Victory Vegas 8-Ball

Die schwarze Acht von Victory könnte für Albträume beim Platzhirschen sorgen.

A small victory. Die neue Freiheit aus Amerika hat ihre ersten Fans.

 

Victory Vegas 8-Ball

First encounter mit den neuen amerikanischen Cruiser- und Tourermodellen von Victory in Faak.
 
Es war schon etwas seltsam im Harley Village auf der 14. European Bike Week in Faak am See durchwegs in Schwarz-Orange gekleidete Menschen zu fragen, wo denn die Motorräder von Victory zu finden wären. Als würde man sich bei einem Treffen der National Rifle Association als Mr. Taliban Talimi Banana vorstellen. Nicht gut. Ich kam auch nur deshalb unbeschadet, und leider auch uninformiert, aus der Sache raus, weil mit dem Namen niemand etwas anzufangen wusste. Es gibt in diesem Dorf nicht viele, die ihre Augen für Alternativen offenhalten oder an jedweder Art neuer Möglichkeiten interessiert wären. 108 years HD. HD forever.

This is not America.


Bei uns muss das schon von Berufs wegen anders sein. Neues muss und möchte untersucht werden. Interessant ist, dass mit dem Interesse das Interesse steigt. "Wer viel weiß, will noch mehr wissen", hat Rhetorik-Rumpelstilzchen und das Fernsehen hassender Fernsehstar Marcel Reich-Ranicki schon belesen festgestellt. Deshalb waren wir schon sehr gespannt auf die ersten Fahreindrücke mit den Motorbikes der jungen amerikanischen Marke. Gegründet wurde Victory 1997 von Polaris Industries, bekannt für die Herstellung von Motorschlitten, ATVs und Utility Vehicles.

Die Idee, der Kern und der Grund für die Entscheidung, in diese von Harley zubetonierte Sparte einzusteigen, war die Kompetenz in der Motorenentwicklung. Was Schneemobile in extremen Einsätzen antreibt, wird auch einen Cruiser zuverlässig und druckvoll bewegen können, so der einfache wie logische Schluss. Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten und doch dauerte es über 10 Jahre, bis man schließlich nach über 60.000 verkauften Einheiten im Jahr 2009 den schweren Schritt über den großen Teich nach Europa setzte. Andere Länder, andere Vorlieben. This is not America.

 
 
Wenn wir sie nur endlich finden würden, die verdammten Bikes. Eine Italienerin äußert auf eine Anfrage schließlich die Vermutung, dass sich die Gesuchten am Rande des Festivalgeländes befinden könnten, hier gleich um die Ecke. Und tatsächlich, am Ende des Labyrinths sticht mir das Victory Logo ins Auge. Wir sind angekommen. Die Begrüßung durch Sales und Marketing-Manager Torsten Zimmer und seine Mitarbeiter nach 5 Tagen Faak ist überraschend freundlich und entspannt, die Entscheidung kurz und klar: Wir fahren jetzt noch eine Runde. Auch Markus Krasser, Customizer und Victory Händler aus der Steiermark, ist mit von der Partie. Er ist mit großer Leidenschaft dabei zu zeigen, was mit der unbekannten Spezies umbautechnisch möglich ist. Seine Hammer S ist ein echter Hammer.

Vegas Jackpot.


Vegas 8-Ball in b-b-b-black. Schwärzer geht nicht.


"Sucht euch welche aus, Jungs, wir laden sie einfach nochmal ab." Hm, wäre sicher kein Fehler gewesen, etwas früher anzureisen. So verzichteten wir auf Sonderwünsche, es standen ohnehin noch ein paar brauchbare Kandidatinnen am Parktplatz herum. Eine Hammer S, eine gelbe Vegas Jackpot, dazu eine rrroarr-rote Zach Ness Edition mit allerfeinsten Metallteilen und eine Vegas 8-Ball in b-b-b-black. Schwärzer geht nicht, die musste es für heute sein.
Die Vegas 8-Ball ist das schwarze Grundmodell von Victory und eignet sich daher am besten für Umbauten und Aufbauten nach den persönlichen Vorstellungen. Das heißt aber nicht, dass die Vegas im Serienzustand nicht sowieso schon ordentlich was hermacht. Schwarzer Tank, schwarze Fender, schwarzer Doppelauspuff, schwarzer Lenker, schwarzer Motor und schwarze Felgen. Vegas bei Nacht. Nur die silbernen Kühlrippen, die Gabel und die zur Hälfte polierten Felgen stechen heraus, die einzigen Farben leuchten im Logo und in den Blinkern. Wie alle anderen Victory Modelle wird sie von einem 1731 Kubik V-2 angetrieben, den die Amis laut und direkt "Freedom" getauft haben. Victory und Freedom, das trifft die amerikanische Seele tief im Herzen, für den alten Kontinent muss man sich schon mehr einfallen lassen. Wie wär's mit ein paar saftigen Eckdaten? 95 PS und 140 Nm stehen dem freiheitsliebenden Europäer zur Verfügung. Wer am Gas dreht, wird ordentlich in den tiefen Einzelsitz gepresst, als würde man auf einem Ledersofa sitzen und die Jazz Gitti...na lassen wir das. Die Sitzhöhe zählt mit 640 mm zu den niedrigsten am ganzen Markt. Tief sitzen ist nicht nur im Ferrari cool.

Nichts, was man erwartet hätte.


Aber noch bevor man soweit ist, dieses zweifellos sehr potente Aggregat aus der Glaubensgemeinschaft des unersetzlichen Hubraums auszukosten, erlebt man schon im Stand einige positive Überraschungen. Denn es ist nicht nur irgendwie anders, es ist definitiv anders. (Worauf sich folgende Vergleiche beziehen, dürfte klar sein.) Die Victory ist nicht viele Teile, die mal mehr, mal weniger zusammenpassen, sie ist die Summe ihrer Teile und somit ein Ganzes. Das ist schön, das ist interessant, das macht Lust auf mehr. Man berührt die Hebel, ertastet die Fußrasten, streicht über Tank und Motor und spürt nichts. Nichts, was man erwartet hätte. Alles ist viel kompakter, passgenauer und letzten Endes hochwertiger. Es ist genau das, was ich mir unter einem modernen Motorrad vorstelle. Abgesehen von der wirklich brutal futuristischen Vision haben alle Victory Modelle einen Look, der moderne Formensprache mit zeitloser Klarheit vereint. Dem kann ich mich nicht verschließen, es berührt mich tief.

Neben dem 106 cubic-inch 50° V-Motor mit 4 Ventilen pro Zylinder und obenliegender Nockenwelle wäre noch das Sechsgang-Getriebe mit Overdrive zu erwähnen. Weiters zwei Bremsscheiben, eine vorne, eine hinten, mit je 300 mm Durchmesser, vorne beißen aber 2 Kolben mehr ins Eisen. Die Bremskabel sind schön verlegt. Das Fahrwerk steht bescheiden mit "konventionelle Telegabel" und "einzelnes Federbein, gasgefüllt" in der Tabelle. Das ist pures Understatement. Denn so wie der Motor und die Bremsen, funktionieren auch diese Komponenten außerordentlich gut und besser als in dieser Klasse üblich. Sie sind ungewohnt straff abgestimmt, aber auf schlechten Straßen ausreichend komfortabel. Der 180er Hinterreifen wird manchen optisch zu wenig hermachen, dafür wird jeder den Handlingvorteil  schätzen, den man dadurch gewinnt.

Oben: Die rundum schwarze Vegas 8-Ball
Unten: Die "normale" Vegas in
Zweifarblackierung und mit viel Chrom.


Ein ganzer Haulpak voller Möglichkeiten.


Nach einer kurzen, aber intensiven Testrunde vermisst man nur den Sound, der in der Serie praktisch nicht mitgeliefert wird. Hilfspakete liefern Firmen wie Miller oder Jekill & Hyde. Denn es wäre Schade, wenn das Potenzial der Vegas nicht auch akustisch zur Geltung kommen würde. In dem mächtigen Aggregat (und drumherum) steckt noch ein ganzer Haulpak voller Möglichkeiten und wir sind gespannt, was in den nächsten Jahren alles abgeladen wird. Neben der 8-Ball ist die Vegas übrigens auch in einer Standard- und in der feinen Jackpot-Version erhältlich.

Technische Daten Victory Vegas 8-Ball

Motor Viertakter 50° V-Twin
Kühlung Luft/Öl
Hubraum 1.731 ccm
Bohrung/Hub 101 mm x 108 mm
Verdichtung 9,4:1
Ventiltrieb Eine Nockenwelle mit vier selbst justierenden Ventilen pro Zylinder
Kraftstoffsystem Elektronische Benzineinspritzung
Tankinhalt 17 l
Ölvolumen 4,75 l
Länge 2.439 mm
Radstand 1.684 mm
Sitzhöhe 640 mm
Bodenfreiheit 135 mm
Lenkkopfwinkel/Nachlauf 32.9°/126 mm
Trockengewicht 290 kg
Max. Gesamtgewicht 532 kg
Fahrwerk vorne Telegabel, 43 mm
Federweg 130 mm
Fahrwerk hinten Federbein
Federweg 76 mm
Bremse vorne 300 mm Scheibe, Vierkolbenbremszange
Bremse hinten 300 mm Scheibe, Zweikolbenbremszange
Felge vorne 21" x 2.15"
Felge hinten 18" x 5.5"
Reifen vorne 90/90 R21 Dunlop Elite 3
Reifen hinten 180/55 R18 Dunlop D417

Interessante Links:

Text: kot
Fotos: Victory

Bericht vom 28.09.2011 | 46.016 Aufrufe

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