Bobber Vergleich 2018: Indian Scout Bobber

Bobber Vergleich 2018: Indian Scout Bobber

Der Bad Boy Indianer

Einen normalen Cruiser kann jeder haben – ein Bobber ist da schon viel cooler. Deshalb setzen viele Hersteller in den letzten Jahren vermehrt auf diesen Trend. Der vielleicht authentischste Hersteller für solche Motorräder ist die Kultmarke Indian. Deshalb war es klar, dass Zonko, Vauli, Juliane und der Horvath den Indian Scout Bobber einmal genauer unter die Lupe nehmen mussten.

Es ist immer schön zu sehen, wenn Motorradmarken auf eine lange Historie zurückblicken können. Es zeigt, dass Kundinnen und Kunden die Produkte schätzen und der Hersteller also alles richtiggemacht haben muss. Bei Indian muss sogar sehr viel richtig gelaufen sein! Seit 1901 bauen die Amerikaner bereits Motorräder, sprich seit unglaublichen 117 Jahren. Trotzdem genießt Indian im Vergleich zu anderen Marken in Europa nur einen sehr geringen Marktanteil. Somit stellt sich die Frage: ist der Indian Scout Bobber trotz langer Markentradition vielleicht der Underdog dieses Vergleichs?

Indian Scout Bobber Leistung

Selbstverständlich geht es bei Bobber (und Cruiser im Allgemeinen) nicht erstrangig um die Spitzenleistung. Das Gefühl und das Fahrerlebnis stehen hier an erster Stelle. Um eine Relation zu den anderen Testbikes des Bobber Vergleichs zu schaffen, will ich euch die wichtigsten Daten aber nicht verheimlichen. Seine Leistung schöpft der Indian Scout Bobber aus einem flüssigkeitsgekühlten V2 mit 1.131 ccm, der an ein 6-Gang Getriebe gekoppelt ist. Das Aggregat, das sich im Vergleich sehr modern anfühlt, leistet 94 PS und ein Drehmoment von 97 Nm bei 5.600 U/min. Damit ist der Scout Bobber das stärkste Motorrad dieses Vergleichs, nur die Triumph Bobber Black schlägt ihn mit einem Drehmoment von 107 Nm. Die moderne Charakteristik des V2 spiegelt sich in der ruhigen Laufkultur und dem sanften Ansprechverhalten am Kurvenausgang wider. Ob man sich nun in einem Bobber ein derartig ruhiges Aggregat wünscht ist selbstverständlich Geschmacksache, die gesamte Testcrew lobt aber die Leistung und den Durchzug des Indian Scout Bobber.

Hohes Gewicht wurde einfach kompensiert

Zwar wurden bei dem Indian Scout Bobber die Fender gechoppt, um den klassischen Bobber Look zu kreieren, trotzdem wurde er zu keinem Leichtgewicht. Vollgetankt sprechen wir von 255 Kilogramm - nur 2 Kilogramm weniger als die „normale“ Indian Scout. Trotzdem lässt sich der Bobber überraschend einfach fahren. Stichwort: niedriger Schwerpunkt. Die Sitzhöhe liegt bei unglaublich niedrigen 649mm (die niedrigste im Vergleich), wodurch sich auch der Schwerpunkt des Motorrads weit nach unten verlegt. Dank der tiefen Sitzbank fällt auch das Rangieren einfach, vorausgesetzt der Parkplatz ist nicht zu abschüssig, denn sonst könnten es kleine, beziehungsweise schwache Fahrerinnen und Fahrer etwas schwer haben.

Einsteigerfreundliches Fahrverhalten auf der Indian Scout Bobber?

Der Indian Scout Bobber ist ein gutes Beispiel dafür, dass viel Hubraum und ein hohes Gewicht einsteigerfreundlich sein können. Auch wenn die Fußrasten Position eine gewisse Eingewöhungsphase brauchen, ist dank der niedrigen Sitzhöhe ist ein sicherer Stand garantiert. Trotz Stollenprofil liefert der Kenda K761 genügend Grip, um den Scout Bobber flott durch die Kurve zu bewegen. Bei 29 Grad Schräglage ist sowieso Schluss, denn dann beginnen die Fußrasten ganz herrlich am Asphalt zu schleifen. Für Überraschung sorgte während des Vergleichs das Fahrwerk der Indian. In der Front arbeitet eine Teleskopgabel mit 120mm Federweg, während die beiden Federbeine im Heck nur einen Weg von 50mm zur Verfügung haben. Dank ihrem spitzen Winkel reicht aber selbst so ein kurzer Federweg, sodass uns kein Durchschlagen aufgefallen wäre.

Ausstattung und optische Details - simpel aber gut

Wer gerne Motorrad fährt, ohne Fahrmodi, Traktionskontrolle, etc. einstellen zu müssen, ist auf dem Indian Scout Bobber genau richtig. Denn auf ihm gibt es keine elektronischen Spielereien, die man erst nach dem Studium der Betriebsanleitung verstanden hat. Simpel und funktioniert hervorragend. Ebenso simpel wurden die Rücklichter gehalten, die sich das Gehäuse mit den Blinkern teilen, um die Linie des Bobbers möglichst wenig zu stören. Nicht so hübsch ist die Kennzeichenhalterung, die zum Glück durch Zubehörteile ersetzt werden kann.

Vaulis Meinung zum Indian Scout Bobber

Vauli ist bekanntlich nicht nur ein Freund vieler Fakten, sondern auch ein Fan von starkem Durchzug. Deshalb lobt er insbesondere das kräftige Triebwerk und die modernen Tugenden, die es mit sich bringt. Auch das leichtgängige Getriebe ist auf seiner Liste an Argumenten, die für den Scout Bobber sprechen. Zwar gibt es kein sattes „Klunk“ von sich, wie das ein Getriebe von Harley-Davidson zum Beispiel machen würde, dafür ist es beinahe unmöglich, sich auf dem Indian Scout Bobber zu verschalten. Zuletzt gefällt Vauli noch die niedrige Sitzhöhe, die er nicht nur als sehr komfortabel empfindet, sondern auch allen Einsteigerinnen und Einsteigern mit gutem Gewissen weiterempfehlen kann. Weniger angetan ist er von der geringen Schräglagenfreiheit, die beispielsweise auf der Moto Guzzi V9 Bobber deutlich höher ist. Außerdem bevorzugt Vauli die Optik dem „normalen“ Indian Scout gegenüber dem Aufritt des Bobbers.

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Julianes Meinung zum Indian Scout Bobber

Wer Juliane kennt, weiß, dass sie ein Fan sportlicher Motorräder ist, weshalb ihre Meinung zu solch entspannten Bobber sehr interessant ist. Auch sie lobt den V2 des Indian Scout Bobbers und bestätigt Vauli in Bezug auf den starken Durchzug des Aggregats. Mit ihrer Körpergröße von 169cm hat Juliane keine Probleme auf der Sitzbank der Indian und die vorgezogene Fußrasten Position stört sie ebenso nicht. Wie auch Fakten-Vauli kritisiert unserer Powerfrau die geringe Schräglagenfreiheit des Scout Bobbers, insbesondere weil Fahrwerk und Reifen über genügend Potential verfügen. Zuletzt spricht sie sich ebenfalls gegen die Optik des Indian Scout Bobbers aus, die sie als zu klobig beschreibt.

Horvaths Meinung zum Indian Scout Bobber

Wie so oft in schönen Geschichten, wurde der Underdog zum klaren Sieger. Zumindest in meiner Geschichte. Zwar hat Indian eine längere Historie als Harley-Davidson, die Präsenz in Österreich ist aber deutlich geringer. Als Indian-Jungfrau war meine Erwartung dementsprechend zurückhaltend. Nach einem halben Tag im Sattel wusste ich nicht mehr wo oben und unten war! Wie komme ich an genügend Geld, um mir einen Indian Scout Bobber zu kaufen? Leider habe ich bis heute keine Antwort auf diese Frage. Denn in meinen Augen ist der Scout Bobber ein wahrer Traum in Cruiser-Segment. Der wassergekühlte V2 punktet mit konstantem Durchzug und einem angenehmen Ansprechverhalten am Kurvenausgang. Die Sitzposition mit vorgezogenen Fußrasten und niedriger Sitzhöhe passen auf meine 175cm wie angegossen und geben mir genug Vertrauen, um in jeder Kurve meine Lieblingsdisziplin auf Cruisern zu üben: Fußrastenschleifen. Außerdem wurde im Vergleich zur normalen Scout jegliches Chrom entfernt, womit der Indian ein richtig böser Stealth-Look verpasst wurde. Also, falls jemand von euch circa 16.000 Euro übrighat, bitte ruft mich an!

Was kosten die Bobber aus dem Vergleichstest?

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Fazit: Indian Scout Bobber

Der Indian Scout Bobber ist ein Motorrad, das mit einem mächtigen Auftritt und modernen Tugenden überzeugt. Während die Optik die Geister scheidet, verführt die Indian mit ihrem kraftvollen V2 Aggregat die gesamte Testcrew des Bobber Vergleichs 2018. Dank ihrer niedrigen Sitzhöhe und dem gutmütigen Fahrverhalten kann sie als einsteigerfreundlich beschrieben werden, auch wenn sie vollgetankt 255 Kilogramm auf die Waage bringt. Einzig die begrenzte Schräglagenfreiheit bremst die Fahrfreude, doch selbst schleifende Fußrasten können für intensive Glücksmomente sorgen.

1
Vorteile
  • kräftiger Motor
  • starker Durchzug
  • geschmeidiges Getriebe
  • bequeme Sitzposition
  • niedrige Sitzhöhe
1
Nachteile
  • begrenzte Schräglagenfreiheit

Bericht vom 23.05.2018 | 9.957 Aufrufe

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