Der 1000PS.at 50erl Test

Es war an der Zeit mal einen mächtigen Mopedtest durchzuführen. Die Knieschleifer von morgen sollen doch auch nur feinste Ware für die Fahrt zur Schule genießen. Deshalb war ein gnadenloser Mopedtest überfällig.
Da gab es nur ein großes Problem. Anders als bei den Motorrädern haben Österreichs Importeure bei den Mopeds keinen Pressefahrzeugfuhrpark, mit Vollkasko-Fahrzeugen. NEIN! Die Mopeds für den Mopedtest kommen frisch aus der Kiste, ohne Taferl, ohne Versicherung und werden am ARBÖ-Testgelände in die Mangel genommen. Da ist dann stürzen verboten angesagt. Ein Moped kostet zwar im Schnitt "nur" 2.000 Euro, doch bei 20 kleinen Flitzern kann auch einiges an Alteisen und Werkstattrechnungen bzw. Entsorgungskosten zusammenkommen. Da fällt der Furiose als Tester quasi schon im Vorfeld aus. Berzerks Credo als Fels in der Brandung bei harten Motorradtests ist nach seinem harten Abgang beim Supermotard ebenfalls sehr angeschlagen. Sein Knochen schmerzen noch immer. Zonko war zu dem betreffenden Zeitpunkt in Nizza die neuen Buells testen und Bravomaxa bekommt auf den kleinen Mopperln schwere Komplexe.
Es führte kein Weg daran vorbei, einen verlässlichen Stab an Profi-Testern aus den Reihen der 1000PS.at -Community Mitglieder zu rekrutieren. Unter den Tausenden Motorradfreaks welche sich auf der 1000PS.at & Reitwagen Webseite tummeln werden doch sicherlich einige fähige und vor allem sturzimmune Fahrer dabei sein. Binnen kurzer Zeit fanden sich ein Dutzend freiwilliger Testpiloten. Sie waren immer noch der Meinung mit "Mopedtest" habe ich eigentlich das Testen von richtig großen Mopeds gemeint. Doch am Tag der harten Arbeit war dann jeder froh, 50 und nicht 1000 ccm unterm Hintern zu haben. Non-Stop-Dauer Regen bei ca. 8 Grad am Thermometer lassen die schöne idyllische Welt des Motorradtesters gleich in einem anderen Licht erscheinen.

Die Tester mussten nicht nur grausame Highspeed - Duelle beim Lichtschranken überstehen sondern auch einen gefinkelten Pylonenkurs mit Bravour meistern. Es ist natürlich überflüssig zu erwähnen, dass die Disziplin im Fahrerlager was Fahrsicherheit betraf sehr schnell extrem nachließ. Meinen Kontostand im Hinterkopf bettelte ich steht's um behutsame Fahrweise. Als Antwort erhielt ich Spott und Hohn, sowie Stoppies, Wheelys und Burn Outs. Das dies nicht ohne Folgen bleiben konnte, bewies dann klarerweise Rollo Cliffhanger. Trotz widriger Verhältnisse wollte er in Sachen Schräglage nicht zurückstecken. Erstaunlicherweise setzte beim Gilera Runner der Hauptständer auf bevor die Haftgrenze am nassen Asphalt erreicht wurde. Rollo wurde gnadenlos ausgehebelt und legte einen feschen Abgang hin. Mehr als 2 Kratzer an der Verkleidung waren dann jedoch nicht zu beklagen.

Mit Wehmut habe ich an die guten alten Mopedzeiten zurückgedacht als ich die 19 Mopeds und Roller im Regen vor mir stehen sah. Doch irgendwas war anders als früher. Der Hubraum ist gleich geblieben, das rote Taferl auch, doch die kleinen Eisen haben nicht mehr viel mit den Mopeds vor 10 Jahren gemeinsam. Up Side Down Gabel hier, Vorne und hinten Scheibenbremse da, elektronische Direkteinspritzung, Mächtiges Design und das Schlimmste! Bei den neuen Mopeds muß man nix mehr herumzangeln. Mit den neuen kleinen Eisen kann quasi jeder fahren der 16 Jahre alt ist und das rote Knopferl drücken kann. Bei meinen flotten KTM GXE Eisen vor 10 Jahren, war Kolben tauschen & Zylinder hohnen quasi kleines Service. Die Mopedsaison war kurz! Ständig stand mein 50erl in der Garage und das Taschengeld reichte nicht für einen neuen Kolben. Ganz anders die neuen Mopetten. Kein einziger technischer Defekt bei unserem harten Mopedtest. Klarerweise wurden die nagelneuen Flitzer frisch aus der Kiste perfekt eingefahren. Anstarten, Gas geben, Burn out. Null Probleme. Die Verarbeitungsqualität und vor allem die Qualität der Bremserei zeigen quer durch die Bank bei allen Mopeds was eigentlich in den kleinen Flitzern steckt.
Die gesetzmäßige Kastration auf 45km/h drückt einem schon die Tränen aus den Augen. Das Potential in den Rollern und Mopeds ist um einiges höher. Beim Fahren merkt man richtig wie gerne die kleinen niedlichen Ponys aus dem Zaumzeug springen möchten um zu scharfen Mustangs zu mutieren. Zum Beispiel verfügt die Gilera Runner über das gleiche Fahrwerk und den starken Scheinwerfer der 125er Version. Das mit dem Gilera Runner ordentlich angedrückt werden kann, wird in der Trofeo Gilera - das ist der Gilera Scooter Cup - unter Beweis gestellt. Die durch die Bank übergewichtigen 1000PS.at Testfahrer hatten keinerlei Troubles mit den Nachwuchseisen. Einzig und allein die knappe Beinfreiheit bei den Rollern stellt für ausgewachsene Fahrer manchmal ein Hindernis dar. Auf alle Fälle vor dem Kauf beim Händler probesitzen.

Für meinen Geschmack sehe ich derzeit noch immer zu wenig Roller auf den österreichischen Straßen. Die Käfig-Treiber haben sich scheinbar mit ihrem Schicksal abgefunden, und stellen sich Tag für Tag in Großstadtstau. Ein kleiner 50er in der Garage könnte da schnelle und billige Abhilfe schaffen. Ab 24 Jahre darf man mit dem roten Taferl führerscheinfrei stauimmun durch die Stadt flitzen. Die laufenden Kosten fallen dann eher unter ferner liefen. In Italien und Spanien sind die Mopeds aus dem Straßenbild einfach nicht wegzudenken, während in Österreich nur wenige kühle Rechner auch nach dem 18. Geburtstag weiterhin auf das 50erl setzen.

Mopeds sind auf 45km/h Bauartgeschwindigkeit beschränkt. Zur Zeit geschieht diese Drosselung meistens über Auspuff. Doch die modernen Motore mit elektronisch geregelter Einspritzung sind natürlich auf elektronischem Wege kastriert. Umso eleganter sind dann natürlich die Tuningmaßnahmen. Chiptuning hat nun auch schon in der 50er Klasse Fuß gefasst. Angeblich soll es ja per Knopfdruck regulierbare Steuereinheiten geben. Sprich: Den Glühmodus für die offene Klasse, und den Unschuldsengelmodus für die Polizeikontrolle.

Einen Sieger unter den ganzen leiwanden Eisen zu küren ist natürlich extrem schwer. Realistisch betrachtet sind Roller die besten Eisen in der Klasse. Erstklassige Komponenten, sehr zuverlässige Technik und vor allem viel Platz für Schultasche, Rucksack und Co. Bei den einzelnen Ampelheitzerl am ARBÖ Testgelände hatten immer die Automatik-Roller die Nase vorne. Das Variomatik-Getriebe hält den Motor auf Drehzahl und den Roller reißt es in Nu auf einen 50er. Die Enduro-, Supermoto- und Strassenmopettn halten mit dem "Großen Bruder" Image dagegen. Die kleinen 50er Raketen schauen sind ja wirklich sehr fesch und bieten Optik wie die großen Bikes. Ganz hoch im Kurs bei den Testern standen die beiden High-Tech Roller Aprilia SR 50 Ditech und Gilera Runner 50 Pure Jet. Mit elektronisch geregelter Einspritzung unter der Sitzbank stehen die beiden Roller auf technisch höchstem Niveau. Klarerweise ist da entweder langes Taschengeldsparen oder gnadenloses Schnorren bei Oma nötig um die jeweils 2.650 Euro Verkaufspreis beisammen zu haben. Wesentlich billiger kommt man da bei den Rollern aus Fernost davon. Kymco, CPI und MBK Roller wurden schon um 1000 Euro billiger in den Schauräumen gesehen. Ganz leiwand fanden die Tester auch die Supermoto Modelle der Hersteller. Sowohl die Derbi als auch die Aprilia Driftmaschinen fanden großen Anklang. Schnittige Optik, quirliges Handling, gute Bremsen und ein flotter Motor machten Spaß beim Pylonenfahren.

Die Fahrzeuge im Test: (für ausführlichere Beschreibung auf das gewünschte Modell Linksklicken)

Aprilia MX 50 Supermoto Aprilia RX 50 Enduro Aprilia SR 50 DITECH
Benelli Naked Benelli 491 ST CPI Popcorn
Derbi Predator LC Replica Derbi Senda R Derbi Supermoto
Gilera Runner 50 Pure Jet Kymco Super9 Kymco Yup50
Malaguti Firefox MBK Ovetto Motohispania Furia Cross
Motohispania RX Superracing PGO BigMax Piaggio NRG Pure Jet
Suzuki Katana

Bericht vom 03.12.2002 | 31.680 Aufrufe

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