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Die F4 lässt definitiv niemanden kalt. Auch wenn das Design mittlerweile
bekannt ist, betören die 4 Rohre im Heck sowie die edle Erscheinung den
Motorradliebhaber. Dem Motorrad aus der kleinen italienischen
Edelschmiede traut man auf den ersten Blick auch nicht allzu viel zu.
Wie soll diese kleine italienische Firma gegen die Großkonzerne der
Motorradindustrie bestehen können? Doch die F4 wurde scheinbar mit
viel Liebe und auch viel Know-How aufgebaut. Die Sitzposition ist etwas
über den Tank gestreckt. Das mögen vor allem Liebhaber von klassischen
Superbikes, auf anderen Motorrädern sitzt man aber deutlich beweglicher.
Das Chassis selbst ist jedoch ebenso edel wie die Optik des Motorrades
und die hochwertigen Federelemente ebenso. Es ist stabil und gibt dem
Piloten immer glasklares Feedback. Die Maschine fährt präzise und auf
die tolle Gabel kann man sich immer verlassen. Das Federbein könnte
einen Tick sanfter Ansprechen, zu viele Bodenwellen werden ungefiltert
weitergegeben. Doch insgesamt hat die Chassis-Abteilung da einen Top-Job
gemacht. Ebenso zuverlässig arbeitet die Bremsanlage, beim Anbremsen
kommt nur ein Hauch von Unruhe ins Eck. In den Wechselkurven muss man
sich mit der MV ein wenig plagen, das liegt zum einen am stabilen
Chassislayout und zum anderen an der bereits erwähnten Sitzposition.
Chassis super, Motor schwierig

Beim Thema Motor hat das Lob allerdings ein Ende. Von den versprochenen
201 PS im Prospekt bleiben in der Praxis laut MOTORRAD zwar ausreichende
190 PS übrig, diese zu mobilisieren, erfordert allerdings viel Können und
Konzentration. Das Aggregat hat radial angeordnete Ventile, variable
Ansaugtrichter und eine sehr fordernde Motorcharakteristik. Im unteren
Drehzahlbereich liefert die MV zu wenig Power ab, bei 12.000 U/min
schalten die Ansaugtrichter um und es scheint so, als würde NOS die
Brennräume fluten. Die Leistungsexplosion dauert aber viel zu kurz und
der Begrenzer nötigt den hechelnden Piloten zum Gangwechsel. Auch im
Kurvenscheitel ist die Gasannahme schwierig, der Motorlauf ist zu rau
und die Gasannahme einfach nicht sauber genug.
Viel Charakter oder Macke?
Beim Thema Motorabstimmung merkt man ganz deutlich, dass hier eben
doch eine kleine Edelschmiede am Ruder ist. Auf der Rennstrecke können
Profis mit diesem Makel noch irgendwie umgehen, Rookies werden sich da aber
die Zähne ausbeissen. Auch auf der Landstraße wäre die MV ein
traumhaftes Sportmotorrad, wenn der Motor nur ebenso toll abgestimmt
wäre wie das Fahrwerk. So bleibt die MV Agusta dann doch ein Edelrenner
mit kleinen Macken, welcher den einen oder anderen Italo-Genießer
zufrieden stellen wird. Schließlich sind die skizzierten Mängel ja
keinesfalls Macken sondern zeugen von viel Charakter.
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