RevTech-Harley VS-Custom

RevTech-Harley VS-Custom

Old but white - Harley aus Nabburg

UK-Synthie-Player Paul Hardcastle gelang mit seiner Synthese aus Electro-Pop und US-politischem Songtext mit „19“ ein Aufsehen erregender Erfolg als Symbiose von Musik und Gesellschaftskritik. Gegebene Elemente im neuen Kontext können also die Welt bewegen und zu ganz neuen Sichtweisen führen. Mehr als drei Dekaden später erwächst uns nach dieser Erkenntnis da aus dem tiefsten Süden der Republik einer heran, der jenseits jeglicher Konventionen Motorräder der außergewöhnlichen Art inszeniert. In der von vielen „seriösen“ Motorradfahrern und Customizern verächtlich betrachteten Streetfigher-Szene verdiente sich Markus Fritsch einst die ersten Lorbeeren.

Der nun Mittdreißiger aus Nabburg stellte nach effektiv genutzten Lehr- und Gesellenjahren als Kfz-Mechaniker bereits mit seinem Lehrstück seine Fähigkeiten zum Customizer unter Beweis: Mit neuen Design-Elementen an einem Serien-Kraftrad, indem er damals bereits einem unscheinbaren Einzylinder ein individuell gestyltes Äußeres verlieh und auch das Triebwerk reichlich auf Trab brachte. Ordentlich Gas gab der Fritschi in seiner Beginner-Phase auch bei diversen Streetfighter-Treffen, ließ dort die Pellen kreise-weise galant per Donuts im Winde verglühen. Doch heimlich schlägt sein Herz für die Supersport-Bikes und der Rennsport-Szene. Und er denkt zudem immer öfter und mehr quer, vergreift sich zwischenzeitlich sogar an den eher spießbürgerlichen Krädern der Bayrischen Motorenwerke. Mit einem derartig ausgebufften Kalkül an Erfindungen neuer Designs werden ihm sowohl wahrlich handwerkliche als eben auch augenscheinlich künstlerische Fähigkeiten national wie international bescheinigt.

Own Style

Wenn sich einer so rasant und eigensinnig weiter entwickelt, dann macht der als Customizer irgendwann auch nicht mehr Halt vor der Low-Rider-Welt. Nahezu von einem ganz andern Stern aus betrachtet solch ein kreativer Kopf die Szene um den Harley-Kult - und was dann passiert, ist fast ehernes Gesetz: Neue Inspirationen basierend auf historischem Kontext, da kann nur eine Schöpfung mit anderen als dem üblichen Gesamteindruck heraus erwachsen. Der Fritschi ist schon länger so offen in seiner Vorgehensweise, dass er sich von seinem eingeschworenen Team inspirieren lässt.

Eine Kreation solchen Ausmaßes wie ein Custombike ist im Grunde nie die Sache eines Einzelnen – und so kam auch diese neue Materie zustande: Aus vielen Einzelteilen und vielen Gedanken und umgesetzten Ideen aller Beteiligten. Allem voran ging das statthafte Starr-Rahmen-Konzept, hier mit einem Wishbone-Chassis. Was dem gemeinen Streetfighter zur Ehre gereicht, passt mit solch einem marginalen Rundrohr-Ensemble aller bestens: Freie Sicht auf das Triebwerk. Nicht einmal schnöde Federbeine versperren die Sicht auf den Reaktor ebenso wie breite Schwingen, geschweige denn überschüssige Plastikteile. Nur authentisches Metall lässt sich vom Motor verführen, Federungskomfort gibt’s einzig und allein straight unterm Hintern am ledernen Sattel by Raff.: Der verspricht bereits in seinem Aufdruck „Racing“.

Was eine W&W-Springergabel unter Inline-geführter Gabelbrücke an einem selbstgebauten Lenker zu verkraften hat. Da wollen auch die feinen Speichenräder nicht etwa mit Wucht das Konzept unterlaufen. Den Chopper wie aus der Zeit der Altvorderen in seinem Bewegungsdrang zu Verzögern, gelingt den Wenig-Kolben-Bremsen immer noch mit Leichtigkeit. Ein 88-cubic inches Rev-Tech-Triebwerk vermag in seiner Kraftentfaltung eh nicht die Gesichtszüge seines Riders zu verzerren. Steht auch gar nicht im Absichten-Katalog dieses unter dem Namen VS-Custom veröffentlichten Stretch-Modells.

Vielmehr lässt sich der Auftraggeber zu dieser Kreation durch witzige Details wie den winzigen Scheinwerfer-Augen tief unter der Gabelbrücke mit einem Wimpernschlag in die Jetztzeit versetzen. „19“, in dem gleichnamigen Song mit Hitlisten-Erfolg das viel zu geringe Durchschnitts-Alter der im Vietnam-Krieg eingesetzten Soldaten – hier als feste Größe für sozialverträgliche Komponenten im Einklang ganz unterschiedener Betrachtungsweisen.

Wie uns die Alten sungen: Vom Underground zum Mainstream – Mit “19” erzielte eine neuartige Kombination aus bekannten Elementen bereits in den 1980er Jahren einen spektakulären Szene-Erfolg.

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sabinewelte

SABINEWELTE

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Bericht vom 17.06.2015 | 5.557 Aufrufe

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