Honda RaceTrackDays 09

All-Inclusive Urlaub ohne Schlacht um Liegewiese und Jägerschnitzel.

Honda Race Track Days 2009

All-Inclusive exklusiv

 

Stell dir vor, du fährst zu einer Rennstrecke und dein Motorrad ist schon dort. Flug und Hotel wurden für dich gebucht. Du wirst kein Werkzeug brauchen, keine Ersatzteile, kein Benzin und keine Reifenwärmer. Sogar um die Versicherung mußt du dir keine Sorgen machen – diesmal greift die Kasko sicher. Alles, was du tun mußt, ist zu fahren; mit Motorrädern, die so noch nicht beim Händler stehen, ausgestattet mit einem revolutionären state-of-the-art ABS System, das gerade mal eine Handvoll Leute haben testen dürfen und Reifen, die erst in ein paar Wochen erhältlich sein werden. Das Fahrwerk optimal eingestellt von Profis, die sich nachts, wenn du an der Bar stehst, darum kümmern, daß du jeden Morgen mit perfektem Material an den Start gehst. Ein Traum, oder die Honda Race Track Days 2009 in Almeria? Wie auch immer, wir möchten nie mehr aufwachen.

 
Honda Race Track Days by Christoph Lentsch
 

Ich war nie ein Freund des All-Inclusive Urlaubs. Bis auf die mir durchaus sympathische "drink-until-you-sink" Devise an der Pool Bar - die sich in den meisten Fällen tatsächlich im Pool befindet, man also die 5 Liter Sangria aus dem Kübel einnehmen kann, während man gut gekühlt und halb unter Wasser auf einem Betonhocker herumrutscht (kein Klogehen mehr, dafür Schüttelfrost nach dem ersten Doppler) - konnte ich dem kulturlosen Tagesheim mit geregelten Essens- und Beischlafzeiten nie etwas abgewinnen. Außerdem haben mich immer schon die aufgrund häufigen Verkehrs geschlechtskranken Animateure gestört, die grundsätzlich nie schlecht aussahen und mit Abenteuergeschichten und Draufgängercharme schamlos versuchten, bei der Freundin reinzubraten. Wie man sieht, habe ich durchaus Erfahrung mit der dunklen Seite des Strand und Palmen Tourismus. Ich muß zwar auch nicht in verarmten Ländern mit einem Rucksack bewaffnet durch den Dschungel irren und zu Hause erzählen, jetzt erst die Welt zu verstehen, aber ein Clubschiff muß es auch nicht sein.

Im Grunde sind die Honda Race Track Days nichts Anderes. Du kaufst ein Gesamtpaket, das jegliche Urlaubsplanung zu 100% überflüssig macht. Flug, Unterkunft, Transfers, 3 Mahlzeiten pro Tag, Instruktoren als Animateure, Betreuung rund um die Uhr, spanischer Alleinunterhalter am Roland Keyboard im leeren Ballsaal. Klingt recht unaufgeregt. Entscheidend ist, daß man hier nicht - mit Verlaub - des Fress'n und Saufens wegen mitmacht, um einen Lustgewinn zu erzielen, sondern einzig und allein wegen des Motorradfahrens. Und das wird hier in einem Umfang und einer Qualität geboten, wie es bei keinem anderen Racing Event der Welt zu finden ist. Was mich nicht davon abhielt, beim "all-you-can-eat" Büffet täglich ans Limit zu gehen - und darüber hinaus.

 
Honda Race Track Days by Christoph Lentsch Honda Race Track Days by Christoph Lentsch

Beim All-you-can-eat Büffet mußt du dich nicht zwischen Pommes und Reis, Schnitzel und Brathuhn, Schweinsbraten und Stelze, Lasagne und Pizza entscheiden. Du nimmst immer beides.  Auch auf der Rennstrecke wurde uns die Wahl nicht zur Qual, am Menüplan standen CBR1000RR Fireblade und CBR600RR.


Honda Race Track Days Video

 
Die Anreise ist natürlich mühsam. Aufs spanische Festland mit Air Berlin und NIKI führt nur mehr über Palma de Mallorca. Einmal umsteigen also fix, dann noch ein gutes Stück mit dem Bus, weil die Flughäfen Alicante und Murcia jeweils 2 Stunden vom Hotel entfernt liegen. Da muß man durch, das nomadenhafte Leben eines Rennfahrers ist eben so.

Sobald man am nächsten Tag am frühen Vormittag auf der Rennstrecke in Almeria unter Sonnenschein den Fuß auf den Asphalt setzt, ist alles wieder und nur gut. Aus den Boxen schimmert es rot, blau, weiss und gold, die ersten Glücklichen drehen bei noch recht kühlen, morgendlichen Temperaturen bereits ihre Runden. Das Fahrerfeld wurde, wie bei Honda Rennveranstaltungen üblich, in drei Gruppen eingeteilt, die einzelnen Gruppen wurden wiederum in Teams aufgespaltet und Instruktoren zugeordnet. Meinem Team stand der ehemalige Grand-Prix-Pilot Jürgen Fuchs vor, mittlerweile nicht nur Rennfahrer-, sondern auch Instruktorenlegende. Schon im Vorfeld wurde uns versichert, daß er es wie kaum ein anderer versteht, mit klaren und präzisen Worten zu erklären, mit welchen zahlreichen Maßnahmen man die gefahrene Linie auf einer Rennstrecke beeinflussen kann. Und das ist nicht nur der Radius am Kurveneingang. Es sind ebenso Bremse, Gas, Sitzposition, Gewichtsverlagerung des Oberkörpers und Blickrichtung und -weise. Gesegnet die Naturtalente, die sich über diese Dinge keine großen Gedanken machen müssen.

   
Es ist erstaunlich still. Wird nicht viele geben, die schon mal einen Tag am Ring erlebt haben, an dem ausschließlich Serienmotorräder mit Serienauspuffanlagen unterwegs waren. Ist auch irgendwie ein Erlebnis. Besonders ungewohnt ist abends die akustische Atmosphäre im eigenen Kopf - kein Ohrensausen. An den zwei Tagen wurde deutlich, daß es beim Ringfahren nicht um Lärm geht. Laute Tröten sind nur auf der Straße wichtig, auf der Rennstrecke zählt einzig und allein das optimale Funktionieren aller Komponenten. Mensch, Motorrad und Reifen.

Die Menschen waren völlig verschieden. Nicht jeder war, wie ich, die letzen 4 Jahre auf einer CBR600RR unterwegs und hat an zahlreichen Speed Weekends teilgenommen. Da war der boxende Golfspieler, der in der Stadt vorwiegend eine Vespa bewegt, oder der ehemalige, weil unzufriedene 1098R Besitzer, dem es jetzt mehr darum geht, daß ein Motorrad auch fährt, die Heizerpartie der Heating-Factory, sogar Drachen-fliegende Dolomitenmänner und pensionierte Goldwing-Fahrer ließen sich den Rumble on the Race Track nicht entgehen.

Die Motorräder waren alle gleich. Jeder konnte einen Tag mit der CBR600RR und den zweiten mit der CBR1000RR Fireblade fahren, wobei man auch tauschen konnte, wenn einem ein bestimmtes Modell besser zusagte. Beide Motorräder waren mit Hondas revolutionärem C-ABS ausgestattet. Wie und ob das funktioniert, bitte hier nachlesen.

Die Reifen waren einheitlich. Die Firma Metzeler montierte den druckfrischen Racetec Interact (Infos weiter unten), der noch nicht einmal von der Presse getestet wurde, geschweige denn beim Händler aufliegt. Habe ich schon die Exklusivität des Events erwähnt?

Honda Race Track Days by Christoph Lentsch

Handling-Wunder CBR600RR. Gedankengesteuertes Leichtgewicht. Regelmäßiger Kontrollblick nach unten, ob sie eh noch da ist.

Honda Race Track Days by Christoph Lentsch

Kraft-Wunder CBR1000RR Fireblade.
Mit der Erbschaft des 600er Handlings. Der Gasgriff ist die Türklinke zum Eintritt in die schnelle Welt - für jedermann.

 
Zunächst waren wir alle froh über die ersten Runden mit dem Instruktor. Die Strecke in Almeria hält ein paar hakelige Stellen für seine Befahrer bereit. Blind umlegen auf der Kuppe, Mehrfach-Kurven, Schikane, 90-Grad-Winkel aus Tempo 270 anbremsen. Ohne Führung kannst du hier das Zelt für eine Woche aufschlagen und mit dem Nivelliergerät das Land vermessen, um dich zurecht zu finden. Jürgen Fuchs fuhr von Anfang an die richtige Linie, auch wenn das erstmal geringe Tempo sie gar nicht verlangt hätte. Doch genau das war es, was uns sehr geholfen hat, uns die Streckenführung und -linie möglichst schnell einzuprägen. Es verlangte leider ein hohes Maß an Disziplin, sich im Gänsemarsch in einem Strich mit der Gruppe zu bewegen, man war ständig versucht, reinzuschneiden, auszuholen oder einfach durchzuziehen. Unsere Zurückhaltung sollte sich aber noch bezahlt machen.

Ursprünglich waren die Instruktoren der schnellen Teams nur zur Einführung gedacht, um den Fahrern die Strecke näher zu bringen und fahrtechnisch neuralgische Punkte zu entschärfen. Es war jedoch recht schnell klar, daß niemand mehr auf Expertise und Fahrkönnen der Anführer verzichten wollte. Und so war ich, bis auf den allerletzten Turn, ausschließlich mit Jürgen Fuchs unterwegs (den ich seither sehr schmerzlich vermisse). Wie sich die Gruppe steigerte, steigerte auch er das Tempo. Nach jeder Runde, in der er sich speziell auf seinen direkten Hintermann konzentrierte, wurde auf der langen Geraden vor der Start-Ziel (Tempo über 270) gewechselt und der nächste Mann rückte nach. Wieso der schnelle Fuchs bei dem am Ende doch recht ordentlichen Tempo scheinbar noch die Zeit hatte, in den Rückspiegel zu schauen, um zu beobachten, wo und wie sein Hintermann herumfährt, um wiederum seine eigene Geschwindigkeit diesem anzupassen, wird mir für ewig ein Rätsel bleiben.

 

C-ABS

 
Bei einer Sache hatte niemand eine Wahl. Das C-ABS war fest verschraubt in jedem Motorrad verbaut. Überraschend war, daß niemand echte Skepsis erkennen ließ, was das neue Brake-by-Wire System betrifft. Immerhin nimmt dir die Elektronik schon bei geringster Geschwindigkeit die Zügel aus der Hand. Nur die Rennfahrer waren von ihren eigenen Fähigkeiten überzeugt und äußerten Vorbehalte.

Nach den ersten Runden dann die Diskussionen, ob denn irgendjemand was vom ABS gemerkt hätte. Das ABS selbst konnte praktisch niemand bei der Arbeit beobachten, zum Beispiel durch das typische Pumpen des Bremshebels oder Stottern in der Gabel. Sehr wohl wurde aber die ungewöhnlich hohe Stabilität am Kurveneingang gespürt und jedem war bewußt, daß er nicht selbst dafür verantwortlich zeichnete. Es passiert etwas im Hintergrund, das dir unter die Arme greift, dein Leben auf der Rennstrecke verbessert, nur merkst du es fast gar nicht. Mit der Ruhe in der Bremszone erhöht sich auch die Konzentration, die Linie wird exakter, die Fahrt kontrollierter - und schneller. Nur die Rennfahrer glaubten daran, daß sie es ohne besser könnten.

Früher gab es einen deutlichen Unterschied zwischen Regelbereich und normalem Bremsen. Diese Grenze ist beim Honda C-ABS praktisch nicht mehr vorhanden. Ein Meilenstein.

 
Honda Race Track Days by Christoph Lentsch

kot, der "Klammeraffe". Außer diesem neuen Spitznamen war vom Chef kein lobendes Wort herauszukriegen.


Metzeler Racetec Interact

Sämtliche Motorräder waren mit dem brandneuen Metzeler Racetec Interact ausgestattet. Die Teilnehmer an den Honda Race Track Days genossen nicht nur das Privileg, das revolutionäre Supersport Bremssystem C-ABS, verbaut in der CBR100RR Fireblade und der CBR600RR, vor allen anderen Sterblichen zu testen, sondern hatten auch als Erste die Möglichkeit, sich noch vor der internationalen Motorradpresse von der Leistungsfähigkeit des neuesten straßenzugelassenen Ringreifen aus dem Traditionshaus Metzeler zu überzeugen.

Ziel bei der Produktentwicklung war es, die Performance des Reifens unter starker Belastung über die gesamte Fahrzeit konstant hoch zu halten. Die Interact Technologie, die erstmals beim Sport-Touring Reifen Roadtec Z6 Interact zum Einsatz kam, beschwört dabei das perfekte Zusammenspiel aller im Reifen verbauten Komponenten. Nicht nur mehr die Lauffläche und – mischung stehen im Vordergrund, sondern ebenso Karkasse und Stahlgürtel.

Der von Metzeler patentierte 0-Grad-Stahlgürtel wird in abgestufter Spannung gewickelt, in der Reifenmitte mit einer geringen Spannung, die sich zu den Schultern hin verstärkt. In diesem Spannungsfeld ergibt sich so eine größere Aufstandsfläche, die schneller auf Temperatur kommt und viel Grip aufbaut, sowie erhöhte Stabilität und verminderte Überhitzungsgefahr in der Kurvenfahrt. Das Profildesign passt laut Metzeler zur aggressiven Optik moderner Supersport-Motorräder, gleicht für uns aber eher einer Sammlung plattgefahrener Regenwürmer.
 

Einsatzbereiche

Honda Race Track Days by Christoph Lentsch

Die drei Rennstreckenmischungen des Racetec Interact und ihre Einsatzbereiche bezüglich Asphalttemperatur und -beschaffenheit. Die straßenzugelassene Version K3 kann bei allen Verhältnissen verwendet werden.


Dimensionen und Mischungen

Dimension Version
120/70 R 17 M/C 58V TL Racetec Interact K0
120/70 ZR 17 M/C 58W TL Racetec Interact K1
120/70 ZR 17 M/C 58W TL Racetec Interact K2
120/70 ZR 17 M/C (58W) TL Racetec Interact K3
   

Die Reifen befanden sich bei den Race Days den ganzen Tag über unter Dauerbeschuß. Drei Gruppen fuhren ihre Turns á 20 Minuten unmittelbar hintereinander. Das Fahrerfeld reichte vom genießenden Tourengeher bis zum ambitionierten Hobbyracer. Unter letzterem verstehe ich schnelle Leute aus den nationalen Klassen, die bei Schwächen der schwarzen Schläuche keinen Spaß verstehen – das ist nicht zweideutig gemeint. Auch the man himself Martin Bauer war mit Serienmaterial angetreten und ließ uns alle, die wir jedes Mal nach Slicks und Reifenwärmern schreien, sobald wir eine Rennstrecke sehen, unser Haupt in Demut senken.

Verfügbbar wird er in 4 verschiedenen Varianten sein. K0, K1 und K2 für den Rennstreckeneinsatz, K3 für den gemischten Einsatz auf Rennstrecke und/oder öffentlicher Straße. Wer zwischen März und Mai 09 zwei Sätze Racetec Interact oder Sportec M3 ersteht, der bekommt als Draufgabe einen lässigen „Relax-Stuhl“ für entspannte, sonnengeschützte Stunden im Fahrerlager kostenlos dazu

Honda Race Track Days by Christoph Lentsch

For recreational use only: Civic Type R

Wer zwischen den Turns nichts Besseres zu tun und noch genug Nerven hatte, der drehte ein paar Runden mit dem Honda Civic Type R auf dem Handling Parcours. 220 PS, plörrender Sound, betonhartes Fahrwerk. Da der Kurs auf dem riesigen Parkplatz mit Pylonen gesetzt worden war, bestand keinerlei Gefahr, das Auto und damit sich selbst zu ruinieren. Nur der Instruktor hüpfte ab und zu unvermittelt vor das Auto, um Tipps zu geben. "Handbremse bringt nix", "Weniger Quietschen heißt bessere Rundenzeit", "Langsamer in die Kurven und schneller raus" , "So, jetzt reicht's!"

Was die Nutzung dieser seltenen Gelegenheit gekostet hat? War alles inklusive, versteht sich.

Honda Race Track Days by Christoph Lentsch

Angesichts dieses unvergleichlichen Angebots überrascht es auch nicht, daß Martin Bauer am zweiten Tag auf einen Sprung vorbeischaute. Und der drehte nicht nur ein paar Runden, daß uns allen der Mund nicht mehr zuging, sondern engagierte sich außerdem als Instruktor und Ringtaxi. Wer große Eier - oder ein kleines Hirn - hatte, konnte am Sozius von Martin Bauers Serien-Fireblade Platz nehmen. Der fuhr die Start-Ziel aufgrund des hohen Gewichts im Heck dann größtenteils am Hinterrad, die Kurven bremste er aber nur vorsichtig im Drift an. Ein verantwortungsvoller Mann, der Bauer, der die Nerven seiner hilflosen Co-Piloten keinesfalls überstrapazieren will.

Abschließend möchte ich zusammenfassen. Leute, die an den Honda Race Track Days nicht teilgenommen haben, meinten: „Das organisier ich mir selber, kommt billiger.“ , „Zu teuer, da weiß ich mir Besseres.“ , „Die neue Blade is sowieso hässlich.“  Gerechnet wurde viel, organisiert eher wenig, die Blade beliebt und zum Sieger zahlreicher Vergleichstests.

Leute, die an den Honda Race Track Days teilgenommen haben, meinten: „Schon zum zweiten Mal dabei und heuer war es noch besser.“ , „Das hier ist JEDEN Euro Wert.“ , „Der Wahnsinn ist, du fühlst dich einfach wie ein echter Rennfahrer.“ Glückwunsch an die Teilnehmer, ihr habt alle gewonnen.

 
Honda Race Track Days by Christoph Lentsch

Interessante Links:

 

Text: kot
Fotos:
Honda

Bericht vom 18.02.2009 | 32.467 Aufrufe

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