Die Reisen des Che Guevara

Es begann als Motorradtour und endete als Revolution!

Che Guevara - Kuba's Volksheld, Vertrauter Castro's, Comandante der Guerilla-Kämpfer und erfolgreichstes T-Shirt-Motiv aller Zeiten. Das alles wäre Che Guevara vielleicht nie geworden, wenn er als junger Student nicht auf ein Motorrad gestiegen wäre.

Bevor Ernesto "Che" Guevara Industrieminister und Leiter der Nationalbank Kubas wurde, bevor er Hinterhalte im kubanischen Dschungel legte, ja noch bevor er überhaupt mit der kommunistischen Doktrine in Berührung kam, war Ernesto Guevara nicht mehr als ein junger Medizinstudent. Typisch für junge Leute verspürt auch der junge Che die Lust zu Reisen und die Welt zu entdecken. Dabei bevorzugt er das Reisen auf zwei Rädern. Schon 1950 baut er selbst einen kleinen Motor an sein Fahrrad und unternimmt darauf eine 2.500 km lange Reise durch die nördlichen Provinzen Argentiniens. Diese Tour festigte in Che den Beschluss ganz Südamerika zu bereisen und war sozusagen die Generalprobe für die große Expedition 1952.

Che Guevaras große Reise

Seit Jahren reden Guevara und sein Freund Alberto Granado darüber Südamerika auf einem Motorrad zu bereisen. Die beiden Studenten wollen raus aus ihrem gewohnten Umfeld, die Welt entdecken, sehen wie es im Rest von Lateinamerika zugeht. Im Januar 1952 ist es soweit. Die beiden nehmen sich ein Jahr Auszeit vom Studium und starten los. Ziel: eine Lepra-Kolonie in Peru an den Ufern des Amazonas Flusses, wo sie für ein paar Wochen freiwillig helfen wollen. Als Gefährt dient ihnen "La Poderosa II" (= die Mächtige II): Granados antike 1939er Norton Modell 18 mit einem 500cc-Einzylindermotor, der knapp über 20 PS liefert. Mächtig bepackt geht es los in Richtung Buenos Aires und dann in die argentinische Provinz Miramar.

Die Abenteuer des Che Guevara

Am 14. Februar überschreiten Guevara und Granado die Grenze zu Chile. Aufgrund von Geldmangel geben sie sich als Lepra-Experten aus und sogleich schreibt eine lokale Zeitung eine feurige Geschichte über sie. Dieser Artikel verhilft ihnen im Laufe der Reise noch zu so manchem kostenlosen Abendessen und anderen Gefälligkeiten. An der Küste Chiles findet das Duo kein Boot in Richtung Osterinseln und so wenden sie sich stattdessen nordwärts. Dabei durchqueren sie Minengebiet und besichtigen dort die Chuquicamata Kupfermine, die damals größte offenliegende Mine der Welt und wichtigste Einkommensquelle Chiles. Die katastrophalen Arbeitsbedingungen und die ausgezehrten, abgemagerten und miserablen Gestalten der Minenarbeiter machen einen starken Eindruck auf Guevara und erstmals kommt er auch mit dem Kommunismus und dem amerikanischem "Gringo-Imperialismus", wie Guevara den Einfluss von großen US-Unternehmen nennt, in Kontakt.

Von Chile geht die Reise weiter in die peruanischen Anden. Bei dünner Luft und durch zwei Passagiere und reichlich Gepäck schwer überladen, gibt die alte Norton den Geist auf. Von da an geht es weiter auf Ladeflächen von Pickups und LKWs, zu Fuß, zu Pferd und sogar per Floß mit dem Namen "Mambo-Tango" entlang des Amazonas. Insgesamt zwei Wochen helfen Granado und Guevara in der Lepra-Kolonie aus, bevor sie weiter nach Venezuela zu einer Lepra-Klinik reisen. Granado bleibt schießlich dort, während Guevara weiter in die Vereinigten Staaten reist. Drei Wochen später und nach insgesamt 8 Monaten auf Reisen fliegt er zurück in die Heimat nach Argentinien. Der enge Kontakt mit den Einheimischen entlang der Reise verändert Guevara nachhaltig. Er will die sozialen Misstände und Ungleichheiten in Südamerika beseitigen. Die Vision eines vereinten Lateinamerika entsteht.

Che Guevara der Revolutionär

Was danach geschieht, ist Geschichte. Guevara reist nach der Beendigung seines Medizinstudiums weiter herum und trifft in Mexico 1954 Fidel Castro. Dort schließt er sich der kubanischen Revolutionsbewegung an und macht sich im folgenden Guerilla-Krieg einen Namen. Es sei hier angemerkt, dass rund um die Person Che Guevara bei weitem nicht alles Eitel-Wonne ist. Seine Rolle und Taten im Krieg um Kuba sind nicht unumstritten und sollten auch kritisch hinterfragt werden. Auch der Vorwurf möglicher Kriegsverbrechen und Gräueltaten kommt bei näherer Recherche zum Vorschein. Nichtsdestotrotz, ohne die Reise zweier Studenten auf ihrem alten Norton-Motorrad hätte es den Revolutionär Che Guevara, und seinen prägenden Einfluss auf kommunistische Bewegungen in Südamerika, wohl nie gegeben. Deshalb ist auch die Reise des jungen Che ein würdiges Mitglied unserer Biker-Legenden-Serie.

Die erste packende Reise von Guevara ist auch im Bestseller-Werk "The Motorcycle Diaries" und im gleichnamigen Film aus dem Jahr 2004 abgebildet.

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Bericht vom 27.12.2019 | 6.342 Aufrufe

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