Benelli 752 S Test

Benelli 752 S Test

Im Ursprung und beim Design ganz italienisch!

Der Name Benelli verheißt Tradition, Sportlichkeit und italienisches Flair. Mit dem neuen Modell 752 S schafft es Benelli schon mal sehr gut, zumindest in Sachen Optik diese Erwartungen zu erfüllen – ganz im Stil der MV Agusta Brutale-Reihe könnte der Look kaum italienischer sein. Kann die Benelli 752 S aber auch bei den Fahrleistungen überzeugen? Wir unterziehen sie einem ausgiebigen Test!

Es gibt sie natürlich, diese pragmatischen Menschen, die ein Motorrad einzig und alleine nach ihren Fahrleistungen bewerten und auf das Design absolut keinen Wert legen. Nun ja, da das Gros der modernen Motorräder auf ihre ganz eigene Weise versucht, mit seinem Design aus der Masse herauszustechen, scheint es doch mehr Kundschaft zu geben, die Wert auf ein gepflegtes Äußeres legen – oder besser auf ein gelungenes Äußeres. Geht man nun rein nach der Optik, hat die neue Benelli 752 S bestimmt schon viele Fans in der Tasche – die Proportionen sind gelungen, das Konzept mit Stahl-Gitterrohrrahmen, bauchigem Tank und kleinem Scheinwerfer erinnert nicht zufällig an die Brutale-Modelle von MV Agusta – Benelli kupfert ganz ungeniert von erfolgreichen Modellen ab.

Die Benelli 752 S hat würdige Vorfahren – kupfert trotzdem woanders ab

Warum aber auch nicht, was an einer MV Agusta gefällt, kann ja wohl auch an einer Benelli gefallen, Hauptsache die Namen sind noch schön italienisch. Und mit ihrer feschen Optik, samt hübscher Stahl-Gitterrohr-Schwinge im Heck schließt sie wenigstens an die ehrwürdige Naked Bike-Ikone Benelli TnT 1130 an. Der Kennzeichenträger an der Schwinge ist meiner Meinung nach wegen ihrer Schlankheit sogar richtig gelungen – wenn schon das Kennzeichen so weit unten, dann bitte so!

In Sachen Hubraum spielt die Benelli 752 S weiter oben mit

Mit ihren 754 Kubik Hubraum (bitte nicht fragen, warum sie daher nicht 754 S sondern 752 S heißt) aus einem Reihen-Zweizylindermotor kann sie zwar nicht mit dem argen Dreizylinder der TnT mithalten, spielt aber durchaus in der Liga der gehobenen Mittelklasse mit – zumindest beim Hubraum. Denn mit 76,8 PS bei 8500 Umdrehungen überragt sie nur unwesentlich ihre Konkurrentinnen im Club der quirligen Zweizylinder, wie Kawasaki Z650, Suzuki SV 650 oder Yamaha MT-07, die allesamt zwischen 70 und 75 PS leisten. Und trotz ihrer mehr als 100 Kubik mehr Hubraum gegenüber SV 650 und Z650 wirkt die Benelli 752 S dennoch weniger agil und beherzt.

Das Triebwerk der Benelli 752 S wirkt zugeschnürt

Sie wirkt zugeschnürt und will gedreht werden – wobei doch gerade der größere Hubraum schon von weit unten mehr Punch vermuten ließe. Da sollte Benelli die Abstimmung der Einspritzung nochmal überarbeiten, denn von der Hardware müsste mit Vierventiltechnik und zwei oben liegenden Nockenwellen eigentlich alles stimmen. Denn der Sound aus dem herrlich minimalistischen Endtopf geht wiederum voll in Ordnung, dumpf bollert die Benelli 752 S dahin und wird nicht unangenehm laut. Lediglich ein permanentes, leises Surren bei niedrigen Drehzahlen könnte den wahren Puristen etwas irritieren.

Hochwertige Komponenten an der Benelli 752 S

Bei Fahrwerk und Bremsen gibt sich die Benelli 752 S hingegen keine Blöße, an der Front vertraut die Italo-Chinesin auf eine fette, in Zug- und Druckstufe verstellbare 50 Millimeter-USD-Gabel von Marzocchi, die sehr sensibel anspricht und dennoch den Komfort, den man auf einem Mittelklasse-Naked Bike erwarten darf, erfüllt. Auch das hintere Fahrwerk stammt aus gutem Hause, Kayaba liefert das, in der Federvorspannung justierbare Mono-Federbein. Dementsprechend gemütlich ist auch die Sitzposition auf der nackten Benelli und entspricht der zwar aufrechten, aber doch sportlichen Ergonomie, die man von einem modernen Naked Bike erwarten darf.

Die Vorderradbremse der Benelli 752 S lässt sich besser dosieren als die Kupplung

Schließlich wird auch bei der Bremsanlage die Verantwortung an eine äußerst renommierte Firma übertragen, von Brembo stammt die 320er Doppelscheibenanlage mit radial verschraubten Vierkolben-Sätteln – und auch hier gibt es nichts zu bemängeln, der Druckpunkt passt, die Dosierung geht voll in Ordnung. Auf der anderen Seite des Lenkers braucht es dagegen schon mehr Gefühl, die Kupplung kennt offenbar so wie ein Computer nur die Zustände 0 und 1, man muss also schon brav im richtigen Drehzahlbereich sein, wenn man die Kupplung kommen lässt und die Benelli 752 S nicht abwürgen möchte. Während der Fahrt funktioniert die Schalterei dafür sehr gut, das Getriebe lässt sich angenehm bedienen, ein Schaltassistent ist in dieser Klasse ja (leider) noch nicht Standard und auch in der 752 S nicht erhältlich.

Volle Ausstattung der Benelli 752 S samt LED-Beleuchtung und Farb-TFT-Display

Standard ist in dieser Klasse auch ein Farb-TFT-Display nicht – die Benelli 752 S besitzt trotzdem eines! Das 4,3 Zoll große Display ist gut ablesbar, wenn auch der Nachtmodus, der helle Schrift auf dunklem Hintergrund liefert, noch hübscher und besser ablesbar ist. Doch auch die Anzeige untertags passt gut und man wird bestimmt nicht von der Menüführung überfordert – es gibt nämlich gar keine echte! Per gut erreichbarem Knopf am rechten Lenker kommt man zwar in das Menü, kann damit aber nur zwischen Kilometern und Meilen für Tacho und Kilometerzähler wechseln. Immerhin ist die Benelli 752 S damit das Motorrad, bei dem man am schnellsten zwischen Kilometer und Meilen wechseln kann. Und die Daten, die angezeigt werden sind inklusive Ganganzeige, Tankinhalt und Motortemperatur immer noch mehr als bei so mancher Konkurrentin.

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Horvaths Meinung zur Benelli 752 S:

Die Benelli 752 S positioniert sich als interessante Alternative zu den Platzhirschen MT-07 und SV650. Optisch hübsch und dank ihres grünen Tanks wirklich auffällig. Doch auch wenn sie ihr Bestes gibt - sie erreicht nicht ganz das Level der Konkurrenz. So hat der Zweizylinder einen wahrlich herrlichen Sound und schiebt bei hoher Drehzahl gut voran; der erhoffte Punch von unten raus fällt jedoch völlig aus. Auch das TFT-Display, das mit dem Mode-Schalter große Hoffnungen erweckt, enttäuscht ein wenig, wenn die einzig mögliche Veränderung der Wechsel zwischen MPH und KMH ist. Trotzdem muss man den Hut vor Benelli ziehen: zwar fehlt es der 752 S hier und da an dem gewissen Feinschliff, doch in Summe ist sie nicht mehr weit von den beliebten Platzhirschen entfernt. Noch reicht es zwar nicht, um ihnen das Wasser zu reichen, doch das Potential ist definitiv da!

Fazit: Benelli 752 S

Wer italienisches Design und die Designsprache von MV Agustas Brutale-Reihe im Speziellen mag, findet in der Benelli 752 S eine besonders fesche Partnerin. Sehr gut gelungen ist die Abstimmung des Fahrwerks und der Bremsanlage, die Sitzposition ist komfortabel aufrecht – entspricht also auch dem Standard, den man auf einem modernen Mittelklasse-Naked Bike erwarten kann. Mittelmaß ist auch der Antritt des Motors, da ginge mit Überarbeitung der Einspritz-Elektronik bestimmt mehr. Dafür würde wiederum die Ausstattung der Benelli 752 S in eine höhere Klasse passen, mit LED-Beleuchtung rundum, fetter USD-Gabel und sogar TFT-Farbdisplay macht sie schon einiges her.

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Vorteile
  • hübsche Optik
  • guter Sound
  • angenehme Sitzposition
  • ausgewogenes Fahrwerk
  • kräftige Brembo-Bremsen
  • Farb-TFT-Display
1
Nachteile
  • Motor könnte stärker sein
  • kaum Einstellmöglichkeiten im Display
  • Design bei MV Agusta abgekupfert

Bericht vom 29.10.2019 | 17.670 Aufrufe

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