Große Motorraddemo in Wien war ein voller Erfolg

Über 5.000 Motorradfahrer demonstrierten vollkommen friedlich

Die Bedingungen waren perfekt, dennoch hatten die Veranstalter keineswegs mit einem derartigen Zustrom gerechnet. 5.400 Motorradfahrer demonstrierten in Wien gegen Ausgrenzung und Willkür.

Willkürliche Motorrad Fahrverbote waren Anlass für die Kundgebung

Die 60 km/h Beschränkung für Motorräder auf italienischen Passstraßen, realitätsfremde Lautstärkenregulationsforderungen und Wochenendfahrverbote in Deutschland und die 95 dB Regelung im Tiroler Außerfern - 2020 mussten wir Motorradfahrer einiges einstecken. Grund genug für Regina Stiller eine Demonstaration in Wien anzukündigen. Die deutschen Leidgenossen hatten ja schon mit Veranstaltungen in zahlreichen Städten früher im Sommer eindrucksvoll gezeigt, wie man ein Zeichen setzt.

Statt den rund 1.000 erwarteten Bikern folgten über 5.000 dem Aufruf in den sozialen Medien und einschlägigen Szeneplattformen wie 1000PS. Trotz Ferienzeit fanden sich stattliche 5.400 Teilnehmer, von der Vespa über Superbikes bis hin zu Cruisern war alles vertreten, bei den Kundgebungen ein. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Wien nicht unbedingt der Motorrad-Hotspot in Österreich ist, weshalb man auf das Personenaufkommen wirklich stolz sein kann.

Politiker signalisieren Gesprächsbereitschaft

Ein großer Erfolg der Initiative passierte bereits im Vorfeld: Alle Verkehrssprecher der im Parlament vertretenen Parteien haben ein Statement ihrer Partei zum Thema 2Rad- Fahrverbote abgegeben und damit anerkannt, dass sie die Themen der Initiative ernst nehmen und an Lösungen interessiert sind. Sämtliche Vertreter äußerten sich in ihren Stellungnahmen positiv gegenüber der Anliegen der Plattform: Keine Fahrverbote, aber Maßnahmen zur Eindämmungübertriebenen Lärms.

Veranstaltungs-Stimmen für ein Miteinander

Organisatorin Regina Stiller: Nie und nimmer hätten wir gedacht, dass so viele Biker kommen würden. Wir hatten mit rund 1000 gerechnet, 5400 sind es schlussendlich geworden. Alle waren extrem diszipliniert und haben unseren neu entwickelten Slogan Du hast es in der (Gas)Hand perfekt umgesetzt. Unser Dank gilt vor allem auch der Polizei für die vorbildliche Begleitung und der Geschäftsführung von Kika/Leiner. Es war ein Tag des aufeinander Zugehens und das wird es auch in der nahen Zukunft brauchen, um das Thema Lärm zur Zufriedenheit aller, wo wir natürlich primär die Rechte der Biker im Fokus haben, zu lösen. Motorradfahrverbote sind keine Lösung, das können wir nicht akzeptieren! Wir sind aber bereit, unseren Beitrag zur Lärmreduzierung zu leisten und in diesbezügliche Gespräche einzutreten. Wenn die Politik weiter mit Straßensperren agiert, wird das nicht die letzte Kundgebung gewesen sein, dann würden wir auch noch in die Bundesländer gehen.

Wir können nicht Lärm mit Lärm bekämpfen!, betonte KR Ferdinand O. Fischer als Vertreter der österreichischen Zweiradhändler. Auch die Motoradfahrer werden einen Beitrag leisten müssen, um das Thema Lärm zu begrenzen und der Gesellschaft und damit in Folge auch der Politik, die auf gesellschaftliche Entwicklungen reagiert, entgegenzukommen." so Fischer weiter. Das war auch eine der zentralen Botschaften der Kundgebung. Ausdruck dieser Haltung ist u. a. der Aufkleber Du hast es in der (Gas)Hand, der an die Teilnehmer der Kundgebung verteilt wurde. Zudem hat die ARGE 2Rad (Interessenvertretung der österreichischen Motorradindustrie) die Kampagne Fahr ruhig weiter ins Leben gerufen, die auf eine freiwillige Reduzierung der Lautstärke beim Motorradfahren setzt. Diese Kampagne begrüßen wir sehr, zeigt sie doch, dass das Bewusstsein der Industrie vorhanden ist, dass sie und die Motorradcommunity einen Beitrag zur Reduzierung des Lärms leisten müssen, um Streckensperrungen rückgängig gemacht zu bekommen und um weitere Entwicklungen in diese Richtung zu verhindern. Aber eines steht fest: Gegen Verbote werden wir weiterhin entschieden auftreten, so Fischer.

1000PS mittendrin statt nur dabei

Zonko und Horvath, aber auch der Wolf waren unter den Teilnehmern und führten zahllose Gespräche mit den Demonstranten. Alle waren begeistert vom Gemeinschaftsgefühl und der lockeren Atmosphäre vor Ort. Ein beeindruckendes Stimmungsbild vermittelt euch der Facebook-Livestream direkt von der Demo.

Zukunft des Zweirads steht am Spiel

Es bleibt zu hoffen, dass Veranstaltungen wie diese die Entscheidungsträger in Österreich aber auch in anderen europäischen Ländern dazu anhalten nachzudenken, wie eine gemeinsame Zukunft, die alle Seiten gleichermaßen berücksichtigt, aussehen kann. Schließlich hat die Zweiradbranche in der gesamten DACH-Region aber insbesondere in Österreich spürbare wirtschaftliche Bedeutung. Der Jahresumsatz der Zweirad-Wirtschaft inklusive der Wertschöpfungskette beträgt in Österreich rund 2,9 Mrd. Euro jährlich, Tendenz steigend.

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Bericht vom 25.08.2020 | 13.644 Aufrufe

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