Ducati Diavel Carbon Test in den Alpen

Beelzebub im Paznaun. 3 Männer und 1 Frau testen die Ducati Diavel Carbon in den Alpen.
Ducati Diavel Alpen
 

Ducati Diavel Test in den Alpen

Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Die Diavel ist Mephisto in Menschengestalt.

 

Als Ducati einen Cruiser mit einer Spitzenleistung von 162 PS bei einem Gewicht von 234 kg vorstellte, angetrieben vom 11° Testastretta-Motor aus den Superbikes, war klar, dass sie damit eine eigene Gattung geschaffen hatten: Diavel. Etwas Teuflisches, ein Unwesen, ein Ding aus einer anderen Welt; ein Ding, das niemand braucht. Nicht nur zweckentfremdet, sondern zwecklos, vielleicht kann ich mich deshalb so gut mir ihr identifizieren. Denn für mich lebt der Motorradmarkt, der im Innersten bis heute Spielzeugmarkt geblieben ist, von solchen eigenwilligen Extremen, die sehr viel Mut verlangen. Darauf kommen könnten viele, es zu bauen wagen wenige. Geschöpfe wie die Diavel treten aus der Masse der Motorräder hervor wie ein Geschwür, sofort erkennbar und irgendwo zwischen ekelerregend und faszinierend, auf jeden Fall also polarisierend. Ging's uns MotorradfahrerInnen nicht irgendwann mal genau darum, uns als Individuen zu begreifen? Dem friedlichen Freiheitsgedanken nach zu leben, manchmal provokant, aber immer gewaltlos? Naja, zumindest mir geht es nach wie vor darum, und die Welt des Zweirads ist nicht der einzige Bereich in meinem Leben, in dem ich mich frei bewegen können will. Die Diavel gibt mir noch das Gefühl, von Natur aus wie aus voller Absicht anders zu sein.

Nicht immer ist das angenehm. Der Testastretta mag naturgemäß keine sehr niedrigen Drehzahlen und Schiebebetrieb, ruckelt immer ungeduldig am Fahrer wie ein kleines Kind am Rockzipfel der Mutter. Schneller! Wenn das Wesen eines Motorrades nur schwer erfassen und beschreiben kann, sollte man versuchen, auszuschließen, was es nicht ist. Auf keinen Fall ist die Diavel ein Cruiser zum Entspannen, zum Flanieren und zum Sightseeing in den Alpen. Auch würde ich, trotz innovativer Soziusfußrasten- und Haltegriff-Mechanik, meiner Begleitung den Ritt auf Satans Rücken nicht zumuten wollen. Die Diavel duldet ohnehin keine Nebenbuhlerin. Für einen 240er Hinterreifen und einen Radstand von 1590 mm trampelt Pferdefuß zwar erfreulich leichtfüßig über den Asphalt, in den Spitzkehren ist dann aber Schluß mit beschwingter Lustigkeit, da werden die Radien schon mal größer als erwünscht und die begrenzte Schräglagenfreiheit ist vor allem deshalb ärgerlich, weil man sich die Schuhe anschleift. Das ist wegen der nach vorne geneigten Fußrasten so.

 
Die reine Performance, definiert mit Beschleunigung und Bremsleistung, ist über jeden Zweifel erhaben. Niemand, absolut niemand hat die Macht, die Diavel vom Fleck weg auszubeschleunigen - falls der Fahrer mit der Kupplung umgehen kann. Das haben GPS-Tests unserer Kollegen von PS-Das Sportmotorradmagazin gezeigt. Auch das passt zu ihrem Wesen. Denn nichts ist so stark und zieht die Menschen seit Angedenken der Zeit so in ihren Bann wie die Versuchungen des Teufels. Ich bin ihnen jedenfalls verfallen. Ducati Diavel Alpen
 

Zugegeben, Cruiser sind coole Motorräder - allerdings muss man schon wirklich arg auf sie stehen, um sie als die ultimative Gattung zu bezeichnen. Ich persönlich fahre auch gerne Cruiser - ab und zu. Sicher nicht immer und sollte ich mir einmal ein Motorrad kaufen, fielen mir vor den Cruisern eine Menge anderer Maschinen ein. Die Ducati Diavel hat aber eine Eigenschaft, die ich an Motorrädern sehr schätze: Sie ist einzigartig. Für einen Cruiser fast schon zu sportlich, für ein Naked Bike allerdings zu sperrig und mit der extravaganten Optik, die vor allem wegen des ultrafetten 240er-Hinterreifens polarisiert, lässt sie bestimmt niemanden kalt. Allerdings bin ich dadurch auf der Diavel immer in einem Zwiespalt: Auch wenn sie sich selbst im engen Kurvengewirr sehr sportlich fahren läßt und die Bremsanlage mit den radial montierten Monobloc-Vierkolben-Brembo-Zangen ausgezeichnet funktioniert, muss ich immer daran denken, wie flott ich hier jetzt mit einem sportlichen Naked Bike unterwegs sein könnte. Das passiert mir auf einem echten Cruiser eben nicht, da schleifen allzu früh die Trittbretter und ermahnen mich rechtzeitig zum gemütlichen Cruisen. Auf der anderen Seite geht das sportliche Testastretta-Triebwerk mit seinen gewaltigen 162 PS so agil und doch gut kontrollierbar ans Werk, dass ich es fast schon schade finde, die tolle Performance des Motors nicht direkt in quirligen Kurvenspeed umwandeln zu können. Insgesamt kann die Davel zumindest für mich persönlich zu viel, um "schlecht" genung für einen Cruiser zu sein, allerdings auch zu wenig, um sich mit sportlichen Naked Bikes messen zu können - die sie nämlich auch preislich allesamt deutlich übertrifft. Ich kann allerdings durchaus nachvollziehen, dass die Diavel mit ihrer eigenwilligen Auslegung fasziniert und beeindruckt. Bestimmt geht es vielen Käufern ohnehin eher um die einmalige Optik als um die Fahrleistungen und die werden von der vergleichsweise ausgeprägten Handlichkeit positiv überrascht sein.

 
Ducati Diavel Alpen

 

Text: kot, Vauli
Fotos:
KuK

Bericht vom 19.08.2014 | 24.659 Aufrufe

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