Husqvarna 701 Supermoto und Enduro Test 2015

Husqvarna 701 Supermoto und Enduro Test 2015

Austro-schwedische Einzylinder-Einheit mal 2

Husqvarna Neuheiten 2016: Die neue Husqvarna 701 Supermoto und 701 Enduro 2016! Die Husqvarna 701 Supermoto und 701 Enduro im Test. 67 PS Leistung und 67 Nm Drehmoment bei 158 kg vollgetankt. Welche bringt im Alltag die beste Performance?

Vorwort 1: Einige Kommentare auf das erste POV-Video der Husqvarna 701 Supermoto und 701 Enduro hatten die Verwandtschaft/Ähnlichkeit/Gleichheit mit der 690er von KTM zum Inhalt, die 701er wären nur umlackierte Kanten für noch mehr Geld. Dazu ein kurzer geschichtlicher Exkurs. Husqvarna wurde 1903 gegründet, zählt somit zu den ältesten Motorradmarken der Welt. Husqvarna ist so alt wie Harley-Davidson. Husqvarna hat in manchen Ländern, die am Weltmarkt nicht unbedeutend sind, zum Beispiel in den USA, einen hohen Stellenwert und genießt großen Respekt.

Nachdem die Marke seit den späten Achtzigern herumgereicht wurde, hat sich KTM ihrer angenommen und den Fortbestand dieser Legende gesichert. Dafür musste Husaberg gehen, was wir sehr bedauern, aber dieses Land ist zu klein für zwei Austro-Schweden. Man muss also weder Prophet noch Enthüllungsjournalist sein, um folgerichtig festzustellen, dass in Zukunft sehr viel KTM-Craft und Kompetenz in jeder Husqvarna stecken wird. Darüber wird deshalb nicht weiter parliert.

Markenpolititk ist nicht das Thema

Vorwort 2: Ich bin froh und dankbar, dass überhaupt noch ein Hersteller fähig und willens ist, ein Motorrad wie die 701 Supermoto zu bauen und auch die Enduro-Variante macht nicht nur Sinn, sondern vor allem Spaß. Aus diesem Grund wird hier nicht von Markenpolitik und Synergien berichtet, sondern den Fahreigenschaften der beiden Husqvarna-Modelle 701 Supermoto und 701 Enduro.

In Portugal präsentierte Husqvarna die neue 701 Supermoto. Technische Daten: 690 ccm SOHC Einzylinder, 67 PS, 67 Nm Drehmoment, 48 mm WP-Gabel, 145 kg ohne Kraftstoff, Sitzhöhe 890 mm

Hochleistungs-Einzylinder mit Manieren

Der 43,4 kg leichte und 690 Kubik große SOHC-Einzylinder steckt in einem ChroMoly-Stahlrahmen von WP Performance Systems, der 8,4 kg wiegt. Das Aggregat leistet laut Hersteller maximal 67 PS bei 7.500 U/min. und erzeugt ein Drehmoment von 67 Nm bei 6.000 U/min. Trotz hoher Leistung soll die 701er sparsam sein und mit Serviceintervallen von 10.000 km auskommen. Zudem sind die Zeiten der Abbruchhämmer aus vergangenen Tagen endgültig vorbei, die Vibrationen sind gering und die Kurbelwelle verfügt über eine parallele Ausgleichswelle für eine bessere Laufkultur. Der 471 g leichte Schmiedekolben von Mahle König und das Bohrung/Hub-Verhältnis von 102x84,5 mm ermöglichen Drehzahlen von über 8.000 U/min. Genährt wird der Motor aus dem im Heckrahmen integrierten Tank aus Polyamid, der 13 Liter fasst.

3 + 1 Mappings

Die 46 mm Drosselklappe der Kraftstoffeinspritzung von Keihin wird vom Elektronischen Motormanagement System gesteuert, wir haben also einen Ride-by-Wire Gasgriff, der unsere Drehbewegungen berechnet und übersetzt. Dadurch sind auch drei verschiedene Zündkurven möglich, die bei Husqvarna Standard, Soft und Advanced heißen. Ein zusätzliches Mapping nennt sich Bad Fuel und dürfte eher für Fahrer der 701 Enduro interessant sein, die sich in Abenteuer mit ungewissem Oktan begeben. Leider ist es nur mit einem aufpreispflichtigen Zündkurvenschalter möglich, die Mappings während der Fahrt zu wechseln.

ABS: Supermoto- und Enduro-Modus nur gegen Aufpreis

Wo Ride-by-Wire drin ist, ist ABS meist schon dran. Das Anti-Blockier-System der Husqvarna nennt sich Typ Bosch 9, 1 MP und wurde speziell für die beiden Schwestern abgestimmt. Es ist mit einem Überschlagschutz und eigenen Supermoto- und Enduromodi ausgestattet, bei denen das ABS am Hinterrad abgeschaltet werden kann, was allerdings nur möglich ist, wenn man sich den Dongle - ein kleines Elektronikbauteil, das an ein Kabel unter dem Sitz angeschlossen wird - besorgt. Und den gibt's nicht umsonst. Über ein Lämpchen links neben dem Display wird angezeigt, ob das ABS ein- oder ausgeschaltet ist. Im Supermoto/Enduro-Modus blinkt das Licht alle 5 Sekunden.

Bei der Testfahrt der 701 Enduro war das ABS am Hinterrad ausgeschaltet. Zunächst fuhren wir unerklärlicherweise einige Zeit auf Asphalt, was mit den TKC80 von Continental in den Dimensionen 90/90-21 vorne und 140/80-18 hinten nicht besonders angenehm war. Ich hätte vor dem Test die Enduro als meine Favoritin gesehen, weil ich dachte, sie könne praktisch alles, was die Supermoto kann und noch mehr. Aber die Fahrdynamik auf befestigten Straßen lässt doch sehr zu wünschen übrig. Ich glaube und hoffe, mit anderen Reifen kann hier noch einiges verbessert werden. Die Zweikolbenbremszange mit einer 300 mm Scheibe vorne ist der Vierkolbenzange mit 320 mm Scheibe der Supermoto ebenfalls deutlich unterlegen.

Unterschiede in der Geometrie

Im Offroad hingegen konnte die Enduro voll überzeugen, denn genau dafür sind 275 mm Federweg vorne wie hinten bestimmt. Im Unterschied zur Supermoto führt die Enduro eine Closed-Cartridge-4-Kammernsystem-Gabel von WP Suspension, das Federbein ist vom Typ WP 4618 und in High/Low-Speed in der Druckstufe einstellbar. Ein Lenkkopfwinkel von 44° (Supermoto: 45°) und ein Offset von 32 mm (Supermoto: 35 mm) sind weitere Unterschiede in der Geometrie. Daraus ergibt sich eine weitere, entscheidende Differenz. Die Supermoto ist mit einer Schulterhöhe von 890 mm schon was für eher langes Gebein, die Enduro mit 910 mm gar für Baumriesen und Stelzenträger geeignet. Ein weiterer Aspekt, den man für den Alltagseinsatz nicht außer Acht lassen sollte.

Kernkraft Motorabstimmung

Echtes Hard-Enduro-Terrain haben wir mit der 701er nicht geentert, obwohl es anfangs versucht wurde. Wir hielten uns schließlich an Schotterstraßen und Güterwege, durchquerten den einen oder anderen Fluss und ziemliche viele Pfützen. In den letzten Tagen hatte es im Süden Portugals soviel geregnet wie sonst im ganzen Jahr. Der spürbare Unterschied zu echtem Enduro-Material liegt im Gewicht. 145 kg ohne Sprit bedeuten fast 160 kg, sobald man die Tankstelle verlässt. Dafür hat man Leistung satt und somit wären wir bei der größten Stärke der beiden Husqis - dem Motor. Der ist so gelungen abgestimmt, dass man sowohl on- wie offroad vergleichsweise schaltfaul und mit exzellentem Gefühl am Gas fahren und steuern kann.

Breites Drehmoment-Plateau

Das Drehmoment-Plateau von ca. 4000 bis 8000 Touren bietet viel gleichmäßigen Druck ohne unangenehme Leistungsexplosionen, die mit Fahrtechnik ausgeglichen werden müssten. Besondere Manöver wie Wheelies werden durch die Motorcharakteristik fast zum Kinderspiel, etwas Erfahrung vorausgesetzt. Die Kompromisslosigkeit früherer Zeiten fehlt den neuen Modellen, nicht aber die Performance. Mehr noch, mit einem Kunstgriff wurde die spartanische Sportlichkeit dieser Einzylinder-Athleten mit akzeptabel komfortabler Alltagstauglichkeit verbunden. Kein Stottern und Schütteln mehr im Stoßverkehr, kein Hämmern und Hacken beim Beschleunigen. Ein Hochleistungsmotor mit besten Manieren.

Der Motor ist die Basis für Kontrolle, das Fahrwerk für Transparenz. Die CNC-gefrästen Gabelbrücken wurden so entwickelt, dass sie die Klemmkraft gleichmäßig an das Gabelbein abgeben, die Kontaktfläche maximieren und die Reibung auf ein Minimum reduzieren. Eine Gummilagerung zwischen Lenkermontage und Gabelbrücke minimiert zudem Vibrationen. Während die Kontrolle im Offroad sehr gut und ich ehrlich gesagt überrascht war, kein einziges Mal zu stürzen, zeigte die Rutschpartie auf der nachmittags überfluteten Kartbahn neben der Rennstrecke in Portimao, wie haarfein die Fahrdynamik der 701er vom Fahrer tatsächlich wahrzunehmen ist.

Grip: Bügeleisen auf Eisplatte

Die Supermoto-Variante ist klassisch mit 120/70-17 und 160/60-17 auf schlauchlosen, schwarz eloxierten Speichenfelgen von Giant bereift und kommt mit kürzeren Federwegen von 215 mm vorne und 250 mm hinten aus. Die ContiAttack SM, die auf trockenem und auch nassem Asphalt noch sehr gut funktionierten, waren auf der Kartstrecke durch den starken Gummiabrieb nicht mehr als zwei Bügeleisen auf einer Eisplatte. Ich kann mich nicht erinnern, jemals auf einer so glatten Oberfläche gefahren zu sein, außer auf einem Ölfilm und das führte zu einer kaputten Ducati 999. Wenn ich in freier Wildbahn merken würde, dass die Straße bei Regen so glatt wird, würde ich stehenbleiben und warten, bis es wieder trocken ist.

Must-Have Dekorsatz

Mit einem 67 PS Einzylinder normalerweise ein Selbstmordkommando und das genaue Gegenteil von Fahrfreude, doch die bereits angesprochene, homogene Motorabstimmung und die Fühlbarkeit des Reifengrips ermöglichte auch hier ein relativ entspanntes und - in Anbetracht der Verhältnisse - flottes Vorankommen. Die Anti-Hopping war ebenfalls Gold wert. Sehr anmutig mag es nicht ausgesehen haben, aber wer auf einem derart eleganten Motorrad wie der 701 Supermoto sitzt, dem kann das dann auch mal egal sein. Denn in diesem Konzern weiß man nicht nur, wie man Motorräder baut, sondern ebenso gut, wie man die designt.

Eine kleine Gemeinheit hat sich Husqvarna geleistet. Mit den vielen weißen Flächen wirkt die 701er zwar nicht nüchtern oder unfertig, aber wer erstmal den Dekorsatz gesehen hat, der kann unmöglich darauf verzichten. Im Zubehörprogramm sind viele weitere Feinteile verfügbar, unter anderem natürlich ein Akrapovic-Auspuff; allerdings ist der Sound mit dem dicken Serienauspuff durchaus in Ordnung, man hört deutlich das typische KTM-Schnarren raus.

Noch mehr Straßenmodelle

Mit der weiß-blauen Grundfarbe mit neon-gelben Farbakzenten, die vor allem an den Felgen verdammt gut kommen, und dem gestreckten Scheinwerfergehäuse will Husqvarna in die Zukunft starten. Mehr Straßenmodelle sind in Arbeit, mit weniger und mehr Hubraum. Man kann sich weiterhin darüber mokieren, dass Husqvarna KTM und KTM Husqvarna ist, Sinn macht es wenig, siehe Einleitung. Man sollte lieber aufsteigen und die austro-schwedischen Schwingungen aufnehmen, die einen sofort auf der Welle reiten lassen.

Für den A2-Führerschein geeignet

Mit einer speziellen A2-Zündkurve, die die Leistung auf 30 kW limitiert, ist die 701 SUPERMOTO/ENDURO auch für Fahrfänger mit A2-Führerschein geeignet, die unglaubliche Wendigkeit und großartiges Handling gepaart mit den neuesten elektronischen Sicherheitseinrichtungen suchen.

Husqvarna 701 erstmals live in Österreich

Fazit: Husqvarna 701 Supermoto

Die 701 Supermoto ist das richtige Fahrzeug für Asphaltsurfer, die ein Motorrad als Spielzeug betrachten, ohne auf Alltagstauglichkeit verzichten zu wollen. Das ABS genügt auch sportlichen Ansprüchen, kann abgeschaltet werden, oder mittels "Dongle" aus dem Zubehör im Supermoto-Modus betrieben werden. Das Ride-by-Wire bietet drei verschiedene Fahrmodi zur Auswahl, die ebenfalls nur mit einem Extra während der Fahrt gewechselt werden können. Somit wären wir schon beim Wermutstropfen in der austro-schwedischen Melange: Einige Extras hätten wir gerne in der Serienausstattung gesehen. Dazu gehört auch der Aufkleber-Satz für die vielen weißen Flächen an der Verkleidung.

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Vorteile
  • elegantes Design
  • starke Bremsen
  • hervorragend abgestimmter Motor
  • guter Sound
  • alltagstauglich
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Nachteile
  • einige nützliche Extras aufpreispflichtig

Fazit: Husqvarna 701 Enduro

Von der 701 Enduro hätten wir mehr Alltagstauglichkeit erwartet, doch die Serienbereifung TKC80 von Continental raubt dem Motorrad viel an Dynamik und Komfort. Mit anderer Bereifung kann dies sicher zum Positiven verändert werden. Dafür glänzt die Enduro im Offroad mit dem Drehmoment-starken Motor und einem fein abgestimmten ABS, das abgeschaltet werden kann. Ihre Sitzhöhe von 910 mm und die großen Federwege erlauben zwar Ausflüge in die Wüste, im Alltag könnten aber einige Normalgewachsene ihre Probleme haben. Was die 701er wiederum zum Tipp für größere Fahrer/innen macht.

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Vorteile
  • hervorragend abgestimmter Motor
  • guter Sound
  • hart im Nehmen
  • echte Offroad-Qualitäten
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Nachteile
  • schwächere Bremsen
  • sehr hoher Sitz
  • TKC80 auf Asphalt wenig dynamisch und komfortabel

Bericht vom 11.11.2015 | 65.019 Aufrufe

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