Benda Napoleonbob 500 am Love Ride 34: China trifft Schweiz
Mit dem chinesischen Bobber mitten ins grösste Bikerfest
Ein chinesischer Bobber mitten im Konvoi des Love Ride. Klingt nach Reibung, ist aber genau richtig. 7500 Besucher, 267 Mitfahrende mit Beeinträchtigung, traumhaftes Wetter über dem Flugplatz Dübendorf und mittendrin die Benda Napoleonbob 500. Abgeholt bei Makzary in Gränichen, eine Stunde Autobahn nach Zürich, eineinhalb Stunden Konvoi durchs Zürcher Unter- und Oberland und wieder zurück. Genug Zeit, um herauszufinden, ob dieser 500er Bobber mehr ist als nur eine schicke Erscheinung.
Makzary in Gränichen: Schweizer Händler für Benda, Voge. Zontes und bald ZX Moto
Bevor das Motorrad überhaupt einen Meter gerollt ist, beginnt diese Geschichte in Gränichen. Dort sitzt Makzary, geführt von zwei jungen, dynamischen Köpfen, die das Geschäft aktuell noch im Teilzeitmodus betreiben, aber Grosses vorhaben. Und sich stetig vorarbeiten. Wer den Showroom betritt, merkt: Hier wird nicht alles und nichts verkauft, sondern eine ganz klare Linie gefahren. Makzary setzt voll und ganz auf chinesische Marken. Voge, Zontes, Benda und ab Sommer 2026 als einer der ersten offiziellen Schweizer Händler auch ZX Moto.
Diese ZX Moto Geschichte muss man kurz einordnen, denn sie ist kein Zufall in dieser Kette. Die Marke wurde erst 2024 gegründet von Zhang Xue, dem ehemaligen Mitgründer von Kove, und holte im März 2026 in Portimão den ersten WSBK Doppelsieg überhaupt für eine chinesische Marke in der Supersport Klasse. Ein historischer Schritt in einem Sport, in dem 38 Jahre lang nur europäische und japanische Hersteller ganz oben gestanden haben. Und auf diese Welle springt Makzary auf, bevor andere überhaupt von dem Namen richtig gehört haben.
Konkret sind bei Makzary vorerst drei Modelle in der Schweiz geplant. Den Einstieg macht voraussichtlich ab Juni 2026 die ZX Moto 500 RR, die auch als 35 kW Variante angeboten wird, zum Nettopreis von CHF 6990. Im September 2026 folgt voraussichtlich die offene 820 RR für CHF 8990 netto. Wer das volle Programm will, wartet auf die 820 RR-R, die voraussichtlich ab Februar 2027 für CHF 10'490 netto erhältlich sein soll, allerdings als reine Racing Variante.
Was die beiden Inhaber besonders macht, ist die Mischung aus Spezialwissen und entspannter Atmosphäre. Wer hier vorbeigeht, bekommt kein Verkaufsritual, sondern wirklich gute Gespräche über Motorräder. Das Sortiment trifft besonders jüngere Biker, weil die Auswahl an 35 kW Maschinen überraschend gross ist. Wer den A2 Schein hat und Charakter sucht, wird hier fündig. Und für alle, die in Richtung Adventure schielen, stehen ebenfalls einige spannende Modelle im Showroom. Ein Besuch lohnt sich, schon allein um zu sehen, wie ein Schweizer Händler konsequent eine Strategie verfolgt, statt einfach mit dem Strom zu schwimmen.
Erster Eindruck der Benda Napoleonbob 500: Sound und Design überraschen
Bei der Benda Napoleonbob 500 beginnt der erste Eindruck, bevor sich auch nur ein Rad bewegt. Schon im Stand kommt aus dem Auspuff ein Sound, der bei einem 500 ccm Bobber so eigentlich nicht zu erwarten ist. Tief, bollernd, charaktervoll. Was viele auf den ersten Blick nicht erwarten: Unter dem Tank arbeitet kein Parallel Twin, sondern ein V2. Ein V Motor in der A2 Klasse ist eine Seltenheit, und dieser Bauart verdankt die Napoleonbob ihre akustische Glaubwürdigkeit. Sobald man losfährt und das Bike unter Last bringt, dröhnt und brüllt es richtig. Wer einen Bobber fahren will, will diesen Auftritt. Und die Napoleonbob liefert ihn ab Werk.
Mindestens genauso überrascht das Design. Benda lässt seine Modelle in Salzburg gestalten, und das merkt man an jedem Detail. Das Display, die seitlich versetzte Zündung, der Sitz, die Linienführung von Motor und Auspuff. Hier wirkt nichts zusammengewürfelt, alles folgt einer klaren visuellen Sprache. Das Bike ist visuell und auditiv aus einem Guss. Für ein Motorrad in dieser Preisklasse ist das nicht selbstverständlich.
Wo dann doch gespart wurde, zeigt sich beim Blick auf die Tasten am Lenker. Hier wirken die Schalter eine Stufe günstiger als der Rest des Motorrads, und das fällt auf, weil sonst alles so kohärent zusammenpasst. Ein kleines Upgrade auf hochwertigere Schalter würde das Gesamtbild auf einen Schlag stimmiger machen. Ein Kritikpunkt, der sein muss, gerade weil das Bike sonst beweist, dass Benda das Detail sehr wohl beherrscht.
Die 35 kW Leistung mag auf dem Papier bescheiden klingen, in der Praxis schiebt der Twin von unten heraus aber überraschend druckvoll an. Das Bike fährt sich dynamischer als das Bobber Format vermuten lässt, lässt sich sportlich in Kurven legen und bewahrt dabei seine Ruhe. Klar kommt man in engen Kehren irgendwann an die Grenze der Fussrasten, das gehört zu diesem Motorradtyp dazu. Aber die Bandbreite ist grösser als gedacht.
Benda Napoleonbob 500 Autobahnerfahrung: Stabilität bis Dübendorf
Die Anfahrt von Gränichen nach Dübendorf bedeutet rund eine Stunde Autobahn. Klingt erstmal ungemütlich für einen Bobber, war aber überraschend angenehm. Die breiten Reifen geben dem Bike eine Stabilität, die man in dieser Klasse nicht zwingend erwartet. Geradeauslauf souverän, in der Spur ruhig, beim Spurwechsel spielerisch. Mit den 500 ccm und dem früh anliegenden Drehmoment lässt sich auf der Überholspur ordentlich überholen, ohne dass das Bike anfängt zu zappeln.
Windschutz gibt es naturgemäss kaum, aber das ist auch nicht nötig. Bei einem Bobber will man den Wind im Gesicht spüren, und die Napoleonbob bietet keine halbgare Windschutzlösung mit nervigen Verwirbelungen. Manchmal ist gar nichts besser als zu wenig. Das Bike ist ehrlich in dem, was es ist.
Was bei der Ausstattung positiv auffällt: Benda hat sowohl einen USB-A wie auch einen USB-C Port verbaut, beide schön versteckt, aber funktional dimensioniert mit Fast Charging. Mein Akku war im Nu wieder voll. Das ist heute Standard, und Benda erfüllt diesen Standard sauber.
Was mich dafür Nerven gekostet hat, war die Suche nach einer brauchbaren Lösung für eine Phone Mount Montage. Wer heute längere Strecken fährt, navigiert mit dem Handy. Aber genau hier hat Benda mit dem Design vielleicht etwas zu konsequent gestaltet, denn am Lenker eine saubere Halterung anzubringen, war eine Geduldsprobe. Ein klarer Negativpunkt aus Alltagssicht, auch wenn es das ästhetische Gesamtbild des Lenkers nicht stören soll.
Love Ride 34 in Dübendorf: Wenn 7500 Menschen ein Herz bewegen
Auf dem Flugplatz Dübendorf angekommen, wird klar, warum der Love Ride seinen Ruf hat. Unter dem Motto «Ein Herz bewegt!» rollte der 34. Love Ride Switzerland an diesem 3. Mai 2026 über den Flugplatz, und dieses Mal spielte das Wetter mit. Die Tore mussten bereits um 07:40 Uhr geöffnet werden, weil der Andrang so gross war. Insgesamt kamen 7500 Besucherinnen und Besucher, was den Anlass zu Europas grösster Motorrad Benefizveranstaltung macht.
Im Mittelpunkt stehen aber nicht die Zahlen, sondern die Menschen. 267 Personen mit Muskelerkrankung oder Beeinträchtigung konnten ohne Voranmeldung in Seitenwagen oder auf Trikes mitfahren. Angeführt wurde der Konvoi in diesem Jahr von der muskelkranken Susanne Henzmann (24) aus Wölflinswil, die stellvertretend für alle Betroffenen zum Event eingeladen hatte. Die voraussichtliche Spendensumme liegt bei CHF 250'000 zugunsten muskelkranker und beeinträchtigter Menschen.
Auf der Bühne sorgten sechs Bands für Stimmung, von Alternative über Heavy bis zu rund 15 Dudelsackspielern und Drummern der Happy Pipers Lucerne. Mike Pfister und seine Crew lieferten Stunts, die Aussteller belebten das Gelände, die Bands beschallten das Geschehen. Aber das Herzstück war und ist der Ride out.
Was diesen Tag so besonders macht, lässt sich in keiner Medienmitteilung einfangen. Es sind die Tausenden von Motorrädern in einem kilometerlangen Konvoi, die sich durch das Zürcher Unter- und Oberland schieben. Es sind die Menschen am Strassenrand, die grillieren, in Liegestühlen sitzen, in Gärten stehen oder einfach am Strassenrand winken. Schilder werden hochgehalten, High Fives ausgestreckt, Kinder jubeln. Die Strecke ist teils polizeilich abgesperrt und wie immer hervorragend organisiert. Der Love Ride zeigt, wie nah Motorradfahrer am Volk sind, und wie viel Wertschätzung in beide Richtungen fliesst, ganz unabhängig davon, ob jemand selbst je auf einem Bike sass. Das ist für mich das Herz des Bikertums. Alle gehören dazu, alle sind Teil derselben Community. Das gibt jedes Jahr aufs Neue Gänsehaut.
Benda Napoleonbob 500 im Konvoi am Love Ride 2026: Ehrwürdiger Sound zwischen Harleys
Im Ride out der fünften Gruppe ging es mitten hinein in die rund 60 Kilometer lange Ausfahrt. Im Konvoi des Love Ride sind Klappenauspuffe an Harley Davidson Modellen die Norm, und normalerweise hat eine Royal Enfield oder ein anderer kleinhubraumiger Bobber serienmässig akustisch keine Chance.
Klar, mit den brüllenden Big Twins kann die Napoleonbob nicht mithalten. Aber sie hat sich auf einem Niveau eingereiht, das man wirklich heraushört. In dieser Riesenkolonne nicht akustisch unterzugehen, ist für eine 500er kein selbstverständlicher Satz. Das hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Und der Punkt ist: Eine Benda mit Harley zu vergleichen, geht am Wesen beider Marken vorbei. Aber die Napoleonbob ermöglicht etwas, das vorher kaum machbar war. Sie öffnet diese Welt für alle, die noch nicht das Budget oder den grossen Führerausweis haben, sich aber trotzdem in dieser Szene bewegen wollen.
Im Slow Speed Bereich des Konvois, mit langen Phasen im zweiten und dritten Gang, blieb die Bob souverän. Was nach insgesamt rund dreieinhalb Stunden im Sattel allerdings zu spüren war: Mein Rücken war effektiv am Ende. Eine Stunde Anfahrt, eineinhalb Stunden Konvoi, eine Stunde Heimweg. Das ist eine ehrliche Hausnummer für ein Bike, das in dieser Sitzposition genau auf diese Art von Tag noch nicht trainiert ist. Ich bin sonst Tourenfahrzeuge gewohnt, und der Wechsel auf eine Bobber Sitzposition über mehrere Stunden ist ein anderes Spiel. Wer regelmässig in dieser Haltung fährt, baut die richtigen Muskelpartien auf, und dann wird das Ganze deutlich entspannter.
Reaktionen am Love Ride: Was Schweizer Biker zur chinesischen Benda sagen
Ich hatte erwartet, dass eine chinesische Marke an einem Event wie dem Love Ride mehr Diskussionen auslöst. Es gab kuriose Blicke, ein paar Gespräche, aber weniger Aufruhr als gedacht. Was die Leute, die sich umgedreht haben, dann doch faszinierte: dass es ein 500 ccm Bike ist, dass es mit dem A2 Führerausweis fahrbar ist, und dass das Design sich in der Bobber Welt durchaus sehen lässt.
Im ersten Moment hat mich diese überschaubare Aufmerksamkeit etwas erstaunt. Im zweiten Moment habe ich es als Kompliment an Benda umgedeutet. Der Love Ride versammelt unglaublich viele Custombikes, und wenn die Napoleonbob in diesem Umfeld nicht als Fremdkörper wahrgenommen wird, sondern einfach als ein weiteres schönes Bike unter vielen, dann hat das Designteam aus Salzburg seinen Job gut gemacht. Manchmal ist weniger Aufmerksamkeit das grössere Lob als grosse Reden. Es zeigt, dass die Brücke zwischen exklusiver Bobber Ästhetik und zugänglicher Hubraumklasse tatsächlich trägt.
Persönlicher Abschluss: Warum Benda das jüngere Segment ernst nimmt
Was bleibt nach diesem Tag, abseits der Zahlen und Sektionen? Ein Bild, das mich nicht loslässt. Benda erinnert mich an die Mentalität, die ich aus den frühen 2000ern kenne, als europäische und japanische Hersteller noch trauten, masslos zu sein. Übertrieben im Sound, übertrieben im Design, ohne sich selbst zu wichtig zu nehmen. Eine Marke, die versteht, dass 500 Kubik nicht zu wenig sind, wenn man sie mit Charakter inszeniert. Und die nicht vergisst, dass das Ganze auch leistbar bleiben muss.
Das ist keine Konkurrenzansage an Harley Davidson, an Indian oder an irgendeinen der grossen Namen im Bobber Segment. Diese Marken haben ihren Platz, und das ist gut so. Aber bisher gab es kaum jemanden, der die jüngere Generation in diese Welt einlädt. Wer mit 18, 20 oder 22 Jahren auf den Geschmack kommt, hatte lange Zeit schlicht keine zugänglichen Optionen. Hier setzt Benda an, und die Nachfrage ist da. Wer einmal fünf Minuten auf dieser Napoleonbob gesessen hat, kommt mit einem Lachen im Gesicht zurück.
Am Ende geht es im Endeffekt um das: Fahrspass, Emotionen und das Erlebnis eines charaktervollen Motors auf zwei Rädern. Der Love Ride hat einmal mehr gezeigt, dass alle Biker dasselbe Herz teilen, ganz egal woher das Bike kommt. Und dass eine chinesische Marke wie Benda, vermittelt durch einen Schweizer Händler wie Makzary in Gränichen, da längst dazugehört. Wer Vorurteile mitbringt, sollte sich draufsetzen. Mehr als fünf Minuten braucht es nicht.
Bericht vom 05.05.2026 | 13.306 Aufrufe