SpeedWeekend Rijeka 08

Fremdgehen ist super. Solange du auf nichts Besseres steigst. Wahnsinn in Rijeka.

Honda SpeedWeekend Rijeka 2008

Nötigung! kot muß Fireblade fahren.

 
Nirgendwo sonst herrscht während des SpeedWeekends so eine Urlaubsstimmung wie in Rijeka. Sind es die bereits frühlingshaften Temperaturen? Ist es das Meer in unmittelbarer Nähe, die fabelhaften, unvergleichlich guten Calamari grillia beim unscheinbaren Buffet (wo es auch amerikanische Riesenburger, original kroatische Cevapcici und sogar resche Wiener Schnitzel gibt, alles super frisch) oder das muntere schreien unzähliger Motoren, während sich bei uns noch alles im Winterschlaf wälzt?

Irgendwie viele Kleinigkeiten, die das besondere Flair dieser Rennstrecke und seiner Umgebung ausmachen. On Track zählt allerdings nur eins. Der Grip. Und der ist, wie bereits tausendfach erwähnt, in Grobnik so hoch wie kaum wo sonst. Wer zum ersten Mal am Knie fahren will, ist hier richtig, wer das Gleiche mit dem Ellenbogen machen will, ebenfalls. Von Stürzen ist dagegen dringlichst abzuraten, woran sich die Teilnehmer heuer überraschenderweise fast zu 100% gehalten haben. Einen schweren Fehler habe nur ich begangen.

 

SpeedWeekend Rijeka Video

Ein Wochenende zwischen Rekreation und Racing, in perfekter Harmonie am Mittelmeer vereint. In Rijeka hat die Saison schon längst begonnen, während sich bei uns Fernwärme und Energiewerke die warmen Händchen reiben. Ein Blick in den Frühling, für uns noch die Zukunft.

Wer sich das Video auf seinen Computer downloaden möchte, klickt mit der rechten Maustaste hier und wählt "Ziel speichern unter".

Schnitt: KarolettaLambretta
Videodreh: kot

Der Preis für das schönste Fremdmarken-Motorrad geht an...(Schon alleine der gefräste Ständer!)

Am Donnerstag, den 27. April war es endlich soweit. Ich konnte mein Arbeitsgerät für die Saison 2008, eine CBR600RR im umstrittenen HannSpree Design , in Empfang nehmen. Am Tacho 0 Kilometer, wollte ich sie in den Scudo verladen, am nächsten Tag nach Rijeka rauschen, die Reib’n dort ausladen und like a virgin ein ganzes Wochenende lang voll durchreissen. Eine Honda muß das aushalten, ein Zwedi tut das nicht. „Fohrst da’s eh ein, oder? Fohrst scho a bissl vorher, gö??!!“ Er war ungefähr so besorgt, als ginge es um ein Rendezvous mit seiner 15-jährigen Tochter - falls er eine hätte.

Ja, Honda Mitarbeiter lieben ihre Motorräder. So wurde sie auch vor meinem ersten Turn am Samstag noch von vielen Honda-roten Augen sorgfältig begutachtet. Sind Fliegen auf der Verkleidung zu finden? Wurde sie tatsächlich schon bewegt? Fragen wurden gestellt. Als ich ihnen versichert hatte, die CBR streng nach Vorschrift eingefahren zu haben, war in den Blicken keine Erleichterung oder Sympathie, sondern eher eine gewisse Ablehnung zu lesen. Wieso hat er diese hässlichen Fliegen nicht abgewaschen? Wie kann man dieses wunderschöne Motorrad nur so verkommen lassen? Man muß vorsichtig sein bei Menschen, die echte Leidenschaft für ihre Sache empfinden.

Am Samstag musste ich mich nach der langen Winterpause erneut etwas an das radikale Handling der RR gewöhnen. Wie mit einem Skalpell kann man sich leicht verschneiden, weil das einfach unendlich scharf abbiegt. Am besten ist es, locker zu bleiben und einfach nur zu denken, wo man hin will. Die 185 Kilo leichte CBR versteht deine Wünsche und ist willig, sie auf der Stelle umzusetzen. So intuitiv zu fahren ist keine andere. Auf der Rennstrecke in Rijeka gibt es einige knifflige Stellen, die viel schnellen Körpereinsatz erfordern. Was mir mit der Movistar CBR noch deutliche Probleme bereitete, war mit der neuen kaum noch zu spüren.

An einigen Stellen dachte ich sogar, sie wären geändert, abgeschwächt worden. ‚Wurde hier etwa ein neuer Streckenverlauf gelegt?’ Kein Wunder also, dass mich einige Tausender im Winkelwerk nicht aus ihrem Windschatten abschütteln konnten, sondern erst, als es auf die Geraden ging. Ein gutes Gefühl, die Großen ärgern zu können. Einzig die für die Straße hervorragenden Bridgestone BT-015 R waren mit dem brutalen Asphalt nach einigen Runden überfordert und fingen an zu schmieren, ich blieb aber trotzdem immer die volle Zeit draußen und hatte mich bald darauf eingestellt. War im Endeffekt kein Problem mit dieser Schwäche zu leben.

Irgendwann wurde mir dann von Zwedi ein Turn mit der neuen, ultra-scharfen CBR1000RR Fireblade angeboten. Ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte. Oder doch? Ich wünschte, ich hätte es bleiben lassen.

Was kann der Sigismund dafür daß er so schön ist?
Bitte nicht stürzen.

Fehlt dir was? Auch Besucher hielten Blinker und Nummerschild nicht unbedingt für notwendig.

Nummerschild Variante 2, die entschärfte Version. Vorhanden ja, sichtbar nein.

Ja, ich will.

 
Sonntag, 30. März, 15:00 Uhr, der letzte Turn der Profi Gruppe (Hatte ich schon erwähnt, dass ich in die Profi Gruppe aufgestiegen bin?). Ich versuchte, mich an Zwedi vorbei zu schleichen. Als ich schon fast draußen war, ruft mir plötzlich jemand im militärischen Ton ein kurzes und bestimmtes „HE!“ in den Rücken. Ui, erwischt, jetzt bist du dran. Als ich mich umdrehe, kommt mir Zwedi, der gerade dabei war, seinen Oberkörper unter den Sonnenstrahlen sommertauglich zu tönen, entgegen, um mir erneut eine Fahrt mit der Fireblade nahe zu legen. Dieses Wochenende soll also doch nicht sturzfrei zu Ende gehen, dachte ich. Wenn ich Glück habe bleibt’s bei einem Ausritt.

Die ersten Meter standen, wie zu erwarten, gänzlich im Zeichen der Angst. Abzuschätzen, wie viel Gas man mit 58 PS mehr aus den Kurven raus noch geben kann, ohne die Haftung und viel Geld zu verlieren, ist nichts, was du nach der zweiten Links im Griff hast. Wieviele Runden werde ich brauchen? 5, 10 oder den ganzen Turn? Jetzt der Schock. Es dauerte wirklich nur bis zur zweiten Links. Die Leistungsabgabe der Fireblade funktioniert genauso sagenhaft wie das Handling der 600er. Der kontrollierte Wahnsinn. Zwedi drückte das mit seinen eigenen, wahnsinnigen Worten aus, als er sich die vom Muschelasphalt abgekratzten Reifen der Blade ansah: „Die sind schon sehr erledigt. Aber das kann man mit dem Gas so gut kontrollieren. Auch mit hinnigen Reifen, weil’s einfach Spaß macht.“ Bedenklich. Die 25 Minuten auf der Feuerklinge waren jedenfalls die besten, härtesten und geilsten 25 Minuten, die ich je auf der Rennstrecke erlebt habe, vielleicht die besten 25 Minuten überhaupt. Zwedis Kommentar zu meinen Fahrleistungen war, wie nicht anders zu erwarten, verheerend: "Bist du letztes Jahr schon am Knie g'fahrn? Hast dich eh gesteigert."

 

Der traurigste Moment. Die Rückkehr in die Boxengasse.

Noch trauriger. Die Rückkehr auf dem Fetzenwagerl.

 

Wenn sich die Reifen unter dem Druck von 178 PS am körnigen Asphalt die Zähne ausbeißen und du das Gefühl hast, der Gummi dreht sich auf der Felge, wenn du von Kurve zu Kurve scheinbar durch ein Wurmloch fährst, wo unmittelbar nach dem letzten Kurvenausgang der nächste Kurveneingang folgt und dazwischen ist nichts; wenn du dich auf der Geraden an 600er, die Minuten vor dir schon beschleunigt haben, heransaugst wie ein Kampfjet (Sowas HAB ICH NOCH NICHT ERLEBT!!!) dann sitzt du auf einem 1000er Supersportler, dem grenzwertigsten Stück Fahrzeug, das man je auf einer öffentlichen Straße bewegt werden durfte. Wie gesagt, der kontrollierte Wahnsinn, mit einem Handling wie das der „alten“ 600er. Völlig irre, pure Euphorie durch 100% frisch gepresstes Adrenalin. Suchtpotential: Sofort und für immer, Heilung ausgeschlossen. Ich kann es jetzt noch kaum glauben, mir stehen beim Schreiben dieser Zeilen die Tränen in den Augen. Hätte nie gedacht, dass es noch so eine immens große Steigerung gibt. Somit ist klar, dass Honda mit der neuen Fireblade ein ähnlicher Meilenstein gelungen ist, wie mit der CBR600RR ein Jahr zuvor. Deshalb tu ich mich jetzt mit meiner etwas schwer. Tut mir eh Leid.

Ich muß mir jetzt ganz stark einreden, dass ich den 600er Supersportler mit dem besten Handling, dem niedrigsten Gewicht und dem (meiner Meinung nach) schönsten Design in der Garage habe, dass es mir egal sein kann, wer sich glücklich schätzen darf, eine Fireblade sein Eigen zu nennen, dass ich niemandem etwas neidig bin und dass sich Diebstahl nicht auszahlt. Und ich muss eine 2-wöchige Rollerkur einlegen, um mich wieder an die lächerlichen 120 PS zu gewöhnen. In Salzburg wird sicher wieder gebladet. 

 

www.speedweekend.honda.at

 

Text: Christoph Lentsch
Fotos: kot, Honda, Anita Kohlweg

 

Bericht vom 02.04.2008 | 13.371 Aufrufe

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