KTM EXC 2018 2-Takt Einspritzer

KTM EXC 2018 2-Takt Einspritzer

EXC 250 TPI und EXC 300 TPI im Test

Ich war dabei! Bei jenem Event wo das Überleben der 2-Takter sichergestellt wurde und eine Revolution die Endurowelt verändert. Bei der Weltpremiere der neuen KTM EXC 2018 2-Takt EXC mit Einspritzung am Erzberg.

Nachdem 2017 die KTM EXC Modellpalette insgesamt ein gewaltiges Update spendiert bekam und leichter und besser als je zuvor wurde, kamen für 2018 speziell die 2-Takter an die Reihe. Und hier präsentierte KTM die lange erwartete neue Zweitaktgeneration mit Einspritzung. Zum Einsatz kommt die neue Technologie, TPI (Transfer Port Injection), bei den Modellen 250 EXC TPI und 300 EXC TPI. Beide Modelle gibt es in Europa nicht mehr in der Vergaserversion. Und das wird auch kein Problem sein, denn absolut niemand wird den Vergasermodellen nach einer Testfahrt eine Träne nachweinen.

Bei diesem Test war es so, dass die radikale Erneuerung ausschließlich Vorteile zum Vorschein brachte und der bisherigen Technologie meilenweit überlegen ist. Negativ ansprechen kann man bloß den gestiegenen Preis in der Anschaffung und die zusätzlichen 3 Kilo am Motorrad.

Welche Vorteile bringt die Einspritzung für den Besitzer

  • Getrenntschmierung. Es kann Benzin getankt werden. Erleichtert das Leben in der Praxis deutlich.
  • Deutlich geringer Verbrauch. Nun auf dem Niveau der Viertakter.
  • Keine Probleme mit Bedüsung und Nadelposition. Die Gemischaufbereitung funktioniert auf Meereshöhe bei 40 Grad genauso präzise wie auf 3000 Meter bei 0 Grad.
  • Perfekte und präzise Steuerung der Schmierung. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Saubere Verbrennung, sauberer Auspuff, saubere Zündkerze, weniger Gestank bei Stau im Wald.
  • Kein überlaufender Vergaser mehr.
  • Kein Benzingestank im Motorrad-Transporter
  • Gleich günstige Wartungskosten wie bisher
  • Geringere laufende Kosten beim Verbrauch von Öl und Treibstoff
EXC 250 TPI und EXC 300 TPI im Test. KTM bringt die 2-Takt Enduros für 2018 komplett neu mit Einspritzung. Damit werden die Zweitakter einfacher in der Handhabung und gutmütiger im Fahrbetrieb. NastyNils testet am Erzberg

Wie funktioniert die neue KTM Zweitakteinspritzung

KTM hat sehr lange entwickelt und sich viel Zeit gelassen. Immer wieder stand das Projekt an der Kippe. Das Problem war nicht ein Zweitaktmotorrad mit Einspritzung zu entwickeln. Das Problem war ein wunderbar harmonisches System hinzubekommen, welches sowohl Profis als auch Rookies begeistert. Zusätzlich dazu soll das System auch nicht zu komplex werden. Die von KTM entwickelte Lösung wurde patentiert und ist im Moment einzigartig und allen anderen 2-Taktmotorrädern weit überlegen.

Beim neuen Motorrad werden wie bei 4-Taktern auch aktuelle Sensordaten an eine ECU geschickt. Diese steuert dann Zündzeitpunkt, Kraftstoffmenge und Ölmenge. Die Drosselklappe selbst wird immer noch über Bowdenzug mittels Gasgriff gesteuert. Man kann sagen, dass das gesamte Knowhow in der ECU und in der Thermodynamik im Brennraum steckt. Der Rest ist kein Hexenzauber. Die Einspritzdüsen sind z.B. von den Viertaktern übernommen, ebenso die Einspritzpumpe, die Benzinpumpe und die neue Lichtmaschine. Der Grundaufbau des Motors selbst ist vom Vorgängermodell übernommen. So kommt es, dass man zwar eine revolutionäre neue Maschine kauft, aber nicht das dabei übliche Risiko der ersten Serie tragen muss. Beim harten Test am Erzberg beobachtete ich genau. Nie zuvor haben sich die KTM Mechaniker am Testtag so gelangweilt. Kein Tanken, kein Schrauben, keine Einstellarbeiten. Die Motorräder liefen den ganzen Tag über mit einem Tank und verbrauchten erschreckend wenig Treibstoff.

Doch das ist ja auch ganz logisch. Es gibt nun eben keinen überlaufenden Vergaser mehr, keinen überflüssigen Kraftstoff im Schiebebetrieb oder ein zu fettes Gemisch am Berg. Das Gemisch ist in jeder Fahrsituation perfekt aufbereitet. Die große Überraschung war für uns die Position der Einspritzdüsen. Diese sitzen nicht wie erwartet oben im Zylinderkopf (Direkteinspritzer mit hohem Einspritzdruck) sondern bei den Überstromkanälen und arbeiten dort mit einem niedrigen Einspritzdruck von 3.5 bar. Damit ist das System sehr einfach und damit robust.

Welche Vorteile bringt die Einspritzung für den Profi?

Profis wie Andreas Letttenbichler oder Jonny Walker sprachen vor der 1000PS Kamera Klartext (Video erscheint am 18. Mai um 20 Uhr). In der Fahrpraxis beim Rennen hat das neue System für sie keine wesentlichen Vorteile aber auch keine Nachteile. Denn bei Vollgas fühlt sich das neue Aggregat nicht anders an als bisher. Die 300er dreht oben einen Tick länger und härter aus, aber es war ja nicht so dass da bisher zu wenig Leistung da war. Drehmomentverlauf und Spitzenleistung sind gleich mit bisher und stellen die Racer zufrieden. Bei abwechslungsreichen Rennen mit hohem Teillastanteil erfreuen sich die Profis natürlich am niedrigeren Verbrauch. Ein echter Wettbewerbsvorteil. Und sie freuen sich natürlich darüber, dass Rennen wo große Höhenunterschiede überwunden werden, das Fahrzeug konstant gut funktioniert.

Welche Vorteile bringt die Einspritzung für den Rookie?

Wesentlich mehr Vorteile bringt die neue Einspritzanlage für Hobbyfahrer. Denn im Teillastbereich ist der Motor nicht wieder zu erkennen. Bei vorsichtigen und langsamen Fahrten über Wurzeln oder Felsen hält der Motor präzise die Drehzahl und gibt kein aggressives und ermüdendes Stottern von sich. Der Motor fühlt sich hier in Sachen Laufruhe und Kultur an wie ein Viertaktmotor. Geblieben ist jedoch die Spritzigkeit welche 2-Taktfans so schätzen. Das heißt, man kann im Bedarfsfall die Leistung immer noch schnell nun aber deutlich präziser abrufen. Ebenfalls grandios war die Laufkultur in tiefsten Drehzahlregionen. Man kann den Motor in höheren Gängen als bisher fahren und genießt immer noch eine präzise und saubere Verbrennung. Den Motor abzuwürgen ist fast unmöglich. Die Traktion wurde deutlich verbessert. Beim Test fuhren wir die bekannten und gefürchteten Passagen am Erzberg mit spielerischer Leichtigkeit: Wasserleitung, Badewanne, 3-Könige. Überall war die Kombination aus Power und Traktion schlicht großartig.

Leider geil ist auch der aus den 4-Taktern bekannte Map-Selector-Switch. Mein Favorit: Die 300er EXC TPI mit aktiviertem “2er” Mapping (= softeres Ansprechverhalten). Der Übergang vom Drehzahlkeller in den Bereich wo es anfängt grimmig zu werden ist hier deutlich entschärft. Die Maschine ist ein Gedicht. Doch auch für Hobbyfahrer hat die bissigere 250er ihren Reiz. Sie hängt noch einen Tick direkter und williger am Gasgriff. Wer das Spiel mit der Drehzahl mag, wird sich in sie verlieben. Die 250er steuert man mehr mit der Kombination Drehzahl / Gasgriffstellung als die 300er. Das wirkt nervöser aber auch quirliger, geiler und in vielen Situationen auch schneller.

Bringt KTM Supermoto Modelle für die Straße auf der neuen Zweitaktbasis?

Im Moment gibt es dafür überhaupt keine Anzeichen. Denn auch mit der neuen Einspritzung sind die beiden Motorräder immer noch reine Wettbewerbsmodelle. Auch jetzt noch macht es wenig Sinn diese als Alltagsmotorrad zu verwenden. Eine Stunde Dauervollgas auf der Autobahn werden sie mit genau der gleichen Wahrscheinlichkeit überleben wie bisher. Puristen können auf der aktuellen Basis natürlich selbst eine Supermoto aufbauen und erfreuen sich an der einfacheren Handhabung und am geringen Verbrauch, aber KTM selbst wird in nächster Zeit kein Straßenmodelle mit Zweitaktmotor bringen.

Features und Ausstattung der 2-Takt Six-Days Modelle

  • Endschalldämpfer mit Six Days-Emblem
  • Motorschutz
  • 2-Takt-Karbon-Hitzeschutz
  • Steckachseneinsatz
  • Supersprox-Stealth-2-Komponenten-Kettenrad
  • Lenker mit Six Days-Emblem
  • Massive, hintere Bremsscheibe
  • Oranger Rahmen
  • Gefräste, orange eloxierte Gabelbrücke
  • Schwimmende, vordere Bremsscheibe
  • Exklusive Six Days-Graphics
  • Orange Kettenführung
  • Six Days-Sitzbank
  • Map-Select-Switch
  • WP Xplor 48 Upside-down-Gabel mit Preload-Adjuster

2-Takt oder 4-Takt kaufen

Die Qual der Wahl ist nun leider noch heftiger als früher. Die neuen Zweitaktmodelle sprechen nun eine breitere Zielgruppe an als bisher. Jene Fahrer, denen die Zweitakter einfach zu unpraktisch waren aber die Leichtigkeit und Quirligkeit liebten, werden nun umsteigen. Wer mit seinem Viertakter super zufrieden ist, hat jedoch keinen Grund panisch über einen neuen Zweitakter nachzudenken. Denn einige Dinge haben sich nicht geändert. Die Motorbremswirkung ist natürlich immer noch schwächer als bei einem Viertakter. Das hat für viele Hobbypiloten Nachteile am Kurveneingang beim Wiesenslalom oder bei Bergabfahrten. Schwer zu sagen ist jedoch welches Motorrad nun weniger Schweissverlust produziert. Die Zweitakter punkten durch das spielerische Handling in Bergabpassagen und durch das tiefe Gewicht beim Schleppen. Der Viertakter hilft eben mehr beim Bremsen mit und hat immer noch den konstanteren Drehmomentverlauf.

Preis KTM EXC Zweitakt 2018

Die neuen Zweitakter rücken preislich leider näher an die Viertakter ran. Eine 250 EXC TPI ist nun rund 600 Euro günstiger als eine 350er EXC-F. Aktuelle Preise finden sich im 1000PS Marktplatz hier.

Fazit: KTM 250 EXC TPI

nastynils

NASTYNILS

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Quirlig, drehfreudig und extrem agil präsentiert sich die 250er Zweitakter. Ihr Charakter hat sich mit der Einspritzung nicht wirklich verändert, nur die Manieren sind besser geworden. Im argen Gelände punktet sie mit punktgenauer Leistungsabgabe und niedrigem Gewicht. Oben raus wirkt sie drehfreudig und kräftig. Eine großartige Hardenduro für hartes Terrain. Nun mit Einspritzung auch für das gemütliche Wandern empfehlenswert.

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Vorteile
  • Insgesamt hochwertige und führende Enduroausstattung
  • Motor ist kräftig, drehfreudig und präzise zugleich
  • Handlingwunder
  • jetzt mit all den praktischen Vorteilen einer modernen Einspritzanlage
  • immer noch robust und einfach im Aufbau
  • das schnellste Motorrad in den Bergabpassagen
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Nachteile
  • Übergang vom Drehzahlkeller in den mittleren Drehzahlbereich für Hobbyfahrer immer noch etwas fordernd

Fazit: KTM 300 EXC TPI

nastynils

NASTYNILS

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Man muss keine Angst mehr vor ihr haben. Die KTM 300 EXC TPI kann mit der modernen Einspritzanlage im Drehzahlkeller gefahren werden. Dort punktet sie mit Laufkultur und Harmonie. Ein wunderbares Motorrad. Auf den langen Steilhängen dann bietet sie dann alle Möglichkeiten was die Wahl des Drehzahlniveaus betrifft. Eine sehr universelle Maschine. Eine gute Wahl für Leute die harte Rennen und gemütliche Ausflüge mit nur einem Motorrad absolvieren möchten.

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Vorteile
  • Insgesamt hochwertige und führende Enduroausstattung, Unschlagbar im Drehzahlkeller
  • Verzeiht Fehler bei der Wahl des Ganges am Steilhang
  • Für Hobbyfahrer kein Handlingnachteil erkennbar
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Nachteile
  • Im Vergleich zur 250er etwas weniger drehfreudig bei rasch wechselnden Terrainbedingungen

Bericht vom 21.05.2017 | 40.475 Aufrufe

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