News: So entsteht der Schmitt Sportfreund MK2 60: CNC, Handarbeit und Qualitätskontrolle

Vom Rohteil zum fertigen Zylinder: So entsteht ein Schmitt Sportfreund MK2 60

Ein fertiger Simson-Zylinder sieht erstaunlich unspektakulär aus: Kühlrippen, Bohrung, Einlass, Auslass und ein paar Kanalfenster. Hinter diesen scheinbar simplen Formen steckt beim Schmitt Sportfreund MK2 60 jedoch eine Fertigungskette, in der Hundertstelmillimeter eine Rolle spielen.

Schmitt nennt für den aktuellen MK2 60 ungewöhnlich konkrete Prozessdaten: einen T6-wärmebehandelten AlSi12-Zylinderkörper, eine Grauguss-Laufbahn, CNC-gefräste Kanalfenster mit ±0,03 mm Positionstoleranz, manuelles Entgraten, Ultraschallreinigung, temperierte Kolben-Zylinder-Paarung auf 0,03 mm Einbauspiel und eine Stichprobenprüfung mit Koordinatenmessmaschine.

Das ist deutlich aussagekräftiger als ein simples Schlagwort wie „Premium“ oder „Racing“.

Wir verfolgen deshalb den dokumentierten Weg des Sportfreund MK2 60 Schritt für Schritt – von der Materialbasis bis zum fertigen Zylinderkit.

Vorweg: Was über die Fertigung dokumentiert ist – und was nicht

Eine saubere technische Betrachtung muss zwischen bekannten Prozessschritten und nicht veröffentlichten Produktionsdetails unterscheiden.

Öffentlich beziehungsweise in den technischen Produktdaten dokumentiert sind beim MK2 60:

  • Zylinderkörper aus AlSi12, T6-wärmebehandelt,
  • Grauguss-Laufbahn,
  • Kokillenguss-Zylinderkopf aus AlSi12, T6-wärmebehandelt,
  • CNC-Fräsen der Kanalfenster,
  • ±0,03 mm Positionstoleranz der Kanalfenster,
  • manuelles Entgraten,
  • Nacharbeit der Kanalübergänge bei Bedarf,
  • Ultraschallreinigung,
  • Entfettung und Konservierung,
  • temperierte Vermessung von Zylinder und Kolben,
  • Paarung auf 0,03 mm Einbauspiel,
  • Stichprobenprüfung 1:10 im temperierten Messraum mit Koordinatenmessmaschine.

Nicht detailliert öffentlich beschrieben sind dagegen sämtliche vorgelagerten Gießerei-, Rohteil- und Werkzeugprozesse.

Dieser Artikel erfindet diese Schritte deshalb nicht hinzu, sondern konzentriert sich auf die tatsächlich dokumentierte Fertigung.

Schritt 1: Das Materialkonzept

Beim Sportfreund MK2 60 besteht nicht der gesamte Zylinder aus massivem Grauguss.

Das ist eine wichtige Unterscheidung.

Dokumentiert ist:

Bauteil Werkstoff
Zylinderkörper AlSi12, T6-wärmebehandelt
Laufbahn Grauguss
Zylinderkopf Kokillenguss AlSi12, T6-wärmebehandelt
Kolben AlSi18, wärmebehandelt

Damit kombiniert der MK2 60 unterschiedliche Werkstoffe für unterschiedliche Aufgaben.

Aluminium für den Zylinderkörper

Aluminiumlegierungen besitzen eine hohe Wärmeleitfähigkeit und ermöglichen gleichzeitig vergleichsweise leichte Bauteile.

Beim MK2 60 wird dafür AlSi12 eingesetzt.

Die angegebene T6-Wärmebehandlung beschreibt einen definierten Wärmebehandlungszustand der Aluminiumlegierung, mit dem bestimmte Werkstoffeigenschaften eingestellt werden.

Grauguss für die Laufbahn

Die eigentliche Reibpaarung des Kolbens arbeitet beim MK2 60 auf einer Grauguss-Laufbahn.

Damit verbindet Schmitt ein klassisches Laufbahnmaterial mit einem Aluminium-Zylinderkörper.

Das unterscheidet den MK2 auch klar von der früheren Sportfreund Vertex-/Almot-Generation mit hartbeschichteter Laufbahn.

Schritt 2: Die grundlegende Zylindergeometrie

Der MK2 60 besitzt:

  • 60 ccm Hubraumklasse,
  • 41 mm Bohrung,
  • M500-Motorbasis.

Doch diese Nennwerte allein beschreiben noch nicht, wie der Motor später arbeitet.

Für einen Zweitakter sind insbesondere die Kanalgeometrien relevant.

Der Kolben selbst öffnet und schließt die Kanalfenster. Ihre Position beeinflusst deshalb unmittelbar die realen Steuerzeiten.

Schritt 3: Die Kanalfenster werden CNC-gefräst

Genau hier setzt einer der wichtigsten dokumentierten Fertigungsschritte an.

Beim Sportfreund MK2 60 werden die Kanalfenster der Laufbuchse laut Schmitt serienmäßig CNC-gefräst.

Das Ziel ist nicht einfach, dass irgendwo eine Öffnung im Material entsteht.

Relevant sind:

  • Position,
  • Form,
  • Übergang zur Kanalführung,
  • Reproduzierbarkeit von Zylinder zu Zylinder.

Warum gerade die Position eines Kanalfensters kritisch ist

Beim Zweitaktmotor bewegt sich die Kolbenkante an den Fenstern vorbei.

Damit hängt der Öffnungszeitpunkt eines Kanals geometrisch von seiner Position ab.

Liegt beispielsweise ein Auslassfenster höher oder tiefer als konstruktiv vorgesehen, verändert sich der Zeitpunkt, zu dem der Kolben dieses Fenster freigibt.

Damit können sich auch die realen Steuerzeiten verändern.

Für einen Serien-Tuningzylinder ist deshalb nicht nur wichtig, eine gute Geometrie zu entwickeln.

Die entwickelte Geometrie muss auch von Zylinder zu Zylinder möglichst reproduzierbar entstehen.

Schritt 4: ±0,03 mm Positionstoleranz

Schmitt gibt für die CNC-gefrästen Kanalfenster eine Positionstoleranz von ±0,03 mm an.

Das sind drei Hundertstel Millimeter in beide Richtungen um die konstruktiv vorgesehene Position.

Wichtig ist, was diese Zahl bedeutet – und was nicht.

Sie bedeutet:

Die Position der betreffenden Kanalfenster soll innerhalb eines sehr engen definierten Bereichs reproduziert werden.

Sie bedeutet nicht:

  • dass jede einzelne Dimension des gesamten Zylinders ±0,03 mm Toleranz besitzt,
  • dass dadurch automatisch eine bestimmte Leistung entsteht,
  • dass ±0,03 mm das Einbauspiel des Kolbens beschreiben.

Gerade der letzte Punkt ist wichtig, denn beim MK2 60 taucht die Zahl 0,03 mm an zwei unterschiedlichen Stellen auf.

Zwei 0,03-mm-Angaben – zwei vollkommen unterschiedliche Funktionen

Angabe Funktion
±0,03 mm Positionstoleranz der CNC-gefrästen Kanalfenster
0,03 mm gepaartes Einbauspiel zwischen Kolben und Zylinder

Beide Werte beschreiben Präzision, aber an völlig unterschiedlichen Stellen des Motors.

Schritt 5: CNC allein reicht nicht – danach folgt Handarbeit

Eine häufige Vorstellung moderner Fertigung lautet: Je hochwertiger das Bauteil, desto weniger Menschen dürfen es während der Produktion anfassen.

Das ist bei komplexen Kanalgeometrien nicht zwingend sinnvoll.

Schmitt gibt beim MK2 60 ausdrücklich an, dass jeder Zylinder nach der maschinellen Bearbeitung von Hand entgratet wird.

Zusätzlich werden die Kanalübergänge bei Bedarf nachgearbeitet.

Warum müssen Kanalfenster entgratet werden?

Kolben und Kolbenringe bewegen sich bei jeder Kurbelwellenumdrehung an den Kanalfenstern vorbei.

Scharfe Bearbeitungskanten oder Grate sind dort unerwünscht.

Ein sauberer Übergang kann dabei helfen, dass:

  • Kolbenringe sauber über die Fenster laufen,
  • keine störenden Grate verbleiben,
  • die Kanalübergänge sauber ausgeführt sind.

Die Kombination lautet deshalb:

CNC für reproduzierbare Grundgeometrie – Handarbeit für das Finish.

Warum „von Hand nachgearbeitet“ nicht automatisch „unpräzise“ bedeutet

Manuelle Nacharbeit hat in der Tuning-Szene teilweise einen merkwürdigen Ruf.

Entweder wird sie romantisiert – jeder Zylinder müsse individuell von einem „Tuner“ bearbeitet werden – oder sie wird als Zeichen schlechter Serienproduktion betrachtet.

Beides ist zu pauschal.

Die entscheidende Frage lautet:

Welche Arbeit übernimmt die Maschine und welche Arbeit ist für das Finish vorgesehen?

Beim MK2 60 ist die Kanalposition maschinell definiert. Die Handarbeit folgt anschließend zur Entgratung und gegebenenfalls Optimierung der Übergänge.

Schritt 6: Ultraschallreinigung

Spanende Bearbeitung erzeugt Rückstände.

Feine Partikel, Bearbeitungsreste oder Verschmutzungen gehören jedoch nicht in einen frisch aufgebauten Zweitaktmotor.

Deshalb nennt Schmitt nach der mechanischen Nacharbeit eine Ultraschallreinigung.

Bei einer Ultraschallreinigung können Schwingungen in der Reinigungsflüssigkeit auch schwer zugängliche Bereiche erreichen.

Gerade bei einem Zylinder mit:

  • Kanälen,
  • Fenstern,
  • Bohrungen,
  • komplexen Übergängen

ist das sinnvoller als eine rein oberflächliche Reinigung.

Warum Reinigung ein technischer Prozessschritt ist

Ein frisch bearbeiteter Zylinder kann optisch sauber aussehen und trotzdem Partikel enthalten.

Ein Metallspan im Motor ist jedoch keine kosmetische Frage.

Fremdkörper können:

  • Laufbahn und Kolben beschädigen,
  • Kolbenringe beeinträchtigen,
  • in andere Motorbereiche gelangen.

Deshalb gehört die Reinigung zur Fertigungsqualität und nicht erst zur Verpackung.

Schritt 7: Entfettung und Konservierung

Nach der Ultraschallreinigung nennt Schmitt zwei weitere Schritte:

  • Entfettung,
  • Konservierung.

Der Zylinder soll damit nicht nur bearbeitet, sondern auch in einem geeigneten Zustand für Lagerung, Transport und spätere Montage gebracht werden.

Besonders die Grauguss-Laufbahn ist dabei ein Bereich, der vor ungünstigen Umwelteinflüssen geschützt werden soll.

Schritt 8: Der passende Kolben

Ein Zylinder ohne passenden Kolben ist nur die Hälfte des Systems.

Beim MK2 60 verwendet Schmitt einen eigenen 2-Ring-Kolben aus wärmebehandeltem AlSi18.

Dokumentiert ist außerdem eine speziell entwickelte Kolbenkontur.

Sie ist laut Schmitt auf:

  • hohe thermische Reserven,
  • geringe Neigung zum Festfahren

ausgelegt.

Das ist besonders relevant, weil ein Kolben während des Betriebs seine Form und Abmessungen durch Erwärmung verändert.

Schritt 9: Kolben und Zylinder werden temperiert vermessen

Wer Maßunterschiede von wenigen Hundertstelmillimetern kontrollieren möchte, muss die Temperatur berücksichtigen.

Metallische Bauteile dehnen sich mit steigender Temperatur aus.

Deshalb kann ein gerade bearbeitetes oder erwärmtes Bauteil geringfügig andere Abmessungen besitzen als nach einem Temperaturausgleich.

Schmitt gibt beim MK2 60 deshalb ausdrücklich an, Zylinder und Kolben temperiert zu vermessen.

Schritt 10: Paarung auf 0,03 mm Einbauspiel

Nach der Vermessung werden Kolben und Zylinder auf ein dokumentiertes Einbauspiel von 0,03 mm gepaart.

Der Begriff „gepaart“ ist entscheidend.

Serienfertigung produziert reale Bauteile immer innerhalb definierter Toleranzfelder.

Dadurch können beispielsweise zwei technisch einwandfreie Kolben geringfügig unterschiedliche Istmaße besitzen.

Dasselbe gilt für Laufbahnen.

Durch die Paarung wird nicht nur gefragt:

„Ist dieser Kolben korrekt?“

und:

„Ist dieser Zylinder korrekt?“

Sondern zusätzlich:

„Ergibt genau diese Kombination das gewünschte Funktionsspiel?“

Warum das Einbauspiel so entscheidend ist

Ist das Spiel unter Betriebsbedingungen zu klein, kann der erwärmte Kolben zunehmend Kontakt zur Laufbahn bekommen.

Das kann zu:

  • erhöhter Reibung,
  • zusätzlicher Wärme,
  • Fressspuren,
  • Klemmer oder Fresser

führen.

Zu großes Spiel ist ebenfalls nicht optimal und kann unter anderem Kolbenführung, Geräuschverhalten und Verschleiß ungünstig beeinflussen.

Das Ziel ist daher nicht möglichst eng oder möglichst weit, sondern das zur konkreten Konstruktion passende Spiel.

0,03 mm sind kein universeller Simson-Wert

Die dokumentierten 0,03 mm gelten konkret für den Sportfreund MK2 60 mit seinem:

  • AlSi18-Kolben,
  • definierten Kolbenprofil,
  • Grauguss-Laufbahnsystem,
  • thermischen Gesamtkonzept.

Die Zahl darf deshalb nicht pauschal auf:

  • MK2 50,
  • MK2 PLUS,
  • andere Schmitt-Zylinder,
  • beliebige Simson-Zylinder

übertragen werden.

Schritt 11: Stichprobenprüfung mit Koordinatenmessmaschine

Schmitt dokumentiert für den MK2 60 außerdem eine Stichprobenprüfung im Verhältnis 1:10.

Diese findet in einem temperierten Messraum mit einer Koordinatenmessmaschine statt.

Eine Koordinatenmessmaschine dient dazu, reale Bauteilgeometrien an definierten Punkten präzise zu erfassen und mit den konstruktiven Sollwerten zu vergleichen.

Damit lässt sich kontrollieren, ob der Fertigungsprozess weiterhin innerhalb der vorgesehenen Grenzen arbeitet.

Was bedeutet „1:10“ genau?

Die Angabe sollte nicht falsch interpretiert werden.

Sie beschreibt laut Schmitt die Stichprobenprüfung mit Koordinatenmessmaschine.

Sie bedeutet nicht automatisch:

„Nur jeder zehnte Zylinder wird überhaupt kontrolliert.“

Die dokumentierte Aussage ist konkreter:

Während der Fertigung erfolgt eine 1:10-Stichprobenprüfung im temperierten Messraum mit Koordinatenmessmaschine.

Über weitere interne Prüfungen sollte ohne zusätzliche Dokumentation nicht spekuliert werden.

Warum Stichproben in der Serienfertigung sinnvoll sind

Eine vollständige hochpräzise Koordinatenvermessung jedes einzelnen Zylinders wäre zeitintensiv.

In einem kontrollierten Serienprozess kann eine definierte Stichprobe dazu genutzt werden, die Stabilität des Fertigungsprozesses zu überwachen.

Das Prinzip lautet vereinfacht:

  1. Prozess definieren.
  2. Bauteile reproduzierbar fertigen.
  3. Ist-Geometrie regelmäßig hochpräzise kontrollieren.
  4. Abweichungen erkennen, bevor sie zum Serienproblem werden.

Vom technischen Bauteil zum vollständigen Kit

Nach Bearbeitung, Finish, Reinigung und Kontrolle wird der Zylinder nicht allein verkauft.

Zum MK2-60-Kit gehören dokumentiert:

  • 1x Sportfreund MK2 Zylinder 60 ccm / 41 mm
  • 1x Kokillenguss-Zylinderkopf
  • 1x Zylinderkopfdichtung
  • 1x Schmitt 2-Ring-Kolben
  • 1x Kolbenbolzen
  • 2x Kolbenringe
  • 2x Kolbenbolzen-Sicherungsclips
  • 1x Zündkerze
  • 1x Dichtungssatz
  • 1x Montagesatz mit Stehbolzen, Muttern und Kleinteilen

Damit entsteht aus dem bearbeiteten Zylinder ein zusammengehöriges Motorenbaupaket.

Originalnahe Optik, moderne Bearbeitung

Ein interessanter Kontrast beim MK2 60 liegt zwischen Außenwirkung und Fertigung.

Schmitt beschreibt die Gestaltung bewusst als originalnah und unauffällig.

Auch der Einlassflansch bleibt außen seriennah gestaltet, während konstruktiv Raum für einen Einlassquerschnitt bis 26 mm vorhanden ist.

Gleichzeitig stehen hinter dem Bauteil:

  • CNC-Bearbeitung,
  • Hundertstelmillimeter-Toleranzen,
  • temperierte Vermessung,
  • Koordinatenmesstechnik.

Das Ergebnis soll also nicht über eine möglichst spektakuläre Außenform auffallen.

Die technische Arbeit steckt überwiegend dort, wo sie im montierten Motor kaum sichtbar ist.

Warum Fertigungsqualität nicht automatisch mehr PS bedeutet

Auch nach all diesen Prozessschritten wäre es falsch zu behaupten:

„±0,03 mm bedeutet automatisch mehr Leistung.“

Präzise Fertigung kann vielmehr helfen, die entwickelte Zylindergeometrie reproduzierbar umzusetzen.

Wie viel Leistung der Motor anschließend tatsächlich erzeugt, hängt weiterhin von zahlreichen Faktoren ab:

  • Zylindergeometrie,
  • Verdichtung,
  • Vergaser,
  • Ansaugung,
  • Zündung,
  • Auspuff,
  • Montage und Abstimmung.

Beim MK2 60 positioniert Schmitt das Ergebnis deshalb auch nicht primär über einen maximalen Prüfstands-Peak, sondern über frühes Drehmoment und ein breites alltagstaugliches Leistungsband.

Die Fertigungskette des MK2 60 im Überblick

Schritt Dokumentierter Prozess Ziel
1 AlSi12-T6-Zylinderkörper + Grauguss-Laufbahn definiertes Materialkonzept
2 CNC-Fräsen der Kanalfenster reproduzierbare Kanalgeometrie
3 ±0,03 mm Positionstoleranz kontrollierte Fensterposition
4 manuelles Entgraten saubere Bearbeitungskanten
5 Kanalübergänge bei Bedarf nacharbeiten saubere Übergänge
6 Ultraschallreinigung Bearbeitungsrückstände entfernen
7 Entfettung und Konservierung Bauteil für Lagerung und Montage vorbereiten
8 Kolben und Zylinder temperiert vermessen kontrollierte Messbedingungen
9 Paarung auf 0,03 mm Einbauspiel definierte Kolbenführung und thermische Reserve
10 1:10-Stichprobe mit Koordinatenmessmaschine Fertigungsprozess geometrisch überwachen

Was muss der Motorenbauer trotzdem selbst kontrollieren?

Auch ein dokumentiert präzise gefertigter Zylinder macht die Werkstattkontrolle nicht überflüssig.

Vor der Inbetriebnahme nennt Schmitt unter anderem:

  • Quetschkante,
  • Ringstoß,
  • Dichtflächen,
  • Freigängigkeit aller bewegten Bauteile.

Hinzu kommt die Abstimmung von:

  • Vergaser,
  • Zündung,
  • Auspuffanlage.

Der Grund ist einfach:

Der Hersteller kann Zylinder und Kolben kontrollieren.

Er kann aber nicht im Voraus wissen, in welchem Zustand sich:

  • dein Motorgehäuse,
  • deine Kurbelwelle,
  • deine Dichtflächen,
  • dein Vergaser oder
  • deine Zündanlage

befinden.

Was unterscheidet Fertigung von Marketing?

Viele Produktbeschreibungen enthalten Begriffe wie:

  • High Performance,
  • Premium,
  • Competition,
  • Racing Quality.

Diese Wörter können zutreffen, sind aber nicht messbar.

Technisch interessanter sind Angaben wie:

  • Werkstoff,
  • Bearbeitungsverfahren,
  • Toleranz,
  • Einbauspiel,
  • Messverfahren,
  • Prüfrhythmus.

Genau darin liegt eine der interessantesten Eigenschaften des Sportfreund MK2 60.

Die Qualitätsargumentation wird nicht nur über Adjektive geführt, sondern über konkrete Prozessparameter.

Der nächste sinnvolle Test: Fertigungsstreuung empirisch prüfen

Ein wirklich interessanter unabhängiger MK2-Test müsste deshalb nicht nur einen einzelnen Zylinder auf den Prüfstand stellen.

Technisch spannender wäre ein Serienvergleich mehrerer Exemplare.

Zum Beispiel:

  1. fünf oder zehn neue MK2-60-Zylinder beschaffen,
  2. Bohrungen dokumentieren,
  3. Kolbendurchmesser erfassen,
  4. reales Einbauspiel vergleichen,
  5. Kanalfensterpositionen vermessen,
  6. Steuerzeiten vergleichen,
  7. anschließend identische Prüfstands-Setups testen.

Damit könnte man untersuchen, wie reproduzierbar die Serie in der Praxis tatsächlich ist.

Für einen Serien-Tuningzylinder wäre genau das eine sehr aussagekräftige Qualitätsprüfung.

Fazit: Präzision entsteht als Prozess, nicht als Aufkleber

Der Sportfreund MK2 60 zeigt gut, wie viele unterschiedliche Arbeitsschritte hinter einem scheinbar einfachen Simson-Zylinder stehen können.

Das dokumentierte Konzept beginnt mit einem T6-wärmebehandelten AlSi12-Zylinderkörper und einer Grauguss-Laufbahn.

Die Kanalfenster werden CNC-gefräst und mit ±0,03 mm Positionstoleranz gefertigt.

Danach folgen:

  • manuelles Entgraten,
  • Nacharbeit der Kanalübergänge bei Bedarf,
  • Ultraschallreinigung,
  • Entfettung,
  • Konservierung.

Kolben und Zylinder werden anschließend temperiert vermessen und auf 0,03 mm Einbauspiel gepaart.

Die Fertigung wird zusätzlich durch eine 1:10-Stichprobenprüfung im temperierten Messraum mit Koordinatenmessmaschine überwacht.

Keine dieser Maßnahmen erzeugt allein automatisch mehr PS.

Aber zusammen erfüllen sie eine andere, für einen Serien-Tuningzylinder entscheidende Aufgabe:

Die Konstruktion soll nicht nur einmal funktionieren – sie soll möglichst reproduzierbar als reales Bauteil entstehen.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer guten Idee auf dem CAD-Bildschirm und einem guten Zylinder im Motor.

Präzision ist beim Sportfreund MK2 60 deshalb kein einzelnes Maß. Sie ist eine Prozesskette.

Schmitt Sportfreund MK2 60 ansehen

Sportfreund MK2 60 bei Racing Planet
60 ccm, 41 mm, Grauguss-Laufbahn und dokumentierter Fertigungsprozess.

Sportfreund MK2 60 bei Schmitt Tuning
Technische Daten, Fertigungsdetails und Lieferumfang.

Schmitt Zylinderübersicht
Sportfreund MK2, weitere Zylinderkonzepte und Detailansichten.

Schmitt Zylindervergleich
MK2 50, MK2 PLUS, MK2 60 und weitere Schmitt-Zylinder gegenüberstellen.

Hinweis: Die beschriebenen konkreten Fertigungsparameter beziehen sich auf den Schmitt Sportfreund MK2 60. Sie dürfen nicht ohne separate technische Dokumentation auf andere Zylinder oder MK2-Varianten übertragen werden. Vor der Inbetriebnahme sind die Montage- und Abstimmvorgaben des verwendeten Motors und der eingesetzten Komponenten zu beachten. Motoränderungen können zudem Auswirkungen auf Betriebserlaubnis und Zulässigkeit haben.

Eingetragen am: 08.09.2026

Alle Angaben ohne Gewähr.
Tippfehler und Irrtümer vorbehalten.