Morini Corsaro 1200

Moto Morini Corsaro 1200 - eindeutig nichts für Anfänger und Grobmotoriker.
DONNERVOGEL

Wer am Kabel zieht, wird Sturm ernten.

Wenn man an Motorräder aus Italien denkt, kommt Moto Morini nicht gerade an erster Stelle.
Sicher auch nicht an Zweiter oder Dritter. Vermutlich werden nur die Älteren unter uns eine vage Erinnerung an die berühmte 3 ½ aus den Siebzigern haben, die hierzulande so selten war wie die blaue Mauritius. Ein schnelles kleines Motorrad mit einem kernigen V 2 in einem phänomenalen Fahrwerk, das der Konkurrenz das Fürchten lehrte.

Der damals 26 Jahre junge Konstrukteur Franco Lampertini zeichnete 1970 für diesen interessanten Motor verantwortlich. Er war es auch, der zusammen mit dem Neffen des Firmengründers Alfonso Morini die Ende der Achtziger sanft entschlafene und an Ducati verkaufte Marke wieder zum Leben erweckte. Und der heute 64 Jährige stellt sich prompt wieder ans Zeichenbrett und entwirft natürlich wieder einen V 2. Nur diesmal hat er satte 1200 cm³ und debütiert 2004 in der Corsaro.
 
 
Ein äußerst aggressives Naked- Bike, und mit aggressiv ist nicht nur das Design gemeint. Natürlich flößen speziell das steile Heck und der Doppelscheinwerfer schon im Stand gehörig Respekt ein. Vor allem die brandneue Veloce mit einer Racing Gabel, dem sündteuren Öhlins Federbein, einer kleinen Cockpitverkleidung und den (übrigens legalen) Termingoni Auspufftöpfen stiehlt optisch der Konkurrenz vorm Eissalon die Show.

Doch beim Erfahren der tatsächlichen Performance wird schnell klar, daß die Corsaro optisch noch echt untertreibt. Gas- Wheelies im dritten Gang sind kein Problem, die Performance ist auch für gestandene Biker mehr als heftig. Der Motor ist extrem kurzhubig ausgelegt, was zur Folge hat, daß trotz des enormen Schubes von unten, auch die Drehzahlfreude nicht zu kurz kommt. 140 PS hören sich gar nicht so arg an in einer Zeit, wo wir auf 180PS Supersportlern herumdüsen, aber diese brutale Motorcharakteristik sind die Fahrer von modernen Maschinen, die meist extrem berechenbar und linear durchs Drehzahlband ziehen, einfach nicht mehr gewöhnt.
 
   
Zartbesaitete und Anfänger mag die Morini gar nicht, was aber meist auf Gegenseitigkeit beruht.
Hinzu kommt das recht kurze und sehr kompakte Fahrwerk das manchmal fast ein wenig nervös wirkt. In Kombination mit dem explosiven Motor eine brisante Mischung. Vollgas im ersten Gang kann man vergessen, besser ist es eher schnell in die zweite zu schalten. Auch dann sollte man den Gasgriff nur nach hinten schnappen lassen, wenn man scharf auf einen Überschlag ist. In engen Kurven ist es äußerst ratsam, am Scheitelpunkt sanft ans Gas zu gehen, um nicht per Highsider abzufliegen. Dazu reagiert das handliche Fahrwerk manchmal etwas heftig auf Lastwechsel, Grobmotoriker haben auf der Corsaro nichts zu suchen. Das ist genau das Motorrad für alle, die die japanische Massenware zu perfekt und damit zu fad finden.
   
Viele der kleinen Kinderkrankheiten der ersten Modelle wurden in Bologna mittlerweile ausgemerzt. So kann man sich jetzt auf die Warnleuchten im Cockpit verlassen und auch der Verbrauch dürfte etwas gesunken sein. Allerdings ist die Morini nach wie vor kein Kostverächter. Die verbauten Teile sind allesamt hochwertig und funktionieren einwandfrei. Einzig die recht kraftaufwendige Kupplung das etwas knochige Getriebe sowie die Tatsache, daß der Motor erst mal auf Temperatur kommen muß, bis er ordentlich rund läuft, verderben etwas die Alltagstauglichkeit. Wem die Corsaro zu heftig ist, der kann mit der Avio zu einer milderen Version greifen, die dazu noch erheblich günstiger über die Budel geht. Morini hat in der nächsten Zeit noch viel vor. Demnächst kommt mit der Granpasso ein GS- Schreck der ersten Güte, auch der Scrambler und ein Modell Sport mit einer dezenten Retro Optik werden demnächst von den Bändern rollen. Wir sind jedenfalls gespannt.
 

Technische Daten

Motor: V2 Motor, 87 Grad, DOHC, flüssigkeitsgekühlt, vier Ventile/Zylinder, elektronisches Motormanagement
Hubraum: 1.187 cm3
Bohrung/Hub: 107 x 66 mm
max. Leistung: 140 PS/ 103 kW bei 8.500 min-1
max. Drehmoment: 123 Nm bei 6.500 min-1
Verdichtung: 11,8:1
Kraftübertragung: Mehrscheiben Naßkupplung, Sechsganggetriebe, Kette
Fahrwerk: Gitterrohrahmen aus Stahl, Telegabel USD StandrohrÆ 50 mm, Zweiarmschwinge aus Alu-Guß, Hebelumlenkung, Zentralfederbein
Bremsen: vorne: Doppelscheibe, Æ 320 mm
hinten: Einzelscheibe Æ 220 mm
Bereifung vorne: 120/70-ZR 17
hinten: 180/55- ZR17
Gewicht: 198 kg trocken
Sitzhöhe: 830 mm
Radstand: 1440 mm
Tankinhalt: 18 l
Vmax: ca. 265 km/h


Preis: 16.195 €

 
 

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Text: Armin Farkas
Photos: Armin Farkas

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Bericht vom 04.05.2009 | 35.720 Aufrufe

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