auch bei Bergabfahrt die Geschwindigkeit hält.

ACC Tempomat auf der BMW R 1250 RT mit Abstandsradar - notwendig?

Noch mehr Stückeln spielt aber die aufpreispflichtige ACC (Active Cruise Control) mit integriertem Abstandsradar. Ich hatte ja bereits auf der KTM 1290 Super Adventure S und auf der Ducati Multistrada V4 S die Möglichkeit, diese Systeme auszuprobieren und auch auf der BMW funktioniert es tadellos, hält den Abstand zum Vordermann richtig gut und macht meiner Meinung nach bei einem Reisemotorrad, wie es die R 1250 RT nun mal ist, auch am ehesten Sinn. Ob man sich als Motorradfahrer, der natürlich stets Herr oder Frau über das Geschehen sein sollte, tatsächlich auf diese Systeme verlassen möchte, ist eine Glaubensfrage, das System ist jedenfalls abschaltbar und der Tempomat auch in herkömmlicher Form, also mit fix eingestellter Geschwindigkeit nutzbar. Doch auch wenn sich die Meinungen über die Sinnhaftigkeit dieses Systems scheiden, an der richtig guten Langstrecken-Tauglichkeit der neuen BMW R 1250 RT gibt es gewiss keine Zweifel.

Fazit: BMW R 1250 RT

Die neue RT macht tatsächlich alles besser, ohne dabei ihren typischen Charakter eingebüßt zu haben. Die Optik präsentiert sich modernisiert, die Elektronik wurde etwa mit dem riesigen Farb-TFT-Display auf modernstes Niveau gebracht und die Sicherheit mit serienmäßiger DTC sowie Vollintegral-ABS Pro nochmals verbessert. Der Motor bleibt souverän kräftig mit einem richtig bauchigen Drehmoment über den gesamten Drehzahlbereich, was bei dem relativ hohen Gewicht aber auch notwendig ist. Die Mehrkilos kann man in Kurven nicht einfach wegwischen, allzu sportlich mag es also auch die neue RT nicht. Ihr Fokus liegt daher voll und ganz auf Luxus.


  • souveräner, bäriger Motor
  • luxuriös ausgestattet
  • DTC Serie
  • Vollintegral-ABS Pro Serie
  • riesiges Farb-TFT-Display
  • effizienter Windschutz
  • geräumiges Koffersystem
  • Audiosystem 2.0
  • mit 279 Kilo fahrfertig ziemlich schwer
  • stolzer Preis

Bericht vom 22.03.2021 | 24.252 Aufrufe

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