Aprilia Thunfisch-Ausfahrt in die Kalte Kuchl

Aprilia Thunfisch-Ausfahrt in die Kalte Kuchl

Höllendonner in Mariazell

Die Thunfisch-Ausfahrt in die Kalte Kuchl über Mariazell wurde von Aprilia Österreich organisiert und wie das klassische Cannon-Ball-Rennen nur sehr rudimentär angekündigt. Jetzt, zwei Tage nach der irren Andrückerei mit dem Werks-Thunfisch bin ich noch immer voll euphorisiert – auch wenn mich ein gewisser Herr Künzl bergauf mit seiner gewaltigen RSV4RR Racepack schwer hergerichtet hat.

Um 8 Uhr 45 biege ich auf meinem göttlichen Werks-Thunfisch vulgo Aprilia V4 1100 Tuono Factory zum McDonalds auf der Triester Straße ein und packe es nicht, was sich da abspielt. Trotz trister Wettervorhersage und sehr verhaltener Kommunikation im Facebook warten schon fünfzehn Aprilianer auf den Start zur ersten Thunfisch-Ausfahrt. Ich hatte mit sechs oder sieben Maschinen gerechnet. Wow! Für einen wie mich, der nie eine Ausfahrt in einer Gruppe macht, sind fünfzehn sehr potente Tausender bzw. 1100er auf einen Haufen eine echte Lawine. Und die Stimmung ist vom Fleck weg großartig! Der Organisator Peter Fischer von Aprilia Österreich macht in seinem schwarzen Dainese-Einteiler eine gute Figur und wirkt überraschend fit, obwohl er die gesamte Ration seines gewaltigen China-Einwurfs („All you can eat“) des Vorabends um fünf am Morgen in die große Muschel versenkte („All you can speib“). Inmitten der voll motivierten, bestens gelaunten Aprilianer merkt man jetzt aber dem Fischer keine Schwächung an. Einwenig die Brauen hebe ich, als ich begreife, dass ich und die unerschrockene Beifahrerin eines 1100er RR-Treibers (die Perle von Steinsberg) die einzigen sind, die in Jeans und Motorradjacke antreten. Alle anderen sind voll im Leder. Soso. Ich ahne, dass Fischers Gerede von einer gemütlichen, gemeinsamen Ausfahrt genau so wenig Entsprechung in der Wirklichkeit finden wird wie die Worte vom Chineser: „Gutes Essen, hervorragende Qualität, ganz frisch!“

Mächtige Andrückerei vor dem Herrn!

In der niederösterreichischen Bergwelt Richtung Mariazell geht es dann so zur Sache, dass mir während einer Rauchpause der Alex, der einen bildschönen V2-Thunfisch in der weiß-orangen Lackierung fährt, sein verwundetes Herz ausschüttet: „Mit meinen 139 PS war ich noch in keiner Partie untermotorisiert, aber wenn du mit der V4-Rakete voll aus der Ecke feuerst, verhungere ich mit dem V2 mörderisch hinter dir. Unpackbar! Ich habe echt zu wenig Leistung für diese angeblich gemütliche Ausfahrt. Darüber muss ich nachdenken!“ Ich suche nach verbindlichen, aufmunternden Worten und sage lässig: „Ist ein göttlicher Wahnsinn, was da los ist. Eine mächtige Andrückerei vor dem Herrn!“ Und ich habe noch keine Ahnung, dass mich und meinen 175 PS starken Werks-Thunfisch wenig später der Präsident der „Goddamned Aprilia Bikers“ mit seiner über 200 PS starken RSV4RR Racepack fürchterlich fressen wird. Ein Drama. Nicht einmal die Nähe des Wallfahrtsortes wird mich vor dem obersten Gottverdammten und der Mörderleistung retten können. Herb, sehr herb.

Auch RSV-Maschinen durften mitfahren. War das ein Fehler?

Dass der Fischer das Reglement für RSV-Maschinen geöffnet hat, habe ich großartig gefunden (Thunfische sind im Wesentlichen nackte RSVs), aber hier auf der weitläufigen Steigung des Niederalpls erlebe ich mein Waterloo. Obwohl ich den Werks-Thunfisch jenseits jeglicher Speedlimits vollkommen entfesselt abfeuere und die alpine Welt mörder an mir vorbeifliegt, muss ich ein brachial gieriges, markerschütternd grollendes Donnern wahrnehmen, das eindeutig näher kommt. Kann doch nicht sein! Ich habe 175 PS, die volle Renn-Elektronik und ein Öhlins-Fahrwerk, wer soll mich da auf der Straße herrichten können?! Aber Sekunden später erkenne ich im Augenwinkel neben mir Präsident Künzl in tief gebückter Haltung auf seiner RR, die jenseits der 12.000 min aus dem kurzen G.P.R.-Rohr brüllt wie eine Horde Büffel, denen man in den Sack zwickt. Ich stoße ein klerikal angehauchtes „Jössasmariandjosef!“ aus und lege voller Verzweiflung rasch ein „Heilige Maria, hilf!“ nach, aber der Gebückte frisst mich gnadenlos, zieht unhaltbar davon und winkelt vorne in die Linke am Knie ab wie der Leibhaftige. Keine Chance! Na habedehre! Was für eine Herbrennung! Meine in den Jahren gereifte Überzeugung, dass es keine schnellen Partien auf der Straße mehr gibt, muss ich dringend überdenken.

Oberösterreich und Steiermark mit von der Partie!

Im Bergland stoßen noch drei Tuono RR-Treiber aus der Steiermark und in Mariazell eine fünfköpfige Delegation aus Oberösterreich zur ersten Thunfisch-Ausfahrt. Somit sind wir über zwanzig Aprilias, die in Richtung Kalte Kuchl donnern und klar machen, warum die sportorientierten, scharfen Eisen aus Noale auch gerne „Abrüllas“ genannt werden. Einfach ein unverwechselbarer, göttlicher Sound! Und eine mächtige Performance! In der Kalten Kuchl werden Schnitzel, Schweinsbraten und Topfenstrudel eingeworfen, und es wird fest parliert. Manches davon findet man im Facebook-Live-Video auf 1000ps.at, ausführlicher ist die große Gesprächsrunde auf meinem youtube-Kanal (Fritz Zonko Triendl). Was darf ich abschließend sagen? Nun, erstens war es mir eine große Freude und Ehre zugleich, bei der Thunfisch-Ausfahrt Feuer zu geben. Zweitens hat mich die Homogenität der Gruppe aus ganz verschiedenen Lebensbereichen beeindruckt - Aprilia verbindet offensichtlich sehr. Drittens war die Stimmung einfach großartig. Viertens war die Organisation richtig gut und dennoch vollkommen unaufdringlich im Hintergrund. Und fünftens werde ich mir merken, was eine gemütliche Ausfahrt im Aprilia-Jargon bedeutet. Wie der Peter Fischer im Video-Interview sagt: „Mit einer scharfen Aprilia kann man nicht wirklich langsam fahren.“ Freuen wir uns auf 2018, wenn dann die zweite Thunfisch-Ausfahrt stattfindet. Hoch lebe Aprilia! Was für ein genial herrlicher Tag!

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Bericht vom 20.06.2017 | 13.320 Aufrufe

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