Michelin 2 CT

Pilot Road 2 und Pilot Power 2CT. Halten die Reifen, was die Prospekte versprechen?

Michelin Pilot Road 2
und
Pilot Power 2CT

Es gibt Dinge die klingen überaus logisch, doch trotzdem bleibt ein wenig Skepsis übrig. Wie zum Beispiel diese Sache mit den zwei verschiedenen Reifenmischungen in einem Reifen. Michelin hat hier nicht zuletzt durch unzählige MotoGP Siege Unmengen an Erfahrung gesammelt und transportiert dieses Know-How in die käuflichen Reifen auf unseren Motorrädern. Zum Einsatz kommt diese Technik im sportlichen Reifen Michelin Pilot Power 2CT und seit heuer auch im Tourenpneu Pilot Road 2. Um Klarheit zu schaffen probieren wir die Reifen im abwechslungsreichen 1000PS Alltag.

2 CT Technologie


Gut finde ich es, dass High Tech im Jahr 2007 nicht nur Rennfahrern vorbehalten bleibt, sondern auch uns allen auf modernen Strassenreifen. Auf der Rennstrecke sorgt mehr Grip für bessere Rundenzeiten, im täglichen Leben auf der Strasse sorgt zusätzlicher Grip für mehr Spaß und mehr Sicherheit. Wie immer sind wir bei 1000PS bemüht, hochkomplexe Themen so zu erklären, dass wir sie auch selbst verstehen. Denn dann ist sichergestellt, dass wirklich jeder unserer monatlich 200.000 Besucher die Sache kapiert.

2CT steht für "Two Compound  Technology". Einfach erklärt hat der Reifen in der Mitte eine härtere Mischung als an den Flanken des Reifens. Damit hat man im langweiligen Bereich des Reifens, also dort wo Kilometer gemacht werden, eine härtere Mischung mit etwas weniger Grip aber dafür mit viel Kilometerlaufleistung zur Verfügung. An den äußeren Enden der Flanken legen wir in der Praxis ja leider nicht ganz so viele Kilometer zurück. Doch jene Kilometer, welche wir mit der Fußraste am Asphalt zurücklegen, sollen dafür richtig Freude machen. Dort verwendet Michelin eine weichere Mischung und stellt so mehr Grip zur Verfügung.

Skizze: 2CT Technik erklärt mit einem Querschnitt vom Michelin Pilot Power 2CT

 

Start der Tour um 07:00 Uhr in Wiener Neustadt. Erster Stopp am ersten Gipfel: Präbichl auf 1225m.

 

Pilot Road 2

 

Der Pilot Road 2 ist der sportliche Tourenreifen aus dem Hause Michelin und soll Fahrer von Nakedbikes, Sporttourern und Tourern ansprechen. Ich selbst betrachte diesen Reifen als Rehabilitationschance für Michelin. Denn mein letzter Kontakt mit einem Michelin Tourenreifen war vor sechs Jahren mit meiner Suzuki Bandit 1200. Damals waren Michelin Pneus mit dem klingendem Namen "Macadam X90" montiert. Der Reifen hatte einen Vorteil, doch leider viele Nachteile. Der Vorteil war die unglaubliche Kilometerleistung von 13.000 elendig langen Kilometern. Gut für mein Studentenkonto, doch schlecht für meinen Ruf als Motorradfahrer. Ich wurde zigfach hergebrannt! Denn der Macadam rutschte einfach immer und überall. Er rutschte im warmen wie im kalten Zustand, er rutschte vorne und er rutschte hinten. Ich glaube er rutschte sogar noch am Stand als das Bike schon am Ständer lehnte. Wer mir nicht glaubt, der tippe folgendes in die Google Suchleiste ein: "Michelin Macadam" +Holz.

Das 2CT kann bedenkenlos angefahren werden. Quasi ein Grip-Siegel an jenen Stellen, wo Grip benötigt wird.

 

Trotz schlechten Asphalts immer wieder ein Hit! Die Auffahrt zum Sölkpaß.

Irgendwie kitschig, aber wir stehen drauf. Berge, grüne Wiesen, Wälder und die Motorräder davor. Seufz...


Doch die Zeiten haben sich geändert. Das wuchtige Drehmoment auf der Aprilia Tuono bietet beim Testen von Reifen perfekte Rahmenbedingungen. Wir kombinierten das Ganze noch mit den abwechslungsreichen Strassenverhältnissen am Sölkpass und ließen die Tuono durch die Kurven gleiten. Sparsamkeit und Fahrspaß schließen sich in der Saison 2007 nicht mehr aus. Bei unserer insgesamt 800km langen Tour haben wir uns wirklich sehr bemüht. Erstens weil es um die Reifen ging und zweitens ging es natürlich um die Rangordnung im 1000PS Büro. Es war definitiv so, dass wir an der Tuono nicht ein einziges Mal zu wenig Grip zu verbuchen hatten. Es war zwar nicht richtig heiß, doch bei angenehmen 24 Grad im Tal überschritten wir die Gripgrenzen auch auf langen Etappen nicht.

100% Linientreue

Was bei Tourenreifen immer etwas angenehmer ist als bei sportlichen Pneus ist die etwas rundere Karkasse. Bei der schnellen Ausfahrt freut man sich zwar über ultrazackiges Handling doch auf der langen Tour begeisterte uns das lineare Handling vom Reifen. Die Linientreue und das homogene Einlenkverhalten ist eine echte Stärke an der Tuono, die mit diesem Reifen noch mehr zur Geltung kam.

Was die Haltbarkeit betrifft, so konnten wir nach den ersten 1000 Kilometern leider bzw. zum Glück noch keine Verschleißerscheinungen feststellen. Doch darüber mehr im Laufe der Saison. Insgesamt enttäuschte uns der Pneu mit dem Slogan "Zwei Reifen in einem" nicht im Geringsten. Die Zeiten, wo man um Geld zu sparen zu Holzreifen greifen musste, sind vorbei.

2 Compound Ticket beim Schnellgericht

Das mit dem Geld traf sich dann auch sehr gut. Denn die Moneten wurden leider an anderer Stelle ausgegeben. Kot und NastyNils machten eine vollkommen neue Erfahrung mit einem fahrenden Schnellgericht. War sehr praktisch. Zwei Polizisten und ein Mann von der BH (wir nennen ihn mal Schnellrichter) in einem schwarzen Skoda Superb sorgten für jeweils 880 Euro weniger am Konto. Schnell fahren ist teuer, noch teurer allerdings wenn die Zivilstreife still und heimlich über mehrere Geschwindigkeitsbeschränkungen hinweg im Rückspiegel lauert. Dann gilt es nämlich die 130er Zone auf der Autobahn und die 100er Zone nach der Abfahrt extra zu bezahlen. Nennt sich Two Compound Ticket. Doppelt zahlen für doppelte Torheit.

Honda CBR 600 RR mit Michelin Power 2CT Aprilia Tuono vor dem fahrendem Schnellgericht, Kot sitzt gerade drinnen und weint.

Pilot Power 2CT


Auf der Straße können wir den Pilot Power 2CT sicherlich nicht in die Knie zwingen. Schon der Pilot Power ohne dem 2CT Kürzel zählt zu den beliebtesten Sportreifen am Markt. Viel Grip bei akzeptabler Lebensdauer machten ihn zum Bestseller. Das 1000PS Forum ist voller Lob und Anerkennung für diesen Reifen. Der 2CT setzt noch eines drauf. Leider ist er etwas teurer, dafür noch etwas besser. Auch hier haben wir 2 Reifen in einem. Einen sportlichen Strassenreifen für viele lässige Ausfahrten und einen für Hobbyzwecke vollwertigen Reifen auf der Rennstrecke.

Kot fuhr mit dem Pilot Power 2CT beim 4,5 Stunden Rennen vom Berger am Pannoniaring. Bei zwei Mann im Team bedeutet das 3 lange 45 Minuten Turns auf der Rennstrecke bei Tempo auf gutem Freizeitfahrer Niveau. Im Normalfall wird nach so einem Einsatz ein 08/15 Reifen abmontiert und entsorgt. Wir haben mit diesen Reifen jedoch noch viel vor. Der Reifen hat auf der Rennstrecke zwar ein wenig an Profil verloren, doch er ist noch immer am Anfang seiner Laufleistung. Wir werden damit heuer noch einige lange Touren fahren, ein weiteres Langstreckenrennen beim Bauer Martin und ein paar ganz normale Einsätze bei den Honda Speedweekends.

Großes Plus beim Rennen: Während die anderen Teams mit den Slicks beim Regen in die Box fahren mussten, fuhren wir einfach weiter und kamen so auf Rang 12 von 36 Teams. Klar ist der Pilot Power 2CT kein Slick und Regenreifen in einem für Profirennfahrer, doch für den Großteil von Tagesgästen auf der Rennstrecke eine super Alternative zum Reifenwechseln vorm Ringbesuch.

Wieder ein Punkt, wo Fortschritt nicht nur in irgendwelchen keimfreien Labors und in Prospekten zelebriert wird, sondern in der Praxis für Dich und mich sofort spürbar wird. Für Otto-Normalverbraucher echte Kostenersparnis bei voller Sicherheit und vollem Fahrspaß.

Tipp für Neulinge: Auf der Rennstrecke den Reifendruck vorne wie hinten um 0,3 bar absenken! Nach dem Tag am Ring, den Druck wieder auf den normalen Reifendruck auf der Strasse anheben! Den Reifendruck jedoch immer bei kalten Reifen messen und niemals bei warmen Reifen so "halbwegs" einstellen.
 

Alle Jahre wieder die gleichen Storys könnte man meinen. Die neuen Reifen wurden wieder besser, die alten Reifen wieder schlechter. Stimmt genau! Doch wie sieht die Zukunft aus? Werden wir in 10 Jahren über Pilot Power 2CT und Pilot Road 2 schimpfen und lästern? Möglicherweise! Denn in der MotoGP verwendet Michelin schon jetzt Reifen mit 5 verschiedenen Mischungen. Man darf davon ausgehen, dass die Racingtechnik von heute in den Strassenreifen von morgen stecken wird...
 

Arges Michelin Video

Gib dir die MotoGP Helden in Action. Harte Manöver an der Grenze, muss man gesehen haben.

Wer sich das Video auf seinen Computer downloaden möchte, klickt mit der rechten Maustaste hier und wählt "Ziel speichern unter".

 

 

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Bericht vom 08.06.2007 | 91.965 Aufrufe

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