Triumph Speed Triple RS Test

Triumph Speed Triple RS Test

Die Legende im neuen Glanz

Der Klassiker unter den Naked Bikes verbindet Technologie und Nostalgie auf seine ganz eigene Art und Weise. Über 20 Jahre stetige Weiterentwicklung stecken in der neuen Generation der Speedy und verleihen ihr ein Fahrgefühl als wolle sie sagen: Vertrau mir, ich weiß was ich tue! Die Speedy bietet Fahrspaß und Fahrkomfort in perfekter Balance – Ein Motorrad mit Lebenserfahrung. Steffi Menzel war wieder unterwegs und hat für Euch die Speedy getestet.

Spanien im Winter ist ja bekanntlich wie Deutschland im Sommer. Perfekte Bedingungen also, um die neue Speed Triple auf den spanischen Landstraßen rund um Almeria auf Herz und Nieren zu testen. Was sie tatsächlich drauf hat, offenbart die Speedy allerdings erst, wenn man ihr ordentlich die Sporen gibt und sie sich auf der Rennstrecke austoben darf. Doch nun erstmal Karten auf den Tisch! Was ist denn nun eigentlich so neu an der Neuen?

Kein Zündschloss, kein Problem?

Umso weiter die Technik voran schreitet, desto mehr nimmt die Befürchtung zu, ohne Bedienungsanleitung das neu erworbene Fahrzeug nicht einmal mehr starten zu können. Dass dieser Gedanke keineswegs übertrieben ist, wird spätestens klar, wenn man vor der neuen Speedy steht, bereit den kernig klingenden Dreizylinder anzuwerfen um sich auf die aufregende erste Fahrt zu machen. Dann steht man nämlich da, mit dem Schlüssel in der Hand und sucht wie Otto das Zündschloss – vergebens! Das wohl spannendste neue Feature (zumindest aus weiblicher Sicht) ist nämlich die schlüssellose Zündanlage, die man aus der Autobranche bereits kennt. Das bedeutet, der Zündschlüssel muss nun nicht mehr eingesteckt und umgedreht werden – er muss lediglich anwesend sein. Zu tief sollte man ihn dann aber doch nicht in den Taschen vergraben, denn zum Öffnen des Tankdeckels wird er dann doch noch gebraucht.

Cruisen oder rasen – Auf den Modus kommt es an!

Nicht ganz so neu ist das TFT-Farbdisplay, womit bereits die Street Triple glänzte. Der 5-Zoll große Bildschirm lässt sich in verschiedenen Stilen dem Geschmack des Fahrers anpassen und verfügt über einen einstellbaren Blickwinkel, damit jeder – ob nun kleiner oder großer Biker – das Display optimal ablesen kann. Ablesbarkeit war wohl auch der Hintergedanke bei den neuen hinterleuchteten Schaltereinheiten. Wenn man nun also die Zündung eingeschaltet hat und das Mäusekino seine blinkende Show startet, taucht die nächste technikbezogene Frage auf. Welchen Fahrmodus hättens denn gern?! Es gibt nämlich 5 verschiedene zur Auswahl: Straße, Regen, Sport, Rider und Track. Die Auswahl ist mit 2 Klicks getroffen und bleibt bei erneutem Zünden voreingestellt. Mit den Fahrmodi verbunden, sind das E-Gas und Kurven-ABS sowie Kurven-Traktionskontrolle. Sprich die Unterschiede des Gasannahme-, das Brems- und das Beschleunigungsverhaltens sind in den verschiedenen Modi deutlich spürbar. Während die Speedy im Straßen Modus sehr sanft und gutmütig ans Gas geht, hängt sie im Track Modus schon wesentlich aggressiver an selbigem. Ähnlich verhält sich die Traktionskontrolle, die im Track Modus später und sanfter eingreift als im Straßen Modus. Besonders angenehm ist die Tatsache, dass die TC generell sehr sauber regelt und den Fahrer selbst bei aktivem Eingreifen kaum einbremst.

Kräftiger und leichter – Trotz umfangreicher Updates bleibt ihr Charakter bewahrt

Die eingefleischten Speedy Fans kennen und lieben ihren Dreizylinder Motor mit dem einmaligen Triumph-Sound. Und das völlig zurecht! Zwar ist der Aufbau des Motors noch immer der gleiche wie damals aber warum eine Basis über den Haufen werfen, wenn sie sich über all die Jahre bewährt hat? Klar, Veränderungen sind gut und gewünscht und kommen bei der neuen Generation nicht zu kurz. Im Gepäck hat die neue Speedy deshalb mehr Leistung, ein feineres Ansprechverhalten und einen noch kernigeren Sound. Insgesamt 105 neue Motorteile hat der 1.050ccm Motor verpasst bekommen und leistet dadurch 150 PS und 117 Nm. Vor allem aber ist die neue Speedy wesentlich drehfreudiger als ihre Vorgängerin, was sich sowohl auf das Fahrgefühl als auch auf den Klang durchweg positiv auswirkt. Die Arrow Schalldämpfer der RS Version runden das Gesamtpaket ab. Zur Steigerung der Performance gab es weitere Updates am Motor. Gewichtseinsparung stand hier im Vordergrund mit einem kleineren Anlassermotor, einer leichteren Batterie und Lichtmaschine, einem leichteren Kurbeltrieb und leichteren Alu-Zylinderlaufbuchsen. Auch die Ölführung wurde verändert was wiederum Gewicht und Leistungsverlust einspart.

Wer Vertrauen will, muss die Basis schaffen

Fahrwerk und Geometrie eines Motorrads sind zugegebenermaßen eine Wissenschaft für sich. Wenn Technik-Freaks sich über Torsion und Flex unterhalten, versteht ein Laie meist nur Bahnhof. Das ist jedoch völlig egal, solange das Fahrgefühl stimmt – und genau darauf kommt es ja schließlich an! Zu steif darf es nicht sein, zu weich allerdings auch nicht, damit der Fahrer ein gutes Feedback bekommt. Das konnte die Vorgängerin bereits durch den Alu-Doppelbrückenrahmen und die Einarmschwinge umsetzen, weshalb auch bei der neuen Speedy darauf gesetzt wurde. Die RS kommt zusätzlich mit einer edlen Öhlins Ausstattung. Sowohl die NIX30 Upside-Down-Gabel als auch das TTX36 Federbein von Öhlins sind in Federvorspannung, Druck- und Zugstufe einstellbar. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man nicht gerade zufällig das Gewicht hat, auf das ein Fahrwerk standardmäßig abgestimmt ist. Ich liege beispielsweise ca. 20 kg darunter. Einstellbar ist das Showa Fahrwerk der S Version natürlich auch! Hier unterscheiden sich die Fahrwerke der S und der RS im Groben in den berühmt berüchtigten „Klicks“, bzw. dessen Anzahl. Soll heißen, wie fein kann ich mein Fahrwerk abstimmen? Eine Frage, die sich vermutlich nur ein ambitionierter Hobby-Racer stellt.

Sonst noch was?

Allerdings! An der Optik der neuen Speedy ist natürlich auch getüftelt worden. Jedoch immer mit dem Fokus, den gewohnten Charakter beizubehalten und ihr lediglich einen moderneren Touch zu verleihen. Als erstes fallen dem Kenner-Auge vermutlich die neuen 5-Speichenräder auf. Besonders das Hinterrad besticht durch seine eingedrehte Optik. Noch dazu sind die Alu-Felgen mit einem edlen Hochglanzfinish versehen. Die hochgezogenen Endtöpfe setzen die schicke Hinterradfelge zusätzlich in Szene. Der RS Version geben die Arrow Endschalldämpfer mit Carbon Details eine noch sportlichere Optik, die sich im ganzen Bodywork fortsetzt. Auch hier sind Verkleidungsteile aus Carbon zu finden, sowie die typischen roten RS Applikationen. Die Speed Triple S kommt in Jet Black oder Crytal White, die RS in Matt Jet Black und ebenfalls in Crystal white. Beide werden ab März bei den Triumph Händlern verfügbar sein.

Preise Triumph Speed Triple

Österreich Deutschland
Speed Triple S Jet Black 16.450 € 13.750 €
Crystal White 16.575 € 13.875 €
Speed Triple RS Matt Jet Black 18.550 € 15.850 €
Crystal White 18.550 € 15.850 €

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Aber mal Hand aufs Herz – Wie fühlt es sich denn nun an?

Mit ihren knapp 200 kg ist die Speed Triple wahrlich kein Leichtgewicht und damit quasi das genaue Gegenteil von mir! Mit meinen zarten 58 Kilo und 1,67m Körpergröße hatte ich mich schon auf einen Kampf in David gegen Goliath Manier eingestellt und versucht, mir irgendetwas cleveres einfallen zu lassen. In abendlicher geselliger Runde kam das jedoch zu kurz, was ich tags drauf zum Glück nicht bereute. Es stellte sich nach den ersten Metern schon heraus, dass unsere gemeinsame Fahrt alles andere als ein Kampf werden würde – weitgefehlt! Die Speedy überraschte mich mit einer erstaunlichen Agilität. Völlig ohne Mühe ließ sie sich über die kurvigen spanischen Landstraßen bewegen. Dabei fiel mir besonders auf, dass es einen bestimmten Punkt gibt, an dem die Speedy ihre stabile und ruhige Lage verlässt, die sich zwar besonders in schnellen und langgezogenen Kurven auszahlt. In engeren Passkurven kippt die Speedy sanft nach innen und erlaubt es so, einen recht engen Radius zu wählen und vor allem leicht nach zu korrigieren, da sie anstatt stur ihre Linie zu halten, sich sehr agil bewegen lässt. Wer mich kennt, weiß jedoch, die Rennstrecke ist mein Happy Place. Und das scheinen die Speedy und ich gemeinsam zu haben. Mit einem Klick in den Track Modus geschaltet, gab es kein Halten mehr. Wer sich die neue Speed Triple zulegt, kann sich sicher sein, dass eine sportliche Fahrweise mehr als möglich ist. Müheloses Einlenken, ein sehr präzises Ansprechverhalten und vor allem eine kräftige Bremse lassen das Racer Herz höherschlagen. Was zum perfekten Glück eines Hobby-Rossis allerdings wie bei allen Naked Bikes noch fehlt, ist die entsprechende Bodenfreiheit. Die Fußrasten setzen wie so oft sehr früh auf und blockieren die Schräglagenfreiheit. Auch wird es zugegebenermaßen ab 240 km/h auf der Geraden doch recht windig. Aber wer sein Naked Bike liebt und schätzt, nimmt auch das gern in Kauf, denn die Vorteile der Speedy wiegen das um ein Vielfaches auf!

Fazit: Triumph Speed Triple RS

Die neue Speed Triple hat ihrer Vorgängerin einiges voraus. Sie ist stärker und smarter als das alte Modell, dreht höher und ist leichter. Ein Wechsel zur Neuen lohnt sich, wenn man auf diese Aspekte wert legt und das nötige Kleingeld parat hat. Dafür bekommt man ein vielseitiges Motorrad, dass den Fahrkomfort für längere Landstraßen-Fahrten mit dem Fahrspaß, den man sich für die Rennstrecke wünscht, vereint. Agil, handlich, smart und kraftvoll. Sie lässt sich die Speedy am besten beschreiben und wird unter ihren Fans definitiv mindestens so viel Anklang finden, wie ihre Vorgängerin.

1
Vorteile
  • Neue Technik
  • Gut funktionierende elektronische Helfer
  • Bewährter Motor weiterentwickelt
  • Mehr Leistung und Drehzahl
  • Hochwertiges Fahrwerk
  • Viele Einstellmöglichkeiten
  • Komfortable Sitzposition
  • Viele Sonderausstattungsmöglichkeiten
1
Nachteile
  • Fehlendes Windschild
  • Hohes Gewicht
  • Wenig Bodenfreiheit

Bericht vom 27.02.2018 | 19.300 Aufrufe

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