Ducati Scrambler Sixty2 Test

Ducati Scrambler Sixty2 Test

Lifestyle Bike von Ducati - Kleiner Motor, großer Spaß

Auch wenn‘s jetzt ziemlich überheblich klingt, man fährt nicht auf eine Präsentation eines 400 Kubik Straßenmopeds und hat einen breiten Grinser im Gesicht. Dafür bin ich schon eindeutig zu lange in diesem Business. Trotzdem versucht man so gut wie möglich ohne Vorurteile zu einer Präsentation zu kommen. Aber jetzt mal ehrlich, 400 Kubik? Das kann doch ernsthaft keinen Spaß machen. Oder?

OK, nochmal von vorne: 2014 wurde auf der EICMA erstmals das Scrambler-Projekt vorgestellt. Wobei Scrambler nicht als Modell ,sondern als Marke verstanden werden soll. Eine eigene Marketingschiene und ein vom Ducati-Stand auf Messen abgetrennter Bereich unterstreichen das. Es geht nicht vorrangig um das Motorrad, sondern um das Lebensgefühl einer Jugendkultur – Surfen, Skaten, Spaß haben, das suggerieren uns die Marketingfritzen. Ein gutes Jahr später weiß man, das Konzept schlug eine wie eine Bombe, weltweit verkaufte Ducati sagenhafte 16.000 Stück von der Scrambler - das ist mehr als nur zufriedenstellend. Mittlerweile finden sich insgesamt 7 verschiedene Modelle in der Scrambler-Familie. Neuestes Mitglied ist die Sixty2, eine im Hubraum etwas abgespeckte Version.

Die Unterschiede zur großen Schwester

Doch der Hubraum ist nicht der einzige Unterschied zur großen Schwester. Es gibt eine Reihe von Merkmalen, die bei der kleinen anders gelöst wurden. Beginnen wir an der Front. Wurde bei der 800er das vordere Fahrwerk noch als zu straff beurteilt, findet man auf der Sixty2 eine mit 41-mm etwas schmälere Gabel, die auch deutlich komfortabler eingestellt ist. Ebenfalls einen Tick kleiner fällt die Bremse an der Front aus. Bei der Sixty2 kommt eine 320 mm Bremsscheibe und eine Zweikolben-Bremszange zum Einsatz. Reicht das für eine akzeptable Bremswirkung? Aber sowas von! Ein Finger reicht, um das Hinterrad der Sixty2 anzuheben. ABS ist übrigens auch bei der kleinen Scrambler Standard.

Etwas anders fällt auch der Tank der Kleinen aus. Konnte man bei der 800 noch die Seitenteile tauschen, ist das nun nicht mehr möglich. Anders ist, no na, natürlich auch der Motor, wobei bis auf den Hubraum hat sich nicht allzu viel geändert, denn das Motorgehäuse ist das Gleiche. Beim Zweiten Blick fällt auch die andere Schwinge auf. Der 800er wurde noch eine Aluschwinge spendiert, bei der Sixty2 muss man sich mit einer Stahlschwinge zufrieden geben. Zu guter Letzt wurde auch die breite 180er Walze durch einen 160er Pirelli MT60 ersetzt.

Livestyleobjekt oder doch Motorrad?

Wie erwartet wurde die Sixty2 in einer urbanen Lifestylemetropole gelauncht. Kaum ein Ort eignet sich hierfür besser als Barcelona. Hier findet man nahezu an jeder Ecke coole Skater und Surfer, hippe Streetart und für mich als Motoradfahrer ganz wichtig, Temperaturen um die 25° Grad. Wie bereits erwähnt kam ich ja nicht ganz vorurteilsfrei zur Präsentation. Doch meine Meinung änderte sich bereits nach den ersten gefahrenen Metern. Ich bin selten ein Bike gefahren, das so handlich zu fahren ist. Wir begannen unsere Tour im Dickicht von Barcelonas Innenstadt. Stop and Go, links-rechts, zwischen den Autos durch und gerade noch über die orange Ampel. Kein Zweifel, die Stadt ist ihr Zuhause, hier fühlt sie sich mit ihrem leichten Handling und der schmalen Linie richtig wohl. Da spielt auch die mindere Leistung keine Rolle. Um aber auch etwas Kritik einzubringen, könnte man über den breiten Lenker meckern, der das Durschlingeln etwas erschwert. Insbesondere die Mädels übten am breiten und etwas hohen Lenker sanfte Kritik. Apropos Mädels: Auf keiner anderen Präsentation habe ich so eine große Anzahl von Journalistinnen erlebt. Warum auch nicht? Mit ihrem Trockengewicht von nur 167 kg ist die Sixty2 auch von zierlicheren Geschöpfen leicht zu handeln und überfordert in fast keiner Situation. Dazu trägt auch der Motor massiv bei. Mit dem 400 Kubik Aggregat ist den Italienern ein ganz großer Wurf gelungen. Eine praktisch gerade verlaufende Leistungskurve und nahezu keine Lastwechsel verstehen sich nicht immer von selbst. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle auch die Einsteigerfreundlichkeit des Motors. So kann man Standgas einkuppeln und losfahren. Andersrum hat man aber auch kein Problem damit, wenn man zuviel Gas erwischt oder die Kupplung schnalzen lässt. Die Scrambler fährt dann zwar etwas flotter los, katapultiert den Fahrer aber nicht geradewegs in das vor ihm stehende Auto.

Auch ausserhalb der Stadt brauchbar?

Dass die Sixty2 in der Stadt eine Macht ist, war anzunehmen. Umso gespannter durfte man auf den zweiten Teil der Tour sein, die ins spanische Umland führte. In den engen Radien funktioniert die Kleine hervorragend, handlich wie eine Supermoto fetzt sie überall innen vorbei. Doch was ist das? Die 62er liebt auch die langgezogenen, schnellen Kurven. Wie eine Große cruist sie über die Straßen. Kein Schwimmen, kein Ruckeln, kein nervöses Gehabe. Ein breites Grinsen erstrahlte auf den Gesichtern der Journalisten beim Zwischenstopp. Und der Motor? Darf‘s vielleicht noch ein bisserl mehr sein? Ganz ehrlich Antwort – Nein! Ich war schon lange nicht mehr so stressfrei unterwegs wie mit der Sixty2. Nicht falsch verstehen, wir waren schon richtig flott unterwegs, aber man kommt einfach entspannter in die Kurve und selbst, wenn man etwas zu schnell dran ist, reicht ein kleiner Zug mit dem rechten Zeigefinger und alles ist wieder im grünen Bereich. Aus der Kurve einfach voll umdrehen und die Scrambler findet genau die richtige Beschleunigung. Ein Journalistenkollege meinte, die Sixty2 erinnere ihn an seine Jungend, als er gerade zum Motorradfahren begann und alles noch neu und aufregend war.
Auch wenn‘s jetzt sehr kitschig und aufgesetzt wirkt, doch irgendwie schafft es die Scrambler, dir dieses lockere und entspannte Lebensgefühl einzuhauchen. Wie sie das macht? Ehrlich, ich hab keine Ahnung. Und genau an diesem Punkt schafft die Sixty2 den Spagat zwischen einem Lifestyle-Produkt und einem fantastisch funktionierenden Motorrad.

Den nächsten Satz wollte ich eigentlich mit einem „Aber…“ beginnen. Die Sixty2 wird in Österreich 8.395 € und in Deutschland 7.790 € inkl. aller Steuern kosten. Das wirkt auf den ersten Blick doch etwas heftig und auch wenn‘s an dieser Stelle schwer fällt, bitte nicht mit anderen Bikes in dieser Hubraumklasse vergleichen. Die Sixty2 ist ein Premiumprodukt, das in Italien gefertigt wird. Keine Komponenten von unaussprechbaren Herstellern. Qualität und Top-Verarbeitung an jeder Stelle. Berücksichtigt man diese Faktoren, kommt man drauf, dass die Sixty2 konkurrenzlos und der Preis gerechtfertigt ist.

Testberichte Motorrad Neuheiten 2016:

Fazit: Ducati Scrambler Sixty2

Die Ducati Scrambler Sixty2 ist definity mehr als nur ein Lifestyleprodukt. Sie ist ein vollwertiges Motorrad mit hochwertigen Komponenten und einer mörderischen Optik. Das Fahrwerk funktioniert tadellos und auch der Motor überrascht mit einer gleichmässigen Leistungsentfaltung.

1
Vorteile
  • gutes Fahrwerk
  • sehr wendig
  • gleichmässige Leistungsentfaltung
1
Nachteile
  • etwas breiter Lenker
  • Preis

Bericht vom 15.02.2016 | 39.136 Aufrufe

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