Das war die Rallye Dakar 2020 – alle Highlights im Shortcut!

Bevor Ricky Brabec als Sieger feststand, spielten sich Dramen ab

Die „Rallye Dakar“ ist nicht mehr das, was sie einmal war, sagen die einen. Immerhin siedelte die Dakar für die soeben abgelaufene Auflage erneut um, diesmal von Südamerika nach Asien – und hat damit tatsächlich rein gar nichts mehr mit der Hauptstadt des Senegal in Afrika zu tun. Macht nix, sagen die anderen, egal wo, die Dakar ist nach wie vor die härteste Rallye der Welt. Das bewies nun auch die Dakar 2020 in Saudi Arabien, bei der sich dementsprechend viele Ereignisse und Dramen abspielten. Sogar den Todesfall eines erfahrenen Motorradpiloten mussten wir beklagen. Hier die wichtigsten Ups and Downs der Dakar 2020.

Jeder, der sich in den vergangenen Jahren mit der Dakar beschäftigt hat, weiß einerseits, dass diese „härteste Rallye der Welt“, wie sie von vielen bezeichnet wird, unberechenbar und tückisch ist. Es kann immer etwas passieren, vor Pannen und Navigationsfehler ist kein Pilot gefeit und Stürze stehen an der Tagesordnung, können bei den derart hohen Geschwindigkeiten, die mittlerweile gefahren werden, aber oft auch schlimm enden. Andererseits ist man als KTM-Fan seit nunmehr 18 Jahren von der orangen Übermacht verwöhnt und als der Vorjahressieger, der Australier Toby Price seine KTM als erster ins Ziel der ersten Etappe brachte, konnte man durchaus schon Schlüsse ziehen, dass es wohl auch bei der heurigen Auflage der Dakar in Saudi Arabien ganz gut für die Mattighofener aussehen sollte.

1. Etappe Dakar 2020 - KTM erfolgsverwöhnt, Honda hoffnungsvoll

Der Österreicher Matthias Walkner, der ebenfalls schon die Dakar gewinnen konnte, war nur etwas mehr als drei Minuten dahinter. Die KTM-Doppelführung wurde nur vom Amerikaner Ricky Brabec auf Honda gesprengt – sollte es etwa nach nunmehr 31(!) Jahren, in denen die Japaner stets vom Pech verfolgt waren, der erste Sieg seit 1989 für Honda werden?

2. Etappe Dakar 2020 – die Karten werden neu gemischt

Ihre ausgesprochene Härte stellte die Dakar 2020 bereits auf der 2. Etappe unter Beweis, die Route durch Flussbetten, Täler, über Berge und Sandflächen, sowie ausgetrocknete Flussbetten stellte eine besondere Herausforderung für Mensch und Maschine dar. Auch die Navigation war alles andere als leicht, wie so oft führten viele verschiedene Pfade ans Ziel. Dort wurden dann auch die Karten neu gemischt, die Gesamtführung übernahm der Brite Sam Sunderland auf KTM, gefolgt vom Chilenen Pablo Quintanilla auf Husqvarna – also quasi ohnehin ein Markenkollege von Sunderland. Auf Platz 3 mit dem Argentinier Kevin Benavides dann der erste Honda-Pilot und Walkner auf Platz 4.

3. Etappe Dakar 2020 – Honda dreht voll auf!

Der dritte Tag der Dakar 2020 war eindeutig ein erstmaliger Befreiungsschlag von Honda – gleich drei Honda-Piloten fuhren auf das Podest! Vor allem der Amerikaner Ricky Brabec konnte nach einer fulminanten Fahrt sowohl Etappensieg als auch Geamtführung an sich reißen. Zweiter wurde der Chilene Jose Ignacio Cornejo, Dritter Benavides. Walkner als Etappen-Vierter und Price als Etappen-Fünfter retteten wenigstens die KTM-Ehre und Walkner blieb als Gesamt-Dritter mit knapp 6 Minuten Rückstand weiterhin voll im Rennen.

Wie nahe Höhenflug und tiefer Fall bei der Rallye Dakar beisammen liegen, musste der Sieger der Vortages-Etappe, Ross Branch aus Botswana spüren: Nach rund 90 Kilometern der dritten Etappe kam er zu Sturz, verletzte sich dabei die Schulter und rutschte in der Gesamtwertung vom 6. auf den 21. Rang ab. Noch schlimmer erwischte es den Yamaha-Piloten Adrien van Beveren, der bereits kurz nach dem Start so schwer stürzte, dass er mit dem Hubschrauber in ein Spital geflogen werden musste und die Rallye Dakar 2020 vorzeitig beendete.

4. Etappe Dakar 2020 - Honda weiterhin vorne, KTM schwächelt

Schnelle Sandpisten zwischen Bergen, ausgetrocknete Flussbetten und der berühmte Nebatean-Tempel boten den Fahrern viel Abwechslung auf den 430 Kilometern der 4. Etappe. Die Führung wechselte öfters, doch am Ende hatte Cornejo die Nase vorn, wodurch er auch in der Gesamtwertung hinter Brabec und Benavides auf den 3. Platz kletterte – eine vielversprechende Dreier-Führung von Honda. Doch das war noch nicht genug Salz in die KTM-Wunden, zusätzlich verlor Walkner eine Menge Zeit und rutschte in der Gesamtwertung auf den 9. Platz ab.

5. Etappe Dakar 2020 - KTM schlägt zurück

Die 353 Kilometer lange Etappe führte durch riesige Sanddünen, aber auch das ein oder andere ausgetrocknete Flussbett musste überquert werden. Die Orientierung war in solch einem Gelände besonders schwierig, lediglich große Felsbrocken konnten als Navigationshilfe herangezogen werden. Walkner kam mit diesen schwierigen Verhältnissen erwartungsgemäß sehr gut zurecht, die schnelle Wertungsprüfung lag aber auch Price ausgezeichnet – und er schnappte sich die 5. Etappe. Im Gesamtklassement kletterte er damit auf den 2. Platz, Walkner als Etappen-Fünfter auf den 6. Gesamtrang. Weniger erfreulich verlief die 5. Etappe für Sam Sunderland, der nach einem verheerenden Crash mit Verletzungen an der linken Schulter und am Rücken seine Teilnahme an der diesjährigen Wüstenrallye abbrechen musste.

6. Etappe Dakar 2020 – Brabec baut Gesamtführung aus

noch einmal alles ab. Ricky Brabec war auf seiner Honda aber unantastbar und fuhr von Anfang an vollkommen befreit vorne weg. Damit konnte er als Führender noch mehr Zeit zwischen sich und seine ersten Verfolger Quintanilla und Price bringen. Aber auch Walkner war mit etwas mehr als 33 Minuten Rückstand zur Hälfte der Rallye Dakar auf Platz 6 noch nicht abzuschreiben.

Gebrauchte und neue Motorräder

7. Etappe Dakar 2020 – überschattet vom Tod Paulo Goncalves´

Just auf jener Etappe nach dem Ruhetag, an dem alle Piloten wieder Kraft tanken konnten, verunglückte der portugiesische Rennfahrer Paulo Goncalves tödlich – womit die Geschichte der Dakar ist um eine tragische Episode reicher wurde. Nach einem heftigen Sturz war Goncalves nach einer ohnehin tadellosen und sehr raschen Rettungskette trotz Reanimierungsversuche nicht mehr zu retten. Der Portugiese galt als sehr erfahren und vorausschauend, allerdings übten einige Fahrer, unter anderem auch Matthias Walkner Kritik daran, dass die Veranstalter die hohen Geschwindigkeiten der Rallye Dakar unterschätzten. Laut Walkner waren die schnellen Piloten auf dieser Etappe 15 bis 25 km/h über der vom Veranstalter angenommenen Durchschnittsgeschwindigkeit. Eine solche von etwa 125 km/h bei 550 Kilometern in nicht einmal viereinhalb Stunden und davon rund 90 Prozent Offroad ist schon grenzwertig. Laut Walkner auch für den Kopf, denn man weiß ganz genau, dass der kleinste Fehler wirklich furchtbare Folgen haben kann. Dass die 7. Etappe am Ende von Kevin Benavides gewonnen wurde und Ricky Brabec weiter die Kontrolle über die Gesamtwertung behielt, verkam da leider zu einer Randnotiz.

9. Etappe Dakar 2020 – exzessive Führungswechsel

Nachdem durch den tragischen Tod von Paulo Goncalves die 8. Etappe der Motorräder gestrichen wurde, ging es mit der 9. Etappe weiter, die vor allem durch viele Führungswechsel geprägt war. Lag bei Waypoint 1 nach den ersten 50 Kilometern noch Price auf seiner KTM vor dem Gesamtführenden Brabec, Quintanilla an dritter und Barreda an vierter Stelle, war bei Waypoint 3 schon wieder alles anders – Brabec führte, Price nur noch Dritter. Bei Waypoint 4 nach 244 Kilometern war dann plötzlich wieder Quintanilla hauchdünn fünf Sekunden voran, konnte diese Führung aber bis ins Ziel der 9. Etappe ausbauen. An der Reihenfolge in der Gesamtwertung änderte dies dennoch nichts, Brabec führte weiterhin vor Quintanilla, Dritter war nun wieder Price

10. Etappe Dakar 2020 – vorzeitiger Abbruch

Bei der Dakar in Saudi Arabien hatten die Fahrer nicht nur mit äußerst selektiven und anspruchsvollen Strecken zu kämpfen, sondern auch mit Naturgewalten – ein Wüstensturm führe zum Abbruch der 10. Etappe nach Wegpunkt 4. Eigentlich hätte es mit 534 km eine sehr lange Etappe werden sollen, doch der unberechenbar stärker werdende Wind und eine hohe Auslastung der zur Verfügung stehenden Sicherheitsressourcen, ließen der Rennleitung keine andere Wahl, als die Etappe nach 345 Kilometern abzubrechen. Der Gesamtführende Brabec konnte sich darüber nur freuen, baute er mit einem 2. Etappenrang hinter dem Spanier Joan Barreda auf Honda seine Gesamtführung gegenüber Quintanilla doch um rund fünf Minuten auf fast 26 Minuten aus. Da zeichnete sich bereits, auch wenn man bei der Dakar niemals von einer „gemähten Wiese“ reden darf, eine gewisse Überlegenheit Brabecs ab: Die Piloten von Rang 2 bis 7 lagen nämlich allesamt innerhalb von 17 Minuten Abstand zueinander – da schien es eher auf einen Kampf um die restlichen beiden Podestplätze hinauszulaufen, als um einen Angriff auf die Spitze.

11. Etappe Dakar 2020 – Walkner macht es nochmal spannend!

Auf der 11. Etappe wurde der zweite Teil der Marathon-Etappe, die am Vortag startete, ausgetragen. Quintanilla zeigte sich von Anfang an kampflustig und ging sogleich in Führung. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen des harten Duells mit Walkner holte er den Etappensieg vor dem Österreicher, der mit dieser starken Leistung in der Gesamtwertung wieder nach oben auf den 4. Platz kletterte. Im Gegenzug büßte Brabec durch seinen 9. Platz bei der 11. Etappe rund 12 Minuten seines Vorsprungs auf Quintanilla ein – es sollte also doch noch einmal spannend werden!

12. und letzte Etappe Dakar 2020 – Honda siegt, KTM geschlagen!

Den großen Coup gegen Brabec sollte am Ende aber doch kein anderer Pilot mehr schaffen, stattdessen schaffte der Amerikaner selbst das Kunststück – der erste Honda-Sieg bei der Rallye Dakar seit 1989! Damit ging die unglaubliche, 18-jährige KTM-Dominanz bei der „härtesten Rallye der Welt“ zu Ende. Ein wenig versöhnlich für alle Österreich-Patrioten und KTM-Fans: Husqvarnas Pablo Quintanilla und Vorjahressieger Toby Price auf KTM komplettierten das Gesamt-Podium. Matthias Walkner wurde am Ende Fünfter in der Gesamtwertung hinter Hondas Jose Ignacio Cornejo.

Dass KTM nun erstmals seit 18 Jahren nicht bei der Dakar siegen konnte, kann man als grantiger Pessimist natürlich als völlige Niederlage bezeichnen. Als Optimist sollte man es aber als Herausforderung betrachten, im nächsten Jahr wieder alles daran zu setzen und dafür zu tun, die Krone der Dakar zurück nach Österreich zu holen! Und schließlich kann man sich doch auch ein wenig mit Honda freuen – eine Durststrecke von 31 Jahren immer noch so motiviert zu gehen, ist schon bewunderswert.

Rallye Dakar 2020 Gesamtwertung

PositionStartNrFahrerTeamZeitDif.Strafe
19 RICKY BRABECMONSTER ENERGY HONDA TEAM 202040h 02' 36''
25PABLO QUINTANILLAROCKSTAR ENERGY HUSQVARNA FACTORY RACING40h 19' 02''+ 00h 16' 26''
31TOBY PRICERED BULL KTM FACTORY TEAM40h 26' 42''+ 00h 24' 06''00h 02' 00''
417JOSE IGNACIO CORNEJO FLORIMOMONSTER ENERGY HONDA TEAM 202040h 34' 19''00h 31' 43''00h 01' 00''
52MATTHIAS WALKNERBULL KTM FACTORY TEAM40h 37' 36''+ 00h 35' 00''
616LUCIANO BENAVIDESRED BULL KTM FACTORY TEAM40h 40' 10''00h 37' 34''
712JOAN BARREDA BORTMONSTER ENERGY HONDA TEAM 202040h 53' 33''+ 00h 50' 57'00h 15' 00''
822FRANCO CAIMIENERGY YAMAHA RALLY TEAM41h 45' 11''+ 01h 42' 35''00h 05' 00''
959SKYLER HOWESRACING 42h 06' 37''02h 04' 01''
106ANDREW SHORTROCKSTAR ENERGY HUSQVARNA FACTORY RACING42h 13' 16''+ 02h 10' 40''00h 30' 00''

Alle Berichte zur Rallye Dakar 2020:

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Bericht vom 18.01.2020 | 5.699 Aufrufe

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