KTM RC125 Test

Erster Test der neuen KTM RC125. Rennkante für Sweet Sixteens und B-111 Fahrer.
KTM RC125 Test
Die KTM RC125 am Eingang zur Corkscrew-Kurve von Laguna Seca. Im ÖAMTC-Fahrtechnikzentrum Marchtrenk muss man eben seine Fantasie spielen lassen.
 

KTM RC125 Test

Nach der 125 Duke liefert KTM die Supersportversion für junge Racer nach. Doch die RC125 ist nicht nur eine Duke mit Vollverkleidung.

 

Nachdem ich schon einmal unter Vorspiegelung falscher Tatsachen auf eine 125er Präsentation gelockt wurde, mit dem Versprechen, eine brandneue 600er über die MotoGP-Strecke von Valencia zu jagen, konnte ich mich diesmal seelisch darauf vorbereiten und ging geistig gefestigt an den Start. Soweit ich mich erinnern kann, hab ich mich sogar freiwillig für diesen Test zur Verfügung gestellt, denn ich hatte einige Monate zuvor einen engagierten, cleveren jungen Burschen getroffen, den ich mir sofort als meinen Robin vorstellen konnte in dem Moment, als er mich ansprach. Er wollte auf der Messe in Tulln nämlich ein Foto mit mir machen. Ob für sein Nachtkastl oder sein Dartboard wusste ich zwar nicht, aber als ich seine GoPro am Helm sah und er mir von einem eigenen youtube-Kanal, selbstgemachten Duke 125-Actionvideos und seiner Leidenschaft für motorisierte Zweiräder erzählte, war klar, dass ich ihn nicht so einfach wieder ziehen lassen durfte....ohne ihm ein Praktikum bei 1000PS anzubieten.


Galerie KTM RC125 Action und Details - 27 Bilder
Technische Daten, Optik, Infos

Für unseren 125er Schwerpunkt musste ich mir einfach jugendliche und daher glaubwürdige Verstärkung holen. Philipp hatte sich kurz nach seinem 16. Geburtstag sofort eine 125 Duke von seinen Eltern kaufen lassen und sie obendrauf mit allen erhältlichen Powerparts ausgestattet. Leider wollten sich auch ein paar andere, noch unbekannte Personen mit einer kleinen Duke beschenken - und zwar mit seiner. Allerdings ohne dafür bezahlen zu wollen. Nach 9 Monaten hatte seine KTM den Besitzer gewechselt, aber nicht den Eigentümer. Wer, wenn nicht er, hätte es also verdient, am internationalen Pressetest der neuen KTM RC125 in Linz teilzunehmen?

Präsentationen im eigenen Land mag ich ganz besonders, denn für mich gilt: Entweder ganz weit weg oder gleich daheim. Und zu Hause wird sowieso viel zu selten präsentiert, selbst KTM oder BMW wählen selten das Mutterland für die Niederkunft eines neuen Sprösslings. Rennstrecke gibt es zwar in der näheren linzer Umgebung keine, aber ein ÖAMTC-Fahrtechnikzentrum; für eine 125er sollte das reichen. Das Rennen begann aber schon bei der Anfahrt, wo statt mit motorischer Muskelkraft mit späten Bremspunkten, perfekter Linienwahl und viel Schwung durch die Kurven gekämpft wurde. Wenn die Leistung fehlt ist es die Fahrtechnik, die über Sieg oder Niederlage entscheidet. Man fühlt sich ziemlich nackt.

 

KTM RC125 Test
Wie soll das Handling auch anders sein als radikal? Im Falle der RC zum Beispiel radikal, aber nicht überreaktionär. Beim Einlenken ist das 135 Kilo leichte Fahrzeug exakt und berechenbar, in Schräglage stabil und ausgewogen.
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Die RC aber fühlt sich sehr erwachsen an, wie ein richtiger Supersportler ohne Motor. Das Gewicht beträgt nur 135 kg, was eine Zunahme gegenüber der Duke um 8 kg bedeutet. Auch die Sitzhöhe ist von 800 auf 820 mm gewachsen, dafür schrumpfte der Radstand von 1367 mm auf nur 1340 mm. Die Gabel wurde um 1,5° steiler, der Winkel beträgt jetzt 66,5° (=23,5°). Das Fahrwerk wurde straffer und die Gabel muss auf 25 mm Federweg verzichten, taucht nun nur mehr maximal 125 mm ein. Dass das ein radikales Handling zufolge hat, muss nicht extra erwähnt werden, aber die RC ist in Kurven überraschend beherrscht und stabil, vermittelt dem Fahrer nicht das ungute Gefühl, er könnte jederzeit nach innen umkippen. Sie ist sehr schön zu dirigieren, ob mit der Mitte des Körpers im Hang-Off oder mit dem Oberkörper durch Drücken.

Dimensionierung und Geometrie gaben mir keine Sekunde das Gefühl, auf einem "Moped" zu sitzen, woran sicher Sitzhöhe und -position großen Anteil haben. Die Fußrasten sind ebenfalls neu und weiter hinten positioniert, was bei der Bremsleistung aber kein Problem darstellt. Während der Motor, sagen wir mal, brav funktioniert und sauber bis 10.000 U/min hochdreht (dann kommt der rote "Schaltblitz", bei 11.000 U/min. schreitet der Begrenzer ein), sind die Bremsen etwas schwammig, intransparent und verlangen nach ordentlich Handkraft. Von einer 300er Scheibe und einer 4-Kolben-Bremszange hätten wir uns mehr erwartet, man könnte es nett als anfängerfreundlich bezeichnen. Das ist auch das serienmäßige ABS-System, das sich über einen geheimen, nicht gekennzeichneten Knopf am linken, unteren Rand des Displays deaktivieren lässt.

KTM RC125 Test
Nicht, dass die RC125 im Originalzustand nicht attraktiv wäre, aber dieses Dekor-Set aus dem Power Parts ist eigentlich Pflicht. Das kantig-kecke Heck ist ein vollwertiger Sozius, dafür gibt es keinerlei Stauraum.
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Einmal Dashboard mit alles bitte!

Das LCD-Dashboard selbst informiert über praktisch alles, was man theoretisch wissen muss. Geschwindigkeit, Drehzahl, Gesamtkilometer, Tageskilometer, Fahrzeit, Durchschnittsgeschwindigkeit, Reichweite, Durchschnittsverbrauch, Uhrzeit...sogar eine Ganganzeige und ein Schaltblitz (rotes, nicht blinkendes Licht) sind an Board. Die Verarbeitungsqualität ist durchwegs hoch, nur weniger Details verraten, dass die kleinen KTMs in Indien hergestellt werden. So z.B. die Reifen vom indischen Hersteller MRF. Die Marke ist bei uns zwar weitgehend unbekannt, stellt aber Reifen für fast alles her, das fährt und fliegt. Auf dem Handlingparcours war ich mit den Pneus sehr zufrieden, ich konnte keine Schwächen in der Haftung feststellen und die Haftungsgrenze kündigte sich vorsichtig an. Nach einigen Runden hatte ich Vertrauen in das unbekannte Wesen gefasst und dachte nicht mehr daran, auf mir unbekannten Reifen unterwegs zu sein.

Alles an der RC, bis auf die Bremsen, die könnten wirklich ein bisschen stärker sein, fühlte sich sehr erwachsen an. Ein bisschen beneidete ich Praktikant Philipp, der noch nicht so leistungsverwöhnt ist wie ich und den Test sichtlich genossen hat. So sehr, dass er stanta pede beschlossen hat, sich eine RC125 kaufen zu lassen. Denn sie gefiel ihm noch besser als seine ehemalige 125 Duke. Zur Sicherheit wird er diese aber an einer anderen Straßenecke in Wien abstellen, damit die Verbrecher die nicht finden.

 
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KTM RC125 Test

 

Text: koti
Fotos:
KTM, Romero

Bericht vom 18.08.2014 | 35.936 Aufrufe

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