Conti TKC 70 Rocks vs. Pirelli Scorpion Rally STR

Wanderschuhe für die Reiseenduro

Du gehst mit der Reiseenduro auf Schottertour, willst aber deshalb nicht auf Performance auf der Straße verzichten? Da kommt der richtigen Reifenwahl eine große Bedeutung zu. Nasty Nils und Wolf haben sich auf ihrer jüngsten Friaul-Tour nicht zuletzt deshalb für Pirellis Scorpion Rally STR (auf der Yamaha Tenere 700) bzw. den neuen TKC 70 Rocks (auf der Triumph Tiger 900 Rally Pro) von Continental entschieden. Reifen-Nerd Wolf sah sich die beiden Gummis für euch näher an…

Wenn man beiden Reifen betrachtet, werden die Unterschiede im Zugang deutlich: Während Pirelli eher auf eine klassische Offroad-Anordnung der Profilblöcke setzt, sind diese beim Conti versetzter angebracht, das Profil dafür tiefer. Das Ergebnis ist verblüffend ähnlich: Beide Pneus bieten gute Reserven auf (trockenem) Schotter und lassen an der anderen Hand auf der Straße Schräglagen bis auf die Rasten zu.

Scorpion Rally STR: „Regenprofi“ auf der Straße

Im Unterschied zum radikaleren Scorpion Rally, der auf Asphalt doch mit der gebotenen Zurückhaltung zu genießen ist, fühlt sich der Rally STR (das STR in der Modellbezeichnung steht ja für Street) auf der Straße pudelwohl. Klar ist das Abrollgeräusch etwas präsenter als bei einem reinen Straßenpneu, der Reifen ist aber sehr agil, lenkt präzise ein, läuft auch spurstabil durch flott gefahrene Kurven und überzeugt dank der weit nach außen gezogenen Stollen mit ausgezeichnetem Grip. Zudem hat ihm Pirelli eine wunderbare Gummimischung mit hohem Silica-Anteil verpasst, was zu einer beispielhaften Regenperformance führt. Wenn es der Kopf zulässt, ist der Rally STR auf nasser Straße richtig flott zu fahren, zudem kündigt sich der Grenzbereich sehr gut an.

Conti TKC 70 Rocks: Grip wie der „gemäßigte Bruder“

Mit dem Rocks bietet Conti erstmals einen zweiten Hinterreifen zu einem Vorderreifen (der einen Tick lauter läuft als jener des Konkurrenten) an. Quasi als offroad-tauglichere Alternative zum gemäßigten Bruder, dem normalen TKC 70, der mit seinem durchgehenden Mittelsteg Offroad doch relativ früh an seinen Grenzen ist. Umso verwunderlicher, dass man mit dem Rocks punkto Grip und Agilität keinerlei Abstriche auf der Straße machen muss, Schräglagen bis an die Rasten kein Problem sind. Bezahlt wird dies gegenüber dem klassischen TKC 70 lediglich mit einer rund um ein Drittel geringeren Laufleistung, auch die Regen- und Kälteperformance auf der Straße zählt zu den Besten seiner Klasse, kommt aber nicht ganz an jene des Pirelli heran. Auch das Pendeln des Vorderrades bei Geschwindigkeiten jenseits der 180 km/h, das beim TKC 70 bei manchen Motorrädern auftritt, bleibt mit dem Rocks ebenfalls erhalten.

Bei Matsch ist mit dem Pirelli früher Schluss mit lustig

Verlässt man die Straße, weiß man die Schaufeln des Pirelli-Profils bald zu schätzen, zumindest solange die Wege einigermaßen trocken sind. Da darf es ruhig mal steiler und gröber werden, wenngleich die Seitenführung speziell am Hinterrad nicht berauschend ist. Die wahren Schwächen des STR treten Offroad aber erst zu Tage, wenn es Offroad matschig wird oder über feuchte Wiesen geht dann ist doch relativ früh Schluss mit lustig.

Mit dem Rocks geht auch abseits der Straße einiges

Diesbezüglich ist der Rocks einen Tick besser, auch was die Seitenführung Offroad anbelangt. Steile, grobe und auch flotte Schotterpassagen machen dem Gummi nichts aus, auf nasser Wiese bzw. im Matsch sind die Unterschiede zu einem Conti TKC 80 aber dann doch deutlich spürber, wenngleich der Rocks mit einer recht ordentlichen Selbstreinigung aufwarten kann, sich also rasch wieder sauber fährt..

Mein Fazit: Gelungener Kompromiss zwischen On- und Offroad

Resümierend muss man festhalten, dass beide Fabrikate den Kompromiss zwischen ordentlicher On- und Offroadeigenschaften, den Reiseenduro-Reifen immer einzugehen haben, sehr gut hinbekommen. Schwächen offerieren sie lediglich dort, wo im jeweiligen Segment Höchstleistungen verlang werden, insgesamt stellen sie aber eine gute Wahl für all das dar, was die meisten mit einer Reiseenduro gerne fahren.

Wem echte Grobstoller zu wenig Vertrauen auf der Straße vermitteln, der wird ihre Vielseitigkeit schätzen und Offroad den einen oder anderen Abstrich punkto Performance gegenüber TKC 80, Anakee Wild, AX41 & Co. gern in Kauf nehmen. Der Pirelli Scorpion Rally STR, den ich schon auf verschiedensten Motorrädern von meiner Triumph Tiger 800 XC über Yamahas Tenere 700, Africa Twin bis hin zur Ducati Scrambler Desert Sled gefahren bin zählt schon seit längerem zu meinen absoluten Lieblingsreifen, den ich aufgrund seiner hervorragenden Nässe-Eigenschaften auch Viel- bzw. Ganzjahresfahrern ans Herz lege.

Und der Conti TKC 70 Rocks fuhr sich mit der Triumph Tiger 900 Rally Pro auf Anhieb ebenfalls unter meine Favoriten. Die Unterschiede sind marginal, der Rocks Offroad einen Tick besser, der STR auf nasser Straße. Aber falsch macht man mit keinem der beiden Gummis etwas, sobald man regelmäßig die befestigten Wege verlässt und trotzdem auf eine ordentliche Straßenperformance Wert legt.

Bericht vom 30.10.2020 | 4.617 Aufrufe

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