Tilsberk DVision HUD für Motorradhelme - Version 2.0 im Test

GPX-Import, Calimoto-Kopplung & mehr - Test der neuen Features

Mit dem DVision Head-Up-Display bietet Tilsberk eine einzigartige Navigationslösung für Motorradfahrer an. Nun gab es ein großes Update inklusive neuer Funktionen für das DVision HUD und wir haben uns angesehen, wie gut die neuen Funktionen in der Praxis funktionieren.

Beim Tilsberk DVision HUD werden Turn-by-turn Navigationsanweisungen und weitere Informationen durch die Spiegelung in einer kleinen Glasscheibe im Motorradhelm in das Sichtfeld projiziert. Klingt nach High-Tech-Hokuspokus, funktioniert aber und hat den entscheidenden Sicherheits-Vorteil, dass man den Blick nicht mehr von der Straße nehmen muss. Letztes Jahr bekamen wir das außergewöhnliche Navigationsgerät zum ersten Mal in unsere Helme, heuer bringt ein großes Update noch einmal neue Funktionen ins Spiel. Da sich das DVision Gerät selbst und die grundlegenden Features aber nicht geändert haben, empfehle ich den ersten Test des Tilsberk DVision Head-Up-Displays für den Motorradhelm für all jene, die mehr zur grundsätzlichen Funktionsweise, der Montage, Vor- und Nachteilen wissen möchten. Hier in diesem Testbericht dreht sich alles um neue Funktionen, überarbeitete Darstellungen und mögliche Kopplungen des Tilsberk DVision.

Tilsberk DVision HUD am Motorrad Test
An der Hardware von Tilsberk, dem DVision Gerät selbst, hat sich nichts geändert. Wie gut das unscheinbare Stück an der Stirn funktioniert, kannst du im oberhalb verlinkten Testbericht vom letzten Jahr nachlesen.

Calimoto im Tilsberk DVision HUD

Streng genommen ist die Kombination von Calimoto-Navigation mit dem Tilsberk HUD nicht Teil des neuen Updates. Die Funktion war bei unserem ersten Test im letzten Jahr aber noch nicht verfügbar, also wollen wir dennoch ein paar Worte dazu verlieren. Kurz zu Calimoto, für jene, die damit noch nicht das Vergnügen hatten: Calimoto ist eine App, die per spezialisiertem Algorithmus die besten, kurvigsten Strecken für Motorradtouren finden soll. Inzwischen wird sie von zahlreichen Bikern genutzt und da macht eine Kopplung mit dem DVision Gerät durchaus Sinn. Direkt in der Calimoto App wird DVision in den Einstellungen ausgewählt und schon klappt die Bluetooth-Kopplung mit dem Gerät unkompliziert und schnell. Dadurch kann man der in der Calimoto App geplanten Route folgen, ohne das Smartphone am Lenker montieren und ständig herabsehen zu müssen. Die Turn-by-turn-Anzeige ist bei der Nutzung mit Calimoto aber wesentlich simpler gehalten, als bei der sonstigen Navigation über die Tilsberk App. Anstatt der vier verschiedenen Darstellungsmodi, werden mit Calimoto im HUD nur die nächste Navigationsanweisung, die gefahrenen Geschwindigkeit und die verbleibenden Kilometer der Route angezeigt. So mancher wünscht sich hier vielleicht die Individualisierungsmöglichkeiten aus der normalen Navigation, doch in der Regel fährt man mit Calimoto auf kurvigen Landstraßen ohne allzu viele Abzweigmöglichkeiten, wodurch auch die vereinfachte Anzeige ihren Zweck erfüllt.

Calimoto mit Tilsberk DVision HUD am Motorrad
Die neue Calimoto Integration im Tilsberk DVision bietet eine vereinfachte Anzeige im Vergleich zu den Standard Layouts, funktioniert aber auf der Landstraße gut.

So richtig Sinn macht die Kombination von Calimoto und Tilsberk DVision erst, wenn man Premium-Zugang zu ersterem hat. Calimoto-Premium kostet 60€/Jahr, dafür bekommt man Features, wie Touren außerhalb der Heimatregion, superkurvige Tourenplanung, verschiedene Kartentypen, Bilder und POIs entlang der Route, Tourenaufzeichnung, persönliche Statistiken und mehr. Um die Kombination von DVision und Calimoto noch attraktiver zu machen, werden von beiden Seiten aus Vergünstigungen angeboten. Beim Kauf eines Tilsberk DVision HUDs gibt es einen Calimoto Gutschein für einen Monat Premium-Zugang dazu. Wenn man sich Calimoto-Premium holt oder schon Nutzer davon ist, kann man das DVision Gerät um 50€ günstiger um 349€ erstehen.

Verbesserte Darstellung beim Tilsberk DVision Head-Up-Display im Test

Beim ersten Test des DVision HUD funktionierte die Darstellung der Navigationsanweisungen nicht einwandfrei. Vor allem im Navigator-Modus mit extra Pfeilen zur Spureinordnung sorgten nicht korrekt dargestellte Symbole für Verwirrung. Im Zuge des neuen Updates wurde die Darstellung noch einmal überarbeitet. Die Pfeile der Turn-by-turn-Navigation sehen jetzt tatsächlich so aus, wie auf der Tilsberk Webseite oder in der App illustriert. Je nach Einsatzzweck und eigenen Wünschen wird einer der vier Darstellungsmodi City, Explorer, Minimalist und Navigator eingestellt. Für urbanere Gebiete, Stadtautobahnen mit vielen Abzweigungen und die dort anspruchsvollere Navigation, ist der Navigator-Modus am besten geeignet. Zwar kommt es aufgrund der grundsätzlichen Limitierungen von Turn-by-turn-Navigation auch jetzt noch zu so manch unklarer Situation, und die Navigationsanweisungen des DVision brauchen schon etwas Eingewöhnungszeit, bis man die Ansagen vollends versteht, doch die Darstellung ist deutlich klarer als zuvor und die Spurhinweise im Navigator-Modus bieten nun einen echten Mehrwert.

Tilsberk DVision HUD Test
Im Navigator Modus werden nun tatsächlich keine Pfeile zur Spureinordnung angezeigt, die die Navigation in der Stadt oder auf mehrspurigen Straßen stark vereinfachen.

Eine weitere positive Veränderung durch das Update ist nun, dass sich der Bildschirm des Smartphones nicht automatisch abdunkelt. So kann man sich das Smartphone am Lenker befestigen, großteils über das HUD navigieren, bei Unsicherheiten auf verworrenen Kreuzungen aber einen schnellen Blick hinunter auf die 3D-Navigation der Tilsberk App werfen und sich so selbst helfen.

GPX-Import für Tilsberk DVision Head-Up-Display Navigation am Motorrad

Ein großer Bestandteil des neuen Updates war der nun mögliche GPX-Import. Da GPX-Dateien zum Standard in der Welt der Routenplanung und Straßennavigation zählen, ist das auf jeden Fall ein Feature, welches vielen Leuten das Leben leichter machen kann. Ich selbst plane meine Routen für eine Reise meist auf dem PC über Garmin Basecamp und spiele die GPX-Dateien dann auf das entsprechende Navigationsgerät. Das ist nun auch recht einfach über die Tilsberk App möglich, wobei es eine große Einschränkung gibt: Es können nur GPX-Routen, nicht aber GPX-Tracks importiert werden. Das trifft vor allem Offroad-Enthusiasten wie mich, wo Tracks der Standard sind, ist aber auch logisch erklärbar. Die Turn-by-turn Navigation ist angewiesen auf Abzweigungsanweisungen, die es aber beim Track nicht gibt. Einem GPX-Track, bei dem Punkte auf der Karte ohne Abzweigungsbefehle abgespeichert werden, kann meiner Einschätzung nach nur mit 3D-Kartennavigation funktionieren.

Tilsberk DVision HUD Test
Der GPX-Import ist ein neues Feature des Tilsberk DVision, funktioniert aber nur mit GPX-Routen.

Der Import von GPX-Routen funktioniert mit dem DVision und der zugehörigen App ganz gut, wenn auch nicht fehlerfrei. Zum Beispiel wollte die App exportierte GPX-Routen von Calimoto partout nicht akzeptieren, schluckte GPX-Exports aus Basecamp oder Kurviger aber ohne zu murren. Ist man einmal in der Navigation, kann noch der Start- und Zielpunkt der Route bearbeitet werden. Aufgrund unterschiedlicher Kartenstandards und Algorithmen im Hintergrund kann die Berechnung und dadurch Gestaltung der Route von der ursprünglichen Planung abweichen. Tilsberk empfiehlt hierfür, dass die Route mit möglichst vielen Zwischenpunkten exportiert wird, da die Abweichungen nur zwischen den Punkten auftreten und so dem System weniger Spielraum dafür bleibt.

Tilsberk DVision Head-Up-Display Navigation am Motorrad mit Tourenspeicher

Ein kleinerer, aber durchaus wichtiger Bestandteil des Updates ist die Erweiterung der Navigation um einen Tourenspeicher. Bisher konnten nur Ziele gespeichert werden, nun werden aber auch ganze Touren über einen kostenlosen Nutzer-Account gespeichert. Dadurch können die abgespeicherten Routen auch geräteübergreifend genutzt und z.B. auf einem Tablet oder PC über die Tilsberk App oder den Browser bearbeitet werden.

Tilsberk DVision HUD Test
Angelegte Touren werden nun in der Tilsberk App gespeichert und können auch geräteübergreifend bearbeitet werden. Mit Premium-Zugang werden auch Kurviger Touren abgespeichert.

Premium-Zugang für Tilsberk DVision Head-Up-Display Navigation am Motorrad

Der letzte große Teil des 2024er Updates ist die Einführung von Premium-Features. Diese richten sich vor allem an jene Motorradfahrer, die das System nicht nur als Head-Up Display mit integrierter Navigation, sondern auch als vollwertiges Tourenplanungs-Tool nutzen möchten. Der Premium-Zugang bietet motorradspezifische, erweiterte Tourenplanung und die Navigation von Rundtouren. Möglich macht es die Implementierung der bekannten Navigationsapp Kurviger. Die Kurviger-Funktionen, wie die Planung von Strecken mit unterschiedlicher Kurvigkeit und mehr, wurden quasi 1:1 übernommen und können nun direkt über die Tilsberk DVision App genutzt werden. Zudem gibt es eine Tilsberk Desktop-App zur ausführlichen Routenplanung am PC oder Mac.

Tilsberk DVision HUD Test
Eine tolle Erweiterung für das DVision: Kurviger Navigation.

Ein weiteres Premium-Funktions-Highlight ist die Einbindung von Echtzeit-Verkehrsdaten: Live-Traffic verbessert die Navigation durch Bereitstellung von Verkehrs-Updates. Das System zeigt in der Premium-Version der App alle Störungen, Straßenarbeiten oder Staus entlang der Route an, und aktualisiert diese in Echtzeit. Das wirkt sich auch auf importierte GPX-Dateien aus. So werden zum Beispiel vorgeplante und überspielte Routen nicht stur nachgefahren, sondern an die aktuellen Gegebenheiten angepasst.

Tilsberk DVision HUD Test
Echtzeit-Verkehrsdaten zählen auch zu den neuen Features und beeinflussen nicht nur die Standard-Navigation, sondern auch importierte GPX-Routen.

Wer bereits Calimoto nutzt oder das DVision HUD nur zur einfachen Navigation von Punkt A nach B verwendet, für diejenigen hält sich der Mehrwert der Premiumfeatures meiner Meinung nach in Grenzen. Doch wer das DVision alleinstehend als vollfunktionales Navigationsgerät nutzen möchte, für den sind die Kurviger-Features und Verkehrsdaten in Echtzeit sehr nützlich. Interessierte Nutzer können die Premium-Variante 14 Tage lang kostenlos testen. Wer sich dafür entscheidet diese länger zu nutzen, hat die Wahl zwischen einer Monatslizenz für 6,99 € oder einer Jahreslizenz für 29,99 €.

Fazit zum zweiten Test des Tilsberk DVision Head-Up-Display fürs Motorrad

Das Update hat dem DVision HUD nicht nur viele neue Features beschert, sondern auch die schon bestehenden Funktionen deutlich verbessert. Alleine der Tourenspeicher und die nun korrekte Darstellung der Navigation sind ein großer Gewinn. Hinzu kommt mit Premium-Zugang die ausgereifte Kurviger-Navigationstechnologie, die ich am Ende meiner Testphase eigentlich hauptsächlich genutzt habe. Mit dem GPX-Import, der Calimoto-Kopplung und Tourenspeicher kommt man aber auch mit der Gratis-Version der Tilsberk App so weit, dass Tagesausflügler und Feierabendtourer meiner Einschätzung nach nichts vermissen sollten.

Tilsberk DVision HUD Test
Das Tilsberk DVision ist zwar noch nicht fehlerlos und ist durch die Einschränkungen der Turn-by-turn-Navigation noch limitiert, funktioniert mit dem neuen Update aber nun besser und bietet wichtige Features.

Meine größten Probleme mit dem DVision fingen dort an, wo die Praktikabilität von Turn-by-turn-Navigationssystemen endet. Im Offroad Einsatz oder dichtem, urbanem Straßennetz, obwohl nahezu gegensätzlich in ihrer Natur, sind beide zu komplex, um noch gut mit einzelnen Navigationsanweisungen zurechtzukommen. Das ist weniger Kritik an dem DVision selbst, sondern ein Problem aller Turn-by-turn-Navigationen. "In 50 m rechts abbiegen" ist bei drei knapp hintereinander abzweigenden Straßen einfach nicht präzise genug. Wer mit dem Motorrad hauptsächlich auf Landstraßen unterwegs ist und obendrein ein Interesse an neuen Technologien besitzt, dem empfehle ich, das DVision auszuprobieren. Nach einer Eingewöhnungsphase hat es tatsächlich den Effekt, dass man wesentlich seltener den Blick von der Straße nimmt. Wer aber auch in größeren Städten oder auf kleinsten Wegen im Gemüse navigieren möchte, der muss entweder etwas Geduld mitbringen, oder darauf warten, dass die tolle HUD-Technologie eine 3D-Karte darstellen kann.

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Bericht vom 05.07.2024 | 6.969 Aufrufe

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