Suzuki GSX-8S – Fahrgefühl, keine Datenlitanei!

Vom Fahrtechniktraining über Touren bis hin zur Rennstrecke

Im Frühling 2025 fasste ich bei noch ziemlich schattigen Temperaturen die Suzuki GSX-8S aus. Mein Plan: ich werde dieses Bike anständig testen. Und zwar nicht nur ein „25 Grad, Sonne, Lieblingsstrecke“-Luxusprogramm an einem Wochenende und ein Resümee daraus ziehen, nein es soll ein echter Test werden, der alles beinhaltet: von Kurzstrecken bis hin zu langen Touren, Fahrtechniktrainings und Abstecher am Racetrack.

Die ersten 1000km

Die GSX-8S überzeugte von den ersten Metern an mit ihrem drehmomentstarken Motor und agilem Fahrverhalten - da gibt es nix zu meckern. Der Schaltautomat: Mega!
Der Motor leistet 83 PS bei 8500 U/min und 78 Nm/min bei 6800 U/min, klingt nach nicht viel, fühlt sich aber bedeutend stärker an.


Bei Frühtemperaturen um 5 Grad und zum Teil Nieselregen musste ich zu Beginn Vertrauen in die Erstbereifung, den Dunlop Sportmax Roadsport 2, aufbauen. Dabei unterstützte mich die in drei Stufen einstellbare Traktionskontrolle. Sanfte Eingriffe beim Beschleunigen machten es möglich, unter Zeitdruck noch pünktlich und sicher ans Ziel zu kommen.
Eine Griffheizung ist leider Fehlanzeige. So musste ich auf Old-School die Einweg-Gummihandschuhe als Wind- und Wetterschutz unter den Ledernen überziehen. Hilft extrem!


Als Warmduscher setzte ich die GSX-8S die ersten 1000km bei noch kalten Temperaturen eher im Kurzstreckenbereich ein. Ohne Griffheizung und Windschild ist sonst der Schnupfen vorprogrammiert.


Auf meinem täglichen Arbeitsweg ins Fahrtechnikzentrum, 60km am Stück durch ein kurviges Tal, ertappte ich mich täglich dabei, dass ich von Kurve zur Kurve mehr in einen sogenannten Flow kam, da die Suzuki GSX-8S mit ihrem kurzen Radstand spielerisch in die Kurven fällt. Der Grinser unterm Helm war schon um 6:30 Uhr früh zuverlässig da und die Lebensfreude überkam mich.


Nach 1000km Reifenwechsel

Nach 1000km Reifenwechsel, geplant, nicht erzwungen.
Der Dunlop Sportmax Roadsport 2 leistete gute Arbeit bei kühlen Temperaturen, musste aber für ein sportliches Fotoshooting dem Bridgestone S23 weichen.
Neu bereift mit vorne 120/70 R17, hinten 180/55 R17 und serviciert ging mein Test in die nächste Runde.


Die Suzuki GSX-8S vermittelt einen guten und sicheren Stand durch ihre geringe Sitzhöhe von 810mm, was kleineren Biker:innen zugutekommt. Der Kniewinkel ist dennoch ausreichend. Mit einer Körpergröße von 175cm hatte ich selbst bei langen Tagestouren keinerlei Probleme mit meinen Beinen.
Generell ist die Sitzposition angenehm integriert, leicht nach vorne geneigt, aber nicht zu sportlich-radikal. Der breite Lenker lässt Supermoto-Flair aufkommen und die hohen Fußraster lassen auch ein sportliches Fahren zu.


Fahrtechnik – die GSX 8S als Trainingsbike

Spaß ist mit der GSX-8S garantiert, Wheelisieren auf Wunsch auch
Spaß ist mit der GSX-8S garantiert, Wheelisieren auf Wunsch auch

Als professioneller Fahrtechnik Instruktor habe ich die GSX-8S auch als Trainingsbike für mich und meine Teilnehmer:innen eingesetzt.
Bei klassischen Fahrsicherheitsübungen, wie zum Beispiel Notbremsen, dem Ausweichhacken oder am Handling-Parcours zeigt die Suzuki GSX-8S, dass sie ein Allrounder ist.


Notbremsen

Suzuki GSX-8S
2026 in Glass Matte Mechanical Gray nicht mehr verfügbar

Beim Notbremsen arbeitet das ABS mit sanften Eingriffen vielleicht etwas zu konservativ und schenkt dadurch den einen oder anderen Meter her. Die 310mm Doppel-Scheibenbremse mit radial montierten 4-Kolben Sätteln beißt dosierbar gut zu. Mit der richtigen Fahrtechnik bleibt das Hinterrad stehts am Boden, hier ist ein Überschlag fast ausgeschlossen. Das ist nicht selbstverständlich bei einem Radstand von 1465mm. Bei Notbremsübungen erlebte ich bei meinen Trainings schon viele ungewollte Nose-Wheelies bis wilde Salties über das Vorderrad.


Ausweichhacken

Beim Ausweichhacken kommt ihre Agilität zum Tragen. Wendig und spielerisch lässt sich die GSX-8S blitzschnell an einem Hindernis vorbeizirkeln fast schon frech leichtfüßig.


Candy Daring Red
Candy Daring Red

Der Handling-Parcours, die Königsdisziplin

Hier erstarren und scheitern oftmals auch die erfahrensten Biker:innen: ein schmaler Spezialkurs mit vielen engen, im Radius veränderten Kurven, eine Übung, die unter anderem sehr enges Serpentinen fahren und enges Umdrehen simuliert.
Mit jedem Bike bezwingbar, mit jedem Bike machbar, aber mit manchen deutlich einfacher.
Hier gehört auf alle Fälle die Suzuki GSX-8S dazu.
Ihre Agilität gepaart mit dem kräftigen 270° Hubzapfenversatz-Motor, der im unterem Drehzahlbereich ruhig zu Werke geht, erleichtert enges Kurvenfahren um vieles.
Viele meiner Teilnehmer:innen plagen sich mit ihren Bikes. Schwerfälligkeit gepaart mit einem ruppigen Motor machen das vermeintlich schöne Kurven-Fahrvergnügen zu einem Kampf.
Ein Wechsel auf die Suzuki GSX-8S und die richtigen Fahrtechnik-Tipps machen den Handling-Parcours aber einfacher zur meistern.


Rennstrecke: Keine Reifenwärmer, kein Trackumbau!

Natürlich wollte ich auch meinen sportlichen Fetisch befriedigen und somit ging es ab und zu mit der 8S auf die Rennstrecke.
Der Gedanke, Slicks aufzuziehen und auf Zeitenjagd zu gehen, ist als ehemaliger Rennfahrer immer präsent, aber nicht im Sinne eines aussagekräftigen Straßen-Tests.
So wurde die Suzuki GSX-8S ohne Anpassungen vom Ständer gestellt und am Ring mit Straßenreifen bewegt.
Die 41mm USD KYB Upside-Down Gabel ist nicht einstellbar und das einstellbare Zentralfederbein blieb unangetastet.
Dass der vermeintlich schwache Motor mächtig nach vorne schiebt, wusste ich ja von meinen Straßenfahrten. Überrascht hat mich dennoch, dass die GSX-8S bei 170 km/h+ noch sehr freudig ans Gas geht und noch weiter kräftig nach vorne schiebt.


Aber hier muss ich gleich festhalten: Highspeed hin oder her, da liegen nicht die Stärken der kleinen Nackten aus Japan. Kein Windschild, wenig Windschutz, heißt volle Angriffsfläche auf den tapferen Reiter.
Naked-Biker kennen das, lieben das womöglich, mich stört es aber etwas, wenn der Kopf zu wackeln beginnt wie der Wackel-Dackel am Armaturenbrett vom Taxler. Da verstecke ich mich lieber hinter einer Scheibe.
Dennoch ist die Suzuki durchaus am Track ein Bike, mit dem man Spaß haben kann. Die Leistung überfordert nicht, der Schaltautomat und die Anti-Hopping-Kupplung lassen Racingfeeling aufkommen. Ein leicht schwammiges Fahrwerk bei sehr ambitionierter Fahrweise gibt solides Feedback. Die Sitzposition lässt Knieschleifen zu, ohne yoga-ähnliche Verrenkungen am Bike machen zu müssen.
Trackdays sind also umsetzbar!


Knieschleifen ohne yoga-ähnliche Verrenkungen am Bike

Über 10.000km ohne zwischenfälle war die Suzuki GSX-8S eine treue Begleiterin
Sie war ein gutes Alltagsbike, wurde für Straßen-Perfektionstrainings eingesetzt, Tagestouren wurden bestritten und sie meisterte auch Rennstreckeneinsätze, und das alles mit Bravour.
Die Suzuki GSX-8S ist für mich das unterschätzteste Mittelklasse Naked Bike.
Prädikat Empfehlenswert!


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Bericht vom 18.01.2026 | 6.192 Aufrufe

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