SuMo Training in Ala

Erstes Supermoto Trainingslager 2006 in Ala. Kot stürzt und signiert seine Husqi mit italienischem Asphalt.

Supermoto-Training in Ala mit G. Sendlhofer


Ich stand mit Erich Haberler am Zaun und starrte mit gelähmtem Blick auf die vor uns liegende Supermoto Strecke, die Pista Ala.
Ich gestand ihm in diesem intimen Augenblick meine Angst vor dem bevorstehenden Donnerwetter, das losbrechen würde, wenn sich all diese feinen Supermoto-Geräte mit Racing Gummis, Sportauspuffen und sonst nur dem Allernötigsten ausgestattet, mit ihren Reitern auf den Asphalt begeben und ich ganz normal darin untergehen würde. Ich darf hier nicht letzter sein, nein, ich muss Anschluss finden. Er machte auf TV-Prediger Jürgen Fliege und fand weise Worte: "Geh, vergiß es, des Wichtigste is', daß'd am Mittwoch g'sund ham kummst" Richtig, dachte ich mir, und das Unwichtigste ist, über den Lenker abzusteigen. Wieso ich genau das tat, ist mir ein Rätsel.

 

Nur echt, mit diesem Zeichen: Original Sendlhofer Training vor mondäner Kulisse

Die Kartstrecke in Ala, nahe des Gardasees. Zu meinem Glück ohne Offroadteil.

 

Der Sprung ins kalte Wasser - wie immer
Ich war bis dato erst einmal auf einer Kartstrecke unterwegs gewesen und das war mit der KTM 950 Supermoto, deshalb fühlte ich mich gut mit einem komplett neuen Kampfgerät (Husqvarna SM450R) und neuer Fahrerausstattung von der Ferse bis zum Scheitel, neben Leuten wie Rene Esterbauer und sonst auch eher versierten Piloten meine ersten, echten Supermoto Runden zu drehen. 

Shootingstar oder One-Hit-Wonder?
Bei meinen ersten Runden erlebte ich dann das vermeintlich große Wunder. Ich konnte mit einigen Herren mithalten. Unglaublich. Das lag nicht nur an der überraschend großen Leistung der Husqvarna (geht enorm!) sondern auch an meiner wahnwitzigen, todesverachtenden Fahrweise. Ich fuhr, als hätte man mir das Messer angesetzt, völlig panisch im 0 und 1 Modus, ich merkte es nur nicht. Ich hatte meinen Hetzhasen erspäht und jagte ihm hinterher. Nach dem ersten Turn war ich sehr zufrieden. Klares Mittelfeld, echt Spitze.

 

Husqvarna SM450R signiert von kot mit dem Asphalt der Pista Ala. Ein Meisterwerk

Nach einem Sturz bitte lange Zeit im Bus verstecken

 

Dieses war der erste Streich...
Top motiviert ging ich in den nächsten Turn, allerdings mit noch mehr Selbstvertrauen und noch weniger Hirn. In der zweiten Runde traf mich die harte Realität wie eine Flak von Tyson. Vor der ersten ernstzunehmenden Linkskurve tue ich gar nichts, kurz drauf hechte ich aber über den Lenker und mich trifft eine Betonwartsche garstig auf der Hüfte, auch der Helm peppelte kräftig auf. Aua. So einen harten Schlag hatte ich noch nie erlebt. Da spürst du dein eigenes Fleisch ganz deutlich, wie es über seine natürlich Elastizität hinaus gequetscht wird. Ich kraxelte zum Kurveninneren auf die Wiese und versuchte mich auf meine Systeme zu konzentrieren. Die Husqi rauchte, während sich der Luftfilter mit Öl voll sog. 

Die erste Reaktion ist natürlich die Übelkeit, die aus dem Schock über den Sturz und die Ungewissheit über etwaige Verletzungen resultiert. Das macht es wiederum noch schwerer zu erörtern, ob dir jetzt wirklich was fehlt. Später habe ich erfahren, daß ich in zu großer Schräglage zu stark gebremst hatte. Kein Wunder. Meine Hände und Unterarme waren von der Überbelastung so angeschwollen und verkrampft, daß ich noch so viel Gefühl in den Fingern hatte wie Messner in seinen Zehen. Ein Sturz war unvermeidlich.

 

Einer, der es kann (Christian Kohlbacher)...

...und einer, der es nicht kann (kot)

 

Ich erwartete weniger eine Standpauke vom Besitzer des Motorrads und Organisator des Trainings, Günther Sendlhofer, sondern ganz einfach einen Anschiss. Mit einer kleinen Verbremserei hatte ich die gesamte neue Austattung samt Motorrad zu beschädigt. Ich parkte die Husqi neben dem Intercup-Zelt, ging zum 1000PS Bus und suchte dann lange nach dem passenden Werkzeug um den Auspuff wieder hinzukriegen. Tatsächlich wollte ich mich nur verstecken. Doch als ich zurückkam, stand dort schon der Sendi. Er gratulierte mir und analysierte professionell und emotionslos die Lage: "Aha, da is Öl in den Luftfilter g'ronnen...Auspuff müß ma zurückklopfen..." Offenbar und glücklicherweise wurde die Brez'n als Feuerprobe zur Kenntnis genommen. No bad feelings. Ich war wieder motiviert.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nur mit entsprechender Gewalt.
Das Schöne an einem Sturz ist der überaus hohe und umfassende Lernfaktor. Laut dem großen Philosophen Sir Karl Popper dienen Fehler dem Lernen in einem Prozess der Evolution, und was könnte ein größerer Fehler sein, als zu stürzen? Ein Sturz ist der vollkommene Verlust der Kontrolle. Wie soll man jemals dauerhaft am Limit fahren können, wenn man nie gesehen, was hinter dem Limit liegt, nämlich Schmerz? Der Sturz nimmt dich und setzt dich wieder auf eine niedrigere Stufe herab und ermöglicht dir quasi einen Neuanfang. Und genau das wird dich weiter bringen, als es gegangen wäre, wäre er nie passiert. Auch Günther Sendlhofer meinte, daß mich mein aggressiver, stresserfüllter Fahrstil nicht weit gebracht hätte, außer ins Spital: "So wie du fohrst lernst des Fohr'n net." Ich mußte einige Dinge überdenken.

Im Nachhinein betrachtet, war es ein Wunder, daß ich die ersten Runden überstanden habe. Ständige Rutscher in den Kurven, rabiate Handhabung von Gasgriff und Bremse, im Känguruh-Modus (also hüpfend) den Kurven entgegen....Nach dem Stern fuhr ich seltsamerweise entspannter, irgendwie hat sich so auf unnatürliche Weise der Stress abgebaut. Durch die neu gewonnene Sichtweise "Meter machen" statt "Tempo machen" erlebte ich Tag für Tag einen enormen Fortschritt. Wenn der Spaß im Vordergrund steht, kommen die Erfolge von alleine. Man kann eben nichts erzwingen.

 

 

Die Stimmung im Fahrerlager war extrem entspannt und gemütlich. Wann immer man sich bereit dazu fühlte, konnte man auf die Strecke gehen und trainieren. Trotz der großen Teilnehmeranzahl an den ersten beiden Tagen regelte sich der Verkehr auf dem Kurs von selbst und war nie überfüllt. Auch zwischen langsamen und schnellen Fahrern gab es nie Konflikte, da stets diszipliniert gefahren wurde. In der Mittagspause genoß man beste italienische Pasta in der Kantine und ließ sich auf der Tribüne die Sonne auf den Bauch scheinen. Die Nähe zum Gardasee lud abends zu einem Besuch in einer der umliegenden, zahlreichen Pizzerias ein. (Ergebnis: 4 Pizzen in 3 Tagen)

Grobe Stürze blieben zum Glück selten, leider brach sich ein Teilnehmer bei einem eigentlich harmlosen Sturz bei 20 km/h zwei Finger an der Wurzel ab. Der Kollege, dem am Ende der Start-Ziel die Bremse den Dienst versagte, bleib wie durch ein Wunder unversehrt.

Auf Wiedersehen
Dieses Event ist für mich nächstes Jahr, sofern es nochmal stattfinden sollte, auf jeden Fall wieder ein Fixtermin. Die perfekte Einstimmung auf die startende Saison. Supermotofahren vom Feinsten in einer wunderschönen Umgebung. Und jeden Tag italienisches Essen ist sowieso ein Traum. Die weiteren Trainingstermine 2006 findet ihr unten links.

 
Die nächsten Trainingstermine
  • 07. Mai Neutal

  • 18. Juni Neutal

  • 08. Juli  Neutal Lehrgang!

  • 09. Juli Neutal

  • 06. August Neutal

 

Supermoto-Intercup 2006
  • 22. - 23. April GREINBACH (ST) PS - RACING CENTER 

  • 20. - 21. Mai MELK (NÖ) WACHAU-RING 

  • 22. - 23. Juli RIED (O) Messegelände 

  • 12. - 13. August NEUTAL (B), FSZ NEUTAL 

  • 02. - 03. September TIROL (Ort wird noch bekannt gegeben) 

  • 23. - 24. September ASPERN (W), ARBÖ TESTGELÄNDE

  • 07. - 08. Oktober GREINBACH (ST) PS - RACING CENTER

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Fotos: 
www.baunzer.com
Bruno Fontanesi

 

Bericht vom 13.04.2006 | 10.153 Aufrufe

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