Urlaub und Fahrtraining in einem - Edelweiss Riding Academy

Fahrkönnen steigern an den schönsten Urlaubsorten der Alpen

Die Edelweiss Riding Academy kombiniert seit 2014 Fahrkurs mit Urlaubsreise. Wie soll das funktionieren? Mit Fahrspaß, Lernwillen und top Strecken. Ich war dabei bei der Riding Academy in Südtirol.

Wir schreiben 2014 und es ist noch früh im Jahr, als ich zusammen mit meinem Kollegen Christian aufbreche, um Fotos und Videos für sein neuestes Tourprojekt zu schießen. Ein Mittelding zwischen Tour und Training soll es werden, halb Urlaub, halb Lehrgang. Flott und sicher auf engen und äußerst kurvigen Bergstraßen zu fahren ist eine Kunst, sagt er, je mehr Fahrer und Fahrerinnen sie beherrschen, desto besser.

Korrektes und sicheres Fahren will gelernt sein

Die Videoschnipsel braucht Christian für seine Präsentation am Morgen des ersten Seminartages, drei Stunden Klassenzimmer sind angedacht. Wir filmen Fahrstile und Vollbremsungen, schnelles Ausweichen und makellose Kurvenlinien. Dann klingelt sein Telefon und während Christian telefoniert, beobachte ich den Verkehr. Wir stehen an einer Art Schikane, sie befindet sich an der Straße zwischen Buchen und dem Weiler Bairbach oberhalb von Telfs in Tirol und wurde angelegt, um die lange Gerade zu unterbrechen und die Leute vom Rasen abzuhalten.

Ein Motorradfahrer nähert sich und ich schaue ihm zu, wie er die Kurve verhunzt. Er lenkt zu früh ein und wird am anderen Ende der Kurve auf die Gegenfahrbahn getragen, wo ihm zum Glück niemand entgegenkommt. Noch denke ich mir nichts dabei, doch auch der nächste Fahrer fährt die Kurve falsch an und muss heftig bremsen, um nicht am Linienbus zu zerschellen. Ich hole meine Videokamera und hoffe, den nächsten Falschfahrer zu erwischen. Und ich erwische ihn, und den übernächsten und den über-übernächsten auch. Während Christian telefoniert (30 Minuten lang!!!), kommen etwa 20 Motorradfahrer durch die Schikane und nur einem einzigen davon gelingt es, die drei Kurven zu durchfahren, ohne sich selbst oder andere zu gefährden. Kurvenfahren scheint tatsächlich eine Kunst zu sein.

Von Jung bis Alt, Frischling bis Rennfahrer - Die Edelweiss Riding Academy ist für alle da

Im Mai geht es dann los mit der Alpen-Fahrakademie und an einigen Schulungstagen bin ich mit dabei, um zu Foto- und Videografieren. Das Teilnehmerfeld ist divers und reicht vom jungen Araber, der kaum das Motorrad gerade halten kann, bis zum renn- und rallyeerprobten Windgesicht. Warum er mit all seiner Erfahrung noch ein Training bucht, frage ich ihn und er antwortet wortkarg und mit zusammengekniffenen Augen wie Clint Eastwood: Wollt mal schaun ob mir noch jemand was beibringen kann. Er sollte noch staunen.

Unser hoch über Bozen gelegenen Basishotel kann man durchaus als luxuriös bezeichnen. Beim Viergängemenü bricht das Eis, wir lernen uns kennen und freuen uns auf den nächsten Tag. Der beginnt mit drei Stunden Theorie und Christian zeigt, welch fähiger Pädagoge in ihm steckt. Danach führt er seine kleine Truppe zum Bozener Safety Park, den Edelweiss exklusiv gebucht hat. Fahrübungen stehen auf dem Programm, von der Vollbremsung über die Kreisfahrt am Lenkanschlag bis hin zum Schneckenrennen. Der Araber ist etwas überfordert und Christian nimmt ihn ein paar Runden lang hinten drauf mit, um ihm den Begriff Fahrdynamik näherzubringen. Ein eindrückliches Erlebnis für beide…

Lernen am lebenden Objekt - Ab geht's auf die Alpenstraßen

Am Dienstag geht es dann hinaus in die freie Wildbahn. Christian kennt gut geeignete Trainingsstrecken mit vielen Kurven aber wenig Verkehr. Jeder Teilnehmer darf mal hinter oder auch vor ihm fahren und so des Instruktors Aufmerksamkeit exklusiv genießen. Bei maximal sechs Teilnehmern kommt jeder zu seinem Recht und wenn man gerade nicht dran ist, kann man entweder trotzdem mitfahren oder allein trainieren. Oder Pause machen. Mit einer Engelsgeduld widmet sich Christian dem jungen Araber, der an jedem Grad zusätzlicher Schräglage eine riesige Freude hat. Die anderen Teilnehmer sind deutlich erfahrener und lernen bei sehr viel höherem Tempo, wie man Kurven hinterschneidet, beim Drücken die Ellenbogen ausstellt und sich von der Blickrichtung um die Biegungen leiten lässt. Es flutscht und alle haben sich ihre Mittagsschnitzel redlich verdient.

Fahrtraining auch für Fortgeschrittene

Am Nachmittag bittet das Windgesicht zum Tanz und Christian grinst. Ich schalte die GoPro an meinem Helm scharf und hänge mich hinten dran. Die verzwurbelte Straße mit ihren 15 Kehren und vielen unregelmäßigen Kurven bietet guten Grip und Christian lässt es laufen. Nur mit großer Mühe und unter Aufbietung aller Drehzahlreserven meiner Triumph Explorer kann ich einigermaßen an den beiden 12er GS dranbleiben, es fliegen die Funken und an filmen ist nicht zu denken. Oben angekommen scheint es mir, als würden die Reifen dampfen. Wohl nur eine optische Täuschung.

Trainer und Schüler klatschen sich ab, sie hatten eine Mordsgaudi. Doch Christian hat durchaus etwas zu kritisieren und erklärt dem Windgesicht genau, wann und wo er die ideale Linie verlassen oder sich verbremst hat. Links umme bist schnöer ois rechts, sagt er und gibt auch gleich einen Tipp, wie man sowas am besten abstellen kann. W. ist sichtlich beeindruckt, dass jemand bei diesem Tempo noch in die Rückspiegel schauen und einen anderen Fahrer beobachten kann, das hätte er nicht für möglich gehalten. Ich auch nicht. Die beiden beschließen, die Strecke nochmal zu fahren, aber jetz amoi a bisserl flott! Beide lachen schallend.

Nach zwei Tagen Training auf den Straßen um Bozen geht es am Donnerstag zum Gardasee. Auf dem Weg warten zahlreiche Pässe, hunderte Kehren, tausende Kurven. Die Straßen sind eng und oft schmutzig, manch eine Kurve zieht sich hinterhältig zu. Christian kümmert sich unermüdlich um alle Teilnehmer, fordert und fördert sie und ist stets gut gelaunt. Der Araber war im Hotel in Klobenstein zurückgeblieben, er hatte Bedenken, wohl nicht zuletzt wegen der dräuenden Regenwolken, die über Nacht den blauen Himmel verdrängt hatten. Bei Nässe, sagt Christian, sind perfekte Technik und eine makellose Linie noch wichtiger als bei Trockenheit. Auf beeindruckende Weise macht er es vor, erklärt und veranschaulicht und man hört die Knoten platzen, reihenweise. Fahren im Regen macht plötzlich Spaß, wer hätte das gedacht?

Edelweiss Riding Academy - Mehrere Standorte für das Erfolgsrezept

Seit diesem denkwürdigen Jahr 2014 läuft die Alps Riding Academy regelmäßig jeden Sommer. Zahlreiche Absolventen konnten ihre Fahrtechnik verbessern, manche nur leicht, andere dagegen entscheidend. Der junge Araber hat über die Jahre gleich mehrere Trainings absolviert und kann inzwischen richtig gut fahren. Seit einiger Zeit bietet Edelweiss die Fahrakademie auch außerhalb des mitteleuropäischen Sommers an, in Südspanien und sogar auf den Kanarischen Inseln. Sie ist ganz und gar kein Mittelding zwischen Urlaub und Lehrgang, sondern schlicht und einfach beides. Ich glaube, ich sollte mal wieder mitfahren, das Videomaterial wird langsam alt…

Möchtet ihr mehr wissen, dann schaut euch hier das Vorstellungsvideo der Edelweiss Riding Academy an.

Bericht vom 26.02.2021 | 3.548 Aufrufe

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