Ducati XDiavel Black Star Test 2021

Poser Bike? Von wegen!

Superbike Motor und ein sportliches Fahrwerk im Kleid eines Cruisers. Nüchtern betrachtet macht die Ducati XDiavel wenig Sinn. Dass aber nicht alles im Leben einen Sinn ergeben muss, beweist die neue XDiavel Black Star bei unserem Test im südlichen Spanien.

Die Ducati Diavel hat eine spannende Geschichte hinter sich. Alles begann 2010 mit der Präsentation eines noch nie dagewesenen Bikes, das schon bald für Überraschungen sorgte. Dass sich diese brutale Leistung, Cruiser Optik und ein 240er Hinterreifen so agil bewegen lassen, dachte sich keiner. 2016 folgte die XDiavel, die als erste Ducati vorverlegte Fußrasten besaß. Wer mehr zur Diavel Geschichte wissen will, findet sie hier: Die Geschichte der Ducati Diavel.

Neue Ducati XDiavel Black Star 2021

Nun befinden wir uns jedoch in 2021 und die XDiavel hat bereits eine treue Fangemeinde. Diese will versorgt werden, denn neben der XDiavel S und der Dark-Version steht für 2021 die neue Black Star bereit. Diese zeichnet sich durch ihre exklusive Lackierung, den geschmiedeten 17 Zoll Felgen (reduzieren das Gewicht um 2 Kilogramm), Brembo M50-Kolben und der DLC-Beschichtung der Marzzochi Gabel aus. Außerdem kommen Bluetooth-Connectivity und ein LED-Tagfahrlicht noch oben drauf.

Erstkontakt mit dem Teufel aus Bologna

Zwar hatte Kamerakind Schaaf bereits mit einer XDiavel das Vergnügen, so war die Black Star doch der erste Power Cruiser aus Bologna, den ich bewegen durfte. Zugegeben wirkt sie durch ihren langen Radstand von 1.615 mm und dem Gewicht von 247 Kilogramm anfangs ein wenig einschüchternd. Das 240er Hinterrad ist zudem auf den Motorrädern, die wir sonst testen, nicht alltäglich. Schließlich will man auf solch einem edlen und preislich hoch angesetzten Motorrad nichts falsch machen! Die positiven Überraschungen ließen jedoch nicht lange auf sich warten.

Die Ducati XDiavel Black Star im Alltag

Neben der Black Star durften wir uns bei Ducati Malaga eine neue Scrambler Nightshift ausborgen, welche die kommenden Tage unsere einzigen Fortbewegungsmittel sein würden. Das Mietauto wurde zurückgelassen, nun müssten wir unseren Alltag auf den beiden Ducatis bestreiten. Dass die kompakte Scrambler dieser Aufgabe gewachsen war, wussten wir ab der ersten Sekunde. Doch die wuchtige XDiavel?

Doch siehe da: Der Teufel hat eine gutmütige Seite! Dank des niedrigen Schwerpunkts und der ebenso niedrigen Sitzhöhe von 755 mm lässt sie sich relativ einfach durch den Verkehr manövrieren. Einzig der geringe Lenkeinschlag und die schwergängige Kupplung beenden den Spaß in der Stadt, zusätzlich ist der 1.262 Kubik große Zweizylinder kein Freund niedriger Drehzahlen. Tatsächlich verlangt die XDiavel in der Stadt einiges vom Fahrer ab. Wer hat gesagt, das Posen einfach ist?

Adrenalin-Feuerwerk auf der Landstraße

Sobald die Häuserschluchten hinter einem liegen und die offene Straße beginnt, kommt die XDiavel in ihr Element. Von den drei Fahrmodi Urban, Touring und Sport wird die dritte Auswahl aktiviert, wodurch die Black Star ihr gesamte Leistung von 160 PS bei 9.500 Umdrehungen und 127 Nm bei 5.000 Umdrehungen mobilisiert. Hier lässt sie jegliche Cruiser-Ähnlichkeiten hinter sich und zeigt was sie wirklich ist: Ein brutales Sportgerät. Mit einer Soundexplosion befördert sie per Riemenantrieb die Leistung an die 240er Walze, dass jede Hilfe zu spät ist. Festhalten ist hier die Devise! Auch wenn in der heutigen Zeit 160 PS am Papier nach beherrschbarer Leistung klingt, kann diese Beschleunigung nur als "geisteskrank" beschrieben werden, wie es Kollege Schaaf festgestellt hat. Bei Diavel-Neulingen wie mir könnte schnell Panik aufkommen - speziell, wenn die nächste Kurve schneller erscheint, als erwartet.

Die Ducati XDiavel Black Star - eine unerwartete Kurvenräuberin

Doch die Panik ist unbegründet, denn die zwei 310er Scheiben mit je vier Brembo M50-Kolben und die 245er Scheibe mit Brembo Zweikolbensattel ankern kräftig. Das Tempo passt für die Kurve, also hinein in den Radius. In diesem Moment sorgt die XDiavel für Sprachlosigkeit. Es ist einfach unglaublich, wie agil sich dieses Monstrum bewegen lässt. Egal wie viele Testberichte man liest, dieses Gefühl muss man selbst im Sattel erleben! Absolut instinktiv und mühelos fällt sie von Kurve zu Kurve und ist eigentlich schon einfach zu fahren! Natürlich nur, bis der Testastretta am Kurvenausgang von der Leine gelassen wird!

Das Geheimnis des italienischen Power-Cruisers

Doch wie kann ein Bike im Cruiser-Kleid mit 240er Walze und relativ flacher Gabel solche Fahrleistungen erbringen? Einerseits muss die Fahrwerksabstimmung gelobt werden. Die voll einstellbare Marzocchi USD-Gabel mit 50 mm Durchmesser und das in Zugstufe und Vorspannung einstellbare Federbein sind zwar für die Stadt viel zu hart abgestimmt, sobald smoothe Landstraßen beginnen, kommen die Komponenten in ihr Element. Die vermittelte Stabilität und Sportlichkeit werden wird durch die Serienbereifung nur verfeinert. Zwar kommt der Pirelli Diablo Rosso 3 im Heck mit einer gewaltigen 240/45-17 Dimension daher, finden wir in der Front jedoch die übliche Supersport Größe: 120/70-17. Damit schafft es die XDiavel ein wahrlich scharfes und sportliches Einlenkverhalten zu generieren, was man ihr im ersten Moment niemals zutrauen würde.

Pirelli Diablo Rosso 3 auf der Ducati XDiavel Black Star 2021
Der Pirelli Diablo Rosso 3 verleiht der XDiavel überraschende Kurvenperformance

Erst nach längerer Jagd durch das Winkelwerk gerät die Ducati XDiavel Black Star außer Puste. Wie Schaaf nach einer Videofahrt feststellte, verschiebt sich der Druckpunkt der Vorderbremse spürbar und auch die eigentlich sanfte Dosierung lässt nach.

Gebrauchte und neue Ducati Motorräder

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Die Ducati XDiavel im Vergleich zur Triumph Rocket 3 GT

Denkt man an moderne Cruiser mit brachialer Leistung und Drehmoment, das Berge versetzen kann, kommen zwei Motorräder in den Sinn: Diavel und Rocket 3. Die Bikes könnten aber nicht unterschiedlicher sein. Während Leistungsentfaltung und Drehmoment der Triumph Gediegenheit ausstrahlen, steckt in der Ducati eine Sportskanone. Lasst es mich verdeutlichen:

Die Fahrt auf der Triumph gleicht dem Lied "In The Air Tonight" vom britischen Musiker Phil Collins. Ein ruhiger Song, der selbst beim ikonischen Schlagzeugsolo eine gewisse Eleganz behält. Steigt man jedoch auf die Ducati XDiavel Black Star, befindet man sich im Boxring mit "The Italian Stallion" Rocky Balboa. Eine kurze Unaufmerksamkeit bedeutet schnell das K.O.

Ducati XDiavel Black Star gegen Triumph Rocket 3 GT
Im Ansatz ähnlich, in der Umsetzung unglaublich verschieden.

Poser Bike? Von wegen!

Somit brachte die neue Ducati XDiavel Black Star eine wahre Offenbarung. Der Ruf des Poser Bikes ist eigentlich unberechtigt. Denn in der Stadt - wo man sich präsentieren möchte - spricht wenig für die XDiavel. Das Fahrwerk ist zu hart, der Lenkeinschlag fürchterlich und die Kupplung zu schwergängig. Erst auf der Landstraße beginnt sie zu glänzen und könnte für so manche Naked Bike Fahrer eine Überraschung werden, die in der XDiavel leichtes Fressen sehen.

Fazit: Ducati XDiavel Black Star

Die Ducati XDiavel präsentiert sich weiterhin als echte Waffe und bietet in der Black Star Variante eine herrliche Optik mit umfangreicher Ausstattung. Klassische Cruiser Piloten, oder Sportbike Fahrer wird man damit wahrscheinlich nicht ansprechen, doch die Fangemeinde ist bereits groß und eingefleischt. Auch wenn sie auf den ersten Blick wie ein Poserbike wirken mag, ist sie in Wahrheit ein unglaublich sportives Motorrad in Cruiser-Camouflage.


  • brachialer Motor
  • sportliches Fahrwerk
  • instinktives Fahrverhalten dank Pirelli
  • gute Bremsen
  • umfangreiches Elektronikpaket
  • einzigartige Optik
  • Besitzerstolz im Sattel
  • Ruckeln unter 3.000 Umdrehungen
  • hartes Fahrwerk für die Stadt
  • großer Wendekreis
  • schwergängige Kupplung

Bericht vom 22.02.2021 | 7.398 Aufrufe

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