KTM 950 Super Enduro R

KTMs neuestes Enduro Geschoss wurde auf der Original Erzberg Prolog Strecke in die Mangel genommen.
     
      950 Super Enduro R


Emotionen pur! Kaum ein Motorrad hat in letzter Zeit so viele Gefühle hervorgerufen wie die KTM 950 Superenduro R. Kaum jemanden lässt dieses Bike kalt. Der Tag am Erzberg, dem wohl geeignetsten Terrain für ein solches Event, hat jeden überzeugt. Ja, sogar mich. Dem wohl verwegensten Verfechter von wenig Gewicht und kreischendem Zweitakt Geschrei.

Der Umstieg auf die, vermeintliche unzähmbare Bestie, fiel mir ehrlich gesagt Anfangs nicht so leicht. Meine private KTM 200 EXC bringt in etwa halb soviel Gewicht auf die Waage und nicht mal die halbe Leistung aufs Terrain. Beim ersten Aufsteigen fällt mir der perfekte Knieschluss auf, das Knie schmiegt sich perfekt an den Tank. Das ganze fühlt sich am Stand etwas schwer an, logisch wenn man die EXC unterm Hintern gewohnt ist. Erste Probleme bei den kleineren Journalisten, 1,80 solltens schon sein um gemütlich mit den Beinen auf den Boden zu gelangen. Nicht nur die japanischen Kollegen hatten so ihre Probleme...

Ein kurzer Druck am E-Start und der Motor springt an. In etwa 25 Zweizylinder Motoren brüllen gleichzeitig los, da rennt einem schon der kalte Schauer über den Rücken. Die Geräuschkulisse aus dem Doppel-Auspuff gibt sich satt aber nicht allzu laut. Freaks greifen ohnehin zu Akrapovic aus der prall gefüllten KTM Powerparts Trickkiste.
 

Ein herrlicher Anblick bot sich im KTM Fahrerlager. Etwa 30 Super Enduros warteten auf die internationale Journalistenmeute
 

Der erste Ausritt erfolgte im Rudel, die berühmte original Erzberg Prolog Strecke entlang. Kein Geringerer als der 6-fache Enduro Weltmeister Giovanni Sala führte die hungrige Meute zum Gipfel. Mit gemischten Gefühlen hänge ich mich an die Meute, ziemlich am Ende des Pulkes.

Was einem sofort bei den meisten Fahrern auffällt: Respekt. Riesengroßer Respekt. Ein jeder weiß das 98PS auf losem Untergrund kein Lercherl sind. Dementsprechend zurückhaltend war der erste Sturm auf den Berg. Anfangs kam ich in den engen Kehren des Prologs nicht wirklich zurecht. Zu groß der Respekt vor dem Ungetüm.

Wie unnötig die anfängliche Zurückhaltung war, zeigt sich nach und nach in den nächsten Kehren. Die Leistung ist unglaublich leicht dosierbar und dennoch im Übermass vorhanden. Als 2-Takt Drehzahlorgien Freund fällt mir sofort das unpackbar breite Leistungsspektrum auf. Egal welcher Gang, egal wie untertourig du gerade unterwegs bist, das Ding hat immer genug Schub. Nach kurzer Eingewöhnungszeit fällt einem das Gewicht nicht mehr wirklich auf. Zu sagen du sitzt auf einer EXC mit mehr Schub wäre etwas übertrieben, aber es hätte sich keiner Träumen lassen, wie exakt und wendig sich dieses Eisen im Gelände bewegen lässt.

Ist die Super Enduro in Bewegung, reduziert sich das Gefühl des vermeintlich hohen Gewichts um ein Vielfaches. Anbremsen, mit einem leichten Impuls am Hinterrad in die Kurve hinein und das Bike fährt wie auf Schienen in die Kurve um einen mit fantastischem Grip wieder auf die nächste Kehre zu katapultieren.
 

Giovanni Sala zeigt wie es geht und was mit der Super Enduro R alles möglich ist.


Nach der Gipfelerklimmung geht es auf der anderen Seite wieder runter. Bei der markierten "Hard" Sektion höre ich eine herrliche Anweisung an die Guides: "Geh bitte stellt euch ihr zwei runter und fangt die Leute auf", lautete der Befehl der Einsatzleitung. Das folgende Schauspiel war ein Wahnsinn. Unzählige Köpfler und purzelnde Motorräder. "Grande Gio" zeigte vor das man die steile Abfahrt auch locker rauf fahren kann, und das mit einer unglaublichen Leichtigkeit. Nicht umsonst wurde man 6-facher Enduro Weltmeister. Spielerisch leicht bewegt er die Super Enduro übers Terrain und erklimmt sogar die berüchtigte "Wasserleitung", der härteste Steilhang den ich je gesehen habe. Mit dem nötigen Können ist mit diesem Arbeitsgerät so ziemlich alles möglich.

Nach der "Hard" Sektion mit Schmelzwasser und einigen kniffligen aber bewältigbaren Passagen hat Streckenguru Joachim Sauer einen irre leiwanden Handlingkurs abgesteckt. Verschiedenste Untergründe, sandig, steinig oder erdig. Ein kleiner Sprung, Winkelwerk, Wasserdurchfahrten, Anlieger und vieles mehr. O-Ton eines österreichischen Kollegen: "des geht ums Eck des gibts jo net, total easy". Damit hatte er recht. Hat man sich dran gewöhnt, den Respekt abgelegt und das Gewicht aus dem Hinterkopf gestrichen bringt man mit der Super Enduro unglaubliches zustande. Für Extreme Hard Enduro Einlagen ist freilich das nötige Fahrgefühl und eine exakte Fahrweise von Nöten.
 

Ab Mittag begann es leider heftig zu Regnen. Ist ein herrliches Gefühl mit 100 Sachen durch das kalte Nass zu pflügen.
 

Äußerst exakt zu Bedienen und effektiv in der Wirkung ist neben dem bärigen LC8 Motor auch die Bremserei. Besonders die Vorderbremse, hier werkt eine Brembo Zweikolben-Anlage mit 300mm Bremsscheiben-durchmesser, ist gut gelungen. Hinten sorgt eine Zweikolben-Anlage mit 240mm Bremsscheiben-durchmesser für die nötige Verzögerung. Und die ist bitter nötig. Auf dem Weg nach oben wurden es schon mal 150kmh auf der Uhr, Profi Joachim Sauer sprach von persönlichen 170-180kmh Topspeed auf der Prolog Strecke. Bei solchen Geschwindigkeiten wird jeder Stein im Weg zur Falle. Als relativ unerfahrenen Piloten hat es mir einige Male das Vorderrad zur Seite gerissen. Die Super Enduro hielt die Spur aber tadellos, mit festem Knieschluss und etwas Gas bringt man wieder Ruhe ins Fahrwerk.

Selbiges fraß einfach alles was ihm in den Weg kam. Das komplette Bike macht überhaupt einen unzerstörbaren Eindruck. Kollege Faulhuber machte die Probe aufs Exempel und legte die KTM gleich 4 mal nieder. Außer ein paar Kratzern waren aber keine Schäden zu erkennen. NastyNils Forderung nach herrlichen Sturzfotos von mir konnte ich leider nicht nachkommen. Herr Faulhaber kam meinem Wunsch die Bekleidung für ein paar Fotos zu tauschen leider nicht nach. Nils wäre mit "meinen" Stürzer Qualitäten voll und ganz zufrieden gewesen.

Getriebe und Kupplung überzeugten voll und ganz. Auf den High Speed Prolog Etappen rührt man im Getriebe gehörig um, die Gänge lassen sich rasch und präzise schalten. Die montierten Metzeler Karoo bringen den nötigen Grip auf den losen Erzberg Untergrund. Allerdings ist die Reifenentwicklung nicht ganz das Tempo der Motorradhersteller mitgegangen. Bei Enduros mit 100PS im Schotter zu fahren bringt zur Zeit noch jeden am Markt erhältlichen Reifen relativ schnell ans Ende.

Enduro Guru Giovanni Sala unterstrich beim darauf folgenden Abendessen vor allem die enorme Vielseitigkeit der KTM (Er fährt privat auch eine Super Enduro). Vom Gelände direkt auf die Straße, in die Stadt, Kurztrips mit Sozius und und und... Bis spät in die Nacht wurden noch Geschichten ausgepackt. Giovanni Sala und Joachim Sauer haben schon Sachen erlebt - unglaubliche Stories...

Exakt und leicht zu bedienen - die Brembo Bremserei auf der KTM 950 Super Enduro R

Unzerstörbarer Motorschutz serienmäßig

Schluckt beinahe alles: Das WP-Monoshock Federbein. 255mm Federweg.

Perfekt integrierter Tank, Fassungsvolumen: ca. 13 Liter, reicht für viele Enduro Kilometer

Fesche Doppel-Auspuffanlage für satten Sound. Die erhältliche Akrapovic Anlage wäre meine erste Bestellung für die Super Enduro, macht auch optisch noch mehr her.

Kantiges, radikales Design bei der Super Enduro Front. Für ein tadelloses auftreten im Fahrerlager und auf der Strasse.

   

Die KTM 950 Super Enduro R macht einen hervorragenden Eindruck. Feine Verarbeitung, nette Details wie der unkaputtbare Motorschutz, geiles Design und reichlich Power werden noch für reichlich Gesprächsstoff an den Stammtischen sorgen. KTM hat mit der Super Enduro die ultimative Prolog Waffe geboren. Am Erzbergrodeo wurde eindrucksvoll bewiesen was man damit anstellen kann.

   

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Hie und da begegnete man einem der sogenannten Haulies. Gegen dieses Ungetüm würde nicht einmal die Super Enduro einem Zusammenstoss standhalten.

Marketingleiter Martin die Wabe aus Tirol: "Du bisch jo genau so a Wahnsinniger wia dei Bruada (Anm.: gemeint war NastyNils), a jeda fohrt am Rand durchs Wossa  und du forscht mittn durchn See. Hob glaubt wir kennans Boot auspockn."

   

Technische Daten:

Motor 2-Zylinder, 4-Takt, V 75°
Hubraum (ccm)942
Bohrung / Hub (mm) 100 / 60
Leistung (typisiert)72 kW / 8500 U/min
Max. Drehmoment 95 Nm / 7000 U/min
Verdichtung11,5:1
Starter E-Starter
Getriebe6-Gang, klauengeschaltet
Vergaser Keihin Gleichdruckvergaser CVRD 43
SteuerungDOHC
Schmierung Druckumlaufschmierung
MotorölMotorex Power Synt 4T 10W50
Primärtrieb 67:35
SekundärantriebX-Ring-Kette 5/8 x 5/16"
Kühlung Flüssigkeitskühlung
KupplungMehrscheibenkupplung im Ölbad, hydraulisch betätigt
Zündung Denso Batteriezündung
  
Rahmen Chrom Molybdän, pulverbeschichtet
RahmenheckAluminium
Lenker Aluminium, konifiziert
Federung vorneWP-USD 48 mm
Federung hinten WP - Monoshock
Federweg vorne / hinten 250 / 255 mm 
Bremse vorne Brembo Zweikolben-Schwimmsattel, Bremsscheibe Ø 300 mm, schwimmend
Bremse hintenBrembo Zweikolben-Schwimmsattel, Bremsscheibe Ø 240 mm, schwimmend
Felge vorne / hinten 1,85 x 21" / 2,5 x 18"
Bereifung vorne / hinten 90/90-21" ; 140/80-18"
Übersetzung 0,7375
Batterie12 V / 11,2 Ah
Enddämpfer 2 x Edelstahl mit Katalysator
Steuerkopfwinkel64,6°
Nachlauf 119 mm
Radstand1570 mm
Bodenfreiheit (unbelastet) 296 mm
Sitzhöhe920 mm
Tankinhalt ca. 13 Liter
Gewicht (ohne Benzin) ca. 185 kg 
 
PREIS: 13.498,- Euro
 
Text: meXXLa
Photos: Manfred Halwax, Herwig Peuker, Gery Freeman

Bericht vom 30.05.2006 | 64.312 Aufrufe

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