Honda Hornet 05

In Sevilla wurde die neue kleine Hornet getestet. Upside-Down Gabel, wunderschönes Design und Anpassungen am Motor machen das Erfolgsmodell noch besser.

Honda Hornet 600 Test in Sevilla
Ich war sehr nervös. Meine erste , richtige Präsentation und die Horrorvisionen vom Benelli Weekend im Kopf. Damals übersah ich am Flughafen den Chauffeur, was in einer stundenlangen Irrfahrt endete. Diesmal hielt ich meine Augen offen und sah den dunklen Spanier mit noch dunklerer Brille. Er taxierte mich alleine im 20 Personen Bus ins Hotel. Dort kannte man meinen Namen, der Zimmerschlüssel wurde mir von Jesus überreicht (er hieß wirklich so) und um 17:00 Uhr lag ich im Doppelbett, die Fernsteuerung in der Hand und den Daumen über dem Knopf unter dem "PayTV" stand. Es kann alles so einfach sein.

Um 18:30 begann eine kurze Präsentation über die neue Hornet 600. Christophe Baillien (Manager Promotional Planning) informierte über alle technischen und optischen Neuerungen der Hornet. Danach ging's zum wichtigen Teil über - ins Restaurant Bacho zum Abendessen.

Was? Wer schielt? Habe mir das Chamäleon-
Auge extra implantieren lassen, um den Ausgang
von Rechtskurven besser einsehen zu können.
Einschneiden in gediegener Atmosphäre.

 

Der Test

Am nächsten Morgen um 8:30 trafen wir uns wieder im Präsentationsraum, wo die Straßenkarten verteilt und die Route kurz besprochen wurde. Vor dem Hotel warteten ungefähr 15 orange Hornets, jede mit einer Nummer versehen. Meine trug die Nummer 2. Woher wußten die, daß ich der Zweitschnellste bin?

Die Schlüssel steckten schon und die Maschinen wurden gestartet. Ein bedrohlicher Sound läßt die Luft vibrieren, als würde ein riesiger Hornissenschwarm zum Angriff ansetzen, um deinen Kopf in eine rote, äußerst seltene Wassermelone zu verwandeln. Hier und heute sind die Hornissen zwar nicht viele, aber dafür sind sie riesengroß. Als ich mich auf den Bock schwinge, kommt mir das Motorrad sofort vertraut vor. Ich denke nicht: "Aha, so ist das also.." sondern "JA, genauso muss es sein!" Diese selbstverständliche und klare Persönlichkeit ist es, was die Hornet so erfolgreich und beliebt gemacht hat. Kein Wunder also, daß sie das meistverkaufte Motorrad von 2001 bis 2003 war.

Arge Action. Ich beim Geradeausfahren. Erste Pause nach 10 Kilometer
Als das Geschwader den Bau verläßt, habe ich ein gutes Gefühl. Ich bin nun nicht mehr allein und ziehe als einsamer Kämpfer meine Runden, so wie ich es das ganze letzte Jahr getan habe, und fühle mich das erste Mal so als hätte ich sowas wie Freunde. Schon in der Stadt teilte sich die Armee in schlanke drei bis sechs Mann Gruppen auf, die sich in alle Himmelsrichtungen verstreuten. Das Ziel ist dasselbe, die einzelnen, selbstgewählten Routen sind unterschiedlich, jeder hat seine eigene Taktik. Wir wüten durch den Verkehr, fahren eine komplett eigene Linie, die nicht durch Bodenmarkierungen oder Ampeln gekennzeichnet und beschränkt ist. Die Hornissen sind jederzeit bereit zuzustechen, ständig bleiben andere Verkehrsteilnehmer wie vom Giftstachel gelähmt zurück. Die meisten kapitulieren und weichen nach rechts aus. Habe ich in dieser Konsequenz in Österreich noch nicht erlebt. Habe auch noch nicht erlebt, wie konsequent nicht durchgegriffen wird, wenn man zweimal mit 140 an einem Polizeiwagen durch die 70er Beschränkung rauscht. Das ist echt entspanntes Fahren. Wieso ist nicht immer Motorradpräsentation?

In der Stadt hat man mit der Hornet leichtes Spiel. Schlanke Abmessungen, konkret am Gas und irrsinnig leicht zu manövrieren. Genauso unkompliziert wie ein Scooter, zieht aber klarerweise viel vehementer an und vernichtet so Vieles.

Ich fuhr in der Gruppe mit Waltraud Seiner, Trixi Keckeis und Kanji Hayashi (Technical LPL) als Tourguide. Nach der ersten Pause schloss sich uns noch die Balaton Combo an, zwei sympathische Ungarn. Von da an begann der kurvige Teil der Strecke in hügeligem Gebiet. Auch hier agierte die Hornet optimal. Sie verfügt über genug Kraft um hektisches Schalten zu vermeiden und punktet mit problemlosem und präzisem Handling. Eine wichtige Neuerung wurde mir jetzt bewußt: Der neue Sitzbanküberzug, der den Allerwertesten fest im Sattel hält. An den Seiten wurde das gleiche Material wie beim Vorgängermodell verwendet, die Sitzoberflächen wurden mit rutschbeständigem Material überzogen. Vor dem Sozius befindet sich außerdem ein kleiner Buckel, der verhindert, daß dir die Freundin beim harten Ankern ins Kreuz fährt.

Nach einiger Zeit trafen wir an unserem Treffpunkt ein. Eine Art Lokal in einer Art Steinbruch neben einer Art Reptilienzoo. Dort wurde Koffein und Nikotin getankt und auf den Fotografen gewartet, der einen nach dem anderen zum Fototermin holte. Vor dem Mittagessen schloss ich mich den beiden Ungarn noch zu einer kleinen Ausfahrt an. Einer recht kompetent und die halbe Zeit am Hinterrad unterwegs, der andere eher meine Preisklasse, also unter(st)es Niveau. Sie fuhren ein flottes Tempo, ich konnte aber die meiste Zeit mithalten. Dabei hat mir die Hornet doch sehr geholfen. Sie verhält sich ruhig und macht die Strassenverhältnisse transparenter. Bei forscherer Gangart wurden die Verbesserungen durch die Up-Side-Down Gabel deutlich.
Als wir zurückkehrten waren die anderen gerade beim zweiten Fototermin und wir konnten in Ruhe Mittag essen.

Balaton Combo1 beim Studieren der Straßenkarte. Balaton Combo2 beim Ausfüllen des Fragebogens.
Fast alle Hornissen  wurden in der Farbe "Bombay Orange Metallic" ausgegeben. Alle waren begeistert und sich einig: Diese Farbe wird einschlagen wie eine Bombay.

Habe den Kurven-Foto-Termin irgendwie verschlafen, weil ich mit der Balaton Combo unterwegs war. Als Zonko, Karin und Beatrix zurück kamen, war der Fotograf schon weg. Deshalb hat mir Karin Mairitsch mit den Fotos ausgeholfen. Schaut ja auch viel ästhetischer aus.

 

Neuerungen an Design, Fahrwerk und Perfomance

Das beste an der Hornet ist, daß sie genau das darstellt und erfüllt, was von ihr erwartet wird. Sie wird den an sie gestellten Ansprüchen in jeder Weise gerecht. Die Hauptgründe für den Kauf einer Hornet (Alter 20-30) waren Design und Performance, und von fast 40 Prozent der Käufer wird sie hauptsächlich zum "Spaßfahren" verwendet. Das Aussehen und die Leistung sind auch die beiden Eigenschaften, mit denen die Fahrer am zufriedensten waren. Man forderte lediglich Verbesserungen an der Gabel und eine Überarbeitung im Design. Beiden Kundenwünschen wird Honda mit dem neuen Modell gerecht.

Design

Besonders auffallend, abgesehen von der Farbe, ist die Armaturenverkleidung, die keineswegs nur optischen Zwecken dient. Bei ungefähr 150 - ohne jeglichen Windschutz schon leichte Schmerzen verursachend - nimmt dieses Minimalschild spürbar Druck von der Brust, sogar bei so einem Schrank wie mir. Weiters wurde die Instrumenteneinheit verbessert. Neben dem analogen Drehzahlmesser befindet sich eine gut ablesbare LCD-Anzeige mit einer 6-teiligen Tankanzeige, Kilometerzähler, Tachometer, Öl- und Kühlwassertemperatur-anzeige sowie einer Digitaluhr, die auch zum Stoppen (Stunden und Minuten) verwendet werden kann. Ein kleines Highlight: Beim Starten schlägt der Drehzahlmesser voll aus und geht dann wieder in Nullstellung während die Digitalanzeige von der Vollanzeige einen schnellen Countdown herunterzählt.


Sehr markant ist auch der neue Tank, der um den Tankdeckel einen schmalen Höcker bekommen hat, wodurch die somit entstandenen Seitenteile im Profil schnittiger wirken. Die neue Farbe Bombay Orange Metallic kam sehr gut an und war das Thema Nr. 1. Wird sowohl bei Motorradfahrern als auch Nichtfahrern Eindruck machen.
Passend dazu ist die neue Upside-Down Gabel gold eloxiert.

Fahrwerk

Die neue Upside-Down-Gabel wirkt nicht nur auf den Betrachter, sondern auch auf den Fahrer. Die Gabel entspricht in ihrer Grundkonfiguration der der neuen CBR600RR, ist aber auf der Hornet vielseitiger eingestellt um sich den unterschiedlichsten Straßenverhältnissen anpassen zu können.

Durch den Einsatz der neuen Gabel mußten auch neue Gabelbrücken verbaut und Modifikationen am Rahmen im Lenkkopfbereich gemacht werden. Die vordere Radabdeckung wurde ptisch angeglichen.

Performance

Als Triebwerk wird weiterhin das bewährte Aggregat des Vorgängermodells, also eine Abwandlung des 98er CBR600F Motors, eingesetzt. Er wurde ganz im Zeichen des Mehr-Spass-Faktors im unteren und mittleren Drehzahlbereich auf besseren Durchzug abgestimmt. Auch die Ansaugkanäle wurden modifiziert. Entscheidend ist auch die Zündanlage mit unterschiedlichen Zündkennfeldern für innere und äußere Zylinder. Dadurch wird eine linearere Leistungsentfaltung und eine direktere Leistungscharakteristik erreicht. Das spürt man besonders bei plötzlichen Manövern.

Die Höchstgeschwindigkeit testeten wir auf dem Rückweg. Zonko war diesmal der Anführer und er wählte den weg über die Autobahn. Ich erreichte am Tacho nur die 200er Marke, Zonko 220 und Trixi Keckeis war angeblich noch schneller. Also mehr als ausreichend und auf einem Naked-Bike ohnehin nicht schmerzfrei fahrbar.

CBF 600 und CB600F Hornet

Letztes Jahr dachte ich noch, die CBF600 sei der Hornet womöglich zu ähnlich, doch nach der ersten Testfahrt wurde mir klar, daß der Unterschied doch ein großer ist. Besonders im Design wurden die unterschiedlichen Ambitionen noch deutlicher herausgestrichen. Im Gegensatz zum kantigen, durch einen mittleren Höcker dreigeteilten Tank, wirkt der Tank der CBF eher bauchig und rund. Die Haltung auf der Hornet ist gebückter und impliziert den Drang vorwärts, dennoch sitzt man entspannt und spart sich für längere Zeit das Geld für den Physiotherapeuten, das man besser in eine Thaimassage investiert. Die Leistungsentfaltung bei der CBF ist eher gemäßigt und stressfrei, bei der Hornet direkter und konkret. Ich war beim ersten Gasaufdrehen überrascht. Aber was mir am Anfang noch ungewohnt vorkam, erleichterte das Fahren später ungemein, weil man nicht ständig am Griff reissen muß, wie früher an den Haaren des kleinen Bruders, damit was weitergeht. Zu guter Letzt ist natürlich das Fahrwerk erheblich straffer ausgelegt, eignet sich aber immer noch für sportliche Touren. Die Hornet wäre nach der CBF eigentlich der nächste, logische Schritt für mich. Ich überspringe aber eine Evolutionsstufe und steige gleich auf die CBR 600RR um.


Fun-Activity: Kartfahren


Zonko vor seinem Siegesrun.


kot bei der Jagd auf die Bestzeit. Man darf nicht alle Curbs nehmen.

Nach dem Mittagessen durften wir auf dem Kurs neben dem Lokal kartfahren. Die Zeit, die es zu schlagen galt, wurde zuvor von Kanji Hayashi mit einer Hornet vorgelegt und lag bei ungefähr 31 Sekunden. Daß die schnellste von uns (Zonko) gefahrene Zeit mit dem 200ccm Kart lediglich 35 Sekunden betrug, zeigt nicht nur, was für ein irrer Kaiser Herr Hayashi sein muss, sondern was mit einer Hornet alles möglich ist und wie intensiv sie im Winkelwerk wüten kann. Noch bedenklicher wurde es, als mir die zwei spanischen Strecken-Chiefs erklärten, daß die absolute Bestzeit bisher 30 Sekunden* beträgt. Ein Mann mit Motorrad auf einer irrsinnig kurzen und engen Strecke um 4 Sekunden schneller als ein spanischer Lokalmatador in einem Kart - ein Schocker.

*Die Spanier sprachen leider weder Deutsch noch Englisch noch sonst irgendwas. Um mir die Zeit zu zeigen schrieben sie sie aber nicht normal auf einen Zettel, sondern starteten die Stoppuhr und stoppten, als die 30 Sekunden erreicht wurden.

Nach der Fun-Activity traten wir den Heimweg an und führten noch den besagten Hochgeschwindigkeits-Test durch. Am Abend besuchten wir noch ein Stierkampf-Lokal und tranken gemütlich bis 1:00 Uhr an der Hotelbar. Um 4:55 Uhr leutete der Wecker und ich war nicht froh darüber. An der Rezeption bat man mich noch, die 22 Euro für PayTV und eine Toblerone zu bezahlen. Ich erinnerte mich und war etwas traurig: Es wurde wieder nicht geheiratet.

Die Hornet in voller Montur: Flyscreen, Soziusabdeckung, Schmutzfänger hinten, Unterverkleidung, Kurbelgehäuseverkleidung. Eine optische Gewalt.

Bombay Orange Metallic Quasar Silver Metallic

Interstellar Black Metallic Matte Satin Blue Metallic
 

Alle Interessierten sollten bis spätestens Ende Mai zugeschlagen haben. Die Hornet ist jetzt im Angebot um sensationelle 6.990.-

Links

 

2005 CB600F - Technische Daten
Motor
Typ Flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, DOHC 16 Ventile mit Katalysator
Hubraum 600 cm3
Bohrung × Hub 65 × 45,2 mm
Verdichtung 12 : 1
Max. Leistung 71 kW / 12.000 min-1 (95/1/EC)
Max. Drehmoment 63 Nm / 9.500 min-1 (95/1/EC)
Leerlaufdrehzahl 1.300 min-1
Ölvolumen 4,2 Liter
Kraftstoffsystem
Gemischaufbereitung 34 mm Flachschieber-Gleichdruckvergaser
Luftfilter Papierfilter
Tankinhalt 17 Liter  (inkl. 3,3 Liter Reserve nach Warnanzeige)
Antrieb
Kupplung Nass, Mehrscheibenkupplung
Kupplungsbetätigung Mechanisch über Seilzug
Getriebe 6-Gang
Endantrieb O-Ring Kette
Rahmen
Typ Mono-Backbone aus Stahlprofil
Chassis
Abmessungen (L×B×H) 2.100 × 710 × 1.070 mm
Radstand 1.420 mm
Lenkkopfwinkel 25° 45'
Nachlauf 98 mm
Sitzhöhe 790 mm
Bodenfreiheit 140 mm
Trockengewicht 178 kg
Leergewicht 200 kg (V: 100 kg; H: 100 kg)
Maximale Zuladung 190 kg
Gesamtgewicht 390 kg (V: 140 kg; H: 250 kg)
Radaufhängung Vorne    41 mm Upside-down HMAS-Kartuschen-Teleskopgabel, 120 mm Federweg
Hinten Monoshockdämpfer mit 7-fach einstellbarer Federvorspannung, 128 mm Federweg
Räder
Typ Hohlgegossene Dreispeichen-Aluminiumräder
Felgen Vorn 17M/C × MT3,50 Hinten 17M/C × MT5,50
Reifen Vorn 120/70–ZR17M/C (58 W) Hinten 180/55–ZR17M/C (73 W)
Bremsen Vorn 296 mm-Doppelscheibenbremsen mit Doppelkolbenbremszangen und Sintermetallbelägen, schwimmende Bremsscheiben
Hinten 220 mm-einscheibenbremse mit Einkolbenbremszange und Sintermetallbelägen

Text: kot
Fotos: kot, Honda, Mairitsch

Bericht vom 16.02.2005 | 19.828 Aufrufe

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