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Benda Redstone 1000 R2 im Test

102 PS zwischen Arbeitstier und Offroad-Rakete

102 PS, Allrad, zwei Differenzialsperren und ein Fahrwerk, das selbst brutale Landungen wegsteckt: Die Benda Redstone 1000 R2 tritt nicht als gemütliches Arbeits-ATV an. Im Test überrascht sie vor allem damit, wie kontrolliert sie ihre enorme Leistung auf Straße und im schweren Gelände einsetzen kann.

von Arlo am 23.09.2026

Der Bauer hebt ab

Ich komme über den Table und weiß schon in der Luft: Das war jetzt ein bissl zu motiviert. In solchen Momenten hat man erstaunlich viel Zeit zum Nachdenken. Zum Beispiel darüber, warum ein Bauernbub mit fast einer halben Tonne ATV unter dem Hintern unbedingt fliegen muss. Ich warte also auf den Einschlag, das metallische Durchschlagen und den anschließenden Termin beim Orthopäden. Die Landung kommt hart und direkt ins Flache. Die Redstone federt ein, beruhigt ihre Masse und fährt weiter, als wäre nichts gewesen. Nur der Fahrer schaut kurz ein wenig deppert aus der Wäsche.


Genau da war klar: Die eigentliche Sensation an diesem Gerät sitzt nicht zwischen den Rahmenrohren, sondern darunter. Leistung haben starke ATVs mittlerweile genug. Entscheidend ist, ob der Rest des Fahrzeugs damit auch etwas anfangen kann. Die Redstone fühlt sich satt, massiv und vertrauenerweckend an. Und weil Benda das Ganze in eine ziemlich futuristische Hülle steckt, wirkt der Hobel neben so manchem konservativen Arbeitsgerät beinahe wie ein Requisit aus einem Science-Fiction-Film.


102 PS sind kein Kindergeburtstag

Im Zentrum werkt ein flüssigkeitsgekühlter V2 mit 997,1 cm³, 102 PS und laut globalem Benda-Datenblatt 92 Nm bei 6.500 U/min. Über eine CVT mit L, H, N, R und P geht die Kraft an die Räder. Wer jetzt denkt, das sei ”für ein ATV eh ganz ordentlich”, darf seine Vorstellung von ordentlich kurz neu kalibrieren. Das Ding schiebt richtig an. Auf Asphalt passt diese Gewalt erstaunlich gut, weil man beim Beschleunigen immer reichlich Reserven spürt und den Motor nicht bis zum letzten Atemzug ausquetschen muss.


Im engen Gelände schaut die Sache anders aus. Dort sind 102 PS ungefähr so notwendig wie ein Flammenwerfer beim Kerzenanzünden. Ein unbedachter Zucker mit dem Daumen, und die Hinterreifen beginnen sofort mit einer kleinen geologischen Untersuchung des Untergrunds. Die Leistung ist also nicht das Problem, ihre Dosierung wäre es. Genau deshalb sind die drei Fahrmodi keine Prospekt-Nudlerei, sondern wirklich sinnvoll. Sie machen aus demselben Kraftlackel drei erstaunlich unterschiedliche Geräte.


Drei Modi für grob bis gröber

Der Work-Modus war für mich in schwierigen Offroad-Sektionen die beste Wahl. Die Gasannahme wird sanfter, die Redstone lässt sich langsam und sauber über Hindernisse dirigieren, und man zählt eher Zentimeter als km/h. Auch bei Arbeitseinsätzen mit häufigem Anfahren, Rangieren und Stop-and-Go ergibt das Sinn. Der Standard-Modus ist die goldene Mitte und war deshalb meine häufigste Einstellung: kräftig und spontan, aber noch so kontrollierbar, dass der Daumen nicht bei jeder Bodenwelle einen eigenen Notfallplan braucht.


Sport macht genau das, was draufsteht. Die Gasannahme wird ausgesprochen aggressiv, und auf griffigem Boden ist das herrlich. Im losen Gelände sollte man allerdings Gefühl im Daumen haben, denn aus ”ein bissl mehr” wird verdammt schnell ”jetzt geht die Post ab”. Möglich macht das Ride-by-Wire: Der Daumen gibt nur den Wunsch bekannt, die Elektronik übersetzt ihn je nach Modus. So kann derselbe V2 im Work-Modus feinfühlig herumnudeln und wenige Tastendrücke später den Bauernbub ordentlich beschäftigen.


Das Fahrwerk frisst die Schläge

Das Fahrwerk ist tendenziell straff abgestimmt, aber nicht unnötig ruppig. Auf der Straße bringt das viel Ruhe in den schweren Hobel. Wo weiche ATVs bei höherem Tempo zu schaukeln und zu schwimmen beginnen, bleibt die Redstone satt auf Kurs. Der 1.500 mm lange Radstand hilft dabei natürlich. Selbst in Richtung der für die T3b-Version genannten 110 km/h beginnt sie nicht nervös um die eigene Linie zu suchen. Bei einem großen ATV mit groben Reifen und hohem Schwerpunkt ist das alles andere als selbstverständlich.


Abseits des Asphalts wird es noch beeindruckender. Schlaglöcher werden geschluckt, Whoops lassen sich mit ordentlich Tempo attackieren, und selbst meine wenig elegante Landung ins Flache brachte die Federung nicht zum Durchschlagen. Dabei bleibt genug Präzision übrig, damit das Ganze nicht zur schwammigen Hüpfburg verkommt. Das Fahrwerk steckt also nicht nur viel weg, sondern vermittelt dabei auch Sicherheit. Für mich ist es ganz klar der Star der Redstone – und das bei einem Fahrzeug, das mit 102 PS um Aufmerksamkeit brüllt.


Allrad statt langem Nachdenken

Steil, lose und kaum Grip: Genau dort muss ein ATV zeigen, ob die ganzen Knöpferln nur fürs Prospekt da sind. Bei der Redstone kann man zwischen Zweirad- und Allradantrieb wählen, außerdem stehen Sperren für Vorder- und Hinterachse bereit. Auf losen Auffahrten greifen Fahrwerk, Allrad und Sperren sauber ineinander. Besonders eine schlammige Steinplatte, bei der Reifen und Fahrer normalerweise gemeinsam über eine Umfahrung nachdenken, nahm die Benda ohne großes Theater.


Für die zweite Verteidigungslinie sind Beadlock-Felgen und eine Seilwinde serienmäßig an Bord. Mit den Beadlocks kann man sehr niedrige Reifendrücke fahren, ohne dass der Reifen gleich die Felge verlässt. Und wenn die Physik doch gewinnt, wartet vorne die Winde mit Kunststoffseil und Fernbedienung. Dann fehlt nur noch ein Baum, der stabiler ist als die eigene Fehlentscheidung. So verwandelt sich das Sportgerät ziemlich glaubwürdig in ein Werkzeug für schwieriges Gelände.


Auf Asphalt satt, beim ABS grantig

Auf der Straße fühlt sich die Redstone erstaunlich wenig nach notwendigem Kompromiss an. Natürlich bleibt sie ein großes ATV und wird nicht plötzlich zum Naked Bike. Doch der lange Radstand, das straffe Fahrwerk und der mächtige V2 ergeben zusammen ein souveränes Paket. Gerade hier passt die enorme Leistung besser als in engen Offroad-Passagen: Man beschleunigt zügig, hat Reserven und fährt auch bei höherem Tempo ohne ständige kleine Lenkkorrekturen. Der Kraftlackel kann also nicht nur Dreck umgraben, sondern auch eine flotte Verbindungsetappe.


Mein größter Kritikpunkt ist ausgerechnet das ABS. Bei sportlicher Offroad-Fahrweise greift es teilweise stärker ein, als mir lieb ist. Auf losem Untergrund möchte man beim harten Anbremsen manchmal bewusst Schlupf zulassen und das Fahrzeug arbeiten lassen. Dort nimmt das System einem routinierten Fahrer mitunter mehr Kontrolle aus der Hand, als es zusätzliche Sicherheit bringt. Auf Asphalt relativiert sich die Kritik natürlich deutlich. Im Gelände bleibt aber der Wunsch, dem elektronischen Aufpasser fallweise eine Kaffeepause verordnen zu können.


Vollausstattung ohne Zubehörorgie

Bei vielen ATVs beginnt nach dem Kauf erst die große Zubehör-Nudlerei. Winde, Felgen, Heizgriffe und Komfortzeug wandern Stück für Stück ans Fahrzeug, während das Börsel immer dünner wird. Bei der Redstone ist erstaunlich viel bereits montiert: Sitz- und Griffheizung, TFT-Display, Beadlock-Felgen, Seilwinde samt Kunststoffseil und Fernbedienung sowie drei Ablagefächer. Auch der für ein ATV wirklich große 30-Liter-Tank passt gut zu diesem vielseitigen Ansatz. Die elektrische Servolenkung lässt sich in drei Stufen einstellen. Für den Arbeitseinsatz nennt Benda außerdem bis zu 980 kg gebremste Anhängelast.


Auch die Verarbeitung hinterließ einen starken Eindruck. Saubere Schweißnähte, massiv dimensionierte Radaufhängungen und robuste Bumper wirken nicht, als hätte jemand bloß möglichst viele Hakerln auf einer Ausstattungsliste sammeln wollen. Die Komponenten ergeben im echten Einsatz Sinn. Am Vormittag kann die Redstone Arbeitsgerät sein, am Nachmittag über eine Waldauffahrt kraxeln und danach noch auf Asphalt heimfahren. Für ein erstes großes Auftreten in dieser Klasse ist das keine schlechte Ansage.


Wo sich die Benda einsortiert

Mit ihren 102 PS fährt die Redstone mitten in ein Feld etablierter Kraftlackel. Der Can-Am Outlander XT-P 1000R T ABS liegt für 2026 mit 101 Ps praktisch gleichauf. Polaris setzt beim Sportsman XP 1000 S mit 952 cm³, 89 Ps und üppigen Federwegen einen stärkeren Offroad-Schwerpunkt. Der europäische CFMOTO CForce 1000 Touring bringt 85 PS und 85 Nm, während Segways AT10 aus 999 cm³ 97 Ps und 92 Nm holt. An mangelnder Gesellschaft leidet die Benda also nicht.


Ihre eigene Nische findet sie nicht allein über die Motorleistung. Der interessante Teil ist die Kombination aus dem belastbaren, straffen Fahrwerk, der Sperrentechnik und einer ungewöhnlich kompletten Serienausstattung. Wer nur langsam arbeitet, wird die 102 PS kaum brauchen. Wer Arbeit, sportliches Gelände und schnelle Verbindungsetappen mit einem einzigen Gerät erledigen möchte, kann die Reserven tatsächlich nutzen. Genau diese Bandbreite ist die größte Stärke der Redstone – vorausgesetzt, der Daumen weiß im Sport-Modus, was er tut.


Fazit: Benda Redstone 1000 R2 2026

Die Benda Redstone 1000 R2 lockt mit 102 PS, im Gedächtnis bleibt aber ihr Fahrwerk. Es hält den schweren Hobel auf Asphalt ruhig und steckt im Gelände selbst grobe Schläge und harte Landungen weg. Work, Standard und Sport machen die gewaltige Motorleistung sinnvoll nutzbar, Allrad, zwei Sperren, Beadlocks und Winde sorgen für ernsthafte Geländetauglichkeit. Das kräftig eingreifende ABS stört ambitionierte Offroad-Fahrer, und im engen Gelände ist die Motorleistung eher Luxus als Notwendigkeit. Wer einen starken Alleskönner sucht, darf sich trotzdem fragen: Wie oft bekommt man Arbeitsgerät, Offroad-Rakete und rollendes Heizkissen in einem Paket?


  • enorm kräftiger V2-Motor
  • ausgezeichnetes und durchschlagsicheres Fahrwerk
  • sehr hohe Fahrstabilität auch bei höherem Straßentempo
  • wirkungsvolle Allrad- und Differenzialsperren
  • sinnvoll abgestufte Fahrmodi
  • einzigartiges Design
  • umfangreiche Serienausstattung
  • hochwertige und massive Verarbeitung
  • ABS regelt bei sportlicher Offroad-Fahrweise teilweise zu stark

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