Wohin steuert Triumph? Interview auf der EICMA 2025
James Wood über die Triumphs von morgen
Triumph startet 2026 eine große Modelloffensive. James Wood, Senior Global Product Marketing Manager von Triumph, spricht über Ziele, Balance zwischen Tradition und Innovation & Zukunft der Marke.
James Wood über Strategie, Tradition und den Blick nach vorn
Poky, 1000PS: Triumph startet 2026 eine große Modelloffensive. Was ist euer strategisches Ziel?
James Wood, Senior Global Product Marketing Manager, Triumph: Im Grunde geht es um vieles gleichzeitig. Bei Triumph wollen wir immer wachsen und neue Zielgruppen ansprechen. Das tun wir auf verschiedenen Wegen: Zum Beispiel mit der TXP-Reihe elektrischer Offroad-Bikes, die Triumph einer völlig neuen Altersgruppe näherbringt Kindern ab drei Jahren. In den letzten Jahren sind wir zudem in den Offroad-, Motocross- und Enduro-Bereich eingestiegen und haben die 660er-Baureihe erweitert. Das Ziel ist, die Marke für mehr Menschen zugänglich zu machen und Produkte für sie bereitzuhalten, während sie sich weiterentwickeln. So steigern wir Volumen und technologische Kompetenz. Da Triumph in Privatbesitz von John Bloor ist, fließen alle Gewinne direkt in Forschung und Entwicklung. Das ist unser Weg, um wettbewerbsfähig zu bleiben und das Modellportfolio stetig weiterzuentwickeln.
Poky: Mein erstes Motorrad war eine Bonneville SE. Wer an Triumph denkt, denktan die Modern Classics. Wie gelingt es diese Tradition und das progressive Design der Street und Speed Triples zu einer Markenidentität zu verbinden?
Wood: Wenn man ein Kind bitten würde, ein Motorrad zu zeichnen, würde es wahrscheinlich etwas Ähnliches wie eine Bonneville zeichnen sie ist unser Markenzeichen. Dennoch achten wir darauf, keine Kundengruppe zu verlieren. Eine Triumph muss authentisch, originell, charakterstark und zugleich agil und vertrauenerweckend zu fahren sein und sie muss Spaß machen. Diese Werte drücken wir auf verschiedene Weise aus. Die Modern Classics stehen für unsere lange Tradition und ununterbrochene Produktion seit 1902.
Gleichzeitig haben wir eine tiefe Rennsport-DNA beim ersten Isle of Man TT-Rennen waren wir dabei, das zweite haben wir gewonnen und diese Erfahrung fließt in Modelle wie Trident, Street Triple oder Speed Triple ein. Und auf der Adventure-Seite knüpfen wir an die Geschichte an, etwa an Ted Simons Weltreise auf einer Tiger. So verschmelzen klassische, sportliche und abenteuerliche Linien wie etwa beim Scrambler 1200, der moderne Adventure-Fähigkeiten mit klassischem Triumph-Look verbindet.
Poky: Wie sieht Triumphs Ausrichtung hinsichtlich neuer Technologien aus?
Wood: Wir müssen uns ständig weiterentwickeln und dürfen in diesem Markt nie selbstzufrieden werden. Ein großer Teil davon ist, den Kunden zuzuhören jedes Jahr Tausenden von ihnen. Über zukünftige Projekte kann ich keine Details nennen, aber wir verfolgen die Trends sehr genau. Bei den Bonnevilles ist es spannend zu sehen: Die Leute kaufen sie aus denselben Gründen wie früher wegen ihres Aussehens, ihres Sounds, ihres besonderen Gefühls beim Fahren. Gleichzeitig führen wir moderne Technik ein, wie optimiertes Kurven-ABS, Traktionskontrolle und LED-Beleuchtung über die ganze Modellpalette. Die Erwartungen steigen und wir integrieren neue Technologien schrittweise in alle Plattformen.
Poky: 2022 habt ihr hier auf der EICMA das TE-1-Projekt gezeigt. Jetzt ist von einer elektischen Speedy keine Rede mehr. Spielt Elektrifizierung weiterhin eine Rolle für Triumph?
Wood: Ja, mit der TXP-Reihe elektrischer Kinder-Offroader haben wir bereits einen wichtigen Schritt gemacht. Über weitere Projekte kann ich noch nichts Konkretes sagen, aber als globaler Hersteller prüfen wir alle Optionen. In diesem Bereich wird intensiv geforscht.
Poky: Welche technischen Herausforderungen bringen Emissionsnormen wie Euro 5+ und möglicherweise Euro 6 mit sich?
Wood: Es ist immer ein Balanceakt. Bei der Motorenentwicklung müssen wir Emissionen, Leistung und Verbrauch gleichzeitig optimieren. Die jüngste Tiger 900 zeigt, dass man mehr Leistung bei geringeren Emissionen erreichen kann. Unsere Erfahrungen aus der Moto2 fließen dabei stark ein dort haben wir viel über Effizienz und Reibungsreduktion gelernt. Dieses Wissen nutzen wir, um Motoren zu entwickeln, die je nach Modell unterschiedlich gewichtet sind etwa Performance bei der Speed Triple oder Effizienz bei der Trident oder Tiger Sport.
Poky: Wie siehst du das Moto2-Engagement von Triumph?
Wood: Die Moto2 ist eine fantastische Plattform für uns. Der Vertrag begann 2019 über fünf Jahre und wurde um weitere fünf Jahre verlängert, weil die Zusammenarbeit mit Dorna für beide Seiten hervorragend funktioniert. Die Fahrer lieben den Motor, Rundenzeiten und Rekorde verbessern sich ständig, und der Dreizylinder bietet genau den richtigen Zwischenschritt am Weg von Moto3 in die MotoGP. Ich gehe davon aus, dass diese Partnerschaft noch lange bestehen bleibt.
Poky: Viele Triumphs werden in Thailand und Indien gebaut. Gibt es Pläne, wieder mehr in Großbritannien zu produzieren?
Wood: Wir produzieren weiterhin in Großbritannien, haben aber zusätzlich Werke in Thailand, Brasilien und Indien. Wichtig ist, dass überall die gleichen Prozesse gelten. Gute Produktion hängt von Prozessen ab wenn man sie korrekt ausführt, entsteht Qualität. Alle Werke wurden von denselben Teams wie die britische Fertigung aufgebaut. Wir arbeiten beispielsweise mit computergesteuerten Drehmomentwerkzeugen und verfolgen jede Schraube auf unserem Audit-Trail. Selbst Vorgänge wie das Anziehen der Zylinderkopfschrauben erfolgen automatisiert und in festgelegter Reihenfolge. So stellen wir sicher, dass überall dieselbe Triumph-Qualität entsteht.
Poky: Sind Over-the-Air-Updates ein Thema?
Wood: Wir prüfen alle Möglichkeiten Details kann ich dazu derzeit aber nicht nennen.
Poky: Ist Europa weiterhin der wichtigste Markt?
Wood: Nach Ländern betrachtet ist die USA unser größter Markt. Europa als Region ist zwar größer, aber wir teilen diesen Markt nach einzelnen Ländern auf, in Stückzahlen führt die USA in Stückzahlen.
Poky: Was bedeutet das für Entwicklung und Produktplanung? USA first?
Wood: Jeder Markt ist wichtig. Wir analysieren datenbasiert, wo Potenzial liegt. Die 400er-Modelle sind für Europa also für Einsteiger und A2-Fahrer ideal, aber auch für aufstrebende Märkte interessant. Was in Europa als Einsteigerbike gilt, ist in Ländern wie Indien oft schon ein großes Motorrad. Wir entwickeln Produkte, die in verschiedenen Regionen Sinn ergeben.
Poky: Muss ein neues Produkt immer global funktionieren?
Wood: Nicht zwingend. Motocross zum Beispiel ist in den USA riesig, und auch wenn es in Europa kleiner ist, lohnt sich die Entwicklung, wenn die Chancen in Schlüsselmärkten wie den USA, Deutschland oder Frankreich groß genug sind. Jede Neuentwicklung ist ein Gesamtpaket sie muss wirtschaftlich und strategisch Sinn ergeben.
Poky: In der digitalen Welt sind reale Events noch wichtig für Triumph?
Wood: Absolut. Unser Motto "For the Ride" steht für mehr als nur das Motorrad. Es geht um Gemeinschaft, Freundschaft, Reisen, Abenteuer. Dazu gehören Kleidung, Events und Fahrerlebnisse von Touren über Trackdays bis zu Abenteuern auf der ganzen Welt. In einer digitalen Welt bleibt das reale Fahrerlebnis das Herzstück. Wir wollen möglichst vielen Menschen die Chance geben, Teil dieser Welt zu werden.
Poky: Vielen Dank.
Wood: Danke ebenso.
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Bericht vom 31.12.2025 | 8.041 Aufrufe