Dunlop GP Racer D212 im Test

Dunlop GP Racer D212 im Test

Der neue Race Reifen von Dunlop setzt noch einen oben drauf

Sowohl auf trockener Strecker als auch bei Mischbedingungen liefert der neue GP Racer eine ordentliche Performance ab. Dass der Reifen nicht nur unter DEM Rennmotorrad überhaupt, einer BMW S1000rr funktioniert, sondern auch weniger sportlichen Modellen noch mehr Performance verleiht, hat er in verschiedenen Rennserien längst bewiesen. Das rennfahrende Grip-Girl Stefanie Menzel testete für 1000PS.

Die Mischung macht´s

Man muss vorweg sagen, dass der GP Racer nicht in der Pro Race Liga mitspielt, dafür aber seinen ganz eigenen Zweck erfüllt. Allerdings scheinen sich die Entwickler in der Dunlop Schmiede gedacht zu haben: Warum nicht von den Großen lernen? Und frei nach diesem Motto hat der GP Racer D212 Voderrad-Reifen eine neue Kontur und Konstruktion verpasst bekommen, die sich bereits beim Profi-Rennreifen, dem D212 GP Pro von Dunlop bewährt hat. Die Vorteile für den Hobby-Racer sind in erster Linie ein wesentlich leichteres und präziseres Einlenkverhalten, da geringere Lenkkräfte auf die veränderte Karkasse einwirken und sich so das Einlenken und vor allem Umlegen bei Wechselkurven spürbar einfacher gestalten lässt.

Das Makeover des Hinterrad-Reifens trägt darüber hinaus durch eine vergrößerte Aufstandsfläche seinen Teil zur Stabilität bei. Aber nicht nur in Schräglage kann sich der Hobby-Racer über mehr Gefühl freuen, auch auf das Gripniveau vor allem im Kurvenausgang in der Beschleunigungsphase hat die veränderte Karkasse einen äußerst positiven Effekt.

Ebenso fleißig wie an der Form des neuen GP Racers ist an dem Compound getüfftelt worden. Das Stichwort an dieser Stelle ist „2-Komponenten-Mischung“. Ausgehend von der Tatsache, dass ein Reifen während einer zügigen Umrundung eines asphaltierten Spielplatzes für große Jungs (und Mädels) verschiedene Anforderungen erfüllen muss, ist ihm diese Aufgabe durch zwei unterschiedliche Gummimischungen auf der Lauffläche und im Schulterbereich erleichtert worden. Vorbei die Zeit, in der ein Kompromiss zwischen langer Laufleistung und hohem Gripniveau gefunden werden musste. Mit den Änderungen am GP Racer hat Dunlop ganze Entwicklungsarbeit geleistet und den eigenen bereits etablierten und soliden Hobby-Rennsport Reifen nochmals getopt.

Engagement im Rennsport

Dunlop selbst sieht den Motorsport seit über 100 Jahren als festen Bestandteil der eigenen Marke. Kaum verwunderlich, dass der Hersteller in verschiedenen Rennserien wie der Moto 2 und Moto 3 Klasse des Motorrad-Grandprixs, der Isle of Man TT oder auch in der Superbike IDM vertreten ist. In letzterer Rennserie ist vor allem in der Königsklasse, der Superbike1000 bisher Pirelli vorherrschend gewesen. Aber nach harten Zeiten durch die Produktionsort-Verlegung kämpft sich Dunlop wieder zurück und hat bereits in der Saison 2017 einige Siege von Fahrern auf gelben Schlappen feiern können. Besonders bemerkenswert ist allerdings das breite Engagement von Dunlop in Rennklassen, die zwar beim Spitzensport mitmischen, sich aber eher auf den gemeinen Breitensportler fokussieren.

Der Yamaha-R6 Dunlop Cup wird seit vielen Jahren durch den gelben Reifenhersteller unterstützt und hat einige große Fahrer wie beispielsweise Kenan Sofoglu hervorgebracht. Auch der GSX-R Cup und der SV 650 Cup, die ebenfalls bei der Superbike IDM vertreten sind, werden von Dunlop ausgestattet. Und das sogar mit dem neuen GP Racer D212! Im GSX-R Cup kommt dabei die Slick Variante zum Einsatz während im SV 650 Cup der profilierte Reifen eingesetzt wird. Im Vorjahr ist bereits der GP Racer D211 gefahren worden, wodurch viele Fahrer einen entsprechenden Vergleich vornehmen konnten, der durchweg positiv ausgefallen ist.

Man muss dem Gummi vertrauen können

Ähnlich erging es mir auch als ich beim Dunlop Reifentest die ersten Runden mit der gestellten S 1000 RR gefahren bin. Ich muss dazu sagen, dass ich großes Vertrauen in Dunlop habe, was für einen Hobby-Rennfahrer sicherlich eine Grundvoraussetzung ist, um überhaupt ein entsprechendes Fahrgefühl entwickeln zu können. Seit mindestens drei Jahren bin ich auf Dunlops unterwegs, beginnend mit meinen ersten zwei Sprintrennen-Jahren in der Gladius Trophy (nun SV 650 Cup). Aber auch in dieser Saison, in der wir mit dem Grip Girls Racing Team im DLC an den Start gehen und freie Reifenwahl haben, habe ich mich nicht aus einer Laune heraus für meinen gewohnten und bewährten GP Racer D211 entschieden. Vielmehr wusste ich ganz genau, worauf ich mich bei dem Reifen einlasse und die Tatsache, dass das Gripniveau und der extrem niedrige Verschleiß mich schon längst überzeugt hatten, gab der Frage nach der Reifenwahl eine klare Antwort. Umso mehr freute ich mich auf den neuen verbesserten GP Racer und die Gelegenheit einen direkten Vergleich anstellen zu können.

Am Tag vor dem eigentlichen Testtag drehte ich noch einige Turns mit meiner Langstrecken-R6, die mit besagtem D211 bestückt war. Die gewohnte Zuverlässigkeit ließ die Frage aufkommen, was denn an dem Neuen so viel besser sein konnte. Was es genau war, bewies der Reifen quasi direkt in der ersten Kurve mit einem Einlenkverhalten, dass ich so nicht erwartet hatte. Völlig mühelos ließ sich die, für unterdurchschnittlich große und schwere Menschen wie mich, recht lange und unhandliche BMW in die Kurve legen. Die veränderte Kontur scheint genau in´s Schwarze getroffen zu haben, sowohl am Vorderrad als auch am Hinterrad. Die größere Aufstandsfläche macht sich besonders beim Herausbeschleunigen bemerkbar, denn mehr Fläche entspricht mehr Grip. Aber Fläche allein reicht natürlich nicht, die Mischung des Gummis muss stimmen. Während der alte GP Racer ab und an mal ins Rutschen gekommen ist, wenn der Hahn zu sehr gespannt wurde, hat der neue GP Racer einen noch größeren Grenzbereich und zeigt es sehr sanft an, wenn er kurz davor ist, den Grip zu verlieren. Durch das präzise Feedback kann man als Fahrer gut nachkorrigieren und verliert dadurch nur wenig Zeit.

Was das Griplevel betrifft, ist sehr deutlich zu spüren, dass ein frischer Reifen ca. 3-4 Runden seine maximale Klebefähigkeit hält. Danach ist ein leichter Drop zu spüren, sprich das Gripniveau lässt unwesentlich nach, hält sich dafür allerdings quasi bis zum bitteren Ende. Hier unterscheiden sich die Endurance und die Medium Mischung sehr deutlich! Während der Endurance Compound seinem Namen alle Ehre macht, gibt der Medium Gummi wesentlich früher auf, startet dafür allerdings von vorn herein auf einem etwas höheren Griplevel. Dafür ist jedoch bereits nach wenigen Turns Schluss mit Top Rundenzeiten und das Gefühl gleicht eher dem, als hätte man mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Wer also lange auf ein gleichbleibendes Gripniveau wertlegt, sollte auf die Endurance Mischung setzen. Die letzten Zehntelchen lassen sich dann doch eher mit der Medium Mischung rauspressen. Fest steht aber, dass der GP Racer seinen Platz im Hobby-Rennsport mehr als verdient hat.

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1000PS.at

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Bericht vom 15.08.2017 | 5.664 Aufrufe

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