MV Agusta Superveloce 800 Test 2020

Die ganz besondere Retro-Supersportlerin!

Es kommt nicht allzu oft vor, dass ich Ehrfurcht vor einem Motorrad habe, weil es so schön, so anders, so viel exklusiver ist als anderen Maschinen. Mit der MV Agusta Superveloce 800 war es aber wieder mal so weit – ein Retro-Supersportler, der mit seinem Look Köpfe verdreht und gleichzeitig mit seiner Performance Racer überzeugt. Oder besser überzeugen kann, denn ob jemand tatsächlich einige Tausender mehr auf den Tisch blättert, um dann sein Schmuckstück über die Piste zu peitschen, ist äußerst fraglich.

Aber schon alleine die Möglichkeit, mit der MV Agusta auf der Rennstrecke zu vollstrecken, ist einzigartig! Denn ganz anders als die Retrosportler vom Schlage einer BMW R nineT Racer, Kawasaki Z900 RS Cafe oder Yamaha XSR900 Abarth, die allesamt auf zwar sehr sportlichen Naked Bikes basieren aber eben nicht auf einem Supersportler, hat die MV Agusta Superveloce 800 die F3 800 als Teilespenderin ist also eine waschechte Supersportlerin! Und da stellt sich mir natürlich die Frage, ob jemand tatsächlich diese Schönheit für das missbrauchen wird, was sie nun mal am besten kann: Auf der Rennstrecke heizen und schnelle Rundenzeiten abliefern.

Das Outfit täuscht - Supersport-Triebwerk in der Superveloce 800!

Dieses Alleinstellungsmerkmal macht sie aber auch so interessant, mit dem exakt gleichen Triebwerk wie die F3 800 generiert der Reihen-Dreizylinder mit 798 Kubik Hubraum stolze 148 PS bei 13.000 Umdrehungen. Das Drehmoment fällt mit 88 Newtonmeter bei 10.600 Touren erwartungsgemäß nicht ganz so brachial aus, die Superveloce 800 will gedreht werden und macht daher auch eher im obersten Drehzahlbereich erst so richtig Spaß. Durch den ordentlichen Hubraum und die gut abgestimmte Elektronik kann man den Dreiender durchaus schon von weiter unten ruckelfrei hochdrehen, die wahre Kraftentfaltung kommt aber viel später.

Die Sitzposition passt zum Motor: einfach radikal

Dafür passt wiederum die Geometrie und Sitzposition sehr gut zur Charakteristik des sehr sportlich zu fahrenden Superveloce 800-Triebwerks: Man sitzt auch sehr sportlich. Der Sattel hoch, die Lenkerenden weit unten und herrlich vorderradorientiert, wie man es eben von einem echten Supersportler erwarten darf. Und genau das macht diese MV Agusta so einzigartig, während nämlich alle anderen Retrosportler im direkten Vergleich tatsächlich wie aus einigen Dekaden zuvor wirken, ist die Superveloce 800 mit all ihren Komponenten auf Racing eingestellt.

Die MV Agusta Superveloce 800 kann auch gemütlich, will aber nicht

Und das betrifft eben nicht nur den Motor und die Geometrie sondern auch das straffe Fahrwerk, die bissigen Bremsen und den knackigen Quickshifter. Bitte nicht falsch verstehen, die Superveloce 800 kann vermutlich auch langsam und gemütlich gefahren werden, die harmonische Einspritzung des Motors und die gut dosierbare Bremse samt ABS können das schon. Auf Dauer wird man sich aber die Frage stellen, ob es dafür nicht weitaus gemütlichere Motorräder gibt, denn die Last auf den Händen ist schon ziemlich hoch und man zwickt sich etwa beim Rangieren bei vollem Einschlag permanent die Finger ein also ist auch die Alltagstauglichkeit eingeschränkt. Der wahre Spaß beginnt eben erst bei höheren Geschwindigkeiten, dann kann der Motor so ausdrehen, wie er es braucht, dann röhrt die Superveloce 800 herrlich aus den drei Stanitzeln, dann knallt der Quickshifter die Gänge ordentlich rein und dann kann auch die Bremse ihr Potential beim harten Ankern vor Kurven zeigen.

Fazit: MV Agusta Superveloce 800

Die Superveloce 800 ist einzigartig. Das liegt nicht nur an der edlen Retro-Optik sondern vor allem daran, dass sie ziemlich alle Komponenten und die Geometrie vom hauseigenen Supersportler MV Agusta F3 800 übernimmt. Also eine echte Rennstrecken-Rakete in cooler Oldschool-Aufmachung. Das macht sie vor allem für Leute interessant, die bei ihrer Maschine großen Wert auf ein einzigartiges Design legen, ohne bei der Performance Abstiche machen zu müssen. Es steht (leider) auch außer Frage, dass es mehr Leute geben wird, denen die Superveloce 800 gefällt, als jene, die sie sich auch wirklich leisten können.


  • Einzigartige Optik
  • Supersport-Performance
  • brachiale Bremsen
  • toller Quickshifter
  • Motor will Drehzahlen
  • auf Dauer anstrengende Sitzposition
  • nicht sehr alltagstauglich
  • hoher Preis

Bericht vom 08.12.2020 | 9.688 Aufrufe

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