Honda Silver Wing ABS

Offen für neue Erfahrungen dachte sich NastyNils und stieg für ein paar Tage auf den Honda Silverwing um. Das fahrende Sofa sorgte für einige Überraschungen.

Alles begann mit einem ziemlich unerfreulichen Anruf von Frau Seiner aus dem Honda Büro.

Fr. Seiner: Hallo Nils! Ihr habt doch unseren FMX Dauertester bei euch stehen. Für unseren Honda Testtag bräuchten wir die für ein Wochenende...

NastyNils (macht ätzende Handyrauschgeräusche): Hallo Waltraud! Du die Verbindung ist ganz schlecht - ich kann Dich kaum hören

Fr. Seiner: Ihr kriegt eh einen Ersatz für die FMX!

NastyNils: Achso! Plötzlich hör ich Dich wieder. Du das ist kein Problem. Kann ich Dir gerne bringen. Was kriegen wir dafür. CBR 1000 RR?, SP2 ?, Hornet 600 ?

Fr. Seiner: Ähhh. Ich könnte einen Silverwing Roller anbieten!

NastyNils (macht ätzende Handyrauschgeräusche): Shit. Die Verbindung ist schon wieder so schlecht...

Fr. Seiner: Oder einen 125er Roller....

NastyNils: Okay Okay! Hab erbarmen! Ich nehm den Silverwing!

Offen für neue Erfahrungen

Der Besuch auf der Honda Homepage machte mich dann aber doch etwas neugierig. 50 PS drückt der dicke Silberflügel auf den Asphalt und der schiere Luxus soll am Roller herrschen. Hört sich ja gar nicht so schlecht an. Wie damals bei diversen Inseraten in Internet-Singlebörsen, konnte ich dem Zitat "Offen für neue Erfahrungen" nun einiges abgewinnen. Wir werden den Silverwing also vollkommen ohne Vorurteile ausprobieren.

Doch schon nach der Rückkehr von meiner ersten Wiener-NeuStadtrunde lungerten meine unterbeschäftigten und überbezahlten Mitarbeiter vorm Büro mit der Digi-Cam herum und machten irgendwelche Vogerltanz-Grimassen. Merkwürdig? Zurück im Büro musste ich dann einen hinterhältigen Anschlag auf meinen PC-Bildschirm entdecken. Die Banausen haben mir ein nettes Hintergrundbild auf den Desktop montiert...

Silver Wing /ABS
Netter Desktophintergrund auf meinem PC...

Alles klar! Meine Untergebenen scheinen also weder mich, noch den luxuriösen Silverwing zu respektieren. Ich für meinen Teil hab mich mit dem feinen Roller aber mittlerweile echt angefreundet.

Silver Wing /ABS
Stadtgefährt?
Silver Wing /ABS
ABS am Großroller

Zu Beginn muss ich gleich mal festhalten dass Rollerfahren alles andere als langweilig ist. Zumindest mit dem Silverwing hatte ich jede Menge Spaß. In der Stadt zieht man an der Kreuzung nicht nur Autos sondern auch unaufmerksamen Motorradfahrern unaufhaltsam davon. Der kräftige 50PS Motor gepaart mit der narrensicheren Automatik lassen jeden Ampelstart gelingen. Der Roller wirkt auf den ersten Blick zwar etwas voluminös, lässt sich aber trotzdem flink durch die Stadt zirkeln. Wird es jedoch ganz eng steht man mit dem Silverwing aber ebenfalls im Stau.

Ein Drift am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

Auf kurzen Autobahnstücken konnte ich auch ein wenig die Stabilität des Rollers ausprobieren. Der Silverwing liegt klarerweise nicht so ruhig wie eine Goldwing aber auch bei Tempo 160 bleiben die 14" bzw. 13" Räder beim Kreuzen von Bitumenwürsten stabil. Auch auf flüssigen Landstrassen kann man mit dem Roller ein Tempo fahren, welches in einem gemäßigten Freundeskreis auch für einen Motorradausflug reicht.

Bei schlechtem Wetter schätzt man an dem Silverwing das ABS mit dem kombinierten Bremssystem CBS. Einfach fest zupacken und die Fuhre bleibt bei jedem Untergrund gefahrlos stehen. Eine Antischlupfregelung hat der Roller jedoch noch nicht. Man sollte sich deshalb bei der morgendlichen Fahrt aus der Garage nicht vom biederen Aussehen des Rollers täuschen lassen. Mit kalten Reifen und energischer rechter Hand macht es einen netten Ruck am Kurvenausgang.

Silver Wing /ABS
Super Stauraum
Silver Wing /ABS
Das fahrende Sofa

Ein echtes Argument für einen Roller ist für meinen Geschmack immer der praktische Stauraum unterm Sitz. Anders als die unwürdigen Wolkenkratzer-Aufbauten-Topcases bei Motorräder ist der Stauraum schon in das Grundkonzept des Rollers integriert. Die meisten Dinge welche ich in meinem Alltags- und Berufsleben so transportieren musste, schluckte der Silverwing anstandslos. Einmal war es die Notebook-Tasche, dann der kleine Einkauf beim Spar, ein anderes Mal das Trainingszeug und natürlich die komplette Montur: Helm- Handschuhe- Jacke. So machen die kleinen Erledigungen im Büroalltag echt Spaß.

Unschlagbar ist meiner Meinung nach der Sitzkomfort auf dem Silverwing. Auf dem Roller wird man ein echtes Weichei und will für die Erledigungen zwischendurch gar nicht mehr aufs Big Bike aufsteigen. Die Latschen werden supergemütlich am großen Trittbrett postiert und auf der Sitzbank sitz ich besser als auf dem teuersten Leder Sofa. Das überdimensionale Windschild lässt für den Fahrer nicht viel vom Fahrtwind übrig und auch bei Regen wird so ziemlich alles an Feuchtigkeit und Schmutz durch Verkleidung am Fahrer weitergeleitet. So kann man auf dem Roller auch bei miesen Bedingungen relativ bequem von A nach B fahren.

Silver Wing /ABS
Ein würdiger Auftritt am Motorradstammtisch ?
Wer kauft sowas?

Die Silverwing wirkt nach genauerer Betrachtung wie eine eierlegende Wollmilchsau. Doch wann und warum kauft man so einen Riesenroller?

Als echter Motorradersatz für langjährige Big-Biker taugt der Silverwing vor allem beim Stammtisch nicht besonders viel.

Als Autoersatz reicht der Silverwing in Wahrheit in 90% aller Fälle. Für die restlichen 10% der Fahrtstrecken fehlt den meisten Leuten aber dann doch das Auto etwas zu sehr, als darauf zu verzichten.

Als quirliges Zweit- bzw. Drittgerät für Alltagsstrecken macht das Teil neben Auto und Motorrad Sinn. Doch hier reduziert sich die Käuferschicht dann durch den Preis von 10.000 Euro auf KHG und seine Clique.

Trotzdem werd ich das Gefühl nicht los, dass man mit der Silverwing doch wesentlich mehr Leute begeistern könnte, wenn man ihm nur die Chance dazu gibt. Wer sich mit dem einen oder anderen Argument für die Silverwing anfreunden kann, sollte auf alle Fälle eine Probefahrt mit dem Roller machen. Evtl. passt das Teil ja in eure derzeitigen Lebensumstände und euren derzeitigen Fuhrpark. Sag niemals nie!

Silver Wing /ABS
Technische Daten
Motor
Bauart Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor mit Katalysator
Bohrung x Hub in mm / Hubraum in cm³ 72 x 71,5 / 582
Gemischaufbereitung PGMFI Einspritzung
Max. Leistung, kW (PS) bei min-1 gemessen nach 95/1/EC 37 (50) / 7000
Max. Drehmoment (Nm bei 1/min) 54 / 5500
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 160
Kraftübertragung
Getriebe stufenlose Keilriemenautomatik
Endantrieb Riemen
Abmessungen
Länge (mm) 2275
Breite (mm) 770
Höhe (mm) 1430
Radstand (mm) 1595
Lenkkopfwinkel 28° 30'
Nachlauf in mm 105
Sitzhöhe (mm) 740
Bodenfreiheit (mm) 140
Tankinhalt (Liter) 16 (inkl. 3,5 Liter Reserve)
Sitzplätze 2
Fahrwerk
Felgen  
Felgen vorne 14 x MT2.75
Felgen hinten 13 x MT4.50
Bereifung  
Bereifung vorne 120/80-14 58S
Bereifung hinten 150/70-13 64S
Radaufhängung  
Radaufhängung vorne 41 mm Teleskopgabel
Radaufhängung hinten Schwinge 2 Federbeine
Federweg in mm vorne/hinten 120 / 115
Bremsen  
Bremsen vorne Single-CBS mit ABS, 276-mm-Einscheibenbremse mit Dreikolbenbremszange
Bremsen hinten Singlel-CBS mit ABS, 240-mm-Einscheibenbremse mit Doppelkolbenbremszange
Gewichte in kg
Trockengewicht 229
Eigengewicht 247
Zul. Gesamtgewicht 423
Max. Zuladung 176
Preis: 10.250 Euro  
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Fazit: Honda Silver Wing 600

Als quirliges Zweit- bzw. Drittgerät für Alltagsstrecken macht das Teil neben Auto und Motorrad Sinn. Doch hier reduziert sich die Käuferschicht dann durch den Preis von 10.000 Euro auf KHG und seine Clique.


  • Kräftiger Motor
  • Stabilität
  • ABS. CBS-Bremssystem
  • super Stauraum
  • Sitzkomfort
  • überdimensionales Windschild
  • Voluminöser Motor
  • nicht der leistungsfähigste Roller
  • hoher Preis.

Bericht vom 29.05.2005 | 83.679 Aufrufe

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